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Donnerstag, 8. September 2011

Midnight in Paris

Er ist ein wahres Phänomen der Filmgeschichte. Seit mehr als 40 Jahren ist er unermüdlich dabei, neue Filme zu schreiben, zu produzieren und hin und wieder in ihnen mit zu spielen. Es geht stets um die Wirren menschlicher Beziehungen, und diese Wirren werden in verstrickten Dialogen ausdiskutiert, bis es kein Halten mehr gibt. Habe ich in den letzten Jahren seine Filme gelangweilt, ja sogar erbost verlassen, betrachte ich Woody Allens neuen Film „Midnight in Paris“ fast als Friedensangebot.

Gil und Inez sind frisch verlobt und besuchen die französische Hauptstadt. Während Gil vom faszinierenden Flair der Stadt der Liebe begeistert ist, schwärmt Inez eher für Modebouthiquen und Einrichtungshäuser. Inez' Eltern sind auch in Paris und sie fühlen sich gar nicht wohl, denn der Vater – ein republikanischer Hardliner – nimmt den Franzosen ihre Außenpolitik dermaßen übel, dass er die Stadt abgrundtief zu hassen beginnt. Die Letzten im Bunde sind Paul und Carol, ein befreundetes Paar, welches ebenfalls in Paris verweilt, um Urlaub zu machen. Paul ist ein echter Klugscheißer, wie er im Buche steht und hat zu allem und jeden einen belanglosen Kommentar parat. Bei derartiger Gesellschaft beginnt Gil, sich schnell zu langweilen, sucht er doch eigentlich Inspiration für seinen Roman. Doch keiner seiner Freunde teilt seine nostalgische und romantische Ader. Eines Abends steuert Gil nach einer Weinverkostung leicht beschwipst durch die pittoresken Straßen auf der Suche nach seinem Hotel. Als es Mitternacht schlägt hält plötzlich ein altmodisches Auto und dessen Insassen laden ihn ein, zu einer ganz besonderen Party zu fahren. Plötzlich landet Gil im Haus von Scott und Zelda Fitzgerald und trifft dort nicht nur Ernest Hemmingway, sondern sogar Gertrude Stein und Pablo Picasso, die allesamt seine ganz persönlichen Helden sind. Er verbringt eine rauschende Nacht und am nächsten Morgen glaubt er, er hätte alles geträumt.

Wer in den letzten Jahren den Blog verfolgt hat, weiß vielleicht jetzt schon, wie mir „Midnight in Paris“ gefallen hat. HA HA! Irrtum. Entgegen aller Erwartungen war ich nämlich recht angetan und sogar fast schon amüsiert über den neuen Film. Auch, wenn es im Kinosaal um mich herum ununterbrochenes Gekicher und Gegluckse gab, und ich mich nicht getraut habe, zu fragen, was gerade so lustig sei, fühlte ich mich hier seit langem mal wieder wohl in einem Woody Film. Woody Allen hat eben eine sehr altmodische Art, Filme zu machen und Geschichten zu erzählen. Dass sein Konzept nicht mehr zeitgemäß ist, merkt man jeder Minute des Films an. Aber er ist eben Woody Allen. Er geht auf die 80 zu und es sind wohl keine Quantensprünge mehr zu erwarten und den großen Wurf, hat er doch in all den Jahren und ebenso vielen Filmen längst absolviert. Mich störte, dass seine Filme immer einfallsloser wurden. Oberflächliche Figuren, die sich stundenlange belanglose Debatten über Seeigelzefish lieferten. Furchtbar. Mit dem Element der Reise in die Vergangenheit kommt nun endlich etwas Abwechslung rein, so albern und unrealistisch es auch sein mag. Es ist schon fast niedlich, auf welch plumpe Art die mäßig kostümierten und geschminkten Berühmtheiten in die Handlung eingeführt werden und entbehrt nicht einer gewissen unfreiwilligen Komik. Hier blitzt auch hin und wieder Allens Talent für die alte Komödie durch, welches er in seinen nächsten Filmen vielleicht ein bisschen mehr einfließen lassen sollte. Außerdem sind zahlreiche hochkarätige Schauspieler zu sehen, die in ihren Rollen sehr viel Spaß zu haben schienen, inklusive Owen Wilson als Gil. Es gibt einige lustige Situationen, in denen Gil mit Hemingway über seinen Roman und mit Salvador Dali über die Ästhetik von Nashörnern diskutiert. Die Gespräche in der Gegenwart sind eher Allen-untypisch, wischt er doch all die Kleinigkeiten, die sonst stets Gegenstand ewiger Gespräche waren rotzfrech und fast schon schnoddrich zur Seite.

Trotz all der positiven Dinge, die mir plötzlich an seiner Arbeit auffallen, ist „Midnight in Paris“ immer noch ein typischer Allen-Film, auch wenn ich mir mittlerweile von einigen Allen-Experten bescheinigen ließ, dass ihnen dieser Film nicht besonders gefallen hat. Darin kann ich nur Gutes erkennen und freue mich nun fast schon auf den nächsten Streich. Der kommt nächstes Jahr, trägt den etwas kryptischen Titel „The Bop Decameron“ und zeigt Jesse Eisenberg und Ellen Page. Yay!

