Das fulminante Finale der Christopher-Nolan-Trilogie „The Dark Knight Rises“ läuft derzeit mit vollem Erfolg in den deutschen Kinos. Ein Grund für die hohen Besucherzahlen im Allgemeinen ist auch die virale Marketingkampagne, die dem Film voraus geeilt ist. Im Grunde wurde der Hype schon durch das extrem fiese Ende des Vorgängerfilms „The Dark Knight“ eröffnet. Ein Jahr vor Release kam der erste offizielle Teaser-Trailer und seitdem gab es fast täglich kleine Häppchen, bis die Vorfreude in Hysterie umschlug und die Erwartungen regelrecht gottgleiche Ebenen erreichten.
Ich wurde sozusagen Monate lang gedrillt und auf Batman gemünzt und letzte Woche war plötzlich alles vorbei. Die ganze Aufregung lief auf fantastische zweieinhalb Stunden hinaus und entlud sich brachial.
Und nun ist Schluss?
Einfach so? Niemals! Ich bin im Batman-Fieber. Das ebbt nicht einfach so ab, nur weil man den neuen Film einmal gesehen hat. Ich werde ihn mir mindestens noch dreimal ansehen, so lange er im Kino läuft. In der letzten Woche habe ich mir außerdem die alten Filme noch einmal reingezogen und interessante Dinge festgestellt, was die Entwicklung der Figur Batman im Film anging.
Fangen wir von Vorne an.
Naja. Vielleicht nicht ganz von vorne. Denn den ersten Leinwandauftritt gab es bereits 1943 mit „Batman“. Alberne Kostüme und eine völlig bekloppte Story hoben den Fremdschämfaktor enorm an. Nicht viel besser waren die Batman-Filme in den 60er Jahren. Adam West spielte den dunklen Rächer und lies ihn zum Moralapostel verkommen. Unerträglich und unfreiwillig komisch: Batmans Schlaumeierei. Und in den Kampfszenen werden Comicschriftzüge eingeblendet. „Pow“ und „Bang“? Lieber nicht.
Tim Burton war dann der erste Regisseur, der die ganze Sache etwas ernster angehen wollte. Im wahrsten Sinne des Wortes. Er konnte 1989 für seinen „Batman“ ein hohes Aufgebot an hochkarätigen Schauspielern gewinnen. Jack Nicholson schlüpfte in die Rolle von Batmans Erzfeind, den Joker. Batman selbst wurde vom relativ unbekannten Michael Keaton dargestellt und gilt allgemein als Schwachpunkt des Filmes. Ich mochte allerdings seine reduzierte Art. Sein Bruce Wayne war melancholisch, aber auch irgendwie sehr locker und cool und fast schon zynisch. Gerade neben einem solch starken Charakter, wie dem Joker, hebt sich sein Stil angenehm ab, auch wenn er dem Bruce Wayne aus der Comicvorlage nicht mehr so nahe war.
Tim Burton schafft mit „Batman“ eine düstere Utopie. Sein Gotham besteht aus gigantischen Türmen, die sich über den Moloch erheben. Er erinnert daran, dass im Namen der Stadt nicht umsonst das Wort „gothic“ steckt. Überall gibt es riesige Statuen und Kirchentürme. Nie scheint die Sonne. Obendrein hat aber alles eine gewisse Papp-kulissen-Ästhetik, die dem ganzen eine Film-Noir-ähnliche Atmosphäre gibt. Gepaart mit den unvermeidlichen 80er Jahre Kitsch und Bergen aus Haaren, ergibt sich eine einmalige Ästhetik, die aber ein sehr stimmungsvolles Bild zu zeichnen vermag. Die Story ist relativ simpel und der Hauptfokus des Films liegt eindeutig auf der Ausstattung und den Actionszenen. Die sind sehr aufwendig produziert und strotzen nur so vor Kraft. Allein die Etablierung des Batmobiles ist so cool gelungen, dass einige Einstellungen auch aus irgendwelchen Hip-Hop-Lowrider-Clips hätten stammen können. Eine Szene, in der Joker und seine Kumpane ein Museum überfallen, um die dortige Kunst zu „verbessern“ zählt zu den bekanntesten Sequenzen des modernen Hollywood. Eine andere Szene, in der Joker bei einem Chirurgen auf dem Stuhl sitzt und sich grade sein Gesicht hat operieren lassen, wurde schon sehr oft in anderen Filmen zitiert und zählt ebenfalls zu den großen Klassikern. Das Abwickeln des Verbandes in Jokers Gesicht symbolisiert ein Stück weit die Geburt des modernen Actionfilms. Denn vor allem technisch legte „Batman“ neue Maßstäbe. Bewegte sich die Handlung ein bisschen freier abseits der Comicgeschichte, gestaltete sich der Film dadurch um so zugänglicher für eine breites Publikum.
