1987 kam ein Film in die amerikanischen Kinos, der das Publikum so tief spaltete, wie kaum ein Film zuvor. Die einen verteufelten ihn als völlig sinnlosen, superbrutalen Metzelfilm für abgedumpfte Gewaltjunkies, die anderen sahen einen spannenden, intelligenten Actionfilm, der auch noch unterschwellig eine politische Botschaft mit trug. Die Gegner des Films saßen am längeren Hebel und „Predator“ wurde in Deutschland indiziert. Das sorgte natürlich dafür, dass der Film nur einer sehr kleinen Zielgruppe zugänglich war. Dennoch avancierte der Streifen zum Kultklassiker, nicht zuletzt wegen des Nervenkitzels, einen Film zu sehen, der so furchtbar brutal sein sollte, dass er quasi verboten war.
Jetzt läuft in den Kinos die bereits zweite Fortsetzung unter der Regie von Nimrod Antal und der Schirmherrschaft von Robert Rodrigez mit dem schlichten Titel "Predators". Die Erwartungen sind sehr hoch und man glaubt gar nicht, wie sehr sich die Fangemeinde über das kleine "s" im Titel freut.
Rasant geht's los. Der namenlose Held erwacht aus einer Ohnmacht und stellt relativ schnell fest, wo er sich befindet. Beziehungsweise nicht befindet. Im freien Fall rast er auf die bewaldete Oberfläche eines unbekannten Planeten zu.
Das Was, Warum und vor allem das Wo ist erstmal nicht so wichtig, denn kaum gelandet, wird der Namenlose auch schon wild beschossen. Nach anfänglichen Kommunikationsproblemen stellt man schnell fest, dass noch mehr Menschen auf so unsanfte Art und Weise auf den fremden Planeten verfrachtet wurden.
Die Gruppe besteht ausschließlich aus Elitekämpfern aus den unterschiedlichsten Armeen und Organisationen. Alle sind professionell ausgebildete Killer.
Während man versucht, sich im Dschungel zu orientieren, wird schnell klar, warum man die Killer dort hin gebracht hat. Hier herrscht Jagd und die gefährlichsten Jäger der Galaxis, die Predators, veranstalten hier ein tödliches Spiel. Sie suchen immer die größte Herausforderung und die gefährlichsten Gegner. Ein brutaler Kampf ums nackte Überleben beginnt und auch der Letzte der vorigen Hetzjagd, Noland, kann nicht wirklich helfen.
Ja, auch ich habe mich sehr gefreut, als ich hörte, Robert Rodrigez macht den dritten Predator-Film. Die Fanbrille konnte trotz aller Skepsis und Vorbehalte nicht abgesetzt werden und so war ich ganz schön hibbelig, als der serientypische Vorspann lief. Weltall, Stille. Plötzlich ein Crescendo in der Musik und Peng! "PREDATORS". Ja! Wie früher.
Es wurde sich allergrößte Mühe gegeben, die Atmosphäre des Originals wieder zu schaffen. Alles scheint zu stimmen. Der Dschungel, die Geräusche, die Musik und ein unsichtbarer, aber übermächtiger Gegner. Das alles ist sehr gut gelungen und es dauert nicht lange, bis typisches Predator-Feeling aufkommt. Und damit sind wir beim großen Problem des Films. "Predators" bemüht sich so angestrengt um eine authentische Atmosphäre und geht so vorsichtig und ehrfürchtig mit dem Original um, dass die ganze Dramaturgie des Films total unspektakulär gerät. Mit anderen Worten: Man baut eine unglaublich starke und detaillierte Kulisse auf und weiß nichts damit an zu fangen. Wir sehen ständig das gleiche. Die Gruppe schleicht ängstlich durch den Dschungel, plötzlich kommt aus dem Nichts der Angriff eines tatsächlich unsichtbaren Gegners; wir laufen weg, sammeln uns und stapfen wieder ängstlich durch den Dschungel und warten, bis es von Vorne los geht. Das mag realistisch sein, aber leider auch langweilig. Die neuen Predators sehen bestimmt total klasse aus. Leider erkennt man sie kaum, denn der Film ist insgesamt sehr dunkel, selbst in Szenen, in denen etwas explodiert oder brennt. Trauriger Höhepunkt ist der peinliche Auftritt von Laurence Fishburne, der sämtliches Talent verloren zu haben scheint und in seinem selbst gebastelten Predator-Kostüm so unbeholfen wirkt, wie ein Fisch auf dem Trockenen.
"Predators" hält den gewaltigen Erwartungen nicht stand und kann selbst unter Aufgebot großer Namen wie Robert Rodrigez und Adrien Brody nicht überzeugen. Das ist schade, denn alles klang so viel versprechend und entpuppte sich dann als viel heiße Luft. Immerhin lädt der Film zum Genuss des Originals mit Arnold Schwarzenegger ein, der ja nun endlich wieder im freien Handel erhältlich ist.
Predators (USA 2010): R.: Nimrod Antal; D.: Adrien Brody, Laurence Fishburne, Danny Trejo, u.a.; M.: John Debney; Offizielle Homepage
In Weimar: CineStar
Rezensionen On Air: Jeden Donnerstag, 12:25 Uhr live auf Radio Lotte Weimar.
Donnerstag, 15. Juli 2010
Samstag, 10. Juli 2010
Mal wieder gesehen: Special
Es ist Sommer. Während man im letzten Winter über die Kälte und den Schnee gejammert hat, und man sich nichts sehnlicher gewünscht hatte, als einen Tag wie heute (37°), stöhnen jetzt alle in der Hitze und würden ihre Seele verkaufen für einen kleinen Schneesturm, oder ähnliches. Dass die Hitze Auswirkungen auf das aktuelle Kinoprogramm hat, wage ich ernsthaft zu bezweifeln, auch wenn das die Kinobetreiber angesichts derzeitiger Besucherzahlen gerne als Ausrede benutzen. Machen wir uns nichts vor: Es läuft gerade nicht besonders viel Sehenswertes in den hoch geschätzten Lichtspielhäusern. Aus dem einen und auch aus dem anderen Grund, verkrieche mich also in meiner Bude und glotze Filme. Und weil ich das sowieso immer gerne mache, gebe ich euch hier nun meinen Senf zu den mal wieder gesehenen Perlen.
Los geht’s mit „Predator“. Aus aktuellen Anlass – zu dem ich mich in der nächsten Woche ausführlicher äußern werde – hatte ich das Bedürfnis, diesen Genreklassiker aus dem Jahre 1987 mal wieder zu sehen. Rechtzeitig zum Kinostart der Fortsetzung, hat man es geschafft, den Film noch einmal von der FSK begutachten zu lassen. Der Film wurde damals in Deutschland indiziert, was so ziemlich das härteste Urteil ist, was die FSK zu bieten hat. Indiziert heißt, dass der Film nicht öffentlich aufgeführt oder beworben werden darf, der Titel nicht mal erwähnt werden darf, sehr wohl aber „unterm Ladentisch“ an Erwachsene verkauft werden darf. Abgesehen davon gab es eine geschnittene Fassung, an der sich irgendein Dilettant zu schaffen gemacht hat. Derart gebeutelt und geschunden, hat es einfach keinen Spaß gemacht, den Film in der zugelassenen Fassung zu schauen. Jetzt gab es wie gesagt die Neubewertung und überraschender weise wurde der Film nicht nur ungeschnitten freigegeben, sondern erhielt auch noch das „ab 16“- Siegel. Das ganze ist sofort als DVD neu erschienen und kann nun ungetrübt genossen werden.
Die Story ist schnell zusammen gefasst. Irgendwo im Dschungel von Korea wird eine Sondereinheit der US-Army abgesetzt, um dort nach einem abgestürzten Hubschrauber voller VIPs zu suchen. Das lädierte Gefährt wird schnell gefunden. Die Piloten sind tot und von den Insassen fehlt jede Spur. Die mutmaßlichen Täter sind Terroristen, die in der Nähe ein schwer bewaffnetes Lager errichtet haben. Das Lager wird gestürmt, die Terroristen nieder gemäht, die Gesuchten sind zwar immer noch weg, aber das ist plötzlich egal. Die Gruppe wird nämlich von einem unbekannten, äußerst brutal vorgehenden Jäger verfolgt, der die harten Jungs Stück für Stück auseinander nimmt – buchstäblich. Einziger Überlebender ist Dutch, der sich dem Gegner stellt. Dieser Gegner ist ein außerirdischer Predator, der eben aus Spaß zur Erde gekommen ist, um hier nach neuen Herausforderungen zu suchen.