Midnight in Paris (USA, F, 2011): R.: Woody Allen; D.: Owen Wilson, Rachel McAdams, Kathy Bates, Adrien Brody, u.a; Offizielle Homepage

In Weimar: lichthaus

Kineast On Air: Jeden Donnerstag, 12:25 Uhr auf Radio Lotte Weimar.

Donnerstag, 9. Dezember 2010

Ich sehe den Mann deiner Träume

Same Procedure as every Year, Woody!
Verdammt! Jetzt habe ich den letzten Satz am Anfang geschrieben und damit im Grunde alles vorweg genommen, worum es auf den nächsten 5 Seiten gehen sollte.
Woody Allen hat entsprechend aller Erwartungen auch in diesem Jahr einen neuen Film gemacht. Mit einer absoluten Traumbesetzung schildert er mal wieder die vewirrenden Komplikationen zwischen Pärchen jeden Alters.
In diesem Jahr nennt er es "Ich sehe den Mann deiner Träume"

Natürlich gibt es wieder massenhaft Figuren, die irgendwie in irgendeiner Beziehung zueinander stehen. Ich versuche mal, dass Ganze auseinander zu klamüsern:
Alfie ist so ungefähr 70 Jahre alt und hat gerade seine Frau nach jahrelanger Ehe verlassen. Er will nochmal von vorne anfangen, hat sich ein schmuckes Appartement gekauft, isst nur noch Gemüse und joggt. Seine Ex-Frau Helena ist dem nervlichen Ende nahe und besucht die Wahrsagerin Cristal. Die erzählt ihr lauter tolle positive Sachen über Helenas Familie. Ihre Tochter Sally ist mit dem gescheiterten Schriftsteller Roy verheiratet. Roy hat einen halbwegs erfolgreichen Roman geschrieben und dümpelt seitdem herum, ist desillusioniert und bringt vor allem kein Geld nach Hause. Sally muss also nebenbei arbeiten, um die Rechnungen halbwegs bezahlen zu können. Sie fängt in einer neuen Galerie als Asistentin an und verliebt sich prompt in ihren Boss Greg. Roy zuliebe geht sie diesen Neigungen allerdings nicht nach, vor allem, nachdem sie erfährt, dass Greg mit ihrer besten Freundin Kelly eine Affäre hat.
Roy hat sich mittlerweile allerdings in die hübsche Nachbarin Dia verliebt, die aber eigentlich verlobt ist und demnächst heiraten will. Während sich also dieses Drama anbahnt, verkündet Alfie, dass er eine neue Frau kennen gelernt hat, und sie zu heiraten beabsichtigt. Charmaine ist halb so alt, wie Alfie und kommt aus einer Branche, die einem gesetzten Mann in seinem Alter eigentlich eher unangemessen ist.
Auch dieses Drama nimmt seinen Lauf und kann eigentlich nicht gut enden.

Ach je, ach je...Was soll ich bloß sagen. Angesichts dieser eineinhalb Stunden voller Langeweile und Belanglosikeiten fehlen mir schlicht die Worte. Es ist eine überflüssige Geschichte ohne jede Botschaft und Essenz. Diesmal können auch diese ganzen tollen Schauspieler, wie Anthony Hopkins, Antonio Banderas, Josh Brolin, Naomi Watts und vielen anderen, darüber nicht hinweg täuschen. Im Grunde ein völlig bedutungsloser Film, wäre da nicht dieser alte Mann mit der Brille.
Woody Allen ist ein absolutes Original, der in seiner Kariere nicht weniger als 40 Filme gemacht hat. Im Laufe der Jahre sind seine Filme zum Kult avanciert und es gilt als die größte Ehre, als Schauspieler mitspielen zu dürfen.
Woody Allen hat sich eine riesige Menge von Fans und Bewunderern um sich gescharrt, die übrigens grade mit Heugabeln und Fackeln unterwegs sind, um mich direkt zu lynchen.
Und das ist im Grunde der Punkt. Woody Allen - Eintweder man liebt ihn, oder man hasst ihn. Entweder man sieht in ihm einen guten Regisseur im klassischen Sinne, der herrlich verstrickte und charmante Dialoge und Geschichten mit Charakteren, aus dem Leben gegriffen schreibt, oder man sieht einen alten Sack, auf einem riesen Haufen Geld thronend und schallend lachend nur einer Frage nach geht: "Wie oft kann ich den selben Film noch verkaufen?"

"Ich sehe den Mann deiner Träume" ist meiner Meinung nach der alljährliche Aufguss eines altmodischen und längst ausgeschöpften Filmkonzepts. Für sehr viele Menschen gibt es bei Woody Allen allerdings keine Diskussion und nichts läge mir ferner, als ihnen den Spaß an Allens neuestem Werk zu nehmen. Also hin und anschauen.

You Will Meet A Tall Dark Stranger (USA, GB, 2010): R.: Woody Allen; D.: Anthony Hopkins, Naomi Watts, Josh Brolin, Freida Pinto, u.a.; Offizielle Homepage

In Weimar: lichthaus

Rezensionen On Air: Jeden Donnerstag, 12:25 Uhr live auf Radio Lotte Weimar