Freitag, 31. Juli 2009

Harry Potter und der Halbblutprinz

Eine Geschichte, die direkt aus dem Märchenbuch stammen könnte. Eine mittellose Londoner Schriftstellerin geht jeden Tag in das selbe Café. Hier klammert sie sich stundenlang an einer Tasse fest. Mehr kann sie sich einfach nicht leisten. Irgendwann beginnt sie, sich die Zeit zu vertreiben und kritzelt die ersten Sätze einer neuen Geschichte auf eine Serviette. Sie handelt vom kleinen Jungen Harry, dessen Eltern Zauberer waren. Er ist nun alt genug, um die Zauberschule Hogwarts zu besuchen. Hier erlebt er mit seinen Freunden Ron und Hermine zahlreiche Abenteuer und begegnet immer wieder dem finsteren Bösewicht Voldemort. Diese Serviettengeschichte macht die arbeitslose Autorin plötzlich berühmt und Harry Potter wird zum Dauerschlager in kindlichen und elterlichen Bücherregalen. Aus der Serviette sind nunmehr 7 Bücher geworden und seit einigen Wochen läuft der sechste Kinofilm in den Deutschen Lichtspielhäusern. Während die Bücher immer spannender wurden, hatten die Verfilmungen zuweilen Schwierigkeiten, die enormen Erwartungen zu erfüllen.

Wir erinnern uns: Der Dunkle Lord Voldemort galt als besiegt, doch nun ist er wieder auferstanden und scharrt seine Anhänger um sich. Sein Erzfeind Harry Potter erlebt unterdessen einen Tiefschlag nach dem andern, denn nachdem seine beiden Eltern ermordet worden sind, ist nun auch noch sein Mentor Sirius Black getötet worden. Seit der dunkle Lord wieder da ist, lebt es sich für alle guten Zauberer sehr gefährlich. Sogar in Hogwarts fühlt sich niemand mehr richtig sicher. Dennoch versucht man, einen normalen Schulalltag zu meistern. Unterricht, Quidditch spielen und...ach ja...Mädchen. Mittlerweile sind Harry und Ron keine kleinen Jungs mehr, ebenso wenig, wie Hermine und Ginny keine kleinen Mädchen mehr sind. Es stehen also schier unlösbare und dramatische Probleme ins Haus und angesichts dieser Probleme, würde sogar Harry Potter lieber noch einmal gegen den Hornschwanz kämpfen. Hinzu kommt, dass Dumbledore immer wieder heikle Aufträge für Harry hat. So soll er zum Beispiel den neuen Lehrer für Zaubertränke aushorchen, um mehr über Tom Riddle zu erfahren. Außerdem häufen sich die Mordanschläge auf Dumbledore. Irgendwer im Schloss führt also was böses im Schilde.

Es ist zum regelmäßigen Einerlei geworden. Harry Potter ist fester Bestandteil des Kinoprogramms und ein oft gesehener Gast auf den Hitlisten an der Kasse. Der sechste Teil erfindet das Rad natürlich nicht neu und baut auf den bewährten Supereffekten und der Mischung aus düsterer Fantasy Story und alltäglichen Augenzwinkereien der Zauberschüler. Im Vergleich zu seinen Vorgängern ist dieser Film wesentlich düsterer und das ist wörtlich zu nehmen. Alles ist, wie in einen Schleier gehüllt. Es fehlt allem und jeden an Farbe. Kühle Blautöne dominieren die Geschichte. Überhaupt gibt es wenig erfreuliches, oder gar übermütiges. Das alles schlägt teilweise so aufs Gemüt, dass die kleinen Auflockerungen stets eine große Welle der Erleichterung bringen, die aber nicht lange anhält, denn wir wissen ja bereits, dass es kein all zu gutes Ende nimmt. Hier kommt der größte Kritikpunkt zum tragen und den kann man nicht mal dem Film selbst vorwerfen. Durch die allgemeine Hysterie, die stets um den Zauberer Harry Potter entsteht, wenn ein neues Abenteuer erscheint, ist es beinahe unmöglich, nicht zu wissen, wie das überaus dramatische Ende der Geschichte ausfällt. Das nimmt dem Film leider einen Großteil seiner Spannung und Wirkung. Hinzu kommt, dass der namensgebende Fakt, der Halbblutprinz nämlich, überhaupt nicht thematisiert wird, geschweige denn genauer erläutert wird. Diejenigen, die das Buch gelesen haben, mögen ja vielleicht wissen, was das nun eigentlich ist, aber alle anderen bleiben im Dunkeln, beziehungsweise im Düsteren.

