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Dienstag, 25. Februar 2014

Berlin: Nyphomaniac 1

Kaum ein anderer Film wurde in den letzten Monaten mehr diskutiert und nicht wenige haben nach all dem Wirbel schmerzlich den Kinostart herbei gesehnt. Ob diese Aufregung gerechtfertigt war und nicht die Erwartungen so hoch geschraubt hat, dass sie dieser Film nicht erfüllen kann, ist dem Regisseur wahrscheinlich egal. Was man von Lars von Triers neuestem Machwerk „Nymphomaniac 1“ hingegen halten soll, weiß man wohl auch erst, wenn man im Kino war.

Es ist eine kalte Nacht, die an rostige und keimig, verklebte Wände, an denen Brackwasser herunter rinnt denken lässt und an Rammstein. In einer solchen Nacht findet der alte Mann namens Seligman eine übel zugerichtete Frau auf dem Fußweg liegend. Er kümmert sich um sie und schafft sie zu sich nach Hause. Hier packt er sie ins Bett und flößt ihr warmes Essen und Getränke ein. Ob er die Polizei oder einen Krankenwagen rufen soll, verneint sie. Sie sei ein schlechter Mensch und das sei in Ordnung so. (Hat nicht ein berühmter Regisseur vor klurzem etwas ganz Ähnliches gesagt?) Seligman glaubt nicht, dass sie ein schlechter Mensch ist. Deshalb beginnt sie, ihm ihre Lebensgeschichte zu erzählen, um zu beweisen, dass sie doch ein schlechter Mensch ist. Dieses Leben besteht ausschließlich aus extremen, sexuellen Erfahrungen, die sie seit ihrer frühesten Kindheit sammelt. Der alte Mann zeigt sich von all den expliziten Schilderungen nicht sehr schockiert und kontert mit Analogien vom Fliegenfischen, dem Komponieren eines Orgelstückes und der Weltliteratur. Während sie also ungeniert von ihrem Leben berichtet, wird sie von ihm bemuttert und moralisch durchgefüttert.

Die Story klingt ziemlich banal. Bei den meisten Pornofilmen gibt es so etwas, wie eine Story gar nicht erst und so gesehen, könnte man sagen, ist „Nymphomaniac 1“ regelrecht tiefgründig. Lange habe ich überlegt, wie dieser Film zu bewerten ist und ich bin zu keinem anderen Ergebnis gekommen. Manche bezeichnen diesen Film, als ein wildes Kunstwerk, welches im Grunde nur die Gewalt und Vielfältigkeit des Lebens nachzeichnet. Lars von Treir selbst hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass er einen Pornofilm gedreht hat. Ich finde, so sollte ich das auch halten. Zwischen den einzelnen Kapiteln, die alle jeweils ein neues Sexabenteuer schildern, gibt es Einschübe, die sehr verkrampft wirken und an die tatsächliche Bildgewalt früherer von-Trier-Filme erinnern sollen, hier aber total unpassend daher kommen. Alles wirkt dadurch eher konfus. In einer Szene beschreibt sie ausführlich von ihrer Entjungferung, in der nächsten zitiert er den Text irgendeines romantischen Autors. Einmal wird der Zuschauer mit einer beispiellosen Galerie männlicher Geschlechtsteile bombardiert, gleich darauf mit perfekten Bildern eines spektakulären Sonnenuntergangs verwöhnt. All das kann nicht verbergen, dass es in diesem Film nur um eines geht: Um Sex. Um Sex in all seinen faszinierenden, wie auch abstoßenden Formen. Ästhetische Liebesszenen wird man hier kaum finden. So etwas gibt es in Pornofilmen nun mal nicht. Stattdessen findet man eine beeindruckend gespielte, aber leider vollkommen überflüssige Szene mit ihrem Vater, der irgendwie noch zum Schlüsselsymbol werden soll. Vielleicht. Das kommt möglicherweise im zweiten Teil erst. Womit wir bei einem weiteren, großen Problem von „Nymphomaniac“ wären. Lars von Trier hat nach Fertigstellung seines Filmes den sogenannten Final Cut abgegeben. Dieser Cut legt fest, welche Version letztendlich in den Kinos laufen soll. Aus vermarktungstechnischen Gründen, wurde der Film erstens regelrecht kastriert – Sorry, aber anders kann man es in diesem Fall schwerlich nennen – und damit sämtlicher diskutabler Szenen, die im Vorfeld für so viel Gesprächsstoff sorgten beraubt; zweitens wurde „Nymphomaniac“ in zwei Teile gehackt. Der deutsche Verleih möchte dem deutschen Publikum also weder eine Laufzeit von 5 Stunden, noch explizit dargestellte, kopulierende Paare zumuten. Als Dank dafür bittet man aber natürlich doppelt zur Kasse.

