Mittwoch, 15. Mai 2013

FlimmerCASTen #2 - Dämonen. Klingonen und die Zigarette danach

Herzlich Willkommen zur zweiten Ausgabe des FlimmerCASTen mit Antonia und mir (Jan). Diesmal wird tatsächlich nicht viel mehr, als ein Satz über Star Trek verloren, dafür um so mehr über "Evil Dead", dessen Neuauflage am 16. Mai startet. Diesmal haben wir vom gemütlichen Zu Hause ge-podcastet...Ging gut...
Viel Spaß. Wir freuen uns auf eure Kommentare.


Sonntag, 12. Mai 2013

Star Trek Into Darkness

Anm. des Sternenflotten-Oberkommandos: Aus Sicherheitsgründen wird hier lediglich eine bearbeitete Fassung des STID-Berichts veröffentlicht. Geheime Informationen wurden aus dem Text entfernt.


Nach einer schier unendlich langen Wartezeit, die sich vor allem in den letzten Tagen und Stunden ganz besonders gedehnt zu haben schien, ist es in dieser Woche endlich soweit gewesen. Es startete ein Film, deer schon lange vor Erscheinen einige Superlative gebrochen hat. Es ist das meisterwartete Sequel in diesem Kinojahr, dürfte wohl auch der kommerziell erfolgreichste Film des Jahres werden, ist aber gleichzeitig auch der teuerste Ableger dieser Reihe und das Wichtigste: Kein Mensch wusste bis zum Start, worum es gehen soll. Das Konzept funktioniert sogar noch besser; jetzt – nachdem der Film auch bei uns angelaufen ist – halten alle die Klappe, die ihn bereits gesehen haben. Und nach wie vor gibt es nur äußerst spärliche Informationen zur Handlung. Deshalb wird diese heutige Rezension auch zu einer kleinen Herausforderung für mich. Es geht um „Star Trek Into Darkness“

Ein paar Worte zur Handlung: SPOILER! Oha! Da ist er schon, der gefürchtete Spoiler-Alarm. Ich werde einfach mal versuchen, das zu umschreiben, ohne, zu spoilern, okay?
Also: Captain Krik und Mr. Spock sind auf einer Außenmission. Sie befinden sich auf einem kleinen Planeten, dessen Zivilisation noch in einem sehr frühen Stadium der Entwicklung ist. Sie kennen keine Technologie, geschweige denn interstellare Raumschiffe mit Warp-Antrieb. Die Crew der Enterprise muss das Volk allerdings retten, denn in der Nähe der Siedlung ist ein SPOILER!...
Okay, okay! Also: Das Dorf der Eingeborenen wird durch...etwas sehr Großes bedroht. Um sie zu retten, hat Spock einen tollkühnen Plan ausgeheckt. Wenn alles gut geht, werden also der Stamm gerettet und die oberste Direktive wird nicht gebrochen. Natürlich geht alles schief und vor allem, als Spock in Mitten des SPOILER!...
Hm! Überspringen wir diesen Teil einfach. Kirk und Spock landen jedenfalls im Büro von Admiral Pike, der die beiden ordentlich zusammen staucht und Kirk das Kommando über die Enterprise entzieht. Der Zeitpunkt könnte nicht ungünstiger sein, denn in diesem Moment verübt ein unbekannter Terrorist einen Anschlag in London, bei dem viele unschuldige Menschen sterben. Bevor das Oberkommando reagieren kann, tritt der Unbekannte wieder auf den Plan und etwas unfassbares geschieht. Nämlich SPOILER!
Wie auch immer: Kirk erhält den Auftrag, den Verbrecher zu jagen. Der ist nämlich nach SPOILER!...also zu einem Planeten geflohen, der uns allen nicht unbekannt sein dürfte, um sich dort zu verstecken. Es folgt eine denkwürdige Konfrontation mit SPOILER!...Leute! So macht das keinen Spaß!
Der Terrorist wird jedenfalls irgendwie gefasst, auf diesem Planeten, der nicht genannt werden darf voller nicht vorhandener Gefahren.
Kirk merkt jedoch schnell, dass den Mann ein Geheimnis umgibt. Denn sein Name ist SPOILER!