Tim Burton wurde über Nacht berühmt und Batman konnte sein frevelhaftes Image als Sprüche klopfender Depp, mit Anti-Hai- und Karussell-Gegendrehungs-Spray am Gürtel, an den Nagel hängen.
Nach einem derartigen Erfolg, war es nur eine Frage der Zeit, bis eine Fortsetzung anstand. Die kam 1992 und Tim Burton führte erneut Regie. Sofort fiel auf, dass der Produktion wesentlich mehr Geld zur Verfügung stand und dass Tim Burton wesentlich mehr Freiraum genießen durfte.
In „Batmans Rückkehr“ (selten dämlicher Titel eigentlich, denn das würde ja bedeuten, dass Batman Gotham verlassen hätte. Hat er wohl aber nicht...Egal...) wird Weihnachten gefeiert und zwar auf Gotham-Art. Das heißt, dass es in der dunklen Stadt ganz und gar nicht friedlich zu geht. Der Pinguin terrorisiert die Bürger und Batman muss sich obendrein noch mit Catwoman herumschlagen. Trotz der Starpower (Danny DeVito, Michelle Pfeiffer, Christopher Walken) und der enorm aufgestockten Ausstattung, konnte dieser Film nicht an den Erfolg des Vorgängers anknüpfen. Tim Burton hat zu sehr seinen eigenwilligen Stil einfließen lassen, was mir persönlich sehr gut gefällt, die breite Masse aber offensichtlich abgeschreckt hat. Die Welt war wohl einfach noch nicht bereit für die volle Ladung Burton.
Egal, was man über Burtons zweiten Batman-Film noch zu meckern hatte; das alles verstummte sofort, als Joel Schuhmacher 1995 das Ruder übernahm und einen schwer zu ertragenden „Batman Forever“ produzierte und dann noch mit einem unsäglichen „Batman & Robin“ nachlegte. Über diese beiden Filme möchte ich nichts sagen. Es lohnt nicht, sich in irgendeiner Form darüber aufzuregen, erst recht, weil es ja mittlerweile genug adäquaten Ersatz im Sektor Batman gibt, dass man die beiden Schuhmacher-Filme eigentlich endlich mal offiziell boykottieren könnte.
Für eine offizielle Facepalm reicht es aber auf jeden Fall schon jetzt.
Es gab also einige sehr unterschiedliche Lesarten der Figur Batman. Auch, wenn ich nicht mit allem einverstanden gewesen bin, finde ich es total interessant, wie sehr sich eine solche Figur verändern kann. Ich denke, das ist auch die Faszination, die Batman auf die Filmemacher dieser Welt ausübt. Christopher Nolan mag seine Trilogie – die, ganz nebenbei erwähnt, absolut unerreicht und großartig ist – beendet haben, aber „The Dark Knight Rises“ war keinesfalls der letzte Batman-Film. Man darf gespannt sein.
Batman (USA, 1989): R.: Tim Burton; D.: Jack Nicholson, Michael Keaton, Kim Basinger, u.a.; M.: Danny Elfman, Offizielle Homepage
Der Filmblog zum Hören: Jeden Donnerstag, 12:00 bis 13:00 Uhr auf Radio Lotte Weimar.
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Donnerstag, 2. August 2012
Donnerstag, 26. Juli 2012
The Dark Knight Rises
Christopher Nolan hat es vollbracht. Er hat eine der interessantesten Comicfiguren überhaupt stimmig und überaus erfolgreich auf die Leinwand geholt. Er hat außerdem einen neuen Stil geschaffen und das Genre des Actionfilms regelrecht revolutioniert. Aber nicht auf eine Weise, die nun jeder nach macht, sondern bei der man sich eher fragt: „Wie hat er das gemacht?“
Christopher Nolan hat ein beispielloses Marketingverfahren etabliert und konsequent durch gezogen.
Das hatte zur Folge, dass unfassbar viele Menschen diesen Film sehen wollen. Und nun, nach Jahren des Wartens, nach Tragödien fiktiver und realer Natur startet heute endlich „The Dark Knight Rises“
Die Story war über die letzten Monate eines der bestgehüteten Geheimnisse Hollywoods. Nur wenige Details drangen an die Öffentlichkeit und das heizt die Spannung ordentlich an. Es sorgt auch für einen gewissen Teil des Spaßes, den dieser Film bringen kann. Je weniger man also über die Geschichte erfahren hat, desto spannender wird es. Deswegen wird an dieser Stelle selbstverständlich auch nicht viel verraten.
