Donnerstag, 24. Juni 2010

Vertraute Fremde

Reden wir mal Klartext. Der diesjährige Kinosommer ist Mist! Bisher zumindest dümpelte das Ganze mit altbackenen und halbgaren durch die wärmeren Tage in diesem Jahr. Natürlich ist es so, dass an lauen Abenden, die meisten potentiellen Kinogänger lieber im Biergarten sitzen, als sich im mäßig klimatisierten Kinosaal aufzuhalten, aber man muss diesen natürlichen Faktor nicht auch noch begünstigen, und nur Mistfilme in die Kinos bringen.
Wirft man einen Blick auf das aktuelle Kinoprogramm, möchte man am liebsten weinen und man wünscht sich, in die Zeit zurück reisen zu können, um noch einmal in die Vorpremiere von Terminator 4 gehen zu können. Nicht das wahre? Okay, dann eben "Harry Potter". Wo ist dessen neuestes Abenteuer? Kommt nächstes Jahr. "The Road"? Nächstes Jahr. "Der Hobbit" ? Kommt...irgendwann. Aber was läuft jetzt?
Zum Beispiel "Vertraute Fremde", ein Film dem ich sehr skeptisch gegenüber stand. Eine belgisch-ftanzösische Co-Produktion, die einen Manga verfilmt? Klingt merkwürdig. Ist es auch.

Thomas ist 40 Jahre alt, Comiczeichner und demonstrativ, aber irgendwie unerklärlich unglücklich. Er hat eine schöne Frau, zwei schöne Töchterchen und den coolsten Job überhaupt und trotzdem bläst er die ganze Zeit Trübsal.
Der Grund ist, sein Vater verließ die Familie an seinem vierzigsten Geburtstag, als Thomas gerade 14 Jahre alt war. Dieses Trauma hat er nie wirklich verarbeitet. Doch eines Tages landet er durch einen Zufall in seinem Heimatdorf. Als er den Friedhof besucht, fällt er plötzlich in Ohnmacht und erwacht, in der Zeit zurück gereist und wieder 14 Jahre alt. Zunächst hält er es noch für einen Traum, stellt aber bald fest, alles ist echt und er hat nun die Möglichkeit, seinen Vater am Weggehen zu hindern, und so sein Leben zu verändern.

Das Thema ist spannend, und die Mangavorlage machte daraus ein klischeebehaftetes, ziemlich schrilles, aber unterhaltsames Abenteuer. Regisseur Sam Gabarski hat sich nun entschieden, in seinem Film jede Lockerheit und Unterhaltung durch Langsamkeit und Schwermütigkeit zu ersetzen. Die Intention war die, dem japanischen Comic die Knalligkeit und übertriebene Dramatik zu nehmen, damit man dem Film seine schrille Herkunft nicht anmerkt. Das klappt so gut, dass dem Film sämtliche Dynamik und Energie fehlt, die im Comic vielleicht zu dick aufgetragen war. Die Idee mit den Zeitreisen ist schon nicht all zu originell, sie wurde hier nun auch bescheiden inszeniert. Technisch ist der Übergang zwischen Gegenwart und Vergangenheit mehr als dürftig gelöst, aber die Ausstattung von Kulisse und Garderobe ist zumindest überzeugend. Viele Szenen, in denen großes Potential gesteckt hätte, lässt Gabarski wirkungslos verpuffen und man gewinnt den Eindruck, für ihn sei das ganze nur eine lästige Pflichtübung, die er ganz schnell absolviert wissen wollte.
Dazu kommen noch die für Zeitreiseabenteuer üblichen logischen Fehlerchen, und mal wieder die Erkenntnis, dass nichts, aber auch gar nichts die Vergangenheit verändern kann.

Mehr will ich gar nicht dazu sagen. "Vertraute Fremde" ist unkreativ und einfallslos inszeniert, obwohl das Thema Zeitreisen bisher immer spannend in Filmen umgesetzt wurde, oder zumindest einen gewissen Unterhaltungswert bieten konnte. Aber hier ist es schlicht und einfach langweilig. Sam Gabarski, Das war nix.