Bitte! Lassen wir das mit der Story sein und gehen direkt weiter. Star Trek ist einfach mal der Traum meiner schlaflosen Sci-Fi-Nächte und auch, wenn ich das oft ganz gut verbergen kann, mutiert der Fanboy in mir zu Klingonen-Größe, wenn wieder ein neuer Kinofilm ansteht. Ich habe mich unglaublich auf diesen Film gefreut, denn der Vorgänger von 2009 war absolut großartig und hat es tatsächlich geschafft, das angestaubte Franchise auf zu peppen, ohne dass der eigentliche Kern verloren ging. Das war der große Pluspunkt dieses Films und der wird – den Gesetzen einer Fortsetzung entsprechend – natürlich weiter geführt. Alles ist noch etwas knalliger, schneller und sieht hübscher aus. Die Figuren werden weiter ausgebaut – Spock erfährt echte Emotionen – und das Universum, welches ja so unfassbar groß unendlich ist, erhält eine noch breitere Dimension. Der Widerpart, der im Vorgänger noch etwas substanzlos war, wird hier solide konstruiert und gespielt von einem ganz schön coolen Benedict Cumberbatch. Es gibt Action, Humor, tragische Einschnitte und es gibt Leonard Nimoy. Alles in allem also genau das, was ich erwartet habe.
Eines jedoch gibt es, was mir im Vergleich zum Vorgänger gefehlt hat. Es fehlt der Mut, wirklich etwas Neues zu machen, obwohl man mit der Story von 2009 doch eben diesen Mut bewiesen hat. Durch das Zeitreiseelement wurde nämlich die gesamte Star Trek-Continuity einfach weg gefegt, und alles hätte neu erzählt werden können. Hier nun passiert das, was ich bereits vermutet habe. Auch, wenn alles neu und anders ist, geschehen wichtige Ereignisse, die man aus den alten Serien und Filmen kennt, irgendwie doch. Das bringt eine Vorhersehbarkeit in die ganze Geschichte, die irgendwie einen Rückschritt bedeutet. Stellenweise wirkt „Star Trek Into Darkness“ nicht wie eine neue Geschichte, sondern wie ein Remake. Und zwar, wie das Remake eines ganz bestimmten Star Trek-Films. Und der heißt SPOILER!
...War ja klar!

„Star Trek Into Darkness“ ist trotzdem super. Es ist wunderschön, mit der Crew in die Weiten des Alls zu reisen. Man fiebert gespannt mit und lässt sich mitreißen. Es funktioniert wunderbar als Actionfilm und als Star Trek-Film. Die vorbehaltlose Begeisterung des Vorgängers will aber nicht so recht aufkommen. Sollte es zu einem dritten Teil kommen, muss wieder etwas Neues her. Los Leute! Traut euch! Ihr habt alle Möglichkeiten! Ihr dürft alles machen! Man hat doch gemerkt, dass es funktioniert. Was übrigens wirklich neu ist, ist der 3D-Effekt und auf den hätte ich verzichten können. Diese bekloppten Brillen drücken einfach zu sehr!

Star Trek Into Darkness (USA, 2013): R.: J.J. Abrams; D.: Chris Pine, Zachary Quinto, Benedict Cumberbatch, u.a.; M.: Michael Giacchino; Offizielle Homepage

In Weimar: CineStar

Kineast im Radio: Jeden Sonntag, 14:00 bis 15:00 Uhr auf Radio Lotte Weimar.

Freitag, 10. Mai 2013

Iron Man 3

Ich hab früher gerne Comics gelesen. Mit einer vor Stolz, nicht wenig angeschwollenen Brust darf ich behaupten, meine Sammlung kann sich sehen lassen. Es befinden sich einige echte Schätze im Regal, nach denen sich manch ein Comicfan noch heute die Finger lecken dürfte. Ich sag nur „Batman“ #497 oder die legendäre #426. Der Kenner hat es gemerkt,: Mein Steckpferd war Batman. Und das führt unweigerlich zum großen Glaubenskrieg mit den Fans von Spider-Man. Was ist besser? Marvel oder DC? Eine gewaltige Frage kosmischen Ausmaßes. Damals wie heute, bin ich außer Stande, sie zu beantworten. Was sich damals in Comicform abgespielt hat, wurde in den letzten Jahren einfach auf die Kinoleinwände transportiert. Vor allem 2013 dürfte der ewige Kampf zwischen Marvel und DC enorm spannend werden. Es kommt Zack Snyders „Man Of Steel“ und kurz vorher – sozusagen auf den letzten Drücker - hat Marvel seine „Phase 2“ gestartet, die mit dem erneuten Aufeinandertreffen der „Avengers“ gipfeln wird. Den Auftakt der neuen Storyline übernimmt – wie schon damals – „Iron Man“ mit seinem dritten Kinofilm. Ob dieser Film mit der schweren Bürde eines dritten Teils zurecht kommt, oder ob er nur noch zum Futter für die Geldmaschine verkommt?