Ich hätte „Harry Potter und der Halbblutprinz“ genießen können, hätte ich nicht vorher schon die wichtigsten Details gekannt. Falls es wirklich noch Menschen gibt, die total unbedarft sind, möchte ich denen nicht diesen Genuss zerstören und erzähle das spannende Ende erst, wenn das Mikro aus ist.*

Harry Potter and the Half-Blood Prince (GB/USA 2009): R.:David Yates; D.: Daniel Radcliffe, Michael Gambon, Emma Watson, ua.; M.: Nicholas Hopper; Offizielle Homepage

In Weimar: CineStar

On Air: Jeden Donnerstag, 12:25 Uhr live auf Radio Lotte Weimar.

*So sagt man das im Radio.

Samstag, 25. Juli 2009

Brüno

Wenn man sich über die Gesellschaft und die eigene Kultur aufregen will, muss man immer ein bisschen aufpassen, damit man sich als Angehöriger eben dieser Gesellschaft nicht selbst ins Knie schießt. Als Filmemacher hat man da mehrere Möglichkeiten, die Zustände der Gesellschaft an zu prangern. Man könnte sich ganz sachlich und ernsthaft damit auseinander setzen. Pros und Kontras auflisten und das ganze möglichst wertungsfrei, damit sich der Zuschauer ganz unbefangen seine eigene Meinung machen kann. Soweit die Theorie, aber der Spaß bleibt dabei doch auf der Strecke. Deshalb machen sich viele der so genannten provokanten Filmemacher einfach lustig über alles, was ihnen einfällt. Sacha Baron Cohen zum Beispiel ist ein Künstler, der sich ein besonderes Konzept überlegt hat, die Abgründe der amerikanischen Gesellschaft bloß zu stellen und zu kritisieren. Er verkleidet sich und erfindet Figuren, die allein durch ihre Anwesenheit an bestimmten Orten schon nach Schlägen schreien. Vor zwei Jahren war er als judenfeindlicher Journalist aus Kasachstan mit dem Namen Borat in Hollywood unterwegs. Jetzt geht er als schwuler Fernsehmoderator aus Österreich nach Amerika. Sein Name: Brüno!

Über den Inhalt oder die Handlung des Films zu reden, erspare ich mir jetzt, denn die Spannung würde verloren gehen, wenn man auch nur eine Sache erzählt. Nur soviel: Es werden mal wieder sämtliche Tabus und Grenzen überschritten und man kann sich nur darüber wundern, wie es Cohen gelungen ist, da lebend wieder heraus zu kommen. Er ist Brüno, ein Fernsehmoderator aus Österreich, der durch ein kleines Missgeschick bei der Mailänder Modewoche in Ungnada fiel. Um wieder berühmt und beliebt zu werden, geht er nach Amerika. Hier sollte man etwas wichtiges über ihn erfahren. Brüno ist schwul, und zwar stockschwul und er macht daraus nie einen Hehl. Der Film handelt also davon, wie normale Menschen auf ihn reagieren und dabei buchstäblich die Hosen runterlassen.

Sacha Baron Cohen traut sich was. Als Borat trat er in Texas bei einem uramerikanischen Rodeo auf und sang die amerikanische Hymne mit dem ausgedachten Text der ksachischen Hymne und sorgte für lautstarken Unmut. Als Brüno treibt er es noch weiter. Interessant ist immer wieder, wie man auf ihn reagiert. Er pöbelt hemmungslos durch die Gegend. Er sagt immer das Falsche und tritt sozusagen von einem Fettnäpfchen zum nächsten. Man könnte sagen, er tut das, weil er ein besonders tolpatschiger oder dummer Mensch ist, aber natürlich ist das alles Teil der Figur. Beeindruckend ist, wie Cohen diese Figuren bis ins kleinste Detail entwirft, so dass er trotz seiner Lächerlichkeit zumindest am Anfang immer ernst genommen wird. So schafft er die unmöglichsten Situationen und kritisiert auf schockierende, aber durchaus unterhaltsame Weise die amerikanische Gesellschaft.
Das Manko dieses Films ist, dass er im Grunde das selbe macht, wie schon einmal. Diesmal geht er stets auf Nummer sicher und die verrücktesten Szenen sind allesamt inszeniert. Diese Inkonsequenz nervt. Provozieren: Ja; Konsequenzen dafür tragen: Lieber nicht.