Wir sind jedenfalls wieder in Gotham, etwa acht Jahre nach den Ereignissen des vorigen Films.
War die Stadt früher vor allem für seine hohe Verbrechensrate bekannt, sieht es mittlerweile ganz gut aus und die Gotham scheint sicher zu sein.
Nach den Ereignissen von „The Dark Knight“ ist Batman ein Gejagter und wird von der Polizei gesucht. Harvey Dent wurde unterdessen zum Helden erklärt.
Genau in dieser Zeit kommt Bane in die Stadt. Er ist ein super intelligenter Schwerverbrecher, der einen perfiden Plan verfolgt. Er will die Stadt terrorisieren und erpressen und er will Batman als Symbol der Hoffnung aller Menschen zerbrechen. Dem dunklen Ritter steht die Herausforderung seines Lebens bevor, als er dem Verbrechergenie gegenüber steht.
Die gesamte Story ist natürlich wesentlich komplexer und vielseitiger, aber ich will wirklich nicht zu viel verraten. Es gibt nämlich mehr, als eine Wendung, die den ganzen Story-Apparat mehr als einmal komplett umwirft. Fakt ist, dass der Film über seine gesamte Laufzeit unfassbar spannend ist und Schritt für Schritt eine intensive Atmosphäre aufbaut, die sich in einem fulminanten Finale entlädt. Nolan hat seinen gesamten Stil wieder etwas plastischer gestaltet. Nachdem er in „The Dark Knight“ ein sehr realistisches Bild geschaffen hat, wirkt hier wieder alles etwas künstlicher, was der Geschichte aber entgegen kommt. Die Actionszenen sind perfekt ausgearbeitet, die Dialogszenen wirken intensiv, und sind fast schon pathetisch geraten, genau wie das Ende des Films.
Das entspricht aber voll und ganz der Comicvorlage. Und damit sind wir bei dem Punkt, der gleichzeitig die größte Stärke und Schwäche des Films ist. Rein filmisch und inszenatorisch kommt dieser Film nicht an den Vorgänger heran. Das liegt daran, dass der Joker einfach ein sehr vielschichtiger Charakter war, der obendrein noch von einem talentierteren Schauspieler dargestellt wurde. Derartige Spieltiefe kann Tom Hardy in einer derartigen Rolle, als Bane einfach nicht aufbringen und manchmal gelingt die Mischung aus Intelligenz und purer Boshaftigkeit, gepaart mit der extremen Körperlichkeit, die dieser Charakter mit sich bringt, nicht ganz. Vergleicht man bisherige Interpretationen des Bane, muss man allerdings sagen, dass Hardy einen sehr überzeugenden Job macht.
Wie soll dieser Film nun funktionieren? Als Zeitdokument, als authentisches und spannendes Psychoduell in einem düsteren Kammerspiel? Oder soll dieser Film als Adaption einer Comicvorlage funktionieren? Genau das ist die große Frage, die Nolan wahrscheinlich selbst nicht ganz zu beantworten vermag. Da haben wir außerdem das Resultat einer super Werbekampagne, die Erwartungen geschürt hat, die der Film in dieser Form unmöglich erfüllen kann.
Allerdings hat es Nolan mit diesem Abschluss seiner Trilogie geschafft, sowohl den Erzählstil, als auch den Geist der Comicvorlage absolut perfekt einzufangen. Das ist etwas, was noch keinem seiner Kollegen mit einem ähnlich gearteten Film gelungen ist.
„The Dark Knight Rises“ ist spannend, episch, fulminant, brachial, manchmal witzig, aber auch tragisch.
Mit einem Wort: Batman.
So, wie ich den Superhelden aus den Comics kennen und lieben gelernt habe. So, wie ich ihn in anderen Verfilmungen immer wieder vergeblich gesucht habe. So, wie Batman sein sollte. Und das zu schaffen, zeugt von einem tiefen Verständnis für die Vorlage und auch von Konsequenz. Vor allem aber zeigt es etwas, was viele in den letzten Tagen vergessen zu haben scheinen. „The Dark Knight Rises“ ist ein Film. Nicht mehr, und nicht weniger.
The Dark Knight Rises (USA / UK, 2012): R.: Christopher Nolan; D.: Christian Bale, Tom Hardy, Anne Hathaway, u.a.; M.: Hans Zimmer; Offizielle Homepage
In Weimar: CineStar, lichthaus
Der Filmblog zum Hören: Jeden Donnerstag, zwischen 12:00 und 13:00 Uhr auf Radio Lotte Weimar.