Seit dem letzten Teil ist ganz schön viel passiert. Nachdem Iron-Man den Kampf gegen Ivan Vanko mit Mühe und Not und vor allem mit Hilfe seines Kumpels Warmachine gemeistert hat, begann der ganze Avengers-Ärger. Loki kam nach New York und brachte eine Bande, wütender Außerirdischer mit. Zusammen mit Thor, Captain America, Hulk und einigen schlagkräftigen SHIELD-Agenten konnte Iron-Man die Invasion zurückschlagen. Die Ereignisse sind nicht spurlos an dem Mann hinter der Maske vorüber gegangen. Seit seinem Beinahe-Exitus ist er ruhelos und kann nicht schlafen. Die Zeit verbringt er lieber damit, um weitere Anzüge zu bauen und sich um seine liebste Pepper zu sorgen. Eines Tages tritt ein Terrorist namens Mandarin auf den Plan. Seine Spezialität sind Bombenattentate, mit Vorliebe auf zivile Ziele, also öffentliche Plätze und auch vor Schulen scheint der skrupellose Gangster keinen Halt zu machen. Allerdings gibt es keine konkrete Forderungen. Er will nur, dass es alle immer mitkriegen. Außerdem weiß kein Mensch, wie er es immer wieder schafft, die Bomben zu platzieren. Tony hat irgendwann genug und verkündet im Fernsehen, dass der Mandarin doch einfach vorbei kommen soll und sie würden das wie echte Männer klären. Der Terrorist lässt sich das nicht zweimal sagen und kommt vorbei. Allerdings hat er ein Geschwader Kampfhubschrauber dabei und macht Tonys Anwesen und Versteck dem Erdboden gleich. Tony muss offenbar mit einem ausgeklügelten Plan anrücken, um den Verbrecher zu fassen.

Ich habe absichtlich einige wichtige Story-Details weg gelassen. Diejenigen, die den Film noch sehen wollen, werden es mir danken und alle, die den Film schon kennen, werden es hoffentlich verstehen. Der dritte „Iron Man“ hat nämlich einen großen Vorteil gegenüber dem Vorgänger. Er wartet mit einer vergleichsweise gut konstruierten Story auf, die einige gut platzierte Wendungen parat hält. So wird mit den Konventionen des Superhelden – und vor allem dessen Gegners - gespielt und der Zuschauer wird immer mal auf die falsche Fährte geführt. Schön ist auch, dass sich die Story relativ weit weg von der ganzen Avengers-Kiste bewegt und trotz der immer komplexer werdenden Continuity im Marvel-Film-Universum, relativ autark da stehen kann. Soll heißen, man muss weder einen der früheren Iron-Man-Filme gesehen haben, noch sämtliche Avengers-Spin-Offs, geschweige denn, den Avengers-Film selbst, um die Handlung hier zu verstehen. Das ist wohl auch die größte Stärke von „Iron-Man 3“. Der Film funktioniert auch, ohne sich Schützenhilfe bei anderen Filmen holen zu müssen. Abgesehen davon hat man versucht, Tony Stark mehr Persönlichkeit und Tiefe zu verleihen. Dabei ist aber die Eindimensionalität dieser Figur nicht verschwunden. Zweifel, Angst und Panikattacken koexistieren also neben den lockeren Sprüchen, dem ausgeprägten Narzissmus und den sexistischen Ausrutschern, die Tony Stark eigentlich zu einer überzeugenden Figur werden ließen. Das Menscheln wirkt aufgesetzt und irgendwie krampfig. Gott sei Dank stört es nicht weiter, denn der Hauptteil des Films lässt es ordentlich krachen. Was die Spezialeffekte angeht, ist hier ein guter Mix aus brachialer CGI-Orgie und einigen handgemachten Kampfeinlagen gelungen. Wirklich die Spucke weg bleibt einem zwar nicht mehr – dafür hat man diese Art Action zu oft in anderen Filmen gesehen – aber das ganze Getöse wirkt ausgeglichen und dem Setting angemessen.
Schließlich gibt es noch ein paar nette kleine Witzchen mit Jarvis, dem Supercomputer, der neuerdings unter Wortfindungsstörungen zu leiden scheint. Wirklich lustig ist ein Dialog zwischen Tony Stark und Jon Favreau – dem Regisseur der ersten beiden Teile und Darsteller des Leibwächters Happy. Im Gespräch geht es immer wieder um dessen neuen Job, und wie schmerzlich er vermisst würde. Das zeugt von einem hohen Maß an Selbstironie und nimmt unmittelbar die Sparpolitik von Marvel aufs Korn, nach der nämlich lieber ein unbekannter Regisseur eingesetzt wird, bevor der schon etablierte Chef auf die Idee kommen könnte, mehr Gage zu fordern.