Wem die skandalöse Klischeeschlacht mit Borat gefallen hat und einfach mehr will, kommt an "Brüno" nicht vorbei. Neben zahlreichen Peinlichkeiten und Schocks sollte man sich aber vor allem eines bewusst sein. Die einzigen Menschen, die bei diesem Film wirklich nicht gut weg kommen, sind die Homosexuellen.

Brüno (USA 2009): R.: Sacha Baron Cohen; D.: Sacha Baron Cohen, Gustaf Hammersten, Clifford banagale, u.a.; Offizielle Homepage

In Weimar: CineStar

On Air: Jeden Donnerstag 12.25 Uhr live auf Radio Lotte Weimar

P.S.: Die nächsten Filme, die ich mir angesehen habe, werden hier nicht vorgestellt. Aus zwei Gründen: "Transformers 2" war einfach so furchtbar, dass allein die Erwähnung des Films kalten Schweiß auf die Stirn treibt. "Public Enemy No.1 - Todestrieb" leif in Weimar leider nur eine Woche, weshalb auch dessen Besprechung flach fällt. Ab nächste Woche geht's gewohnt weiter mit - wie ich hoffe - "Inglorious Bastardz".
-Jan-

Montag, 6. Juli 2009

Che - Revolucion

Er hat ein Gesicht, das jeder auf dieser Welt kennt. Es ziert in verschiedenen modischen Varianten, zahlreiche Kleidungsstücke, Taschen, Poster und ist der Inbegriff für Rebellion, Revolution und für das sprichwörtliche Rütteln am Käfig. Die Rede ist von Ernesto „Che“ Guevara. Aber was wissen wir über diesen Mann? Ja, also: Cuba eben. Und Revolution halt. Fidel Castro. Und Zigarren. Nur, wer sich ausführlich mit der jüngeren Geschichte Lateinamerikas beschäftigt, kennt die genauen Abläufe der verschiedenen Gelegenheiten, durch die Che Guevara berühmt wurde. Die Wenigsten wissen, was er für ein Mensch war. Um dem abzuhelfen, hat Regisseur Steven Soderbergh jetzt das Leben des Arztes Ernesto aufwändig verfilmt. Diese Filme sollen uns den Mythos näher bringen, doch damit scheitert Soderbergh kläglich.

Wir werden direkt in die Geschichte katapultiert. Eine amerikanische Journalistin interviewt Che Guevara und er erzählt. Alles beginnt mit einem konspirativen Treffen. Che, Fidel und einige andere beschließen, die Revolution nach Cuba zu bringen. Und los geht’s. Mit einem Schiff wird die Überfahrt bewältigt und eine kleine Gruppe von etwa 30 Kämpfern startet den langen Marsch in die Hauptstadt Havanna. Unterwegs treffen sie nicht nur auf Regierungstruppen, sondern auch auf zahlreiche Mitstreiter. Je weiter die Widerstandskämpfer kommen, desto mehr Einheimische schließen sich ihnen an. Die Guerillas folgen bei ihrem Vorgehen einem bestimmten Konzept. Jeder Schritt ist wohl überlegt und liegt immer einer bestimmten Taktik zugrunde. Bauern werden professionell ausgebildet, sowohl im Kämpfen, als auch beim Schreiben und Lesen. Mit unglaublicher Präzision und Disziplin marschieren sie immer weiter und üben so Druck auf die Regierung aus. Und eines Tages kommt es tatsächlich zum spektakulären Einmarsch in Havanna. Der Krieg ist vorbei, die Revolution beginnt. Unterwegs werden Bündnisse mit zahlreichen Splittergruppen getroffen und so verfügt der Widerstand über eine größere Streitmacht, als die Armee der Regierung. Unterwegs wurde außerdem schnell noch fest gelegt, dass Fidel Castro der alleinige Oberkommandierende der Rebellenstreitkräfte ist, so dass auch für den nächsten Führer des Landes gesorgt ist.