John McTierman kreierte mit „Predator“ einen super spannenden Film, der vor allem von seiner intensiven Atmosphäre lebt. Der bedrohliche Dschungel mit all seinen Geräuschen. Dazu sehr simple, aber wirkungsvolle Musik von Alan Silverstri und natürlich die ständige Ungewissheit und die Frage: „Was ist das bloß für ein Vieh?“ Der Film lässt sich unglaublich viel Zeit, den titelgebenden Probanden zu zeigen und selbst dann fragt man sich noch „Also ehrlich! Aber was ist das für ein Vieh?“ Der Spannungsbogen geht immer wieder steil nach oben und entlädt sich in einer bluttriefenden Gewaltorgie. Das sind die prägenden Elemente des Films, auch wenn ihm hin und wieder ein sozialkritischer Aspekt in Bezug auf Viet Nam angedichtet wird. Das habe ich nicht gesehen, ich bin allerdings auch kein Amerikaner, der an Viet Nam zu knabbern hätte. Über Arnie kann man denken was man will, hier macht er seinen Job souverän, auch wenn jeder andere Muskelberg diesen Part hätte übernehmen können. Das erstaunliche ist, dass der Film trotz seiner Schlichtheit so gut funktioniert und die faszinierende Idee vom außerirdischen Superjäger immer clever im Hinterkopf schweben lässt. „Predator“ ist jetzt kein Muss für alle Filmfans, dennoch eine prägende Genreperle, die doch wesentlich intelligenter ist, als viele andere Actionfilme in den unsäglichen 80er Jahren.
Vor den unsäglichen 80er Jahren gab es die unsäglichen 70er Jahre. Und 1971 gab es einen Film im Fernsehen, der von so überraschender Qualität war, dass er vor allem einen Mann die Bühne für seinen großen Hollywoodauftritt bereitete. Dieser Auftritt ist bis heute nicht beendet, auch wenn ihm mittlerweile ein bisschen der Schwung der wilden 70er fehlt. Steven Spielberg begann mit „Duel“ eine regelrechte Bilderbuchkarriere. Auch, wenn er sehr viele gute Filme gemacht hat, soll es hier um den Film nach „Duel“ gehen, denn eigentlich ist Spielberg erst mit „Jaws“ zu dem Status als Superregisseur gekommen, den er heute noch inne hält.
Amity ist der schönste Ort auf der Welt und vor allem berühmt für seine traumhaften Strände an der Ostküste Amerikas. Der Ort lebt von den Badegästen, die sich den ganzen Sommer über am Strand tummeln. Eines Nachts kommt allerdings jemand nach Amity, der auch ein Stück vom Kuchen ab haben will. Ein großer weißer Hai, der mit Vorliebe nackte Schwimmerinnen, kleine Jungs auf schönen, leuchtend gelben Schwimmmatten und stolze Fischerboote frisst, mischt die Strandidylle ordentlich auf.
„Der weiße Hai“ erfand das Genre des Monsterfilms regelrecht und tatsächlich neu. Nie sah das Monster so echt aus, nie hat man solche Beklemmungen gespürt, beim Klang von zwei aufeinander folgenden Tönen und nie, nie, nie musste man sich je Sorgen um die Helden in solchen Filmen machen. Was passiert hier? Der Hai frisst die Helden einfach. Einen zumindest. Es ist ein Wunder, dass der Film überhaupt fertig wurde, denn es wurde unter teils widrigen Bedingungen gedreht. Das ist der Pionierarbeit der gesamten Crew geschuldet. Man baute einen mechanischen Hai in Originalgröße, der natürlich nicht richtig funktionierte. Erstmals wurde auf dem offenen Meer gedreht und nicht am Ufer, oder gar in einem Studio. Die so genannte Surface-Cam wurde hier unter teils dramatischen Umständen eingeführt. Man wusste vorher eben nicht, ob die Kamera im Wasser noch funktionierte und offensichtlich gab es nur einen Weg, das Ganze heraus zu finden. Die Schauspieler vergaßen ihre Texte, das Studio machte Druck, Spielberg gefiel die Musik nicht (wurde Gott sei dank aber noch von deren Brillanz überzeugt) und der verdammte Hai wollte einfach nicht funktionieren. Trotzdem, oder vielleicht auch wegen der Umstände, wurde der Film unglaublich gut. Er ist spannend, die verdammten Hai-Effekte sind gelungen, die Schauspieler sind cool und die Musik fetzt. Am beeindruckendsten finde ich allerdings die Dynamik. Obwohl man damals nur riesige Kameramonster zur Verfügung hatte, die man in seltenen Fällen richtig tragen konnte, gelang eine schnelle und dynamische Kameraführung, deren Stil bis heute oft mit mäßigem Erfolg kopiert wurde. Der Zuschauer schwimmt mit dem Hai durch den Ozean, die Kamera fliegt übergangslos aus dem Wasser und fährt direkt auf das Krähennest der „Orca“ zu, um eine Nahaufnahme vom bärbeißigen Quint ein zu fangen. Wie zum Geier haben die das gemacht?
„Jaws“ war nicht nur der bis da hin erfolgreichste Film aller Zeiten, sondern sorgte leider auch für die Verunglimpfung einer ganzen Spezies und für die tief sitzende Angst, die unsereiner nun mal vor Haien hat. Aber was soll's? Der Film wäre nicht halb so spannend gewesen, hätte sich dieser Hai so verhalten, wie er es in freier Wildbahn tut. Wer will schon einen Hai sehen, der sich einen Schwarm Makrelen einverleibt?
Aus dem kühlen Nass geht es in den kalten Weltraum. Wie sagte General Chang so schön? „Im Weltraum sind alle Krieger kalte Krieger!“ Er muss es ja wissen. Ich habe jüngst mal wieder einen Film gesehen, der mir eher das Gegenteil beweist. Auch, wenn die Crew der Ikarus 2 gegenteiliges vermuten lässt, meine ich damit nicht, dass es auch im Weltraum warme Brüder geben kann, sondern, dass es gar nicht so kalt ist im All. Passend zu den heutigen Temperaturen geht es abschließend um „Sunshine“ von Danny Boyle. Es ist ein merkwürdiger Film, aber irgendwas hat er, dass ich ihn mir immer mal wieder gerne ansehen will und das komischste ist, dass ich mir der Seltsamkeit des Films voll bewusst bin.
Die Sonne ist erloschen, oder zumindest kurz davor. Auf der Erde ist Winter (uuuhhh...herrlich...Winter) und sämtliche Hoffnungen der Menschheit ruhen auf der Crew des Raumschiffs Ikarus 2. Das ist nämlich direkt zur Sonne unterwegs, hat eine riesige Bombe im Gepäck und soll den Stern neu entzünden. Klingt alles total einfach und logisch und dürfte nicht all zu schwierig werden. Doch Halt! Da gab es doch noch die Ikarus 1, die 7 Jahre zu vor zur gleichen Mission aufgebrochen war, und dann spurlos verschwand. Da die Sonne nicht wieder aufflammte, ging man also auf der Erde davon aus, dass die Mission gescheitert sein muss. Also schicken wir noch ein Schiff los, ohne zu wissen, was dem ersten Schiff passiert ist. Klingt ein bisschen nach „2001“? Richtig. Und das ist nicht die einzige Anleihe, aus Kubriks Meisterwerk. Stilistisch erinnert sehr viel an das Abenteuer der Discovery und der obligatorische LSD-Trip fehlt auch nicht. Aus unerklärlichen Gründen, fangen die Crewmitglieder einer nach dem anderen an, durch zu drehen. Das wird der Wirkung der immer näher kommenden Sonne zugeschrieben. Doch dann geschieht etwas merkwürdiges. Die Ikarus 1 taucht plötzlich auf und man geht an Bord (selten dämlich). Die Crew des ersten Schiffes ist tot und man haut wieder ab, allerdings nicht, ohne vorher das eigene Schiff halb zu zerstören (noch dämlicher) und obendrein scheint auch noch etwas oder jemand von der Ikarus 1 auf die Ikarus 2 geschlichen zu sein. Die ganze Spannung des Filmes basiert also auf einer einzigen Entscheidung, die einfach nur dämlich war und die kein normaler Mensch – ob nun im Weltraum oder nicht – so getroffen hätte.
Egal. Zu gleichen Teilen, wie mich der Film fasziniert, finde ich ihn seltsam, ohne wirklich sagen zu können, warum. Die Spezialeffekte sind sehr gelungen, die Schauspieler füllen ihre teils fiebrigen Charaktere glaubwürdig mit Leben. Cillian Murphy ist so gruselig, obwohl er den Guten spielt, dass ich langsam ein bisschen glaube, dass er im wahren Leben auch nen kleinen Sonnenschatten hat. Bevor ich mich hier in endlosen Plattitüden verliere, spreche ich trotz aller Befremdlichkeiten eine Empfehlung aus, sich „Sunshine“ an zu sehen. Irgendwie übt er auf mich eine schwer greifbare Faszination aus, der ich mich nicht entziehen kann, egal, wie dämlich ich den Film vielleicht finde. Zauberei!