Quartier lointain (B/LU/F/D, 2010): R.: Sam Gabarski; D.:Alexandra Maria Lara, Jonathan Zaccai, Lou Legrand, u.a.; M.: Air; Offizielle Homepage

In Weimar: lichthaus

Rezensionen On Air: Jeden Donnerstag, 12:25 Uhr live auf Radio Lotte Weimar.

Donnerstag, 17. Juni 2010

Baaria - Eine italienische Familiengeschichte

Früher waren Filme irgendwie anders. Ich will jetzt ausnahmsweise mal nicht meckern und jammern und mich beschweren, früher sei alles besser gewesen. Viele neue Filme sind sehr gut, aber früher waren die Filme eben irgendwie anders. Das kann viele Gründe haben. Auf dem Gebiet der digitalen Technik hat sich unglaublich viel getan und die Möglichkeiten der Filmemacher sind schier unerschöpflich. Nichts desto trotz denkt man immer mal wieder an die Alte Schule. Spätestens dann, wenn ein Regisseur mit einem neuen Film auftaucht, obwohl man eigentlich dachte, er wäre schon längst fertig mit der Welt und vor allem dem Job des Filmemachers. Guiseppe Tornatore ist ein solcher Regisseur, der uns 1988 ins "Cinema Paradiso" entführte und uns nun in seinem neuen Film erneut nach Baaria einlädt.

Baaria ist ein kleines Städtchen in Mitten der rauen Landschaft Siziliens. Wir lernen Peppino kennen, der Sohn eines Bauern, der früh in seinem Leben lernt, dass man hart arbeiten muss, um über die Runden zu kommen. Gleichzeitig geht er zur Schule, um möglichst viel Wissen aufzusaugen. Ihm steht nämlich keine Karriere als Hirte bevor, sondern die eines engagierten Politikers. Wir begleiten Pepi bei seinem Schwur zum Eintritt in die kommunistische Partei, auf seinem Weg zum Altar und auf seiner Reise nach Moskau. Während all dieser Jahre sieht man den Ort Baaria, wie er sich verändert, ebenso, wie die Menschen, die hier lebten und leben. Sämtliche historische Ereignisse der letzten 60 Jahre hinterlassen ihre Spuren. Und obwohl Baaria sehr klein ist und unbedeutend scheint, bekommt man das Gefühl, die ganze Welt dreht sich um diese Stadt.

Sehr viel mehr kann man zur Handlung gar nicht sagen. Die Geschichte fließt regelrecht über die Leinwand, wie der Fluss der Zeit. Ohne, dass etwas prägnantes oder einschneidendes passiert, vergehen die zweieinhalb Stunden trotzdem, wie im Fluge. Es ist eben so, als ob ein Kamerateam die letzten 60 Jahre dokumentiert hat und jetzt eben die schönsten Stellen zusammen geschnitten hat. Wir sehen Menschen, die ihrem Tageswerk nachgehen und einfach leben. Tornatore legt dabei sehr viel Wert auf kleine Details und so gelingt ihm ein unglaublich authentisches Bild, und wenn man schon mal in Italien gewesen ist, hat man immer das Gefühl im Film, man habe das alles schon mal gesehen. Zusätzlich baut Tornatore ununterbrochen Zitate aus seinen früheren Filmen ein, und so wird aus "Baaria" eine Art Querschnitt durch das Gesamtwerk Tornatores. Das Feeling der alten Schule kommt bereits in den ersten Minuten des Films wieder auf. Der kleine Junge, den man am Anfang sieht, heißt nicht nur Toto, sondern sieht dem Helden aus "Cinema Paradiso" unglaublich ähnlich. Den letzten Rest und Schubbser zum vollkommenen Schwelgen in Nostalgiegefühlen gibt die wunderschöne Musik von Ennio Morricone. Das Jahrgangstreffen ist also nahezu perfekt.