Der ein oder andere mag jetzt denken: Warum erzählt der jetzt eigentlich schon den ganzen Film? Tja. Das sind eben die historischen Fakten und Ereignisse, die genau so statt gefunden haben. Und entsprechend penibel und genau handelt der Film diese Ereignisse ab. Das Interview dient als Rahmenhandlung und der Rest wird in Form von Rückblenden mit Off-Kommentaren erzählt. Die wenigen Szenen, bei denen ein Anflug von Spannung aufkommt, werden durch schroff eingeblendete Interviewpassagen veredelt, wodurch niemals Kino-Feeling aufkommen kann. Es ist eben ein teuer produzierter Dokumentarfilm geworden. Das alles wäre nicht so schlimm, da es sich ja um einen Kunstgriff und ein filmisches Konzept handelt, welches bei diesem Stoff durchaus stimmig sein kann. Aber trotz der peniblen Abhandlung der Fakten, ist der Film viel zu oberflächlich, da die wirklich interessanten Fragen gar nicht angesprochen werden. Was war dieser Che eigentlich für ein Mensch? Welche Motive hatte er, sein wohl durchdachtes Konzept der Revolution in ganz Lateinamerika zu etablieren? Warum hat er trotz seines schweren Asthmas die ganze Zeit geraucht, wie ein Schlot? Davon ist in diesem Film überhaupt nicht die Rede. Alles ist derart nüchtern inszeniert, dass man glauben könnte, man sitzt wieder in der Schule und kriegt einen Lehrfilm vorgeführt. Dazu kommt die Länge des Films. Über zwei Stunden diese Art Film sorgten zumindest bei mir dafür, dass mein Interesse, eventuell den zweiten Teil zu sehen, vollkommen erloschen ist.
Zum Abschluss noch ein Wort zur viel gepriesenen, charismatischen Darstellung von Benicio del Toro. In diesem Film hätte jeder x-beliebige Schauspieler diese Rolle übernehmen können. Da war del Toro selbst im schnarchigen 007-Abenteuer „Lizenz zum töten“ charismatischer.

„Che - Revolucion“ ist nur zu empfehlen für Leute, die sich wirklich für die Geschichte Cubas interessieren und einfach mal gerne ein kompaktes Sammelwerk vorgesetzt bekommen wollen. Zuschauer, die ein spannendes Kinoerlebnis und eine packende Darstellung einer interessanten, historischen Figur erwarten, werden leider enttäuscht.

Che – The Argentine (Spanien / USA 2008): R.: Steven Soderbergh; D.: Benicio del Toro, Demian Bechir, Julia Ormond, u.a; M.: Alberto Iglesias; Offizielle Homepage

In Weimar: lichthaus

On Air: Jeden Donnerstag 12.25 Uhr live auf Radio Lotte Weimar

Freitag, 26. Juni 2009

State Of Play - Der Stand der Dinge

Haben Sie auch manchmal das Gefühl, dass irgendwas falsch läuft in unserer Welt? Dass Sie wissen, was schief geht, aber es einfach nicht greifen können, weil sie sich einfach nicht vorstellen können, dass etwas so ungeheuerliches möglich ist? Sie sehen die Zusammenhänge, aber keiner glaubt Ihnen? Genau so geht es Russell Crowe, der im neuen Film "State Of Play" von Kevin Macdonald einen Journalisten spielt, der eine ungeheure Verschwörung aufzudecken glaubt.