Ich habe noch viel mehr Filme gesehen. „Memento“, „U-Turn“, „Der unsichtbare Dritte“ oder „Blood For Dracula“ (dazu später übrigens mehr...), um nur ein paar zu nennen. Aber muss ich wirklich alle Filme hier auseinander nehmen? Das mache ich privat schon ununterbrochen, also reiße ich mich hier ein bisschen zusammen. Bleibt im Dunkeln sitzen, denn es ist einfach zu warm.
Los geht’s mit „Predator“. Aus aktuellen Anlass – zu dem ich mich in der nächsten Woche ausführlicher äußern werde – hatte ich das Bedürfnis, diesen Genreklassiker aus dem Jahre 1987 mal wieder zu sehen. Rechtzeitig zum Kinostart der Fortsetzung, hat man es geschafft, den Film noch einmal von der FSK begutachten zu lassen. Der Film wurde damals in Deutschland indiziert, was so ziemlich das härteste Urteil ist, was die FSK zu bieten hat. Indiziert heißt, dass der Film nicht öffentlich aufgeführt oder beworben werden darf, der Titel nicht mal erwähnt werden darf, sehr wohl aber „unterm Ladentisch“ an Erwachsene verkauft werden darf. Abgesehen davon gab es eine geschnittene Fassung, an der sich irgendein Dilettant zu schaffen gemacht hat. Derart gebeutelt und geschunden, hat es einfach keinen Spaß gemacht, den Film in der zugelassenen Fassung zu schauen. Jetzt gab es wie gesagt die Neubewertung und überraschender weise wurde der Film nicht nur ungeschnitten freigegeben, sondern erhielt auch noch das „ab 16“- Siegel. Das ganze ist sofort als DVD neu erschienen und kann nun ungetrübt genossen werden.
Die Story ist schnell zusammen gefasst. Irgendwo im Dschungel von Korea wird eine Sondereinheit der US-Army abgesetzt, um dort nach einem abgestürzten Hubschrauber voller VIPs zu suchen. Das lädierte Gefährt wird schnell gefunden. Die Piloten sind tot und von den Insassen fehlt jede Spur. Die mutmaßlichen Täter sind Terroristen, die in der Nähe ein schwer bewaffnetes Lager errichtet haben. Das Lager wird gestürmt, die Terroristen nieder gemäht, die Gesuchten sind zwar immer noch weg, aber das ist plötzlich egal. Die Gruppe wird nämlich von einem unbekannten, äußerst brutal vorgehenden Jäger verfolgt, der die harten Jungs Stück für Stück auseinander nimmt – buchstäblich. Einziger Überlebender ist Dutch, der sich dem Gegner stellt. Dieser Gegner ist ein außerirdischer Predator, der eben aus Spaß zur Erde gekommen ist, um hier nach neuen Herausforderungen zu suchen.
John McTierman kreierte mit „Predator“ einen super spannenden Film, der vor allem von seiner intensiven Atmosphäre lebt. Der bedrohliche Dschungel mit all seinen Geräuschen. Dazu sehr simple, aber wirkungsvolle Musik von Alan Silverstri und natürlich die ständige Ungewissheit und die Frage: „Was ist das bloß für ein Vieh?“ Der Film lässt sich unglaublich viel Zeit, den titelgebenden Probanden zu zeigen und selbst dann fragt man sich noch „Also ehrlich! Aber was ist das für ein Vieh?“ Der Spannungsbogen geht immer wieder steil nach oben und entlädt sich in einer bluttriefenden Gewaltorgie. Das sind die prägenden Elemente des Films, auch wenn ihm hin und wieder ein sozialkritischer Aspekt in Bezug auf Viet Nam angedichtet wird. Das habe ich nicht gesehen, ich bin allerdings auch kein Amerikaner, der an Viet Nam zu knabbern hätte. Über Arnie kann man denken was man will, hier macht er seinen Job souverän, auch wenn jeder andere Muskelberg diesen Part hätte übernehmen können. Das erstaunliche ist, dass der Film trotz seiner Schlichtheit so gut funktioniert und die faszinierende Idee vom außerirdischen Superjäger immer clever im Hinterkopf schweben lässt. „Predator“ ist jetzt kein Muss für alle Filmfans, dennoch eine prägende Genreperle, die doch wesentlich intelligenter ist, als viele andere Actionfilme in den unsäglichen 80er Jahren.
Vor den unsäglichen 80er Jahren gab es die unsäglichen 70er Jahre. Und 1971 gab es einen Film im Fernsehen, der von so überraschender Qualität war, dass er vor allem einen Mann die Bühne für seinen großen Hollywoodauftritt bereitete. Dieser Auftritt ist bis heute nicht beendet, auch wenn ihm mittlerweile ein bisschen der Schwung der wilden 70er fehlt. Steven Spielberg begann mit „Duel“ eine regelrechte Bilderbuchkarriere. Auch, wenn er sehr viele gute Filme gemacht hat, soll es hier um den Film nach „Duel“ gehen, denn eigentlich ist Spielberg erst mit „Jaws“ zu dem Status als Superregisseur gekommen, den er heute noch inne hält.
Amity ist der schönste Ort auf der Welt und vor allem berühmt für seine traumhaften Strände an der Ostküste Amerikas. Der Ort lebt von den Badegästen, die sich den ganzen Sommer über am Strand tummeln. Eines Nachts kommt allerdings jemand nach Amity, der auch ein Stück vom Kuchen ab haben will. Ein großer weißer Hai, der mit Vorliebe nackte Schwimmerinnen, kleine Jungs auf schönen, leuchtend gelben Schwimmmatten und stolze Fischerboote frisst, mischt die Strandidylle ordentlich auf.
„Der weiße Hai“ erfand das Genre des Monsterfilms regelrecht und tatsächlich neu. Nie sah das Monster so echt aus, nie hat man solche Beklemmungen gespürt, beim Klang von zwei aufeinander folgenden Tönen und nie, nie, nie musste man sich je Sorgen um die Helden in solchen Filmen machen. Was passiert hier? Der Hai frisst die Helden einfach. Einen zumindest. Es ist ein Wunder, dass der Film überhaupt fertig wurde, denn es wurde unter teils widrigen Bedingungen gedreht. Das ist der Pionierarbeit der gesamten Crew geschuldet. Man baute einen mechanischen Hai in Originalgröße, der natürlich nicht richtig funktionierte. Erstmals wurde auf dem offenen Meer gedreht und nicht am Ufer, oder gar in einem Studio. Die so genannte Surface-Cam wurde hier unter teils dramatischen Umständen eingeführt. Man wusste vorher eben nicht, ob die Kamera im Wasser noch funktionierte und offensichtlich gab es nur einen Weg, das Ganze heraus zu finden. Die Schauspieler vergaßen ihre Texte, das Studio machte Druck, Spielberg gefiel die Musik nicht (wurde Gott sei dank aber noch von deren Brillanz überzeugt) und der verdammte Hai wollte einfach nicht funktionieren. Trotzdem, oder vielleicht auch wegen der Umstände, wurde der Film unglaublich gut. Er ist spannend, die verdammten Hai-Effekte sind gelungen, die Schauspieler sind cool und die Musik fetzt. Am beeindruckendsten finde ich allerdings die Dynamik. Obwohl man damals nur riesige Kameramonster zur Verfügung hatte, die man in seltenen Fällen richtig tragen konnte, gelang eine schnelle und dynamische Kameraführung, deren Stil bis heute oft mit mäßigem Erfolg kopiert wurde. Der Zuschauer schwimmt mit dem Hai durch den Ozean, die Kamera fliegt übergangslos aus dem Wasser und fährt direkt auf das Krähennest der „Orca“ zu, um eine Nahaufnahme vom bärbeißigen Quint ein zu fangen. Wie zum Geier haben die das gemacht?
„Jaws“ war nicht nur der bis da hin erfolgreichste Film aller Zeiten, sondern sorgte leider auch für die Verunglimpfung einer ganzen Spezies und für die tief sitzende Angst, die unsereiner nun mal vor Haien hat. Aber was soll's? Der Film wäre nicht halb so spannend gewesen, hätte sich dieser Hai so verhalten, wie er es in freier Wildbahn tut. Wer will schon einen Hai sehen, der sich einen Schwarm Makrelen einverleibt?