"Baaria" ist wunderschön. Ganz großes Kino und doch irgendwie ganz simpel. Technisch angestaubt, aber ästhetisch hoch anspruchsvoll produziert. So dicht an Handlungssträngen, dass man das Gefühl hat, es gäbe gar keine richtige Geschichte. Es ist nicht das, was ich erwartet habe, aber irgendwie doch genau das Richtige. Ein neuer Film, aber irgendwie alt, weil anders. „Was redet der da eigentlich? Sollen wir uns den Fllm jetzt angucken, oder nicht?“ Ja! Unbedingt ansehen! „Baaria“ ist einfach toll. Man hat Schwierigkeiten, hinterher zu sagen warum, aber man ist verzaubert und begeistert. Vielleicht ist es ja das, was an den Filmen früher anders war.

Baaría (I / F, 2009): R.: Guiseppe Tornatore; D.: Francesco Scianna, Margareth Madè, Raoul Bova, u.a.; M.: Ennio Morricone; Offizielle Homepage

In Weimar: lichthaus

Rezensionen On Air: Jeden Donnerstag, 12:25 Uhr live auf Radio Lotte Weimar.

Freitag, 11. Juni 2010

Reel Bad Arabs

Kaum ist der Sommer endlich mal da, tritt auch schon das Phänomen des Sommerlochs in Erscheinung. Mir persönlich ist es diese Woche im Kino begegnet, als ich einen Film finden wollte, den ich hier besprechen kann. Doch leider stand hier nicht viel zur Auswahl. Entweder hatte ich den Film schon gesehen, oder hielt ihn für nicht sehenswert. Trotzdem bin ich nicht mit leeren Händen erschienen und habe statt dessen einen kleinen Film gesehen, der im Rahmen der arg zusammen gestauchten Arabischen Filmwoche im Lichthaus Kino gezeigt wurde. Der Film heißt „Reel Bad Arabs".

Der Medienwissenschaftler Dr. Jack Shaheen hat ein Buch geschrieben, in dem er die Darstellung von Arabern in Hollywoodfilmen thematisiert. Diesem Buch hat er einen etwa 50 Minuten andauernden Dokumentarfilm beigefügt. Es werden zahlreiche Beispiele aus allen möglichen Genres gezeigt. Ob Thriller, Actionfilm, oder Familienkomödie: All diese Filme ähneln sich in ihrer Darstellung von Arabern, die in vielen Fällen einer Dämonisierung gleich kommt. Diese Darstellung prägt natürlich die Meinung des Zuschauers und verunglimpft dabei ein ganzes Volk, ohne, dass es dem unbedarften Kinogänger auffällt. Oder haben Sie gewusst, dass ausgerechnet im Vorspann von „Disney's Aladin“ ein Lied mit rassistischem Inhalt gesungen wird? Oder sehen wir uns die ganzen Actionfilme mit Arnold Schwarzenegger oder Steven Seagal an. Klar! Da ist es ja ganz offensichtlich. Das sind „Department Of Defence“-Filme, die stattlich mit finanziert wurden. Völlig logisch, welches Bild hier vermittelt werden soll. Darauf falle ich als kritischer Zuschauer nicht herein. Oder doch? Mal ganz ehrlich. Woran denken wir denn als erstes, wenn wir das Wort Araber hören? Dunkle Haut, markante Gesichtszüge, schwerer Akzent, wenn er überhaupt unserer Sprache mächtig ist. Gehen wir noch weiter und wir sehen Turban, Palituch und Kalaschnikow im Anschlag. Ist dieses Bild wirklich durch die Filme geprägt, die wir sehen?

Ironischerweise basiert die visuelle Darstellung der Hollywood-Araber auf altertümlichen Gemälden und Fresken über den Orient und wird noch heute in aktuellen Filmen übernommen.
Shaheen findet aber auch einige wenige Ausnahmen, vor allem in Hollywoods jüngerer Geschichte. So lobt er die George-Clooney-Filme „Three Kings“ und „Syriana“, denen eine authentische Darstellung von arabischen Menschen und deren Heimatländern gelungen ist. Diese beiden Filme nähren sich in ihrer inhaltlichen und visuellen Darstellung der Realität am meisten an.
„Reel Bad Arabs“ ist sehr faszinierend, obwohl der Film das Thema natürlich nur oberflächlich ankratzt. Aber er regt dazu an, sich näher damit zu beschäftigen und vor allem, viele Filme zu sehen, oder noch einmal zu sehen und sie unter diesen neuen Gesichtspunkten zu bewerten. So kann man sich eine unabhängige Meinung bilden, was gerade in derart unruhigen Zeiten, die wir im Moment erleben, unglaublich wichtig ist.