Ich mochte „Iron-Man“ schon immer und auch im eher schwächeren zweiten Teil hatte ich großen Spaß. Ich bin einigermaßen froh, dass der dritte Teil nun wieder etwas nach oben geht und die ganze Sache überaus befriedigend und auch sinnvoll zu einem Ende führt. Oder doch nicht? Verflucht, nochmal! Da fällt mir doch in diesem Moment ein, dass ich die Post-Credit-Szene nicht geguckt habe, sondern dämlicherweise sofort aufgestanden und zum Klo gerannt bin. Jetzt muss ich mir das ganze Ding noch einmal ansehen...

Iron Man 3 (USA, 2013): R.: Shane Black; D.: Robert Downey Junior, Gwyneth Paltrow, Ben Kingsley, u.a.; M.: Brian Tyler; Offizielle Homepage

In Weimar: CineStar

Kineast im Radio: Jeden Sonntag, 14:00 bis 15:00 Uhr auf Radio Lotte Weimar.

Donnerstag, 9. Mai 2013

Kineast Cast Away...

Er ist vollbracht, der nächste Schritt. Zusammen mit Antonia versuche ich, an dieser Stelle einen regelmäßigen Podcast am Laufen zu halten. Es ist ein Versuch und nach der ersten Ausgabe sind wir erst einmal super euphorisch. Drückt die Daumen, dass es nicht nur bei der einen Folge bleibt und geizt nicht mit motivierenden Arschtritten. Jetzt wünsche ich viel Spaß mit dem ersten "FlimmerCASTen"; es geht natürlich um Star Trek!


Montag, 6. Mai 2013

Oblivion

Neulich hatte ich noch gesagt, ich hätte mal wieder Lust auf eine richtig echte Space-Opera. Wann hat es so etwas gegeben seit „Star Wars“ und „Star Trek“? Es gab da so ein paar Ansätze mit „Riddick“ und bei „Green Lantern“ wurde uns das Blaue vom Himmel versprochen. Erstaunlicherweise hatte ich am ehesten das Gefühl eines großen und lebendigen Universums bei „Starship Troopers“. Die Space-Opera ist ein ganz bestimmtes Subgenre des Sci-Fi, welches irgendwie ausgestorben ist und dank solch ambitionierter Serien wie „Mass Effect“ mittlerweile auf die Konsolen umgezogen ist. Space-Operas eröffnen eine riesige Welt und vermitteln den Eindruck, hier ein lebendiges Universum zu besuchen. In Space Operas werden außerdem hochdramatische Geschichten in epischen Ausmaßen erzählt. Space Operas wollen nichts anderes, als riesig sein und eine Welt erschaffen, die man selbst erforschen möchte. Es sind Geschichten, die dazu animieren können, sich am liebsten sofort in ein Raumschiff setzen zu wollen und los fliegen zu wollen.
 In diesem Jahr wurden nun neben dem heiß erwartete „Star Trek Into Darkness“ noch zwei neue Projekte vorgestellt. Beim Trailer zu „Oblivion“ überkam mich ein leichtes Kribbeln und sogar M. Night Shyamalans „After Earth“ sieht nach frischer Sci-Fi aus. „Oblivion“ ist vor einigen Wochen angelaufen und hat einen gemischten Eindruck hinterlassen.

Die Erde ist kaputt. Irgendwann sind Außerirdische gekommen und haben den Mond zerstört. Das hat eine Reihe verheerender Naturkatastrophen ausgelöst, die fast die ganze Menschheit vernichtet hat. Anschließend landeten die Aliens, um der Erde den Rest zu geben. Doch die Menschen haben sich gewehrt und alles mit Atombomben gepflastert. Das hat den Planeten allerdings vollkommen unbewohnbar gemacht und die Menschen sind zu einer Kolonie zum Titan geflohen. Diese Kolonie braucht allerdings das Wasser der Erde, um zu überleben. Und da kommt Jack ins Spiel. Er ist zusammen mit seiner Kollegin Victoria der letzte Mensch auf dem Planeten. Seine Aufgabe besteht darin, die Wasserkollektoren zu bewachen.
Als Unterstützung hat er eine große Anzahl, super-aggressiver Drohnen, die über die zerstörte Oberfläche patrouillieren und alles platt machen, was den Kollektoren zu nahe kommt. Auf der Erde scheint es nämlich noch ein paar Überlebende der Aliens zu geben. Jack erledigt seine Aufgabe gewissenhaft, doch wird er immer von Träumen und Erinnerungen geplagt, die er eigentlich gar nicht haben kann. In seinen Visionen sieht er immer wieder eine Frau und Szenen aus einer Zeit, zu der er eigentlich noch nicht geboren war. Eines Tages stürzt ein Raumschiff ab und darin macht Jack eine unglaubliche Entdeckung, die sein gesamtes Weltbild durcheinander bringt.