Christopher Nolan hat ein beispielloses Marketingverfahren etabliert und konsequent durch gezogen.
Das hatte zur Folge, dass unfassbar viele Menschen diesen Film sehen wollen. Und nun, nach Jahren des Wartens, nach Tragödien fiktiver und realer Natur startet heute endlich „The Dark Knight Rises“
Die Story war über die letzten Monate eines der bestgehüteten Geheimnisse Hollywoods. Nur wenige Details drangen an die Öffentlichkeit und das heizt die Spannung ordentlich an. Es sorgt auch für einen gewissen Teil des Spaßes, den dieser Film bringen kann. Je weniger man also über die Geschichte erfahren hat, desto spannender wird es. Deswegen wird an dieser Stelle selbstverständlich auch nicht viel verraten.
Wir sind jedenfalls wieder in Gotham, etwa acht Jahre nach den Ereignissen des vorigen Films.
War die Stadt früher vor allem für seine hohe Verbrechensrate bekannt, sieht es mittlerweile ganz gut aus und die Gotham scheint sicher zu sein.
Nach den Ereignissen von „The Dark Knight“ ist Batman ein Gejagter und wird von der Polizei gesucht. Harvey Dent wurde unterdessen zum Helden erklärt.
Genau in dieser Zeit kommt Bane in die Stadt. Er ist ein super intelligenter Schwerverbrecher, der einen perfiden Plan verfolgt. Er will die Stadt terrorisieren und erpressen und er will Batman als Symbol der Hoffnung aller Menschen zerbrechen. Dem dunklen Ritter steht die Herausforderung seines Lebens bevor, als er dem Verbrechergenie gegenüber steht.
Die gesamte Story ist natürlich wesentlich komplexer und vielseitiger, aber ich will wirklich nicht zu viel verraten. Es gibt nämlich mehr, als eine Wendung, die den ganzen Story-Apparat mehr als einmal komplett umwirft. Fakt ist, dass der Film über seine gesamte Laufzeit unfassbar spannend ist und Schritt für Schritt eine intensive Atmosphäre aufbaut, die sich in einem fulminanten Finale entlädt. Nolan hat seinen gesamten Stil wieder etwas plastischer gestaltet. Nachdem er in „The Dark Knight“ ein sehr realistisches Bild geschaffen hat, wirkt hier wieder alles etwas künstlicher, was der Geschichte aber entgegen kommt. Die Actionszenen sind perfekt ausgearbeitet, die Dialogszenen wirken intensiv, und sind fast schon pathetisch geraten, genau wie das Ende des Films.
Das entspricht aber voll und ganz der Comicvorlage. Und damit sind wir bei dem Punkt, der gleichzeitig die größte Stärke und Schwäche des Films ist. Rein filmisch und inszenatorisch kommt dieser Film nicht an den Vorgänger heran. Das liegt daran, dass der Joker einfach ein sehr vielschichtiger Charakter war, der obendrein noch von einem talentierteren Schauspieler dargestellt wurde. Derartige Spieltiefe kann Tom Hardy in einer derartigen Rolle, als Bane einfach nicht aufbringen und manchmal gelingt die Mischung aus Intelligenz und purer Boshaftigkeit, gepaart mit der extremen Körperlichkeit, die dieser Charakter mit sich bringt, nicht ganz. Vergleicht man bisherige Interpretationen des Bane, muss man allerdings sagen, dass Hardy einen sehr überzeugenden Job macht.
Wie soll dieser Film nun funktionieren? Als Zeitdokument, als authentisches und spannendes Psychoduell in einem düsteren Kammerspiel? Oder soll dieser Film als Adaption einer Comicvorlage funktionieren? Genau das ist die große Frage, die Nolan wahrscheinlich selbst nicht ganz zu beantworten vermag. Da haben wir außerdem das Resultat einer super Werbekampagne, die Erwartungen geschürt hat, die der Film in dieser Form unmöglich erfüllen kann.
Allerdings hat es Nolan mit diesem Abschluss seiner Trilogie geschafft, sowohl den Erzählstil, als auch den Geist der Comicvorlage absolut perfekt einzufangen. Das ist etwas, was noch keinem seiner Kollegen mit einem ähnlich gearteten Film gelungen ist.
„The Dark Knight Rises“ ist spannend, episch, fulminant, brachial, manchmal witzig, aber auch tragisch.
Mit einem Wort: Batman.