„Reel Bad Arabs“ lief am vergangenen Montag und Dienstag im Lichthaus Kino und es steht leider nicht zu erwarten, den Film in nächster Zeit in einem Weimarer Kino sehen zu können. Allerdings ist „reel Bad Arabs“ auf DVD erhältlich und jedem ans Herz zu legen, der sich prinzipiell gerne mit Filmen beschäftigt, auch wenn das manchmal heißt, dass es unbequem werden könnte.

Reel Bad Arabs (USA, 2006): D.: Jeremy Earp, Sut Jhally; B.: Jack Shaheen; Offizielle Homepage

imdb, Trailer.

Rezensionen On Air: Jeden Donnerstag, 12:25 live auf Radio Lotte Weimar.

Prince Of Persia - Der Sand der Zeit

Seit 1983 schwingt er sich bereits über die Bildschirme. In einer, mittlerweile acht Teile umfassenden Serie, konnte man im Computerspiel „Prince Of Persia“ durch eine märchenhafte Welt aus 1000 und einer Nacht und durch riesige Paläste wandern, den bösen Wesir bekämpfen und die Prinzessin retten. Und weil gerade mal wieder so ziemlich alles verfilmt wird, was verfilmt werden kann (leider auch Dinge, die nicht verfilmt werden sollten), hat nun auch der persische Prinz den Sprung auf die große Leinwand vollzogen. Produziert von einem Menschen, der schon sehr erfolgreich das totgeglaubte Genre des Piratenfilms wieder belebt hat, in dem er eine Achterbahn als Vorlage für seinen Film genommen hat.

Wir sind in Persien, in einer wilden Zeit. Der persische König schickt sich an, zu erobern und zu besitzen. Mit Hilfe seiner drei Söhne, hat es ein riesiges Heer geschafft, bis vor die Tore der heiligen Stadt Alamuth zu marschieren. Hier werden geheime Waffenschmieden vermutet, die den Feind Persiens versorgen. Außerdem ist die Herrscherin der Stadt – Prinzessin Tamina – für ihre atemberaubende Schönheit bekannt. Im Getümmel findet der jüngste, der persischen Sprösslinge, Dastan, einen geheimnisvollen Dolch, der vor allem die Fähigkeit zu haben scheint, den Prinzen in Schwierigkeiten zu bringen. Man kann gar nicht so schnell gucken, wie Dastan vom gefeierten Helden zum geächteten Verräter avanciert. Zusammen mit der Prinzessin macht sich der Held jedenfalls auf den weiten und gefährlichen Weg, um den Dolch der Zeit zum Tempel der Wächter zu bringen. Nur so kann verhindert werden, dass der Sand der Zeit ausbricht und die gesamte Menschheit vernichtet wird.