Cal ist eine Art Einsiedlerkrebs. Er arbeitet seit Jahren für den Washington Globe und ist ein Journalist der ganz alten Schule. Er hasst Computer und Internet, steht immer dafür ein, unvoreingenommen und wahrheitsgemäß zu berichten, wofür er von einigen Kollegen mehr als einmal belächelt wird. Deshalb bekommt er immer eher kleinere Fälle, wie Schießereien im Drogenmilieu, und steht so der Verlagschefin und dem Vorstand nicht im Weg, beim Verkauf der großen Storys. Eines Tages recherchiert er einen Mordfall und stellt Zusammenhänge zu einem anderen Fall fest. Die Mitarbeiterin des Abgeordneten Stephen Colins wurde tot in einer U-Bahnstation aufgefunden. Angeblich Selbstmord. Brisant ist, dass der Abgeordnete schon seit Jahren gegen einen Konzern ermittelt, der sich für die Privatisierung des amerikanischen Militärs stark macht. Cal glaubt nicht an Selbstmord, und stellt bald fest, dass es ein unglaublich weitverzweigtes Netz an Lügen und Intrigen aufzudröseln gilt. Während Kollegen und Freunde stets abwinken und Cal nicht ernst nehmen, merkt er schnell, dass er auf der richtigen Spur ist, denn auf ihn wird ein Mordanschlag verübt.

"State Of Play" erzählt vom wohl größten Dilemma der letzten Jahre. Wir werden manipuliert, weil wir manipulierbare Medien nutzen. Man muss alles hinterfragen und darf keine Information ohne weiteres hin nehmen. Ironischerweise ist auch diese Botschaft in einem Medium versteckt, welches extrem angreifbar durch Manipulation ist. So weit und intensiv geht der Film dann leider doch nicht. Regisseur Kevin Macdonald erzählt eine spannende Kriminalgeschichte und würzt das ganze mit einer großen Portion Politthriller. Und das ist es, was mich an diesem Film stört. Er ist sehr spannend, kratzt bei der eigentlichen Thematik aber nur die Oberfläche an und die Story wird nicht konsequent fertig erzählt. Viel zu oft wirkt das ganze zu geradlinig konstruiert, als hätte ein eifriger Produzent die Schere angesetzt, um niemanden wirklich auf die Füße zu treten.
So verbirgt sich im Film also doch - aber eher unfreiwillig - die Aussage, dass eben keine Informationen ungefiltert zu uns dringen. Wer wirklich wissen will, was passiert, kann das durchaus in Erfahrung bringen, darf sich aber unterwegs nicht von den Informationen ablenken lassen, die allein zu einem dringen.

"State Of Play" ist spannend, handelt aber den Zeitgeist und das Bild der heutigen Medien und der Berichterstattung nur oberflächlich ab, um einen spannenden, aber nicht ungewöhnlichen Krimi zu erzählen. Da wäre mehr drin gewesen.

State Of Play (USA 2009): R.: Kevin Macdonald; D.: Russell Crowe, Ben Affleck, Helen Mirren, u.a.; M.: Alex Heffes; Offizielle Homepage

In Weimar: CineStar

On Air: Jeden Donnerstag, 12.25 Uhr live auf Radio Lotte Weimar

Freitag, 19. Juni 2009

Public Enemy No. 1 - Mordinstinkt

In den 70er Jahren gab es einen Mann, der in Frankreich sehr schnell zu unglaublicher Berühmtheit gelangte. Allerdings war er kein Schauspieler, oder berühmter Musiker. Er war auch kein Modedesigner oder Politiker. Er war ein skrupelloser Verbrecher und tat mehr oder weniger das, was er wollte. Damit sprach er wahrscheinlich sehr vielen Menschen aus der Seele und erfreute sich größter Beliebtheit. Sein Name war Jacques Mesrine und der neue Film von Jean-Francois Richet „Public Enemy No. 1 – Mordinstinkt“ widmet sich dem Leben dieses Mannes.

Jacques kehrt als Soldat aus Algerien zurück und hat dort viele schreckliche Dinge erlebt. Daheim wartet das biedere Familienleben auf ihn und sein Vater verschafft ihm einen Job, der er nicht annimmt. Stattdessen verbringt er lieber viel Zeit mit seinen alten Freunden, die ihr Geld durch schmutzige Geschäfte verdienen. Sie alle arbeiten für den Pariser Gangsterboss Guido, der nun auch Jacques an heuert. Das Leben wird schön. Jaques hat geld, lernt eine schöne Spanierin kennen und gründet eine Familie. Doch eines Tages geht ein Job, den er für Guido erledigt, schief und Jacques wandert für mehrere Jahre ins Gefängnis. Als er wieder frei kommt, entschließt er sich für ein ehrliches Leben und wendet sich vom Gangstertum ab. Lange geht es nicht gut und er beginnt, wieder für Guido zu arbeiten. Nachdem seine Frau ihn mit den Kindern allein gelassen hat, startet er mit der schönen Jeanne eine Serie von immer dreister werdenden Überfällen, bis er schließlich zur Zielscheibe konkurierender Gangster und der Polizei wird.