Aus dem kühlen Nass geht es in den kalten Weltraum. Wie sagte General Chang so schön? „Im Weltraum sind alle Krieger kalte Krieger!“ Er muss es ja wissen. Ich habe jüngst mal wieder einen Film gesehen, der mir eher das Gegenteil beweist. Auch, wenn die Crew der Ikarus 2 gegenteiliges vermuten lässt, meine ich damit nicht, dass es auch im Weltraum warme Brüder geben kann, sondern, dass es gar nicht so kalt ist im All. Passend zu den heutigen Temperaturen geht es abschließend um „Sunshine“ von Danny Boyle. Es ist ein merkwürdiger Film, aber irgendwas hat er, dass ich ihn mir immer mal wieder gerne ansehen will und das komischste ist, dass ich mir der Seltsamkeit des Films voll bewusst bin.
Die Sonne ist erloschen, oder zumindest kurz davor. Auf der Erde ist Winter (uuuhhh...herrlich...Winter) und sämtliche Hoffnungen der Menschheit ruhen auf der Crew des Raumschiffs Ikarus 2. Das ist nämlich direkt zur Sonne unterwegs, hat eine riesige Bombe im Gepäck und soll den Stern neu entzünden. Klingt alles total einfach und logisch und dürfte nicht all zu schwierig werden. Doch Halt! Da gab es doch noch die Ikarus 1, die 7 Jahre zu vor zur gleichen Mission aufgebrochen war, und dann spurlos verschwand. Da die Sonne nicht wieder aufflammte, ging man also auf der Erde davon aus, dass die Mission gescheitert sein muss. Also schicken wir noch ein Schiff los, ohne zu wissen, was dem ersten Schiff passiert ist. Klingt ein bisschen nach „2001“? Richtig. Und das ist nicht die einzige Anleihe, aus Kubriks Meisterwerk. Stilistisch erinnert sehr viel an das Abenteuer der Discovery und der obligatorische LSD-Trip fehlt auch nicht. Aus unerklärlichen Gründen, fangen die Crewmitglieder einer nach dem anderen an, durch zu drehen. Das wird der Wirkung der immer näher kommenden Sonne zugeschrieben. Doch dann geschieht etwas merkwürdiges. Die Ikarus 1 taucht plötzlich auf und man geht an Bord (selten dämlich). Die Crew des ersten Schiffes ist tot und man haut wieder ab, allerdings nicht, ohne vorher das eigene Schiff halb zu zerstören (noch dämlicher) und obendrein scheint auch noch etwas oder jemand von der Ikarus 1 auf die Ikarus 2 geschlichen zu sein. Die ganze Spannung des Filmes basiert also auf einer einzigen Entscheidung, die einfach nur dämlich war und die kein normaler Mensch – ob nun im Weltraum oder nicht – so getroffen hätte.
Egal. Zu gleichen Teilen, wie mich der Film fasziniert, finde ich ihn seltsam, ohne wirklich sagen zu können, warum. Die Spezialeffekte sind sehr gelungen, die Schauspieler füllen ihre teils fiebrigen Charaktere glaubwürdig mit Leben. Cillian Murphy ist so gruselig, obwohl er den Guten spielt, dass ich langsam ein bisschen glaube, dass er im wahren Leben auch nen kleinen Sonnenschatten hat. Bevor ich mich hier in endlosen Plattitüden verliere, spreche ich trotz aller Befremdlichkeiten eine Empfehlung aus, sich „Sunshine“ an zu sehen. Irgendwie übt er auf mich eine schwer greifbare Faszination aus, der ich mich nicht entziehen kann, egal, wie dämlich ich den Film vielleicht finde. Zauberei!
Ich habe noch viel mehr Filme gesehen. „Memento“, „U-Turn“, „Der unsichtbare Dritte“ oder „Blood For Dracula“ (dazu später übrigens mehr...), um nur ein paar zu nennen. Aber muss ich wirklich alle Filme hier auseinander nehmen? Das mache ich privat schon ununterbrochen, also reiße ich mich hier ein bisschen zusammen. Bleibt im Dunkeln sitzen, denn es ist einfach zu warm.
Freitag, 9. Juli 2010
Für immer Shrek
„CGI“ steht für „Computer Generated Image“. Und ebenso schnell, wie sich in den letzten 10 Jahren die Computer entwickelt haben, und die Anwendungsmöglichkeiten ins schier unendliche gestiegen sind, ist auch der Wahn genährt worden, das perfekte virtuelle Bild der Realität schaffen zu wollen. Waren wir 1995 noch hell begeistert über Toy Story, den ersten komplett computeranimierten Kinofilm, werden wir heutzutage mit CGI-Filmen überhäuft. Daraus ergeben sich zwei vorhersehbare Konsequenzen. Erstens will man nach dem tausendsten Computerfilm einfach nicht mehr und zweitens sehen sich die Pioniere der CGI-Kunst gezwungen, ihre Vorreiterstellung beweisen zu müssen. Über tausend Ecken geschieht dann etwas, was eigentlich niemand will. Shrek 4
Shrek ist aber auch blöd, wie ein Oger. Hatte er es geschafft, seine Liebste Fiona zu heiraten, in deren Familie aufgenommen zu werden und schließlich drei super niedliche Ogerbabys in die Welt zu setzen, ist er nun doch unzufrieden mit seinem Leben. Auf der großen Geburtstagsparty der Drillinge platzt ihm der Kragen, und er haut wutentbrand ab. Da trifft er auf Rumpelstilzchen, dessen Name mittlerweile jeder kennt, weshalb er ein bisschen deprimiert ist. Ein unzufriedener Oger, der auch noch mit der Thronfolgerin von Weit Weit Weg verheiratet ist, kommt ihm da genau recht. Er bringt Shrek dazu, einen Vertrag zu unterschreiben, der alles ändert. Plötzlich ist Rumpelstilzchen König und keiner von Shreks Freunden erkennt ihn wieder. Nicht, weil er sein Aussehen verändert hat, sondern weil er plötzlich nie geboren wurde und quasi in einer Parallelgegenwart rumläuft. Noch ist nicht alles verloren. Er hat bis Mitternacht Zeit, alles wieder rückgängig zu machen. Er muss nur mal wieder seiner wahren Liebe einen Kuss geben. Der ist natürlich Fiona vorbehalten, die mittlerweile allerdings viel zu tun hat und den Widerstand der Oger auf Vordermann gebracht hat.
Puh, also! Shrek war schon immer was anderes, als die ganzen arg niedlichen Disneyfilmchen. Der Humor hat sich eigentlich immer an die etwas älteren Kinder gewandt. Furzende und rülpsende Ogerviecher, die böse Wörter benutzen, fand ich schon irgendwie witzig. Schön war auch das Auf-Die-Schippe-Nehmen sämtlicher Märchenklassiker und das darin Verpacken von aktuellen Filmen. Supercool animiert und mit zahlreichen lockeren Sprüchen durchsetzt ergab das Ganze solide Unterhaltung. All das wurde - wie nicht anders zu erwarten - im Laufe der Reihe immer mehr ad absurdum geführt und findet nun im vierten Teil sein trauriges Finale. Shrek stolpert durch eine Märchenwelt voller oberflächlicher Märchenfiguren, bei denen man sagt: „Ach ja! Der hat noch gefehlt!“ Dazu kommen die altbekannten Figuren, an denen wenig, bis gar nichts geändert wurde: Esel (gar nichts) und Kater (geht gar nicht mehr) nerven mehr als je zuvor, zumal sie auch nicht mehr ihre originalen Synchronstimmen haben. Technisch ist natürlich alles super, sieht schick aus und zeigt mal wieder auf verblüffende Art und Weise, was man mit Computern alles machen kann. Auch hat man den unvermeidlichen Schritt ins 3D Kino überzeugend vollzogen. Dass sowas heutzutage aber nicht mehr reicht, müssten die Pioniere von Dreamworks aber eigentlich wissen.
"Für Immer Shrek" ist so überflüssig, wie 3D-Brillen für Leute mit Sehfehlern. Es ist sogar so schlimm, dass man sich hinterher fragt, was einen an den alten Shrek-Filmen gefallen hat. Man kommt einfach nicht drauf, und all zu lange will man auch nicht darüber nachdenken.
Shrek Forever After (USA, 2010): R.: Mike Mitchell; OVA.: Mike Myers, Eddie Murphy, Cameron Diaz, u.a.; M.: Harry Gregson-Williams, Offizielle Homepage
In Weimar. CineStar
Rezensionen On Air: Jeden Donnerstag, 12:25 Uhr live auf Radio Lotte Weimar.