Gleich zu Beginn: „Prince Of Persia“ ist kein zweites „Fluch der Karibik“ geworden – In keinerlei Hinsicht. Der Film geht nicht so geschickt mit der Vorlage um, wie das mit Jack Sparrow gelungen ist. Stichwort Hauptcharakter: Der Prinz entspricht dem stereotypen Heldenbild und zeigt kaum erkennbare Regungen beim Kampf gegen Monster oder im Gespräch mit der ach so atemberaubenden Prinzessin. Auch technisch hat sowohl die Spielevorlage, als auch der Trailer mehr vermuten lassen, als letztlich zu sehen war. Aber genug der Meckerei, denn im Großen und Ganzen hat mir der Film ganz gut gefallen. Die Story, die in den Spielen sehr verworren wurde und schwer nach zu vollziehen war, wurde im Film auf ein klassisches Wüstenabenteuer herunter gebrochen, so, wie es im ersten Teil der Spiele auch gewesen ist. Jake Gyllenhaals Auftritt ist nicht so peinlich, wie man es befürchtet hätte. Sein Milchbubi-Gesicht wurde mit stylischen Bartsoppeln aufgerauht. Es gibt eine lustig, trollige Räuberbande, die zuverlässig für ein paar Lacher sorgt, böse, übermächtige Meuchelmörder mit dressierten Giftschlangen und einen Bösewicht, wie er im Buche steht. Es ist klassischer Abenteuerfilm, ein bisschen, wie die alten Sonntagsschinken, nur eben schick gemacht. Am schönsten ist, dass der Geschichte nicht mit roher Gewalt ein Ende zusammen geschustert wurde, welches brennend eine Fortsetzung forciert. Auch, wenn man Jerry Bruckheimer kennt und genau weiß, dass es einen zweiten und auch einen dritten Teil geben wird, hat man zumindest im ersten Teil das Gefühl, eine fertig erzählte Geschichte zu haben, ohne offene Fragen und Handlungsstränge.

„Prince Of Persia – Der Sand der Zeit“ ist erstaunlich schlicht geraten. In Zeiten von „Größer, Weiter, Bäm!“ hätte ich das von Jerry „Awesome“ Bruckheimer nicht erwartet. Cool!

Prince Of Persia – The Sands Of Time (USA, 2010): R.: Mike Newell; D.: Jake Gyllenhaal, Gemma Arterton, Ben Kingsley, u.a.; M.: Harry Gregson-Williams; Offizielle Homepage

In Weimar: CineStar

Rezensionen On Air: Jeden Donnerstag, 12:25 Uhr, live auf Radio Lotte Weimar.

Donnerstag, 27. Mai 2010

The Crazies

Der moderne Mensch führt ein geregeltes Leben. Egal, wo auf der Welt sie leben, gehen sie stets einem immer gleichen Tageswerk nach. Ihr gesamtes Streben dient der Einrichtung eines stabilen Alltages, so dass sie sich um nichts mehr sorgen müssen, außer, dass dieser Alltag durch irgendwelche unvorhersehbaren und unkontrollierbaren Ereignisse zerstört wird. Diese Angst nutzte bereits 1973 George A. Romero, um einen urigen und trashigen Horrorfilm zu produzieren, den man kaum ernst nehmen konnte. Im Zuge des derzeitigen Remake-Wahns wurde dieser Film nun neu inszeniert und heißt immer noch "The Crazies"

Was für ein wundervoller Tag im kleinen beschaulichen Städtchen Ogden Marsh. Dumpf-dümmliches, aber überaus befriedigendes Alltagsleben erlebt den wöchentlichen Höhepunkt - Die Schulmannschaft spielt Baseball. Sheriff David Dutton ist auch dabei, denn er will sich das Spiel ansehen und soll natürlich für die Sicherheit sorgen. Im Gegensatz zu sonst, wird das diesmal auch bitter nötig, denn ein stadtbekannter Trinker kommt mit einer geladenen Flinte aufs Spielfeld marschiert und droht, um sich zu schießen. David sieht keine andere Möglichkeit, außer den Mann auszuschalten. Es bleibt nicht bei diesem einen Fall. Viele andere Menschen in Ogden Marsh fangen an, sich merkwürdig zu benehmen und in extremen Fällen werden sie sogar sehr aggressiv. Bill zum Beispiel sperrt Frau und Kind in einem Schrank ein und fackelt anschließend das Haus ab. Ein harter Tag also für den Sheriff und bald entdeckt er die Ursache für die seltsamen Vorkommnisse. Doch da ist es schon zu spät. Nicht nur, dass der gesamte Ort verrückt spielt, es reitet das Militär ein und beginnt gnadenlos mit einer Evakuierungs- und Säuberungsaktion.

