Was hat Stan Lee genommen? Man könnte sich manchmal fragen, zu welchen geheimen Astralwegen und Kanälen der Comicautor Zutritt hatte. Kein anderer Kollege im Comicbusiness kann ähnlich viele Charaktere und dazu gehörige Serien vorweisen. Im „Wir verfilmen alles!“- Wahn, dem die Filmwelt derzeit unterliegt ist es natürlich kein Wunder, dass Stan Lee's Schöpfungen längst den Weg auf die große Leinwand gefunden haben. Wurden zunächst die weitgehend bekannten Serien um Spider-Man, Wolverine und den X-Men adaptiert, kramt man heutzutage etwas tiefer. Heraus kommen so illustre Gestalten, wie Captain America, Iron Man oder der Donnergott Thor
Da hat Thor aber mächtig Mist gebaut. Eben wurde er noch als großer Held gefeiert und auch noch zum Nachfolger des amtierenden Götterkönigs Odin erklärt, da vermasselt er auch schon alles. Es herrschte zähneknirschender Frieden zwischen der Götterwelt Asgard und der Eisriesenheimat Jötunheim, aber durch sein vorschnelles Auftreten und seiner arroganten Haltung provozierte Thor eine neue Auseinandersetzung. Im Zorn verbannt Odin unbeugsamen Sohn auf die Erde, beraubt ihn seines Hammers und seiner Kräfte. Hier soll er als Mensch lernen, verantwortungsvoll und weise zu handeln. Er soll eben genau die Tugenden lernen, die ihn eines Gottes würdig machen. Auf der Erde trifft er die Astrologin Jane, durch deren Hilfe er seinen Hammer zurück bekommen will. Allerdings hat die geheimnisvolle Organisation Shield bereits einen Blick auf die wertvolle Waffe geworfen. Zu Hause in Asgard laufen die Dinge auch nicht gut. Der böse Götterbruder Loki hat das Ruder übernommen, nachdem Odin in eine Art göttliches Koma gefallen ist. Er schmiedet finstere Pläne, die nicht nur Asgard in einen neuen Krieg stürzen könnten.
„Thor“ ist der nächste Streich in einer ganzen Filmreihe, die im ganz großen Stil das Marvel-Franchise noch weiter ausbauen soll. Ähnlich, wie in den Comics, in denen die Figuren der unterschiedlichsten Serien ständig aufeinander treffen, soll nun auch im Film ein sogenanntes Crossover stattfinden. Die Vorbereitungen dafür laufen seit dem ersten Iron Man Film 2008. Hier wird bereits das erste Mal von der geheimen Schutzbehörde Shield gesprochen und im zweiten Teil wurden dann sogar schon prägende Figuren, wie Nick Fury und Black Widow eingeführt. Wie geht’s nun weiter? Thor ist der nächste im Bunde, in diesem Jahr wird noch die neue Verfilmung von „Captain America“ anlaufen und im nächsten Jahr gipfelt das ganze dann in „Die Rächer“, einem Superheldenteam, welches sich dank seiner Beliebtheit nicht hinter X-Men, Fantastic Four, oder der Justice League verstecken muss (Oha! Die wurde auch noch nicht verfilmt...). Nun aber kurz noch zu Thor. Bei aller Skepsis war ich relativ angetan. Das hochtrabende Göttersetting wirkt etwas steif und so, als würde man einen alten Schinken aus den 60er Jahren sehen. So einen Film, der sich trotz seiner albernen Kostüme und der Pappmachékulisse sehr ernst genommen hat. Nach ungefähr einem Drittel wird aber dieser bierernste Aspekt der Story enorm aufgeweicht. Es gibt zahlreiche sehr lustige Begegnungen mit Thor und der normalen Erdbevölkerung. Insgesamt ist der Tenor des Films enorm locker und man muss sich nicht selbst daran erinnern, eine Comicverfilmung zu sehen.
„Thor“ ist durchaus gelungen, fängt die ohnehin ungewöhnliche Atmosphäre des Comics perfekt ein und trumpft neben erstklassigen Schauspielern auch noch mit extrem hübschen Special-Effects auf. Insgesamt lässt sich aber nicht der Eindruck verwehren, man sieht hier nur den Auftakt eines viel spektakuläreren Abenteuers. Wollen wir hoffen, man hat nicht das gesamte Pulver schon für die Sequels verschossen und „Die Rächer“ werden wirklich großartig. Man ist gespannt.