Shrek ist aber auch blöd, wie ein Oger. Hatte er es geschafft, seine Liebste Fiona zu heiraten, in deren Familie aufgenommen zu werden und schließlich drei super niedliche Ogerbabys in die Welt zu setzen, ist er nun doch unzufrieden mit seinem Leben. Auf der großen Geburtstagsparty der Drillinge platzt ihm der Kragen, und er haut wutentbrand ab. Da trifft er auf Rumpelstilzchen, dessen Name mittlerweile jeder kennt, weshalb er ein bisschen deprimiert ist. Ein unzufriedener Oger, der auch noch mit der Thronfolgerin von Weit Weit Weg verheiratet ist, kommt ihm da genau recht. Er bringt Shrek dazu, einen Vertrag zu unterschreiben, der alles ändert. Plötzlich ist Rumpelstilzchen König und keiner von Shreks Freunden erkennt ihn wieder. Nicht, weil er sein Aussehen verändert hat, sondern weil er plötzlich nie geboren wurde und quasi in einer Parallelgegenwart rumläuft. Noch ist nicht alles verloren. Er hat bis Mitternacht Zeit, alles wieder rückgängig zu machen. Er muss nur mal wieder seiner wahren Liebe einen Kuss geben. Der ist natürlich Fiona vorbehalten, die mittlerweile allerdings viel zu tun hat und den Widerstand der Oger auf Vordermann gebracht hat.
Puh, also! Shrek war schon immer was anderes, als die ganzen arg niedlichen Disneyfilmchen. Der Humor hat sich eigentlich immer an die etwas älteren Kinder gewandt. Furzende und rülpsende Ogerviecher, die böse Wörter benutzen, fand ich schon irgendwie witzig. Schön war auch das Auf-Die-Schippe-Nehmen sämtlicher Märchenklassiker und das darin Verpacken von aktuellen Filmen. Supercool animiert und mit zahlreichen lockeren Sprüchen durchsetzt ergab das Ganze solide Unterhaltung. All das wurde - wie nicht anders zu erwarten - im Laufe der Reihe immer mehr ad absurdum geführt und findet nun im vierten Teil sein trauriges Finale. Shrek stolpert durch eine Märchenwelt voller oberflächlicher Märchenfiguren, bei denen man sagt: „Ach ja! Der hat noch gefehlt!“ Dazu kommen die altbekannten Figuren, an denen wenig, bis gar nichts geändert wurde: Esel (gar nichts) und Kater (geht gar nicht mehr) nerven mehr als je zuvor, zumal sie auch nicht mehr ihre originalen Synchronstimmen haben. Technisch ist natürlich alles super, sieht schick aus und zeigt mal wieder auf verblüffende Art und Weise, was man mit Computern alles machen kann. Auch hat man den unvermeidlichen Schritt ins 3D Kino überzeugend vollzogen. Dass sowas heutzutage aber nicht mehr reicht, müssten die Pioniere von Dreamworks aber eigentlich wissen.
"Für Immer Shrek" ist so überflüssig, wie 3D-Brillen für Leute mit Sehfehlern. Es ist sogar so schlimm, dass man sich hinterher fragt, was einen an den alten Shrek-Filmen gefallen hat. Man kommt einfach nicht drauf, und all zu lange will man auch nicht darüber nachdenken.
Shrek Forever After (USA, 2010): R.: Mike Mitchell; OVA.: Mike Myers, Eddie Murphy, Cameron Diaz, u.a.; M.: Harry Gregson-Williams, Offizielle Homepage
In Weimar. CineStar
Rezensionen On Air: Jeden Donnerstag, 12:25 Uhr live auf Radio Lotte Weimar.
Donnerstag, 24. Juni 2010
Vertraute Fremde
Reden wir mal Klartext. Der diesjährige Kinosommer ist Mist! Bisher zumindest dümpelte das Ganze mit altbackenen und halbgaren durch die wärmeren Tage in diesem Jahr. Natürlich ist es so, dass an lauen Abenden, die meisten potentiellen Kinogänger lieber im Biergarten sitzen, als sich im mäßig klimatisierten Kinosaal aufzuhalten, aber man muss diesen natürlichen Faktor nicht auch noch begünstigen, und nur Mistfilme in die Kinos bringen.
Wirft man einen Blick auf das aktuelle Kinoprogramm, möchte man am liebsten weinen und man wünscht sich, in die Zeit zurück reisen zu können, um noch einmal in die Vorpremiere von Terminator 4 gehen zu können. Nicht das wahre? Okay, dann eben "Harry Potter". Wo ist dessen neuestes Abenteuer? Kommt nächstes Jahr. "The Road"? Nächstes Jahr. "Der Hobbit" ? Kommt...irgendwann. Aber was läuft jetzt?
Zum Beispiel "Vertraute Fremde", ein Film dem ich sehr skeptisch gegenüber stand. Eine belgisch-ftanzösische Co-Produktion, die einen Manga verfilmt? Klingt merkwürdig. Ist es auch.
Thomas ist 40 Jahre alt, Comiczeichner und demonstrativ, aber irgendwie unerklärlich unglücklich. Er hat eine schöne Frau, zwei schöne Töchterchen und den coolsten Job überhaupt und trotzdem bläst er die ganze Zeit Trübsal.
Der Grund ist, sein Vater verließ die Familie an seinem vierzigsten Geburtstag, als Thomas gerade 14 Jahre alt war. Dieses Trauma hat er nie wirklich verarbeitet. Doch eines Tages landet er durch einen Zufall in seinem Heimatdorf. Als er den Friedhof besucht, fällt er plötzlich in Ohnmacht und erwacht, in der Zeit zurück gereist und wieder 14 Jahre alt. Zunächst hält er es noch für einen Traum, stellt aber bald fest, alles ist echt und er hat nun die Möglichkeit, seinen Vater am Weggehen zu hindern, und so sein Leben zu verändern.
Das Thema ist spannend, und die Mangavorlage machte daraus ein klischeebehaftetes, ziemlich schrilles, aber unterhaltsames Abenteuer. Regisseur Sam Gabarski hat sich nun entschieden, in seinem Film jede Lockerheit und Unterhaltung durch Langsamkeit und Schwermütigkeit zu ersetzen. Die Intention war die, dem japanischen Comic die Knalligkeit und übertriebene Dramatik zu nehmen, damit man dem Film seine schrille Herkunft nicht anmerkt. Das klappt so gut, dass dem Film sämtliche Dynamik und Energie fehlt, die im Comic vielleicht zu dick aufgetragen war. Die Idee mit den Zeitreisen ist schon nicht all zu originell, sie wurde hier nun auch bescheiden inszeniert. Technisch ist der Übergang zwischen Gegenwart und Vergangenheit mehr als dürftig gelöst, aber die Ausstattung von Kulisse und Garderobe ist zumindest überzeugend. Viele Szenen, in denen großes Potential gesteckt hätte, lässt Gabarski wirkungslos verpuffen und man gewinnt den Eindruck, für ihn sei das ganze nur eine lästige Pflichtübung, die er ganz schnell absolviert wissen wollte.
Dazu kommen noch die für Zeitreiseabenteuer üblichen logischen Fehlerchen, und mal wieder die Erkenntnis, dass nichts, aber auch gar nichts die Vergangenheit verändern kann.
Mehr will ich gar nicht dazu sagen. "Vertraute Fremde" ist unkreativ und einfallslos inszeniert, obwohl das Thema Zeitreisen bisher immer spannend in Filmen umgesetzt wurde, oder zumindest einen gewissen Unterhaltungswert bieten konnte. Aber hier ist es schlicht und einfach langweilig. Sam Gabarski, Das war nix.
Quartier lointain (B/LU/F/D, 2010): R.: Sam Gabarski; D.:Alexandra Maria Lara, Jonathan Zaccai, Lou Legrand, u.a.; M.: Air; Offizielle Homepage
In Weimar: lichthaus
Rezensionen On Air: Jeden Donnerstag, 12:25 Uhr live auf Radio Lotte Weimar.
Wirft man einen Blick auf das aktuelle Kinoprogramm, möchte man am liebsten weinen und man wünscht sich, in die Zeit zurück reisen zu können, um noch einmal in die Vorpremiere von Terminator 4 gehen zu können. Nicht das wahre? Okay, dann eben "Harry Potter". Wo ist dessen neuestes Abenteuer? Kommt nächstes Jahr. "The Road"? Nächstes Jahr. "Der Hobbit" ? Kommt...irgendwann. Aber was läuft jetzt?
Zum Beispiel "Vertraute Fremde", ein Film dem ich sehr skeptisch gegenüber stand. Eine belgisch-ftanzösische Co-Produktion, die einen Manga verfilmt? Klingt merkwürdig. Ist es auch.
Thomas ist 40 Jahre alt, Comiczeichner und demonstrativ, aber irgendwie unerklärlich unglücklich. Er hat eine schöne Frau, zwei schöne Töchterchen und den coolsten Job überhaupt und trotzdem bläst er die ganze Zeit Trübsal.