Das Ergebnis ist eben eher unspektakulär, entspricht überhaupt nicht den Erwartungen – ob nun negativ, oder positiv - die man an einen Film dieses Regisseurs hat und zeigt vor allem, wie toll es noch immer in der Filmwelt funktioniert, wenn man auf möglichst platte und unkreative Art und Weise einfach mal drauf los provoziert.
Ich hatte nicht einmal Freude am durchaus sehenswerten Cast des Filmes. Einzig Uma Thurman zeigt gutes Schauspiel und rettet um Haaresbreite den Ruf ihrer Zunft. Alle anderen sind austauschbar. Vor allem der Typ mit der Papiertüte auf dem Kopf.

Nymphomaniac 1 (DK, D, B, F, GB, 2013): R.: Lars von Trier; D.: Charlotte Gainsbourgh, Stellan Skarsgård, Stacy Martin, Shia LaBeouf, Christian Slater, Jamie Bell, Uma Thurman, u.a.; Offizielle Homepage

In Weimar: lichthaus

Kineast im Radio: Jeden Sonntag, 14 Uhr auf Radio Lotte Weimar.

Dienstag, 8. Oktober 2013

Nachgereicht - Trance

Danny Boyle gehört zu den innovativsten, britischen Regisseuren der letzten 20 Jahre Filmgeschichte. Statistisch ist jeder Dritte seiner Filme ein Kracher. Dazwischen experimentiert er und wird nicht müde, frische Ideen aus zu probieren. So eindrucksvoll solche Filme, wie „Trainspotting“ und „Slumdog Millionär“ auch waren, so sehr gefallen mir eben die Filme, in denen er irgendwie einen Gang zurück schaltet, wenn es um Starpower und Action geht – eben die Eigenschaften eines potentiellen Blockbusters – und stattdessen experimentiert. Dabei entstehen Filme, die irgendwie klein daher kommen. Sie sind nicht unfertig oder unzureichend, sondern einfach kleiner. Oft lastet auf diesen Filmen kein besonders großer Druck – ein weiterer Pluspunkt. Boyle erzählt obendrein spannende Geschichten und so kommt man in den Genuss solcher Kleinode, wie „Sunshine“, „127 Hours“ und „Trance“.

Simon arbeitet in einem Auktionshaus. Eines Tages soll ein besonders wertvolles Bild versteigert werden. Dies ist auch der Tag, an dem Franck und seine Gangster-Kumpel auftauchen, um das Bild zu klauen. Die Mitarbeiter sind auf einen solchen Fall natürlich vorbereitet. Gemäß dem Training bringt Simon das Gemälde in Sicherheit, wird allerdings von Franck entdeckt, der ihm eine auf den Kopf gibt und die Tasche mitgehen lässt.
Zu früh gefreut, denn die Tasche ist leer. Simon liegt im Koma und er ist der einzige Mensch, der weiß, wo das Bild ist.
Als Simon eines Tages erwacht, krallt sich Franck den Komplizen. Nach stundenlanger Folter stellen sie fest, dass Simon tatsächlich alles vergessen hat. Also wird er zu einer Psychologin geschleppt, deren Spezialität Hypnose ist. Schon bei der ersten Sitzung stellt sie fest, dass in Simons Kopf einiges Durcheinander zu herrschen scheint. Die Gangster tun sich mit ihr zusammen, um letztendlich gemeinsam die Erinnerung zu finden, die sie zum Gemälde führt. Dabei stoßen sie auf Erinnerungen, die besser in Simons Kopf geblieben wären.