Thor (USA, 2011): R.: Kenneth Branagh; D.: Chris Hemsworth, Natalie Portman, Anthony Hopkins, u.a.; M.: Patrick Doyle; Offizielle Homepage
In Weimar: CineStar
Rezension On Air: Jeden Donnerstag, 12:25 Uhr auf Radio Lotte Weimar.
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Mittwoch, 4. Mai 2011
Mittwoch, 26. Januar 2011
Black Swan
Vor zwei Jahren entführte uns Darren Aronofsky hinter die Kulissen des Wrestlings. Mickey Rourke bot als „The Wrestler“ ein intensives Drama, in einer Welt, die dem normalen Menschen gänzlich unbekannt ist. Aronofsky bleibt auf vertrautem Terrain und gewährt uns nun in „Black Swan“ regelrecht heimlich Blicke in die Welt des Balletts.
Nina ist in der New Yorker Ballett Company und zur neuen Spielzeit soll es eine Inszenierung des Schwanensees geben. Der Spielleiter Thomas hat großes vor. Als erstes schmeißt er seinen Star Beth aus der Gruppe und gibt dann bekannt, dass eine Tänzerin sowohl den weißen, als auch den schwarzen Schwan tanzen soll. Nina ist natürlich nicht die einzige, die sich für diese Rolle interessiert. Doch obwohl sie eine sehr gute Tänzerin ist, ist sie oft zu unsicher und schüchtern und will immer perfekt sein. Für sie ist klar, dass sie die Rolle nie bekommen wird. Dann kommt die große Überraschung: Nina soll beide Parts tanzen und beginnt sofort mit den Proben. Doch Thomas ist nicht zufrieden mit ihr. Für den schwarzen Schwan fehle ihr das Feuer und die Leidenschaft. Unter dem großen Druck, dem Nina ausgesetzt ist, steigert sie sich immer mehr in ihre buchstäbliche Metamorphose zum schwarzen Schwan.
Hier ist er. Der erste große Film in diesem Jahr. Darren Aronofsky wird seinem Ruf erneut gerecht und im Vorfeld gab es kaum Möglichkeiten, einen sicheren Eindruck von dem Film zu gewinnen. Weder Trailer, noch Plakate, noch sonstige Werbemittel gaben echten Aufschluss, worum es denn nun überhaupt gehen sollte. So ähnlich lief das damals bei „The Wrestler“ auch. Bis auf ein sehr schönes, aber nichtssagendes Plakat und der Information, wer die Hauptfigur spielt, stand man ziemlich im Regen. Das übliche Spiel aus Spekulationen, Mutmaßungen, Skepsis und Angst und letztendlich die absolute Gewissheit, dass dieser Film ganz sicher nicht so gut sein könne, wie man es sich vorstellt, waren unvermeidbar. Wie gesagt: Hier ist er nun. Und kurz gesagt: Es ist toll! Man kann „Black Swan“ nicht richtig genießen. Dafür ist er viel zu aufregend. Trotzdem ist man zwischen Angst und Anmut hin und her gerissen. Die Tanzsequenzen sind allesamt wunderbar inszeniert. Aronofsky spielt mit den unterschiedlichsten Kamerafahrten und zieht dabei sämtliche Register. Die Kamera steht mal still, oder gleitet in ganz sanften Fahrten durch den Ballsaal, nur um dann in wilden Schwenks und Wackelei zu münden, die den Zuschauer direkt auf die Bühne holt und er sozusagen das Gefühl bekommt, selbst mit zu tanzen. Für die Schockszenen werden klassische Mittel sehr wirkungsvoll eingesetzt. Der obligatorische Spiegelschreck funktioniert ebenso gut, wie die Licht-an–Licht-Aus Szene. Abgesehen davon wird ein Großteil der intensiven Atmosphäre, durch die nicht minder intensive Darstellung einer überragenden Natalie Portman erzielt. Ich bin mir sicher, so hat man sie noch nie erlebt und ich höre da die Oscars rufen.
„Black Swan“ ist toll. Er ist spannend, sehr intensiv inszeniert und bietet geradezu intime Blicke hinter die Kulissen des Balletts. Oftmals vermitteln diese Blicke einen eher verstorenden Eindruck. Man fragt sich, wie es kommt, dass Menschen sich solchen Strapazen aussetzen, nur um perfekt zu sein.