Kommen wir gleich zum Punkt. „Oblivion“ hat es nicht, dieses Gefühl des Großartigen. Vom unglaublich großen und weiten Kosmos ist nämlich nichts zu sehen. Dafür sieht die zerstörte Erde um so überzeugender aus. Die karge Landschaft ist gespickt mit alten Ruinen und Kratern. Überall gibt es stumme Zeugen einer längst vergangenen Zeit. Im krassen Kontrast dazu steht Jacks Haus auf einer Gebirgskette. Erhaben von all der Zerstörung ist hier alles in sauberenm, strahlendem Weiß gehalten. Ebenso die Klamotten und Waffen von Jack. Das Schiff, mit dem der Techniker durch die Gegend fliegt, ist ebenfalls schneeweiß und sauber. Das ist ein schönes Bild und entwickelt einen sehr ansprechenden Look. Auch die Stimmung auf der – häufig recht friedlichen - Erdoberfläche ist gelungen. Hier wird häufig mit langsamen Einstellungen gearbeitet. Man hat viel Zeit, sich umzusehen und die Atmosphäre auf sich wirken zu lassen. Das ist etwas, was in vielen neueren Sci-Fi-Filmen vernachlässigt wird.
„Total Recall“ zum Beispiel hat eine sehr detaillierte Welt entworfen, von der man leider nichts sieht, weil alles so hektisch und schnell erzählt werden muss. Ähnlich, wie bei „Dredd“, der ganz kurz die faszinierende Kulisse der „Megacity One“ zeigt und dann die Handlung ins Innere eines Wolkenkratzers verlegt. In „Oblivion“ spielt sich das Meiste draußen ab und der Film zeigt sogar hin und wieder den Mut, ein völlig fremdes Setting in den Pott zu werfen. So Abwechslungsreich das ganze Setting sein mag und so homogen das alles ineinander fließt, bei der Story haben sie es verkackt. Die ist vollkommen banal und zu hundert Prozent vorhersehbar. Den einzigen Umschwung, der eine andere Dynamik in die Geschichte gebracht hätte, hat man bereits im Trailer verbraten. Das letzte Drittel besteht aus, uninspiriert zusammen geklauten Versatzstücken aus anderen Geschichten. Wenn Jack also im Finale durch ein Best-Of-Pottpurie aus den langweiligsten Elementen aus „Independence Day“, „Apollo 13“ und jeder andere x-beliebige Sci-Fi-Schwarte der letzten Zehn Jahre stolpert und dazu noch ein musikalisches Cresendo läuft, welches bis auf den letzten Ton aus „Inception“ zu stammen scheint, fragt man sich doch, wozu man sich zu Beginn die Mühe gemacht hat, eine so homogene Welt zu erschaffen.

„Oblivion“ will anders sein, als der heutige Action-Sci-Fi-Mix, der uns neuerdings ständig serviert wird. Zu gewissen Teilen gelingt das auch. Der ganze Stil ist frischer und auch Tom Cruise versucht, abseits seiner zwei Gesichtsausdrücke, anders zu sein. Das gelingt ihm aber deshalb nicht richtig, weil seine Figur so blass geraten ist, so, wie die gesamte Story. Das Ende ist schlichtweg dumm und der positive Eindruck, den man während der ersten zwanzig Minuten gewonnen hat, wird innerhalb kürzester Zeit weg gefegt. Das ist mal wieder schade, denn aus der Idee hätte man vielleicht etwas richtig gutes machen können.

Oblivion (USA, 2013): R.: Joseph Kosinski; D.: Tom Cruise, Olga Kurylenko, Morgan Freeman, u.a.; M.: M.8.3.; Offizielle Homepage

In Weimar: CineStar

Kineast im Radio: Jeden Sonntag, 14:00 bis 15:00 Uhr auf Radio Lotte Weimar.

Die Jagd

Thomas Vinterberg ist ein Name, den erstaunlicherweise wenige Menschen kennen. Er ist ein Filmemacher aus Dänemark und das reicht, um ihn in eine Schublade zu schieben. Sein Mentor war Lars von Trier und zusammen mit vielen anderen Kollegen haben sie die Dogma-Reihe etabliert, die in den 90er Jahren so viel diskutiert wurde, wie kaum eine andere Reihe. Eine neue Stilrichtung wurde geschaffen. Manche mochten diesen rohen und unverfälschten Stil mit Shakey-Cam, nicht abgemischten Sound und groben Schnitten. Es gäbe ein Filmerlebnis, welches man sonst nicht hätte. Man bekäme den Eindruck, dabei zu sein. Andere konnten weniger damit anfangen und sahen in den Dogma-Filmen nur einen weiteren Beweis, dass Film als Kunst einfach nicht funktionierte. Einer der wenigen Vertreter, die als „der Dogma-Film“ in Erinnerung geblieben ist, ist „Das Fest“, von dem viele Menschen fälschlicherweise denken, er sei von Lars von Trier und nicht von Vinterberg. Das liegt unter anderem daran, dass dem Film sowohl Vor-, als auch Abspann fehlt. Nun gibt es einen neuen Film von ihm. Nach 15 Jahren, in denen er auf der internationalen Filmbühne beinahe gar nicht aufgetreten ist, kommt nun Vinterbergs „Die Jagd“