So, wie ich den Superhelden aus den Comics kennen und lieben gelernt habe. So, wie ich ihn in anderen Verfilmungen immer wieder vergeblich gesucht habe. So, wie Batman sein sollte. Und das zu schaffen, zeugt von einem tiefen Verständnis für die Vorlage und auch von Konsequenz. Vor allem aber zeigt es etwas, was viele in den letzten Tagen vergessen zu haben scheinen. „The Dark Knight Rises“ ist ein Film. Nicht mehr, und nicht weniger.
The Dark Knight Rises (USA / UK, 2012): R.: Christopher Nolan; D.: Christian Bale, Tom Hardy, Anne Hathaway, u.a.; M.: Hans Zimmer; Offizielle Homepage
In Weimar: CineStar, lichthaus
Der Filmblog zum Hören: Jeden Donnerstag, zwischen 12:00 und 13:00 Uhr auf Radio Lotte Weimar.
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Dienstag, 26. Juni 2012
Vorschau Sommer 2012
Es ist Sommer. Die Jahreszeit, in der man draußen ist, wenn die Sonne scheint und wenn es regnet, geht man ins Kino. Und jedes Jahr aufs Neue kommt die Frage auf, ob es das Kino verdient hat, lediglich zur Schlechtwettervariante degradiert zu werden.
An dieser Stelle werfen wir also einen Blick auf die kommenden Monate, und schauen, welche der heiß ersehnten Blockbuster wirklich mehr taugen, als nur den Regenschirm zu ersetzen.
The Amazing Spider-Man
Vom kreativen Standpunkt aus gesehen, ist die Filmwelt in einem Kellerloch angekommen. Es wird nämlich nichts Neues mehr gemacht, sondern es wird fortgesetzt, geremaket, rebootet und adaptiert, was das Zeug hält. Spider-Man wurde vor 10 Jahren verblüffend umgesetzt von Sam Raimi. Der ehemalige Splatter-Film-Regisseur nahm sich die Comics zur Brust, suchte sich die besten Versatzstücke heraus, versah das ganze mit einer zeitgemäßen Optik und erfand spontan noch eine neue Kameraperspektive, durch die der Zuschauer regelrecht mitgerissen wurde, wenn sich Spidey durch New Yorks Häuserschluchten schwang. Der zweite Teil übertraf den ersten und der dritte Teil war doof. Trotzdem wurde wahrscheinlich enorm viel Geld verdient. Nun hat sich Sony entschlossen, dass es Zeit für einen neuen Spider-Man wäre. Fünf Jahre ist es erst her, dass Spider-Man 3 gelaufen ist und weder Raimi noch die Hauptdarsteller Tobey Maguire und Kirsten Dunst waren bereit für einen vierten Teil. Sony wollte doch aber so gerne den neuen Spider-Man. Also entschloss man sich, ein Reboot des Ganzen zu machen. Neuer Regisseur, Neuer Hauptdarsteller und alles auf Anfang.
„The Amazing Spider-Man“ soll düsterer und härter werden und man soll sich überhaupt nicht an die Raimi-Filme erinnert fühlen, wenn man diesen Film sieht. Die Trailer lassen da schon was anderes vermuten. Es wird nicht wirklich etwas Neues geben, außer vielleicht einen neuen Schurken. Alles andere hat man schon gesehen. Der erste Trailer zum Film versprach eine aufregende neue Perspektive. So sah man eine Sequenz aus der Ego-Perspektive von Spidey, wie er durch die Gegend hüpfte. Das entpuppte sich als billige Kopie aus dem Videospiel „Mirrors Edge“ und die Perspektive wurde ganz schnell wieder aus dem Konzept gestrichen. In der Tat weiß ich nicht, warum dieser Film gedreht wurde, geschweige denn, warum man sich den neuen Spider-Man ansehen sollte. Das Motiv ist zu offensichtlich und langsam kommen selbst die ganz unbedarften Zuschauer dahinter, dass es sich hierbei um ganz plumpe Geldmache handelt.
Prometheus
Ridley Scott hat einen neuen Science-Fiction-Horror-Film gemacht. Mit „Alien“ kreierte er 1979 einen Meilenstein der Filmgeschichte. Die Atmosphäre und die Spannung waren einmalig und das von H.R. Giger entworfene Alien gilt als eines der berühmtesten Filmmonster aller Zeiten.