"The Crazies" war für 1973 zu hart. Im Gegensatz zum Zombie-Urgestein "Night Of The Living Dead" baute George A. Romero hier keine übernatürliche Ursache ein, sondern legte dem ganzen eine Regierungsweite Verschwörungstheorie zu Grunde und würzte alles mit unverholener und unmissverständlicher Gesellschaftskritik. Investoren und Studios machten Rückzieher, sodass das Ergebnis ein Zugeständnis und ein billig produzierter Trashmovie wurde, der kaum noch ernst genommen werden konnte und obendrein nicht mal unterhaltsam war. Regisseur Breck Eisner hat nun also das Remake produziert und er macht alles richtig, was damals falsch gemacht wurde und noch mehr. Es gibt kein langwieriges Vorspiel, sondern der Film geht gleich zur Sache und ist unglaublich spannend. Der harte Kontrast zwischen Sonnenscheinmentalität und geradezu beiläufiger Gewalt funktioniert ab der ersten Minute und man kann bis zum furiosen Finale des Films nicht still sitzen. Über Sinn und Unsinn der Geschichte macht man sich gar keine Gedanken. Obwohl der Film keinerlei neue Elemente etabliert, nutzt er bekannte Stilmittel in absoluter Perfektion. Etwas, was selbst Romero in den letzten Jahre verlernt zu haben scheint. „Land Of The Dead“ war beispielsweise ein unmotivierter Versuch, einen Klassiker wieder zu beleben und den grünen Nachwuchsregisseuren zu zeigen, wie man es richtig macht. Und besonders jetzt, wenn „The Crazies“ zeitgleich mit Romeros neuestem Streich „Survival Of The Dead“ in den Kinos läuft, merkt man, dass der frühere Altmeister eigentlich nur noch alt ist. Ob man sich beim Zombiehorror nun derartig tiefgreifende Gedanken machen muss, bleibt jedem selbst überlassen, aber das Genre ist letztendlich deshalb da, wo es jetzt steht, weil sich niemand ernsthaft Gedanken darüber gemacht hat, ob man es gut hinkriegen kann. „The Crazies“ spielt hier freilich auch keine Messias-Rolle, geht aber einen Schritt in die richtige Richtung Trotz des trashigen Settings und der explizieten Gewaltdarstellung hat der Film eine beklemmende Message, die in den 70er Jahren gut gepasst hat, in heutigen Zeiten aber noch realistischer wirkt.

"The Crazies" ist schnell, hart und unglaublich spannend. Breck Eisner ist ein Film gelungen, der sogar besser und überzeugender ist, als das Original. Er bringt etwas frischen Wind ins Horror-Genre und macht den Versuch, Zombies erneut salonfähig zu machen. Ob man das toll finden muss, weiß man übrigens selbst als eingefleischter Fan nicht so richtig.

The Crazies (USA 2010): R.: Breck Eisner; D.: Timothy Olyphant, Radha Mitchell, Joe Anderson, u,a,; M.: Mark Isham; Offizielle Homepage

In Weimar: Zum heutigen Bundesstart, läuft „The Crazies“ in keinem Weimarer Kino Gebt dem Film ne Chance. Schon allein deshalb, weil er es tatsächlich wagt, zum gleichen Termin zu starten, wie „Sex & The City 2“

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Mittwoch, 26. Mai 2010

Der Fantastische Mr Fox

Ein Regisseur, von dem man keine Überraschungen gewohnt ist, macht etwas total unerwartetes. Er nimmt eine Geschichte von Roald Dahl als Vorlage und produziert dann auch noch einen Puppentrickfilm. An Dahls Werken haben sich vor ihm viele andere Regisseure versucht und sind teils kläglich gescheitert und Puppentrickfilme sind nach einem kurzen, aber heftigen – und völlig ungerechtfertigten – Hype auch schon wieder total out. Wes Anderson ist es allerdings gelungen trotz dieser beiden schwerwiegenden Hindernisse, einen guten Film zu produzieren. Wagen wir den Blick auf „Der Fantastische Mr Fox“