Der Grund ist, sein Vater verließ die Familie an seinem vierzigsten Geburtstag, als Thomas gerade 14 Jahre alt war. Dieses Trauma hat er nie wirklich verarbeitet. Doch eines Tages landet er durch einen Zufall in seinem Heimatdorf. Als er den Friedhof besucht, fällt er plötzlich in Ohnmacht und erwacht, in der Zeit zurück gereist und wieder 14 Jahre alt. Zunächst hält er es noch für einen Traum, stellt aber bald fest, alles ist echt und er hat nun die Möglichkeit, seinen Vater am Weggehen zu hindern, und so sein Leben zu verändern.
Das Thema ist spannend, und die Mangavorlage machte daraus ein klischeebehaftetes, ziemlich schrilles, aber unterhaltsames Abenteuer. Regisseur Sam Gabarski hat sich nun entschieden, in seinem Film jede Lockerheit und Unterhaltung durch Langsamkeit und Schwermütigkeit zu ersetzen. Die Intention war die, dem japanischen Comic die Knalligkeit und übertriebene Dramatik zu nehmen, damit man dem Film seine schrille Herkunft nicht anmerkt. Das klappt so gut, dass dem Film sämtliche Dynamik und Energie fehlt, die im Comic vielleicht zu dick aufgetragen war. Die Idee mit den Zeitreisen ist schon nicht all zu originell, sie wurde hier nun auch bescheiden inszeniert. Technisch ist der Übergang zwischen Gegenwart und Vergangenheit mehr als dürftig gelöst, aber die Ausstattung von Kulisse und Garderobe ist zumindest überzeugend. Viele Szenen, in denen großes Potential gesteckt hätte, lässt Gabarski wirkungslos verpuffen und man gewinnt den Eindruck, für ihn sei das ganze nur eine lästige Pflichtübung, die er ganz schnell absolviert wissen wollte.
Dazu kommen noch die für Zeitreiseabenteuer üblichen logischen Fehlerchen, und mal wieder die Erkenntnis, dass nichts, aber auch gar nichts die Vergangenheit verändern kann.
Mehr will ich gar nicht dazu sagen. "Vertraute Fremde" ist unkreativ und einfallslos inszeniert, obwohl das Thema Zeitreisen bisher immer spannend in Filmen umgesetzt wurde, oder zumindest einen gewissen Unterhaltungswert bieten konnte. Aber hier ist es schlicht und einfach langweilig. Sam Gabarski, Das war nix.
Quartier lointain (B/LU/F/D, 2010): R.: Sam Gabarski; D.:Alexandra Maria Lara, Jonathan Zaccai, Lou Legrand, u.a.; M.: Air; Offizielle Homepage
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Donnerstag, 17. Juni 2010
Baaria - Eine italienische Familiengeschichte
Früher waren Filme irgendwie anders. Ich will jetzt ausnahmsweise mal nicht meckern und jammern und mich beschweren, früher sei alles besser gewesen. Viele neue Filme sind sehr gut, aber früher waren die Filme eben irgendwie anders. Das kann viele Gründe haben. Auf dem Gebiet der digitalen Technik hat sich unglaublich viel getan und die Möglichkeiten der Filmemacher sind schier unerschöpflich. Nichts desto trotz denkt man immer mal wieder an die Alte Schule. Spätestens dann, wenn ein Regisseur mit einem neuen Film auftaucht, obwohl man eigentlich dachte, er wäre schon längst fertig mit der Welt und vor allem dem Job des Filmemachers. Guiseppe Tornatore ist ein solcher Regisseur, der uns 1988 ins "Cinema Paradiso" entführte und uns nun in seinem neuen Film erneut nach Baaria einlädt.
Baaria ist ein kleines Städtchen in Mitten der rauen Landschaft Siziliens. Wir lernen Peppino kennen, der Sohn eines Bauern, der früh in seinem Leben lernt, dass man hart arbeiten muss, um über die Runden zu kommen. Gleichzeitig geht er zur Schule, um möglichst viel Wissen aufzusaugen. Ihm steht nämlich keine Karriere als Hirte bevor, sondern die eines engagierten Politikers. Wir begleiten Pepi bei seinem Schwur zum Eintritt in die kommunistische Partei, auf seinem Weg zum Altar und auf seiner Reise nach Moskau. Während all dieser Jahre sieht man den Ort Baaria, wie er sich verändert, ebenso, wie die Menschen, die hier lebten und leben. Sämtliche historische Ereignisse der letzten 60 Jahre hinterlassen ihre Spuren. Und obwohl Baaria sehr klein ist und unbedeutend scheint, bekommt man das Gefühl, die ganze Welt dreht sich um diese Stadt.
Sehr viel mehr kann man zur Handlung gar nicht sagen. Die Geschichte fließt regelrecht über die Leinwand, wie der Fluss der Zeit. Ohne, dass etwas prägnantes oder einschneidendes passiert, vergehen die zweieinhalb Stunden trotzdem, wie im Fluge. Es ist eben so, als ob ein Kamerateam die letzten 60 Jahre dokumentiert hat und jetzt eben die schönsten Stellen zusammen geschnitten hat. Wir sehen Menschen, die ihrem Tageswerk nachgehen und einfach leben. Tornatore legt dabei sehr viel Wert auf kleine Details und so gelingt ihm ein unglaublich authentisches Bild, und wenn man schon mal in Italien gewesen ist, hat man immer das Gefühl im Film, man habe das alles schon mal gesehen. Zusätzlich baut Tornatore ununterbrochen Zitate aus seinen früheren Filmen ein, und so wird aus "Baaria" eine Art Querschnitt durch das Gesamtwerk Tornatores. Das Feeling der alten Schule kommt bereits in den ersten Minuten des Films wieder auf. Der kleine Junge, den man am Anfang sieht, heißt nicht nur Toto, sondern sieht dem Helden aus "Cinema Paradiso" unglaublich ähnlich. Den letzten Rest und Schubbser zum vollkommenen Schwelgen in Nostalgiegefühlen gibt die wunderschöne Musik von Ennio Morricone. Das Jahrgangstreffen ist also nahezu perfekt.
"Baaria" ist wunderschön. Ganz großes Kino und doch irgendwie ganz simpel. Technisch angestaubt, aber ästhetisch hoch anspruchsvoll produziert. So dicht an Handlungssträngen, dass man das Gefühl hat, es gäbe gar keine richtige Geschichte. Es ist nicht das, was ich erwartet habe, aber irgendwie doch genau das Richtige. Ein neuer Film, aber irgendwie alt, weil anders. „Was redet der da eigentlich? Sollen wir uns den Fllm jetzt angucken, oder nicht?“ Ja! Unbedingt ansehen! „Baaria“ ist einfach toll. Man hat Schwierigkeiten, hinterher zu sagen warum, aber man ist verzaubert und begeistert. Vielleicht ist es ja das, was an den Filmen früher anders war.
Baaría (I / F, 2009): R.: Guiseppe Tornatore; D.: Francesco Scianna, Margareth Madè, Raoul Bova, u.a.; M.: Ennio Morricone; Offizielle Homepage
In Weimar: lichthaus
Rezensionen On Air: Jeden Donnerstag, 12:25 Uhr live auf Radio Lotte Weimar.
Baaria ist ein kleines Städtchen in Mitten der rauen Landschaft Siziliens. Wir lernen Peppino kennen, der Sohn eines Bauern, der früh in seinem Leben lernt, dass man hart arbeiten muss, um über die Runden zu kommen. Gleichzeitig geht er zur Schule, um möglichst viel Wissen aufzusaugen. Ihm steht nämlich keine Karriere als Hirte bevor, sondern die eines engagierten Politikers. Wir begleiten Pepi bei seinem Schwur zum Eintritt in die kommunistische Partei, auf seinem Weg zum Altar und auf seiner Reise nach Moskau. Während all dieser Jahre sieht man den Ort Baaria, wie er sich verändert, ebenso, wie die Menschen, die hier lebten und leben. Sämtliche historische Ereignisse der letzten 60 Jahre hinterlassen ihre Spuren. Und obwohl Baaria sehr klein ist und unbedeutend scheint, bekommt man das Gefühl, die ganze Welt dreht sich um diese Stadt.
Sehr viel mehr kann man zur Handlung gar nicht sagen. Die Geschichte fließt regelrecht über die Leinwand, wie der Fluss der Zeit. Ohne, dass etwas prägnantes oder einschneidendes passiert, vergehen die zweieinhalb Stunden trotzdem, wie im Fluge. Es ist eben so, als ob ein Kamerateam die letzten 60 Jahre dokumentiert hat und jetzt eben die schönsten Stellen zusammen geschnitten hat. Wir sehen Menschen, die ihrem Tageswerk nachgehen und einfach leben. Tornatore legt dabei sehr viel Wert auf kleine Details und so gelingt ihm ein unglaublich authentisches Bild, und wenn man schon mal in Italien gewesen ist, hat man immer das Gefühl im Film, man habe das alles schon mal gesehen. Zusätzlich baut Tornatore ununterbrochen Zitate aus seinen früheren Filmen ein, und so wird aus "Baaria" eine Art Querschnitt durch das Gesamtwerk Tornatores. Das Feeling der alten Schule kommt bereits in den ersten Minuten des Films wieder auf. Der kleine Junge, den man am Anfang sieht, heißt nicht nur Toto, sondern sieht dem Helden aus "Cinema Paradiso" unglaublich ähnlich. Den letzten Rest und Schubbser zum vollkommenen Schwelgen in Nostalgiegefühlen gibt die wunderschöne Musik von Ennio Morricone. Das Jahrgangstreffen ist also nahezu perfekt.