Vincent Cassel hat die Rolle des bekanntesten Verbrechers der letzten 50 Jahre übernommen und erfüllt ihn auf beängstigende Weise und voller Intensität mit neuem Leben. Wenn man Fotos von Jacques Mesrine gesehen hat und Fernsehaufnahmen kennt, ist die Ähnlichkeit verblüffend. Auch spielt er die klar umrissenen Charakterzüge dieses Mannes sehr gekonnt und schafft es, einen vom Schicksal gebeutelten Kriegsveteranen daruistellen, der einfach keinen anderen Weg sieht, als Verbrechen zu begehen, um irgendwie zu überleben. Das ganze wird in klaren Bildern auf sehr langsame Weise inszeniert, so dass die unglaubliche Spannung der Geschichte an sich, ungehindert zum Tragen kommt. Eine erwähnenswerte Konsequenz dieses authentischen, klaren Stils, sollte man allerdings noch beachten. Als Gangster, der Gangstersachen tut, kommt Jacques nicht drum herum, wild und scharf zu schießen. Die schockierenden Gewaltdarstellungen, sind nichts für zart besaitete, runden das harte Bild des Verbrecherkönigs allerdings perfekt ab.

„Public Enemy No. 1 – Mordinstinkt“ ist ein sehr spannender Film, der sofort fesselt und bis zum vorläufigen Ende nicht los lässt. Und auch, wenn es ein sehr guter und sehr sehenswerter Film ist, muss ich fast nahe legen, ihn sich erst an zu sehen, wenn der zweite Teil läuft. Das Ende ist so abrupt, dass ich es immer noch nicht fassen kann...

L'instinct de mort (Frankreich 2008): R.: Jean-Francois Richet; D.: Vincent Cassel, Cecile De France, Gerard Depardieu, u.a.; M.: Marcus Trumpp; Offizielle Homepage

In Weimar: lichthaus

On Air: Jeden Donnerstag, 12.25 Uhr live auf Radio Lotte Weimar

Terminator - Die Erlösung

Wie schon mehrfach erwähnt, werden die Kinos auch in diesem Jahr wieder von Fortsetzungen großer Serien dominiert. Gemäß dem Motto: "Alte Suppe kann aufgewärmt werden, wenn man nur noch ein bisschen Wasser dazu kippt", tauchen Titel auf, die allgemein auch als "Kultfilm" gelten, sobald sie ein gewisses Alter erreicht haben. Vor ein paar Woche gab es den vierten Teil einer Geschichte, die im Grunde fertig erzählt war. In "Terminator Salvation" musste also ein komplett nues Konzept her, was dem Regisseur McG auch ganz gut gelungen ist.

2018 ist von der Welt, wie wir sie kennen nicht viel mehr übrig, als karge und lebensfeindliche Wüsten. Hier liefert sich der Widerstand der letzten Menschen erbitterte Kämpfe mit den übermächtigen Maschinen, die immer stärkere Kampfroboter auf die Menschen los lassen. Ein Mitglied des Widerstands, John Connor, weiß allerdings ganz genau, was ihn erwarten wird, denn er hatte früher bereits Besuch aus der Zukunft erhalten. Dreimal wurde bereits ein Terminator aus der Zukunft geschickt, um den großen Anführer John Connor zu töten, bevor er ein Problem werden konnte. Durch diese Ereignisse weiß Connor immer schon vorher, welche neuen Terminatoren auftauchen und kann mit seinen Mitkämpfern effektive Strategien ausarbeiten. Lange geht das allerdings nicht gut und die Maschinen reagieren. Der Obercomputer Skynet entwickelt einen neuen Terminator, der zur Hälfte Maschine und zur Hälfte Mensch ist. Der Unterschied zu den bekannten Killerrobotern ist der, dass die neuen Hybriden ein menschliches Bewusstsein und vor allem ein menschliches Herz besitzen. Eines Tages geht den Widerstandskämpfern der Hybrid Marcus ins Netz, der sich seiner Existenz als Terminator gar nicht bewusst ist. Das Auftauchen des neuen Terminators schockiert John Connor so sehr, dass er nicht mehr weiß, was um ihn herum geschieht. Bei einem Verhör, erwähnt Marcus nebenbei den Namen Kyle Reese und John flippt völlig aus. Kyle Reese ist nämlich der Mann, der später in die Vergangenheit geschickt werden soll, um Johns Mutter Sarah Connor vor einem Terminator zu retten und bei dieser Gelegenheit gleich noch der Vater des großen John Connors wird. John setzt nun also alles daran, Reese zu retten und riskiert dabei nicht nur sein Leben, sondern die Existenz des gesamten Widerstands.