Fuchs ist irgendwie unzufrieden mit seinem Leben. Früher war ein angesehener Hühnerdieb und kümmerte sich eben um nichts andres, als um Fuchsangelegenheiten. Doch dann nimmt das Leben seinen Lauf. Seine Fuchsgattin wird schwanger und es wird Zeit, einen gemütlichen Fuchsbau zu suchen und einen ebenso gemütlichen Job bei der örtlichen Gazette an zu nehmen. Und das war's dann. Der Kleine geht zur Schule, der Vater schreibt Kolumnen, um die Miete zu bezahlen und die Mutter hütet das Haus. Doch Fuchs fühlt sich arm, weil er unter der Erde leben muss. So sucht er sich eine neue Behausung und zieht mit seiner Familie in einen schönen, günstig gelegenen Baum. Dieser Baum steht in Sichtweite der drei größten Farmen im Tal. Die gehören den großkapitalistischen Bauern Boggis, Bunce und Bean, die jeweils für drei großartige Produkte bekannt sind. Hühner, Truthähne und Apfelwein. Der Meisterdieb im Fuchs kommt wieder hervor und zusammen mit Opossum heckt er einen Masterplan aus, um die drei Bauern um ihre beliebten Waren zu erleichtern. Die finden das natürlich gar nicht komisch und reagieren entsprechend erbost und mit voller Härte.

Wer nun denkt, Wes Anderson probiert sich auf einem völlig neuen Gebiet aus, irrt sich. Bisher ging es bei Anderson immer um die Familie. Manchmal war es eine Familie voller Chaoten, die aufgrund ihres Chaotendaseins in skurrile Situationen und Abenteuer verstrickt wurden. Andere Familien hatten mit ganz alltäglichen Problemen zu kämpfen. Aber stets ging es um den Konflikt zwischen Alt und Jung und dem Lösen schier unlösbarer Familienbagatellen. Auch in „Der fantastische Mr Fox“ taucht dieses Motiv wieder verstärkt auf, nur dass es diesmal eben von Tieren getragen wird. Interessant ist hier auch der Umstand, dass es diesmal die Tiere sind, die in den Lebensraum der Menschen einfallen und nicht umgekehrt, wie sonst immer in derartigen Metaphern. Besonders hervor zu heben ist die Technik, mit der dieser Film produziert wurde. Im Gegensatz zu Genrekollegen, wie „Coreline“ oder „Corpsebride“ verzichtete Anderson tatsächlich auf jegliche Computertechniken und der gesamte Film wurde in traditioneller Stop-Motion-Technik aufgenommen. Wenn man die liebevoll animierten Puppen sieht und die enorm detaillierte Kulisse, kann man den großen Aufwand erahnen, der nötig war, dieses Projekt zu realisieren. Der Charme des Films wird noch durch ein absolutes Traumcast erhöht. George Clooney und Meryl Streep leihen dem Ehepaar Fuchs ihre Stimmen, Willem Dafoe, Bill Murray, Jason Schwartman und Owen Wilson bilden das übliche Anderson-Ensemble.

„Der Fantastische Mr Fox“ erzählt die Anderson-typische Familiengeschichte, ist durchsetzt mit urigen Dahl-Elementen und wurde zudem noch mit einer immer seltener auftretenden Hingabe inszeniert. Es ist ein Film für die ganze Familie, aber auch Fans von „Tiefseetaucher“ und „Royal Tennenbaums“ werden trotz aufkommender Skepsis, ob der zu niedlich geratenen Tierpuppen voll und ganz auf ihre Kosten kommen.

The Fantastic Mr Fox (USA / UK 2009): R.: Wes Anderson; OVA: George Clooney, Meryl Streep, Willem Dafoe, Bill Murray, u.a.; M.: Alexandre Desplat; Offizielle Homepage

In Weimar: lichthaus

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Mittwoch, 12. Mai 2010

Iron Man 2

Eine der zuverlässigsten Regeln Hollywoods hat wieder zu geschlagen. Die Frage: „Warum muss es denn unbedingt einen zweiten Teil geben?“ wurde einmal mehr beantwortet mit: „Weil es einen ersten Teil gab und der war super erfolgreich.“ Der erste Teil trumpfte auf mit einer sehr frischen Interpretation eines der zahlreichen Superheldencomics aus der Feder Stan Lees. Es gab einen sehr coolen Hauptdarsteller, noch coolere Nebendarsteller und trotz der absurden und übertriebenen Story gelang tatsächlich ein ernst zu nehmender Bezug auf aktuelle Geschehnisse. Nun kommt also der zweite Teil, der alles genau so machen will, wie sein Vorgänger und doch ganz anders wird. Hier kommt die Fortsetzung der teuersten Rocksongverfilmung aller Zeiten.