"Baaria" ist wunderschön. Ganz großes Kino und doch irgendwie ganz simpel. Technisch angestaubt, aber ästhetisch hoch anspruchsvoll produziert. So dicht an Handlungssträngen, dass man das Gefühl hat, es gäbe gar keine richtige Geschichte. Es ist nicht das, was ich erwartet habe, aber irgendwie doch genau das Richtige. Ein neuer Film, aber irgendwie alt, weil anders. „Was redet der da eigentlich? Sollen wir uns den Fllm jetzt angucken, oder nicht?“ Ja! Unbedingt ansehen! „Baaria“ ist einfach toll. Man hat Schwierigkeiten, hinterher zu sagen warum, aber man ist verzaubert und begeistert. Vielleicht ist es ja das, was an den Filmen früher anders war.
Baaría (I / F, 2009): R.: Guiseppe Tornatore; D.: Francesco Scianna, Margareth Madè, Raoul Bova, u.a.; M.: Ennio Morricone; Offizielle Homepage
In Weimar: lichthaus
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Freitag, 11. Juni 2010
Reel Bad Arabs
Kaum ist der Sommer endlich mal da, tritt auch schon das Phänomen des Sommerlochs in Erscheinung. Mir persönlich ist es diese Woche im Kino begegnet, als ich einen Film finden wollte, den ich hier besprechen kann. Doch leider stand hier nicht viel zur Auswahl. Entweder hatte ich den Film schon gesehen, oder hielt ihn für nicht sehenswert. Trotzdem bin ich nicht mit leeren Händen erschienen und habe statt dessen einen kleinen Film gesehen, der im Rahmen der arg zusammen gestauchten Arabischen Filmwoche im Lichthaus Kino gezeigt wurde. Der Film heißt „Reel Bad Arabs".
Der Medienwissenschaftler Dr. Jack Shaheen hat ein Buch geschrieben, in dem er die Darstellung von Arabern in Hollywoodfilmen thematisiert. Diesem Buch hat er einen etwa 50 Minuten andauernden Dokumentarfilm beigefügt. Es werden zahlreiche Beispiele aus allen möglichen Genres gezeigt. Ob Thriller, Actionfilm, oder Familienkomödie: All diese Filme ähneln sich in ihrer Darstellung von Arabern, die in vielen Fällen einer Dämonisierung gleich kommt. Diese Darstellung prägt natürlich die Meinung des Zuschauers und verunglimpft dabei ein ganzes Volk, ohne, dass es dem unbedarften Kinogänger auffällt. Oder haben Sie gewusst, dass ausgerechnet im Vorspann von „Disney's Aladin“ ein Lied mit rassistischem Inhalt gesungen wird? Oder sehen wir uns die ganzen Actionfilme mit Arnold Schwarzenegger oder Steven Seagal an. Klar! Da ist es ja ganz offensichtlich. Das sind „Department Of Defence“-Filme, die stattlich mit finanziert wurden. Völlig logisch, welches Bild hier vermittelt werden soll. Darauf falle ich als kritischer Zuschauer nicht herein. Oder doch? Mal ganz ehrlich. Woran denken wir denn als erstes, wenn wir das Wort Araber hören? Dunkle Haut, markante Gesichtszüge, schwerer Akzent, wenn er überhaupt unserer Sprache mächtig ist. Gehen wir noch weiter und wir sehen Turban, Palituch und Kalaschnikow im Anschlag. Ist dieses Bild wirklich durch die Filme geprägt, die wir sehen?
Ironischerweise basiert die visuelle Darstellung der Hollywood-Araber auf altertümlichen Gemälden und Fresken über den Orient und wird noch heute in aktuellen Filmen übernommen.
Shaheen findet aber auch einige wenige Ausnahmen, vor allem in Hollywoods jüngerer Geschichte. So lobt er die George-Clooney-Filme „Three Kings“ und „Syriana“, denen eine authentische Darstellung von arabischen Menschen und deren Heimatländern gelungen ist. Diese beiden Filme nähren sich in ihrer inhaltlichen und visuellen Darstellung der Realität am meisten an.
„Reel Bad Arabs“ ist sehr faszinierend, obwohl der Film das Thema natürlich nur oberflächlich ankratzt. Aber er regt dazu an, sich näher damit zu beschäftigen und vor allem, viele Filme zu sehen, oder noch einmal zu sehen und sie unter diesen neuen Gesichtspunkten zu bewerten. So kann man sich eine unabhängige Meinung bilden, was gerade in derart unruhigen Zeiten, die wir im Moment erleben, unglaublich wichtig ist.
„Reel Bad Arabs“ lief am vergangenen Montag und Dienstag im Lichthaus Kino und es steht leider nicht zu erwarten, den Film in nächster Zeit in einem Weimarer Kino sehen zu können. Allerdings ist „reel Bad Arabs“ auf DVD erhältlich und jedem ans Herz zu legen, der sich prinzipiell gerne mit Filmen beschäftigt, auch wenn das manchmal heißt, dass es unbequem werden könnte.
Reel Bad Arabs (USA, 2006): D.: Jeremy Earp, Sut Jhally; B.: Jack Shaheen; Offizielle Homepage
imdb, Trailer.
Rezensionen On Air: Jeden Donnerstag, 12:25 live auf Radio Lotte Weimar.
Der Medienwissenschaftler Dr. Jack Shaheen hat ein Buch geschrieben, in dem er die Darstellung von Arabern in Hollywoodfilmen thematisiert. Diesem Buch hat er einen etwa 50 Minuten andauernden Dokumentarfilm beigefügt. Es werden zahlreiche Beispiele aus allen möglichen Genres gezeigt. Ob Thriller, Actionfilm, oder Familienkomödie: All diese Filme ähneln sich in ihrer Darstellung von Arabern, die in vielen Fällen einer Dämonisierung gleich kommt. Diese Darstellung prägt natürlich die Meinung des Zuschauers und verunglimpft dabei ein ganzes Volk, ohne, dass es dem unbedarften Kinogänger auffällt. Oder haben Sie gewusst, dass ausgerechnet im Vorspann von „Disney's Aladin“ ein Lied mit rassistischem Inhalt gesungen wird? Oder sehen wir uns die ganzen Actionfilme mit Arnold Schwarzenegger oder Steven Seagal an. Klar! Da ist es ja ganz offensichtlich. Das sind „Department Of Defence“-Filme, die stattlich mit finanziert wurden. Völlig logisch, welches Bild hier vermittelt werden soll. Darauf falle ich als kritischer Zuschauer nicht herein. Oder doch? Mal ganz ehrlich. Woran denken wir denn als erstes, wenn wir das Wort Araber hören? Dunkle Haut, markante Gesichtszüge, schwerer Akzent, wenn er überhaupt unserer Sprache mächtig ist. Gehen wir noch weiter und wir sehen Turban, Palituch und Kalaschnikow im Anschlag. Ist dieses Bild wirklich durch die Filme geprägt, die wir sehen?
Ironischerweise basiert die visuelle Darstellung der Hollywood-Araber auf altertümlichen Gemälden und Fresken über den Orient und wird noch heute in aktuellen Filmen übernommen.
Shaheen findet aber auch einige wenige Ausnahmen, vor allem in Hollywoods jüngerer Geschichte. So lobt er die George-Clooney-Filme „Three Kings“ und „Syriana“, denen eine authentische Darstellung von arabischen Menschen und deren Heimatländern gelungen ist. Diese beiden Filme nähren sich in ihrer inhaltlichen und visuellen Darstellung der Realität am meisten an.
„Reel Bad Arabs“ ist sehr faszinierend, obwohl der Film das Thema natürlich nur oberflächlich ankratzt. Aber er regt dazu an, sich näher damit zu beschäftigen und vor allem, viele Filme zu sehen, oder noch einmal zu sehen und sie unter diesen neuen Gesichtspunkten zu bewerten. So kann man sich eine unabhängige Meinung bilden, was gerade in derart unruhigen Zeiten, die wir im Moment erleben, unglaublich wichtig ist.