Regisseur McG hatte versprochen, mit Terminatoer Salvation eine neue Richtung einzuschlagen. Das ist ihm auch gelungen. Während Terminator 3 noch mit aufpolierten und glasklaren Spezialeffekten trumpfte, ist im neuen Film alles dreckig und düster. Die dominanten Farben sind Grau und Braun. Dadurch wird die beklemmende Atmosphäre der Postapokalypse perfekt eingefangen. Waren die Terminatoren in früheren Filmen noch als Menschen getarnt und wurden nur durch ihre unglaublichen Kräfte entlarvt, sehen die Roboter im vierten Teil endlich aus, wie Roboter. Sie sind groß, hässlich und die Subtilität, die sie früher an den Tag legten, fehlt völlig. Mit überdimensionierten Kanonen feuern sie auf alles, was menschlich ist und sich bewegt. Die reduzierte und karge Optik macht die fesselnden Gefechte zwischen Mensch und Maschine sehr spannend, da das Auge nicht von übermäßigen CGI-Effekten verwirrt wird, sondern die Aufmerksamkeit immer auf das wesentliche gelenkt wird. Interessant ist auch die neue Konzeption der Figur John Connor, der früher immer an seinem Schicksal gezweifelt hatte und nie seine Rolle als letzte Hoffnung der Menschheit annehmen wollte. Er wirkt jetzt fast fanatisch, wenn er von der Zukunft seiner eigenen Person redet und zuweilen echte Schwierigkeiten, von seinen Freunden und Mitstreitern ernst genommen zu werden.

"Terminator Salvation" ist ein würdiger Nachfolger der "Kultserie", die vor allem im dritten Teil immer trashiger wurde. McG streicht die ganzen Ulk-Elemente heraus und würzt das ganze mit einer deftigen Priese Ernsthaftigkeit und Drama. Das Konzept geht auf und wir erhalten einen realistischen Kriegsfilm in einem Szenario, dass der Menschheit hoffentlich erspart bleibt.

Terminator Salvation (USA 2009): R.: McG; D.: Christian Bale, Sam Worthington, Bryce Dallas Howard; M.: Danny Elfman; Offizielle Homepage

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Donnerstag, 11. Juni 2009

Gavin Hood - X-Men Origibns: Wolverine

Wir hätten es uns ja denken können. Als der dritte und letzte Teil der X-Men-Reihe vor drei Jahren endete, konnte niemand so richtig glauben, dass wirklich kein weiterer Film erscheinen soll. Träume und Hoffnungen der Fans und Befürchtungen der Skeptiker sind nun in Erfüllung gegangen. Mit „X-Men Origins: Wolverine“ ist die bisher erfolgreichste Comicverfilmung wieder im Kino und man erfährt eine angenehme Überraschung, je skeptischer man den Kinosaal besucht.