Selbst die Fortsetzungen, die rund um die Geschichte von Ripleys Kampf gegen den Xenomorph entstanden sind, waren durchweg gelungen und prägten jeweils ihren ganz eigenen Stil. Scott muss etwas wehmütig geworden sein in den letzten Jahren. Derzeit arbeitet er an einer Fortsetzung von „Blade Runner“ und demnächst startet nun endlich auch bei uns „Prometheus“
In diesem Film wird eine quasi Vorgeschichte erzählt. Wissenschaftler finden auf der Erde merkwürdige Relikte. Zusammengesetzt ergeben sie eine Sternkarte mit Koordinaten. Also wird ein Raumschiff zu diesen Koordinaten geschickt, denn man geht davon aus, dass die Schöpfer der Menschen eigentlich von einem anderen Planeten kamen und nun rufen sie ihre Kinder zurück. Dieser leicht esoterische Touch bringt viel Kopfkino in die Sache, denn natürlich findet die Crew der Prometheus nicht das, was sie finden wollten.
Das größte Problem dieses Films wird sein, dass man ständig auf Elemente aus den „Alien“-Filmen warten wird. Und wenn die nicht kommen, ist die Enttäuschung bestimmt riesengroß. Deshalb sei hier geraten, den Film vollkommen autark zu sehen und dann wird man belohnt mit einem spannenden, harten und absolut sehenswerten SciFi-Kracher.
The Dark Knight Rises
Über keinen anderen Film wurde während der letzten Monate so viel berichtet, wie über Christopher Nolans Abschluss seiner Batman-Reihe.
Ich habe Anfangs jedes kleine Bild und Trailerchen aufgesaugt und habe mittlerweile aber dicht gemacht. Ich will nicht noch mehr erfahren. Ich will nicht dem Hype erliegen, der Erwartungen schürt, die unmöglich erfüllt werden können, egal, wie gut dieser Film auch sein wird. Ich werde den Film einfach sehen, wenn er da ist. Zur Story weiß man sowieso fast nichts. Außer, dass Bane in die Stadt kommt, alles in Schutt und Asche legt und Batman vor der absolut größten Herausforderung seiner Superheldenkarriere steht. So gesehen ist es die absolute 0815-Story, aber Chrisopher Nolan ist bekannt für seine komplex und clever konstruierten Plots, sodass es ganz sicher einige überraschende Wendungen geben wird. Der Stil wird wahrscheinlich ähnlich sein, wie im Vorgänger. Es wird also sehr stark auf Realismus getrimmt sein, wodurch die Actionszenen um so spektakulärer werden. Erfahrungsgemäß sind dritte Teile einer Serie oft die schlechtesten. Und ich hoffe inständig, dass Nolan diese Regel zu brechen vermag. Die Trailer sehen jedenfalls fantastisch aus und man darf getrost davon ausgehen, dass dieses Niveau auch auf Spielfilmlänge gehalten werden kann.
Es gibt noch ein paar Filme, die weniger große Rahmen benötigen, aber trotzdem enorm sehenswert sind.
„Liebe“, der neue Film von Michael Haneke, handelt von einer alten Frau, die stirbt. Zwei Stunden lang! Haneke ist ein Meister der Subtilität, aber wenn einem die Erkenntnis trifft und die Botschaft des Filmes erreicht, ist es, als ob man einen Amboss vor den Kopf bekommt.
„The Cabin in The Woods“, der neue Film von „Cloverfield“-Regiessuer Drew Goddard fängt an, wie ein ganz gewöhnlicher Teenie-Horror. Eine Gruppe von Kids fährt in den Wald in eine einsame Hütte, um dort ein wildes Wochenende zu verbringen. Doch dann geschehen merkwürdige Dinge. Und dann geschehen wirklich merkwürdige Dinge. Ganz im Ernst, kein Mensch weiß, was da passiert, aber es sieht unglaublich cool aus. Das ist ein Film, der dich ohne Skrupel an die Hand nimmt und dich ungebremst in die Schlucht führt, nur um dich kurz aufzufangen und dann in eine Schlangengrube zu werfen. Genug der Metaphern! Angucken!
„We need to talk about Kevin“ - Eigentlich sollte die Verfilmung von Lionel Shrivers Sozialshocker gar nicht in Deutschland laufen. Der ursprüngliche Bundesstart sollte der 26. April sein – dem Jahrestag des Erfurt-Amoklaufs. Keine Chance für einen Film dieser Thematik. Kein Verleih hatte sich bereit erklärt, den Film überhaupt zu spielen. Man hatte bereits begonnen, sich auf ein reines DVD-Release in Deutschland einzustellen und genau der DVD-Verleih erklärte sich überraschend bereit, doch eine Kinoauswertung zu wagen. Nun ist also ein halbes Jahr später bald soweit und „We need to talk about Kevin“ wird in den deutschen Kinos laufen. Das wird unangenehm werden. Das Thema Amoklauf wurde noch nie derart treffend und gleichermaßen beängstigend thematisiert, wie in diesem Film. Vollkommen wertfrei und mit dickem Fell sollte man sich vorbereiten, wenn man ins Kino geht, um dieses Stück bittere Wahrheit zu sehen.