Dieser Film beginnt Boyle-Typisch rasant mit einem beeindruckenden Überfall. Allein diese ersten Minuten sind vollgestopft mit Hinweisen und Reizen und der Fokus des Zuschauers wird immer wieder auf kleine Details gelenkt. Man muss in diesen Minuten höllisch aufpassen, damit einem ja nichts entgeht und sich am Ende alles auflöst. Zumindest soll man das denken. Dann wird es ruhiger und Boyle arbeitet mit handwerklichem Standard. Hierbei nutzt er vor allem Dialoge, etwas was nicht immer seine Stärke zu sein scheint. In diesem zweiten Akt des Filmes wird nach meinem Geschmack zu viel erklärt. Dieser Sendung-Mit-Der-Maus-Touch passt irgendwie nicht zu den Charakteren und zum sonstigen Stil Boyles. Relativ schnell kriegt er allerdings die Kurve und kreiert im nächsten Akt ein absolutes Durcheinander an mehreren Ebenen visueller und inhaltlicher Form. Man verliert völlig den Überblick. Besonders diesen Teil des Films konnte ich genießen, war ich mir doch sicher, es würde am Ende alles aufgeklärt werden. Und so kommt es auch. Alles wird bis ins kleinste Detail erklärt und serviert. Hätte man nicht wenigstens ein kleines bisschen noch offen lassen können? Die Erklärung des Ganzen ist mir zu einfach gewesen. All dieses Kuddel-Muddel in Simons Kopf und all die vielen kleinen Details und Bilder laufen zu einem irgendwie unbefriedigenden Ende hinaus.

„Trance“ ist cool, aber nicht zu cool. Offensichtlich ist dies einer der kleineren Filme Boyles. James McAvoy und Rosario Dawson sind aber Schauspieler, die ich immer wieder gerne sehe, auch wenn ihre Figuren ein bisschen oberflächlich zu sein scheinen. Schön ist, dass Boyle einen frischen visuellen Stil geschaffen hat, der weniger auf CGI basiert, sondern viel mit analogen und handwerklichen Effekten arbeitet. Ich bin gespannt, wie und ob dieser neue Stil in seinen kommenden Projekten Anklang findet.

Trance (GB, 2013): R.: Danny Boyle; D.: James McAvoy, Rosario Dawson, Vincent Cassel, u.a.; M.: Rick Smith; Offizielle Homepage

Kineast im Radio: Jeden Sonntag, 13 Uhr auf Radio Lotte Weimar.

Mittwoch, 26. Juni 2013

FlimmerCASTen # 7 - Worldwar Brad

"World War Z" liefert schon vorab eine abenteuerliche und neue Mischung: Brad Pitt versus Zombies. Wir haben uns den Schauspieler mal genau angesehen, uns seine FIlme in Erinnerung gerufen und ausufernd gefachsimpelt. Und weil es in der letzten Woche keinen FlimmerCASTen gab, ist diese Ausgabe sozusagen extralarge. Viel Spaß mit Eineinhalb Sunden geballten Fachwissens.

HIER geht's zum Podcast!

Wie geht's Euch mit Brad Pitt? Einer der begabtesten und prägensten Schauspieler usnerer Zeit, oder völlig überschätzter Hollywood-Schönling? Schreibt uns Eure Meinung!

Freitag, 22. März 2013

Hitchcock

Biopics funktionieren immer. Ganz gleich, um welche Person es sich handelt, deren Leben da verfilmt wird. Meistens geht es um unnahbare oder historische Figuren; Menschen, denen man normalerweise einfach nie begegnet, um sie zu fragen, wie ihr Leben so ist. Der Zuschauer ist also neugierig und erhofft sich, tiefe Einblicke in die Seele dieser ominösen Person. Besonders neugierig ist man bei Personen, die irgendwie geheimnisvoll daher kommen. Alfred Hitchcock zum Beispiel ist als „Meister des Suspense“ einer der berühmtesten Filmregisseure der Welt gewesen. Eine Biographie über ihn gewährt nicht nur Einblicke in seinen Geist, sondern auch Einblicke in die Welt des Films. Das funktioniert also doppelt so gut, wie andere Biopics. So hofft man zumindest.