Black Swan (USA, 2010): R.: Darren Aronofsky; D.: Natalie Portman, Vincent Cassel, Mila Kunis, u.a.; M.: Clint Mansell; Offizielle Homepage
In Weimar: lichthaus, CineStar
Rezensionen On Air: Jeden Donnerstag, 12:25 Uhr live auf Radio Lotte Weimar.
Nina ist in der New Yorker Ballett Company und zur neuen Spielzeit soll es eine Inszenierung des Schwanensees geben. Der Spielleiter Thomas hat großes vor. Als erstes schmeißt er seinen Star Beth aus der Gruppe und gibt dann bekannt, dass eine Tänzerin sowohl den weißen, als auch den schwarzen Schwan tanzen soll. Nina ist natürlich nicht die einzige, die sich für diese Rolle interessiert. Doch obwohl sie eine sehr gute Tänzerin ist, ist sie oft zu unsicher und schüchtern und will immer perfekt sein. Für sie ist klar, dass sie die Rolle nie bekommen wird. Dann kommt die große Überraschung: Nina soll beide Parts tanzen und beginnt sofort mit den Proben. Doch Thomas ist nicht zufrieden mit ihr. Für den schwarzen Schwan fehle ihr das Feuer und die Leidenschaft. Unter dem großen Druck, dem Nina ausgesetzt ist, steigert sie sich immer mehr in ihre buchstäbliche Metamorphose zum schwarzen Schwan.
Hier ist er. Der erste große Film in diesem Jahr. Darren Aronofsky wird seinem Ruf erneut gerecht und im Vorfeld gab es kaum Möglichkeiten, einen sicheren Eindruck von dem Film zu gewinnen. Weder Trailer, noch Plakate, noch sonstige Werbemittel gaben echten Aufschluss, worum es denn nun überhaupt gehen sollte. So ähnlich lief das damals bei „The Wrestler“ auch. Bis auf ein sehr schönes, aber nichtssagendes Plakat und der Information, wer die Hauptfigur spielt, stand man ziemlich im Regen. Das übliche Spiel aus Spekulationen, Mutmaßungen, Skepsis und Angst und letztendlich die absolute Gewissheit, dass dieser Film ganz sicher nicht so gut sein könne, wie man es sich vorstellt, waren unvermeidbar. Wie gesagt: Hier ist er nun. Und kurz gesagt: Es ist toll! Man kann „Black Swan“ nicht richtig genießen. Dafür ist er viel zu aufregend. Trotzdem ist man zwischen Angst und Anmut hin und her gerissen. Die Tanzsequenzen sind allesamt wunderbar inszeniert. Aronofsky spielt mit den unterschiedlichsten Kamerafahrten und zieht dabei sämtliche Register. Die Kamera steht mal still, oder gleitet in ganz sanften Fahrten durch den Ballsaal, nur um dann in wilden Schwenks und Wackelei zu münden, die den Zuschauer direkt auf die Bühne holt und er sozusagen das Gefühl bekommt, selbst mit zu tanzen. Für die Schockszenen werden klassische Mittel sehr wirkungsvoll eingesetzt. Der obligatorische Spiegelschreck funktioniert ebenso gut, wie die Licht-an–Licht-Aus Szene. Abgesehen davon wird ein Großteil der intensiven Atmosphäre, durch die nicht minder intensive Darstellung einer überragenden Natalie Portman erzielt. Ich bin mir sicher, so hat man sie noch nie erlebt und ich höre da die Oscars rufen.
„Black Swan“ ist toll. Er ist spannend, sehr intensiv inszeniert und bietet geradezu intime Blicke hinter die Kulissen des Balletts. Oftmals vermitteln diese Blicke einen eher verstorenden Eindruck. Man fragt sich, wie es kommt, dass Menschen sich solchen Strapazen aussetzen, nur um perfekt zu sein.
Black Swan (USA, 2010): R.: Darren Aronofsky; D.: Natalie Portman, Vincent Cassel, Mila Kunis, u.a.; M.: Clint Mansell; Offizielle Homepage
In Weimar: lichthaus, CineStar
Rezensionen On Air: Jeden Donnerstag, 12:25 Uhr live auf Radio Lotte Weimar.
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