Der letzte Titel für heute lautet „Cosmopolis“. Dieser Film verspricht all das, was in „Eine dunkle Begierde“ gefehlt hat und noch mehr. Der Film soll vollkommen krank und bitterböse sein, was soviel heißt: David Cronenberg ist wieder da. Na dann...!
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An dieser Stelle werfen wir also einen Blick auf die kommenden Monate, und schauen, welche der heiß ersehnten Blockbuster wirklich mehr taugen, als nur den Regenschirm zu ersetzen.
The Amazing Spider-Man
Vom kreativen Standpunkt aus gesehen, ist die Filmwelt in einem Kellerloch angekommen. Es wird nämlich nichts Neues mehr gemacht, sondern es wird fortgesetzt, geremaket, rebootet und adaptiert, was das Zeug hält. Spider-Man wurde vor 10 Jahren verblüffend umgesetzt von Sam Raimi. Der ehemalige Splatter-Film-Regisseur nahm sich die Comics zur Brust, suchte sich die besten Versatzstücke heraus, versah das ganze mit einer zeitgemäßen Optik und erfand spontan noch eine neue Kameraperspektive, durch die der Zuschauer regelrecht mitgerissen wurde, wenn sich Spidey durch New Yorks Häuserschluchten schwang. Der zweite Teil übertraf den ersten und der dritte Teil war doof. Trotzdem wurde wahrscheinlich enorm viel Geld verdient. Nun hat sich Sony entschlossen, dass es Zeit für einen neuen Spider-Man wäre. Fünf Jahre ist es erst her, dass Spider-Man 3 gelaufen ist und weder Raimi noch die Hauptdarsteller Tobey Maguire und Kirsten Dunst waren bereit für einen vierten Teil. Sony wollte doch aber so gerne den neuen Spider-Man. Also entschloss man sich, ein Reboot des Ganzen zu machen. Neuer Regisseur, Neuer Hauptdarsteller und alles auf Anfang.
„The Amazing Spider-Man“ soll düsterer und härter werden und man soll sich überhaupt nicht an die Raimi-Filme erinnert fühlen, wenn man diesen Film sieht. Die Trailer lassen da schon was anderes vermuten. Es wird nicht wirklich etwas Neues geben, außer vielleicht einen neuen Schurken. Alles andere hat man schon gesehen. Der erste Trailer zum Film versprach eine aufregende neue Perspektive. So sah man eine Sequenz aus der Ego-Perspektive von Spidey, wie er durch die Gegend hüpfte. Das entpuppte sich als billige Kopie aus dem Videospiel „Mirrors Edge“ und die Perspektive wurde ganz schnell wieder aus dem Konzept gestrichen. In der Tat weiß ich nicht, warum dieser Film gedreht wurde, geschweige denn, warum man sich den neuen Spider-Man ansehen sollte. Das Motiv ist zu offensichtlich und langsam kommen selbst die ganz unbedarften Zuschauer dahinter, dass es sich hierbei um ganz plumpe Geldmache handelt.
Prometheus
Ridley Scott hat einen neuen Science-Fiction-Horror-Film gemacht. Mit „Alien“ kreierte er 1979 einen Meilenstein der Filmgeschichte. Die Atmosphäre und die Spannung waren einmalig und das von H.R. Giger entworfene Alien gilt als eines der berühmtesten Filmmonster aller Zeiten.
Selbst die Fortsetzungen, die rund um die Geschichte von Ripleys Kampf gegen den Xenomorph entstanden sind, waren durchweg gelungen und prägten jeweils ihren ganz eigenen Stil. Scott muss etwas wehmütig geworden sein in den letzten Jahren. Derzeit arbeitet er an einer Fortsetzung von „Blade Runner“ und demnächst startet nun endlich auch bei uns „Prometheus“
In diesem Film wird eine quasi Vorgeschichte erzählt. Wissenschaftler finden auf der Erde merkwürdige Relikte. Zusammengesetzt ergeben sie eine Sternkarte mit Koordinaten. Also wird ein Raumschiff zu diesen Koordinaten geschickt, denn man geht davon aus, dass die Schöpfer der Menschen eigentlich von einem anderen Planeten kamen und nun rufen sie ihre Kinder zurück. Dieser leicht esoterische Touch bringt viel Kopfkino in die Sache, denn natürlich findet die Crew der Prometheus nicht das, was sie finden wollten.