Düster beginnt es. Irgendwann vor 600 Jahren vielleicht. Die zwei Brüder James und Victor hauen zu Hause ab, nachdem sie auf dramatische Weise gemerkt haben, dass etwas anders ist bei ihnen. Sie haben unglaubliche Kräfte, können scharfe Knochenkrallen ausfahren und sind scheinbar unverwundbar. Sie durchwandern jeden einzelnen amerikanischen Krieg und auch, wenn sie keine richtigen Menschen sind, wirken sich die Erlebnisse der Kriege natürlich auf ihre Psyche aus. Während James, der sich inzwischen Logan nennt ein ernsthafter Mann wird, der sich ein ausgeprägtes Moralgefühl erarbeitet hat, geht sein Bruder Victor in eine andere Richtung. Er wird immer mehr zum Berserker und findet immer mehr Spaß am töten. Das verschafft den Brüdern regelmäßig Schwierigkeiten in den Armeen, in denen sie dienen und sie bleiben die Ausgestoßenen. Eines Tages kommt Colonel Stryker auf die beiden zu und bietet ihnen an, sich seiner Sondereinheit anzuschließen, die ausschließlich aus Mutanten besteht. Logan entschließt sich allerdings, die Einheit zu verlassen und statt dessen ein geruhsames Leben in den Bergen Kanadas zu führen. Hier findet er einen einfachen Job als Holzfäller und eine schöne Frau, mit der er in einer kleinen Hütte lebt. Nach sechs Jahren taucht wieder der Colonel auf und teilt Logan mit, dass jemand gezielt Jagd auf die ehemaligen Mitglieder der Einheit macht und kurz darauf wird Logans Frau brutal ermordet. Logan findet heraus, dass sein Bruder Victor der Mörder ist und stellt ihm zum Kampf. Da die beiden Brüder allerdings gleich stark sind, geht dieser Kampf unentschieden aus. Logan dürstet es nach Rache und der Colonel bietet ihm an, an einem Experiment teilzunehmen, welches Logan noch stärker macht. Vom Rachedurst geblendet stimmt Logan zu und lässt sich operieren, ahnt aber nicht, dass Stryker seine eigenen Pläne hat und Logan Opfer einer Verschwörung geworden ist.

„Wolverine“ erzählt, wie man sich denken kann, die Vorgeschichte der bisherigen X-Men Filme. Allerdings stand auch die preisgekrönte Comic-Miniserie „Wolverine Origins“ Pate, die unter Fans höchstes Ansehen genießt. Ungewohnt düster und schmutzig beginnt die Geschichte und entwickelt sich dann zu einer typischen, spektakulären Schlacht der Superkreaturen. Auch, wenn die Story im wesentlichen sehr übersichtlich und schlicht gehalten ist, werden sehr clever Querverweise zu den früheren Filmen gebaut und es wird ein logischer Rahmen geschlossen, so dass „Wolverine“ tatsächlich eine sinnvolle Erweiterung der Serie ist. Seine Vergangenheit war immer Thema in den Vorgänger-Filmen, konnte aber nie restlos aufgeklärt werden. Es werden keine Fragen offen gelassen und man kann sich auf einen Kurzauftritt von Cyclops und Dr. X freuen, der sogar von Patrick Stewart selbst bestritten wird. Ansonsten bietet „Wolverine“ durchschnittliche Actionkost und auch, wenn der Film sich sehr bemüht, der beliebten Comicvorlage gerecht zu werden und gleichzeitig einen nachvollziehbaren Bogen zu den alten Filmen zu schlagen, fehlt ihm ein bisschen die Lockerheit, die eben zu Comicverfilmungen dazu gehört. Vor allem die Dialoge zwischen Logan und seinem Bruder Victor triefen vor Pathos und Ernsthaftigkeit, dass man stets hofft, sie wären bald vorbei und die beiden Typen gehen endlich auf einander los.

„Wolverine“ ist Comic-Action, die solide inszeniert, durchaus zu unterhalten weiß. Allerdings wird das Auge langsam müde, ob der spektakulären Explosionen und umher fliegender Testosterongiganten und wünscht sich doch auch mal ein bisschen Frischkost im Superheldenkino. Auch wenn „X-Men“ vor 9 Jahren diesen Stil erst in den Kinos etabliert hat, hätte man das Konzept doch ein bisschen auffrischen können.

X-Men Origins: Wolverine (USA 2009): R.: Gavin Hood; D.: Hugh Jackman, Liev Schreiber, Dominic Monaghan; M.: Harry Gregson-Williams; Offizielle Homepage

On Air: Jeden Donnerstag 12.25 Uhr live auf Radio Lotte Weimar