„Reel Bad Arabs“ lief am vergangenen Montag und Dienstag im Lichthaus Kino und es steht leider nicht zu erwarten, den Film in nächster Zeit in einem Weimarer Kino sehen zu können. Allerdings ist „reel Bad Arabs“ auf DVD erhältlich und jedem ans Herz zu legen, der sich prinzipiell gerne mit Filmen beschäftigt, auch wenn das manchmal heißt, dass es unbequem werden könnte.
Reel Bad Arabs (USA, 2006): D.: Jeremy Earp, Sut Jhally; B.: Jack Shaheen; Offizielle Homepage
imdb, Trailer.
Rezensionen On Air: Jeden Donnerstag, 12:25 live auf Radio Lotte Weimar.
Prince Of Persia - Der Sand der Zeit
Seit 1983 schwingt er sich bereits über die Bildschirme. In einer, mittlerweile acht Teile umfassenden Serie, konnte man im Computerspiel „Prince Of Persia“ durch eine märchenhafte Welt aus 1000 und einer Nacht und durch riesige Paläste wandern, den bösen Wesir bekämpfen und die Prinzessin retten. Und weil gerade mal wieder so ziemlich alles verfilmt wird, was verfilmt werden kann (leider auch Dinge, die nicht verfilmt werden sollten), hat nun auch der persische Prinz den Sprung auf die große Leinwand vollzogen. Produziert von einem Menschen, der schon sehr erfolgreich das totgeglaubte Genre des Piratenfilms wieder belebt hat, in dem er eine Achterbahn als Vorlage für seinen Film genommen hat.
Wir sind in Persien, in einer wilden Zeit. Der persische König schickt sich an, zu erobern und zu besitzen. Mit Hilfe seiner drei Söhne, hat es ein riesiges Heer geschafft, bis vor die Tore der heiligen Stadt Alamuth zu marschieren. Hier werden geheime Waffenschmieden vermutet, die den Feind Persiens versorgen. Außerdem ist die Herrscherin der Stadt – Prinzessin Tamina – für ihre atemberaubende Schönheit bekannt. Im Getümmel findet der jüngste, der persischen Sprösslinge, Dastan, einen geheimnisvollen Dolch, der vor allem die Fähigkeit zu haben scheint, den Prinzen in Schwierigkeiten zu bringen. Man kann gar nicht so schnell gucken, wie Dastan vom gefeierten Helden zum geächteten Verräter avanciert. Zusammen mit der Prinzessin macht sich der Held jedenfalls auf den weiten und gefährlichen Weg, um den Dolch der Zeit zum Tempel der Wächter zu bringen. Nur so kann verhindert werden, dass der Sand der Zeit ausbricht und die gesamte Menschheit vernichtet wird.
Gleich zu Beginn: „Prince Of Persia“ ist kein zweites „Fluch der Karibik“ geworden – In keinerlei Hinsicht. Der Film geht nicht so geschickt mit der Vorlage um, wie das mit Jack Sparrow gelungen ist. Stichwort Hauptcharakter: Der Prinz entspricht dem stereotypen Heldenbild und zeigt kaum erkennbare Regungen beim Kampf gegen Monster oder im Gespräch mit der ach so atemberaubenden Prinzessin. Auch technisch hat sowohl die Spielevorlage, als auch der Trailer mehr vermuten lassen, als letztlich zu sehen war. Aber genug der Meckerei, denn im Großen und Ganzen hat mir der Film ganz gut gefallen. Die Story, die in den Spielen sehr verworren wurde und schwer nach zu vollziehen war, wurde im Film auf ein klassisches Wüstenabenteuer herunter gebrochen, so, wie es im ersten Teil der Spiele auch gewesen ist. Jake Gyllenhaals Auftritt ist nicht so peinlich, wie man es befürchtet hätte. Sein Milchbubi-Gesicht wurde mit stylischen Bartsoppeln aufgerauht. Es gibt eine lustig, trollige Räuberbande, die zuverlässig für ein paar Lacher sorgt, böse, übermächtige Meuchelmörder mit dressierten Giftschlangen und einen Bösewicht, wie er im Buche steht. Es ist klassischer Abenteuerfilm, ein bisschen, wie die alten Sonntagsschinken, nur eben schick gemacht. Am schönsten ist, dass der Geschichte nicht mit roher Gewalt ein Ende zusammen geschustert wurde, welches brennend eine Fortsetzung forciert. Auch, wenn man Jerry Bruckheimer kennt und genau weiß, dass es einen zweiten und auch einen dritten Teil geben wird, hat man zumindest im ersten Teil das Gefühl, eine fertig erzählte Geschichte zu haben, ohne offene Fragen und Handlungsstränge.
„Prince Of Persia – Der Sand der Zeit“ ist erstaunlich schlicht geraten. In Zeiten von „Größer, Weiter, Bäm!“ hätte ich das von Jerry „Awesome“ Bruckheimer nicht erwartet. Cool!
Prince Of Persia – The Sands Of Time (USA, 2010): R.: Mike Newell; D.: Jake Gyllenhaal, Gemma Arterton, Ben Kingsley, u.a.; M.: Harry Gregson-Williams; Offizielle Homepage
In Weimar: CineStar
Rezensionen On Air: Jeden Donnerstag, 12:25 Uhr, live auf Radio Lotte Weimar.
Wir sind in Persien, in einer wilden Zeit. Der persische König schickt sich an, zu erobern und zu besitzen. Mit Hilfe seiner drei Söhne, hat es ein riesiges Heer geschafft, bis vor die Tore der heiligen Stadt Alamuth zu marschieren. Hier werden geheime Waffenschmieden vermutet, die den Feind Persiens versorgen. Außerdem ist die Herrscherin der Stadt – Prinzessin Tamina – für ihre atemberaubende Schönheit bekannt. Im Getümmel findet der jüngste, der persischen Sprösslinge, Dastan, einen geheimnisvollen Dolch, der vor allem die Fähigkeit zu haben scheint, den Prinzen in Schwierigkeiten zu bringen. Man kann gar nicht so schnell gucken, wie Dastan vom gefeierten Helden zum geächteten Verräter avanciert. Zusammen mit der Prinzessin macht sich der Held jedenfalls auf den weiten und gefährlichen Weg, um den Dolch der Zeit zum Tempel der Wächter zu bringen. Nur so kann verhindert werden, dass der Sand der Zeit ausbricht und die gesamte Menschheit vernichtet wird.
Gleich zu Beginn: „Prince Of Persia“ ist kein zweites „Fluch der Karibik“ geworden – In keinerlei Hinsicht. Der Film geht nicht so geschickt mit der Vorlage um, wie das mit Jack Sparrow gelungen ist. Stichwort Hauptcharakter: Der Prinz entspricht dem stereotypen Heldenbild und zeigt kaum erkennbare Regungen beim Kampf gegen Monster oder im Gespräch mit der ach so atemberaubenden Prinzessin. Auch technisch hat sowohl die Spielevorlage, als auch der Trailer mehr vermuten lassen, als letztlich zu sehen war. Aber genug der Meckerei, denn im Großen und Ganzen hat mir der Film ganz gut gefallen. Die Story, die in den Spielen sehr verworren wurde und schwer nach zu vollziehen war, wurde im Film auf ein klassisches Wüstenabenteuer herunter gebrochen, so, wie es im ersten Teil der Spiele auch gewesen ist. Jake Gyllenhaals Auftritt ist nicht so peinlich, wie man es befürchtet hätte. Sein Milchbubi-Gesicht wurde mit stylischen Bartsoppeln aufgerauht. Es gibt eine lustig, trollige Räuberbande, die zuverlässig für ein paar Lacher sorgt, böse, übermächtige Meuchelmörder mit dressierten Giftschlangen und einen Bösewicht, wie er im Buche steht. Es ist klassischer Abenteuerfilm, ein bisschen, wie die alten Sonntagsschinken, nur eben schick gemacht. Am schönsten ist, dass der Geschichte nicht mit roher Gewalt ein Ende zusammen geschustert wurde, welches brennend eine Fortsetzung forciert. Auch, wenn man Jerry Bruckheimer kennt und genau weiß, dass es einen zweiten und auch einen dritten Teil geben wird, hat man zumindest im ersten Teil das Gefühl, eine fertig erzählte Geschichte zu haben, ohne offene Fragen und Handlungsstränge.
„Prince Of Persia – Der Sand der Zeit“ ist erstaunlich schlicht geraten. In Zeiten von „Größer, Weiter, Bäm!“ hätte ich das von Jerry „Awesome“ Bruckheimer nicht erwartet. Cool!
Prince Of Persia – The Sands Of Time (USA, 2010): R.: Mike Newell; D.: Jake Gyllenhaal, Gemma Arterton, Ben Kingsley, u.a.; M.: Harry Gregson-Williams; Offizielle Homepage
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