Das größte Problem dieses Films wird sein, dass man ständig auf Elemente aus den „Alien“-Filmen warten wird. Und wenn die nicht kommen, ist die Enttäuschung bestimmt riesengroß. Deshalb sei hier geraten, den Film vollkommen autark zu sehen und dann wird man belohnt mit einem spannenden, harten und absolut sehenswerten SciFi-Kracher.
The Dark Knight Rises
Über keinen anderen Film wurde während der letzten Monate so viel berichtet, wie über Christopher Nolans Abschluss seiner Batman-Reihe.
Ich habe Anfangs jedes kleine Bild und Trailerchen aufgesaugt und habe mittlerweile aber dicht gemacht. Ich will nicht noch mehr erfahren. Ich will nicht dem Hype erliegen, der Erwartungen schürt, die unmöglich erfüllt werden können, egal, wie gut dieser Film auch sein wird. Ich werde den Film einfach sehen, wenn er da ist. Zur Story weiß man sowieso fast nichts. Außer, dass Bane in die Stadt kommt, alles in Schutt und Asche legt und Batman vor der absolut größten Herausforderung seiner Superheldenkarriere steht. So gesehen ist es die absolute 0815-Story, aber Chrisopher Nolan ist bekannt für seine komplex und clever konstruierten Plots, sodass es ganz sicher einige überraschende Wendungen geben wird. Der Stil wird wahrscheinlich ähnlich sein, wie im Vorgänger. Es wird also sehr stark auf Realismus getrimmt sein, wodurch die Actionszenen um so spektakulärer werden. Erfahrungsgemäß sind dritte Teile einer Serie oft die schlechtesten. Und ich hoffe inständig, dass Nolan diese Regel zu brechen vermag. Die Trailer sehen jedenfalls fantastisch aus und man darf getrost davon ausgehen, dass dieses Niveau auch auf Spielfilmlänge gehalten werden kann.
Es gibt noch ein paar Filme, die weniger große Rahmen benötigen, aber trotzdem enorm sehenswert sind.
„Liebe“, der neue Film von Michael Haneke, handelt von einer alten Frau, die stirbt. Zwei Stunden lang! Haneke ist ein Meister der Subtilität, aber wenn einem die Erkenntnis trifft und die Botschaft des Filmes erreicht, ist es, als ob man einen Amboss vor den Kopf bekommt.
„The Cabin in The Woods“, der neue Film von „Cloverfield“-Regiessuer Drew Goddard fängt an, wie ein ganz gewöhnlicher Teenie-Horror. Eine Gruppe von Kids fährt in den Wald in eine einsame Hütte, um dort ein wildes Wochenende zu verbringen. Doch dann geschehen merkwürdige Dinge. Und dann geschehen wirklich merkwürdige Dinge. Ganz im Ernst, kein Mensch weiß, was da passiert, aber es sieht unglaublich cool aus. Das ist ein Film, der dich ohne Skrupel an die Hand nimmt und dich ungebremst in die Schlucht führt, nur um dich kurz aufzufangen und dann in eine Schlangengrube zu werfen. Genug der Metaphern! Angucken!
„We need to talk about Kevin“ - Eigentlich sollte die Verfilmung von Lionel Shrivers Sozialshocker gar nicht in Deutschland laufen. Der ursprüngliche Bundesstart sollte der 26. April sein – dem Jahrestag des Erfurt-Amoklaufs. Keine Chance für einen Film dieser Thematik. Kein Verleih hatte sich bereit erklärt, den Film überhaupt zu spielen. Man hatte bereits begonnen, sich auf ein reines DVD-Release in Deutschland einzustellen und genau der DVD-Verleih erklärte sich überraschend bereit, doch eine Kinoauswertung zu wagen. Nun ist also ein halbes Jahr später bald soweit und „We need to talk about Kevin“ wird in den deutschen Kinos laufen. Das wird unangenehm werden. Das Thema Amoklauf wurde noch nie derart treffend und gleichermaßen beängstigend thematisiert, wie in diesem Film. Vollkommen wertfrei und mit dickem Fell sollte man sich vorbereiten, wenn man ins Kino geht, um dieses Stück bittere Wahrheit zu sehen.
Der letzte Titel für heute lautet „Cosmopolis“. Dieser Film verspricht all das, was in „Eine dunkle Begierde“ gefehlt hat und noch mehr. Der Film soll vollkommen krank und bitterböse sein, was soviel heißt: David Cronenberg ist wieder da. Na dann...!
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