Lucas ist Lehrer an einer kleinen Dorfschule. Diese wurde allerdings geschlossen und Lucas wurde entlassen. Außerdem ließ seine Frau sich scheiden und erhielt auch noch das Sorgerecht für den gemeinsamen Sohn. Auch, wenn er viel Pech hatte, genießt Lucas die Unterstützung und das Vertrauen seiner Freunde im Dorf. Besonders Theo hat er es zu verdanken, dass er diese schwere Zeit überstanden hat. Nun scheint es langsam wieder bergauf zu gehen. Lucas hat eine Stelle im Kindergarten bekommen und fühlt sich hier eigentlich ganz wohl. Eine Kollegin dort scheint ein Auge auf ihn geworfen zu haben und sein Sohn stellt fest, dass er lieber bei seinem Vater leben möchte. Doch dann erzählt die kleine Klara im Kindergarten etwas gleichermaßen Merkwürdiges, wie auch Ungeheuerliches. Es hat ganz den Anschein, Lucas hätte sich an der Tochter seines besten Freundes sexuell vergangen.
Ein herbei gerufener Kinderpsychologe bestätigt den Verdacht und Lucas wird umgehend beurlaubt. Schnell macht das Gerücht die Runde im Dorf und Lucas sieht sich plötzlich dem unbändigen Hass all derer gegenüber, die vor kurzem noch seine Freunde gewesen sind. Alle Menschen im Dorf sind absolut von seiner Schuld überzeugt.
Vor lauter Entsetzen und Hass hört niemand mehr auf die kleine Klara, als die berichtet, sie hätte nur etwas Dummes erzählt, um Lucas zu ärgern.
Thomas Vinterberg lässt hier gleich mehrere starke Motive einfließen. Auf der einen Seite sehen wir die Dorfgemeinschaft, die ohne jeden Zweifel und Vorbehalt zusammen hält. Obwohl wir im 21. Jahrhundert leben, und obwohl sie alle so tolerant und mit einer sympathisch, lockeren Lebensart daher kommen, vergehen nur wenige Minuten, bis sie sich regelrecht zusammen rotten und eine standesgemäße Hexenjagd vom Zaun brechen. Plötzlich sind wir wieder im Mittelalter. Das zweite, wesentlich stärkere Motiv, ist die Perspektive des Opfers, aus der der Zuschauer die ganzen Ereignisse hautnah mit erlebt. Wir fühlen die Ratlosigkeit und auch völlige Machtlosigkeit Lucas' und er sieht sich plötzlich in einer fast schon lebensbedrohlichen Umgebung. Am meisten erschreckt einen die Klarheit der Situation. Die Kette der Ereignisse und Umstände, die zu dieser Situation führen, sind völlig klar und nachvollziehbar und an keinem Punkt der Geschichte könnte man sagen: „Hier hätte Lucas etwas anderes machen müssen, damit das alles nicht passiert“. Es geschieht einfach und er hat absolut keine Chance. Es ist auch niemandem so richtig ein Vorwurf zu machen. Selbst bei drastischen Gewaltausbrüchen der Dorfbewohner denkt man sich immer: „Wie würde ich wohl auf so etwas reagieren?“
Eine Szene gibt es, an der die Geschichte noch hätte umschwingen können. Man hofft regelrecht, dass der Besuch des Kinderpsychologen Klarheit bringt, und das Schlimmste verhindert, obwohl wir noch in den ersten zwanzig Minuten des Films sind. Dieser Psychologe ist entweder total inkompetent in seiner Funktion, oder er ist selbst vollkommen aus der Bahn geworfen, angesichts der Vorwürfe. Wie dem auch sei; das Gespräch zwischen dem Psychologen und Klara läuft denkbar schlecht. Er setzt das Mädchen stark unter Druck. Das Kind, welches sechs Jahre alt ist, denkt vielleicht, es bekäme Ärger, wenn es etwas Falsches sagt und bestätigt all die ungeheuerlichen Vorwürfe mit einem simplen Nicken. Das reicht den Erwachsenen und sie blasen zur Jagd.
Vinterberg nimmt großen Abstand von der rohen und wackeligen Ästhetik, die er noch bei „Das Fest“ verwendet hat. Er nimmt sich viel Zeit, um romantische, aber auch beklemmende Bilder zu zeichnen. Irgendwie bringt er die totale Ruhe in den Film. Mads Mikkelsen spielt einen unfassbar guten Lucas. In anderen Rollen war er oft sehr extrovertiert und stand immer einen Tick neben seiner Rolle. Hier ist er total natürlich, aber eben nicht durch aufgesetzte Natürlichkeit, wie sie oft in Dogma-Filmen auftaucht. Hier scheint es nicht so zu sein, als hätte der Regisseur ihm die Anweisung gegeben, jetzt mal ganz natürlich zu sein, das Wesen seiner Figur kommt aus seinem Inneren und wirkt deshalb so überzeugend. Mikkelsen erhielt für diesen Auftritt in Cannes den Preis für die beste männliche Hauptrolle.