Wir werden an der Stelle in den Film katapultiert, an der Teil 1 endete. Tony Stark verkündet der Öffentlichkeit spontan, er sei Iron Man. Nun stürzen sich alle auf ihn: Bewunderer (meist Frauen), Journalisten (auch meist Frauen) und Waffenlobbyisten (meist Männer). Die Regierung fordert die Herausgabe des Eisenanzugs, damit die ihre Armeen ausrüsten kann. Tony denkt nicht daran, seine Technologie weiter zu geben, zumal keine Gefahr droht und die Bemühungen anderer Länder und Waffenentwickler, ihren eigenen Anzug zu kreieren, sind nicht von großem Erfolg gekrönt. Allerdings hat Tony noch ein anderes Problem. Durch die ständige Benutzung des Anzugs und dessen Antriebsaggregat, welches nebenbei auch noch dafür sorgt, dass sein Herz von Granatsplittern aus dem ersten Teil freigehalten wird, sorgen für eine schleichende Vergiftung, die über kurz oder lang den Tod bedeutet. Zu allem Überfluss taucht dann auch noch der Russe Viktor auf, der seinen eigenen, beängstigend effektiven Anzug gebaut hat.

Regisseur Jon Favreau hatte es geschafft, frischen Wind ins etwas überlaufene Superheldengenre zu pusten. Klar, es war nicht so innovativ, wie „Dark Knight“ und auch nicht so bombastisch, wie „Spider-Man“ und kam auch nicht an das Cast eines „X-Men“ heran, machte aber irgendwie alles richtig. Das, was am meisten gefiel, war die lockere, etwas schnodderige Art, mit der Tony Stark mit seiner Verantwortung, zunächst als Waffenhersteller und dann als Superheld umging. Das hat die absurde Story davor bewahrt, sich selbst zu ernst zu nehmen und man hat als Zuschauer stets in Erinnerung gehabt, dass es sich um eine Comicverfilmung handelte. Diese Erfolgsrezept wird nun im zweiten Teil auf die, für Fortsetzungen übliche Art und Weise, übernommen und an allen Stellen aufgepumpt. Also: Mehr Action mit besseren Effekten, noch coolere Sprüche, noch verrücktere Bösewichte, noch mehr Handlungsstränge, und eine sexy, aber irgendwie strohblöde Scarlett Johannson, die sich einfach nicht entscheiden kann, ob sie denn nun Schauspielerin, oder Supermodel sein will. In diesem Film überzeugt sie weder als das eine, noch als andere. Was bleibt sonst großartig zu sagen? Es ist eben ein Film, bei dem es ganz auf die eigene Erwartungshaltung ankommt, ob er einen gefällt, oder nicht.

„Iron Man 2“ lässt nichts anbrennen und packt alles aus dem Vorgänger in einen größeren und knalligen Topf, um alles schön durch zu rütteln. Eine Vorgehensweise, die für den zweiten Teil durchaus legitim ist, und für den unvermeidlichen dritten Teil ganz sicher auch eingesetzt wird und deshalb wieder dafür sorgen wird, dass man den ersten Teil von allen am besten fand. Heimlicher Höhepunkt diesmal ist übrigens das Waffenverkaufsgespräch mit Sam Rockwell, ein Schauspieler, der souverän, wie kaum ein anderer, seine Nebenrollen mit sehr viel Liebe und Professionalität mit Leben zu füllen weiß.

Iron Man 2 (USA, 2010): R.: Jon Favreau; D.: Robert Downey Jr, Mickey Rourke, Gwyneth Paltrow, u.a.; M.: John Debney, Offizielle Homepage

In Weimar: CineStar

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