„Die Jagd“ ist harter Tobak und schafft es mit einer verblüffenden, aber auch erschreckenden Leichtigkeit, dieses Thema von der anderen Seite aufzurollen. Aus der Perspektive des Opfers hat man eine vermeintliche Missbrauchs-Geschichte noch nie erlebt und irgendwie macht diese Perspektive ein bisschen Angst. Die Möglichkeit, dass man selbst jederzeit mit derartigen Vorwürfen konfrontiert werden könnte, wirkt noch sehr lange nach und lässt den Zuschauer noch länger grübeln.

Jagten (DK, 2012): R.: Thomas Vinterberg; D.: Mads Mikkelsen, Thomas Bo Larsen, Annika Wedderkopp, u.a.; M.: Nikolaj Egelund; Offizielle Homepage

Kineast im Radio: Jeden Sonntag, 14:00 bis 15:00 Uhr auf Radio Lotte Weimar.

Mittwoch, 17. April 2013

The Best Offer

Es ist immer faszinierend, zu welchen Taten ein Mensch fähig ist, wenn er etwas will. Ich meine damit nicht unbedingt Habgier, sondern das Verlangen nach etwas, das eigentlich unerreichbar ist. Ich meine die Obsession, die entfacht wird und die letztendlich dafür sorgt, dass man um sich herum nichts anderes mehr wahrnehmen kann. Das gibt natürlich Stoff für spannende Geschichten. Wenn sie gut erzählt sind, muss die Figur, um die es sich dreht, gar nicht so präzise konstruiert werden, denn die Charaktereigenschaften, die diese Figur glaubhaft machen, entwickeln sich erst mit zunehmendem Verlauf der Geschichte. Man sitzt also im Kino und beobachtet einen Mann, der Schritt für Schritt in sein Verderben läuft. So etwas ähnliches versucht Giuseppe Tornatore, der italienische Regisseur, bei dem die Filmwelt immer den Atem anzuhalten scheint, wenn er einen neuen Film ankündigt. Nach „Cinema Paradiso“ und „Baaria“ kommt nun „The Best Offer“.

Virgil Oldman ist Londons bedeutendster Kunstauktionator. Wenn jemand auf dem Dachboden etwas findet, was er für annähernd wertvoll hält, geht er zu Virgil und lässt es schätzen. Oldman ist sich seines Rufes und seiner Bedeutung durchaus bewusst, weshalb er in den Luxus kommt, sich seine Kunden aussuchen zu können und sich die ein oder andere Macke zu erlauben. Zum Beispiel spricht er nie sofort mit seinen Kunden, sondern lässt von seinem Mitarbeiterstab gründlich fildern. Die Wartelisten sind also lang und nur wenige Kunden kommen in den Genuss Oldmans persönlicher Anwesenheit. An seinem Geburtstag zum Beispiel geht er ins exklusivste Restaurant am Platz und der ganze Raum beobachtet einen missmutigen Mann, der lustlos in seinem Essen herum stochert. Virgil Oldman ist also ein knorriger alter Mann, der nicht besonders gut mit Menschen umgehen kann. Nebenbei ist er aber auch auf der Suche nach etwas und sammelt wie ein Verrückter Portraits von Frauen. Mit Hilfe seines Freundes Billy ersteht er auf seinen eigenen Auktionen Bilder zu geringen Preisen. Bei Bildern, die er haben will, erstellt er falsche Wertgutachten und bezahlt so nur wenige hundertausend Pfund für ein Werk, welches eigentlich Millionen wert ist.
Eines Tages erhält er den Auftrag, die alte Ibbetson-Villa zu besuchen und ein umfassendes Gutachten zu erstellen. Das Haus ist voller Schätze und er kann sich der Faszination dieses Ortes nicht erwehren. Die Auftraggeberin hingegen strapaziert seine Geduld mehr als einmal. Entgegen seiner üblichen Verfahrensweisen, hält er bisher lediglich telefonischen Kontakt und ganz offensichtlich verheimlicht die Frau etwas. Virgil ist empört und will den Auftrag wieder ablehnen. Doch etwas hält ihn ab.

Tornatore hatte immer einen ganz besonderen Stil, Geschichten zu erzählen. Er sucht sich immer ganz spezielle Gegenstände, an denen er dann eine Story epischen Ausmaßes entfalten kann. In „Cinema Paradiso“ waren es ein paar Schnipsel Filmrolle und in „Baaria“ zum Beispielavancierte ein alter Ring in einem halb abgerissenen Haus auf verblüffende Weise zum Schlüsselsymbol. Das funktioniert sehr gut, denn die Gedanken des Zuschauers haben einen Anker, der alles an einem bestimmten Punkt halten kann, um den sich dann die gesamte Story dreht. Ohne, dass es also zu gekünstelt wirkt, bleibt die Geschichte rund und man kann immer alles nachvollziehen. In „The Best Offer“ fehlt dieser eine Punkt irgendwie. Über lange Strecken scheint der rote Faden zu fehlen und das eigentliche Thema des Films erschließt sich erst in den letzten Minuten. Ich habe nichts gegen überraschende Wendungen oder ein schockierendes Ende. Es muss nur nachvollziehbar sein. In „Prestige“ von Christopher Nolan zum Beispiel – ein Film, der eines der großartigsten Enden der Filmgeschichte parat hält – gibt es während des gesamten Films immer wieder Hinweise. Der Zuschauer wird quasi erdrückt mit Hinweisen, die ihm das Ende eigentlich schon verraten. Allerdings wird vorgegaukelt, dass das Thema des Films ein ganz anderes ist. Deshalb ist man am Ende von „Prestige“ so überrascht, obwohl alles logisch und nachvollziehbar bleibt. Ähnlich gut funktioniert es auch in „The Sixth Sense“ von M. Night Shymalan, der hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt sei.
„The Best Offer“ platzt einfach mit einem völlig unlogischen Story-Twist am Ende heraus und es wird nur dadurch erkennbar, wenn man sich nach dem Film direkt mit anderen Kinogästen austauschen kann. Das trägt zwar zur Konversation bei, hinterlässt aber irgendwie einen unbefriedigenden Eindruck. Das ist schade, denn der Großteil des Films ist sehr gelungen. Der Stil ist sozusagen zweigeteilt. Viel Szenen, die im Freien stattfinden sind grau gehalten. Szenen, die in der Villa spielen, oder bei den Auktionen wirken viel wärmer und ihnen haftet ein leichter goldener Schimmer an. Die Figur des Virgils ist voller Widersprüche. Auf der einen Seite mimt er den pedantischen aber ehrbaren Mann, auf der anderen Seite betrügt er die Leute, deren Respekt er förmlich befiehlt, um all die Bilder zu bekommen. Er ist im Grunde nichts anderes, als ein Dieb, der von Obsessionen getrieben wird. Das soll ihm natürlich irgendwann zum Verhängnis werden. Andere Figuren verkommen dafür relativ schnell zu Platzhaltern, um Schlüsselpositionen einzunehmen. Dadurch wirkt ein Großteil des Films blass.

Vorführer Falko hat mir gesagt, ein Kritiker sein kein guter Kritiker, wenn er in einer Rezension die Floskel „Im Vergleich zu seinen früheren Arbeiten...“ benutzt. Aber hier muss ich das tun, denn ich verbinde ganz besondere Erinnerungen mit Tornatore. Als Kind hatte ich die Möglichkeit, eine sehr interessante Auswahl an Filmen sehen zu können. Der erste Videorekorder im Haus wurde genutzt, um alle möglichen Filme aufzunehmen, die im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, oft mitten in der Nacht, gelaufen sind. Neben „Apokalypse Now“, „2010“ oder „Lautlos im Weltall“ war es eben besonders „Cinema Paradiso“, der mich total begeistert hat, und den ich einfach immer und immer wieder sehen wollte. Das ist eben ein früheres Werk Tornatores, welches man nicht mehr vergisst. Ein Film, der sich in jeder kleinen Einzelheit ins Gedächtnis gebrannt hat und natürlich muss sich jeder Film, den er nachliefert dem Vergleich mit „Cinema Paradiso“ stellen. Und im Vergleich dazu, ist „The Best Offer“ sicherlich kein schlechter Film, aber eben blass und irgendwie unfertig. Fast so, als würde ein kleiner Schnipsel Filmrolle, irgendwo mittendrin fehlen.

La migliore offerta (I, GB, 2013): R.: Giuseppe Tornatore; D.: Geoffrey Rush, Liya Kebede, Donald Sutherland, u.a.; M.: Ennio Morricone; Offizielle Homepage

Kineast im Radio: Jeden Sonntag, 14:00 Uhr auf Radio Lotte Weimar.