1959, Hollywood. An diesem Abend feiert der neue Film von Alfred Hitchcock seine Premiere. Die Menschen überschlagen sich mit Lob und man ist sich einig, „Der unsichtbare Dritte“ ist Hitch's erfolgreichster und bester Film. Der Meister lässt sich feiern und ruht sich dann eine Woche aus. Doch dann kommt bereits die Unruhe. Er muss weiter machen. So begibt er sich auf die Suche nach einer neuen Idee. Zahlreiche Angebote von großen Studios muss er ablehnen, weil sie ihn schlicht nicht interessieren. Der Fall des Serienkillers Ed Gein beschäftigt derzeit die Medien und auch Hitch ist vollkommen fasziniert von diesem Mann. Er will einen Film über dieses Thema machen, denn ihn interessieren die Motive und das Denken des Killers und dessen unerklärliche Affinität zu seiner Mutter. Zufällig gerät ein Exemplar des neuen Romans „Psycho“ in seine Hände, der genau diese Fragen beantwortet. Hitchcock ist sich sicher, das muss sein nächster Film werden. Die Studiochefs sind nicht so begeistert. Paramount hält es für geschmacklos und ist sich sicher, dass so einen Film niemand sehen will. Auch, wenn Hitchcock ein absoluter Meister seines Fachs ist, ist er nicht immer ein Garant für kommerziellen Erfolg gewesen. Zu schmerzich sitzt noch die Erinnerung an den gefloppten „Vertigo“.
Hitch ist aber wild entschlossen und finanziert den Film kurzerhand selbst. Doch bevor es losgehen kann, muss die Zensurbehörde das Siegel erteilen und noch mehr Schwierigkeiten stehen Hitch bevor. Schnell wird allen Beteiligten klar, dass „Psycho“ in jeder Hinsicht sein gewagtester Fiml werden wird.

Biopics müssen sich entscheiden, was sie sein wollen. Wollen sie ein eigenes Kunstwerk sein, oder die Geschichte eines Menschen so erzählen, wie sie geschehen ist? Mit etwas Kreativität und Witz könnte man aus „Hithcock“ einen spannenden Thriller ganz im Sinne des Meisters höchstpersönlich kreieren. Man könnte mit Einstellungen und Musik und Schatten spielen und aus der Biographie ein kleines Meisterwerk machen. Oder man hält sich an die Konventionen des Genres und erzählt die Geschichte abseits der Filmkulissen. „Hitchcock“ hat sich für letzteres entschieden und macht dabei eine sehr solide Figur. Sehr sachlich und geradezu nüchtern erzählt der Film die Produktionsgeschichte von „Psycho“ und suggeriert vor allem ein Bild: Auch Hitchcock kocht nur mit Wasser.
Interessant ist hier vor allem die Beziehung Hitchcocks zu seiner Frau Alma Reville, die einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die Arbeit ihres Mannes auszuüben schien. Auch seine Obsession gegenüber seinen weiblichen Hauptdarstellern wird thematisiert, allerdings ohne die Oberfläche zu durchbrechen. Sehr gelungen ist die Auswahl der Darsteller.
Anthony Hopkins trägt zwar jede Menge Make-Up, schafft es aber, die Figur zu füllen und gleichzeitig seinen eigenen Charme mit einfließen zu lassen. Besonders gut gefallen hat mir Scarlett Johansson, die übrigens nicht nackt zu sehen ist, dafür aber um so überzeugender die blonde Newcomerin spielt, die bisher nur überaus brave Rollen verkörperte und nun in einem waschechten Horrorfilm das Opfer des beängstigensten Duschmordes der Filmgeschichte wird. Ihr reduziertes Spiel macht diese Figur sehr glaubhaft. Die Szene, in der man sieht, wie der Mord gedreht wurde, zeigt sehr anschaulich, wie es zu dieser Intensität kommen konnte und ist einer der Höhepunkte von „Hitchcock“.

„Hitchcock“ ist kein großer Film, der den Horizont erweitert, oder eben einen Thriller aus der Biographie eines Mannes macht, der nur mit Morden beschäftigt ist. Allerdings schafft er es, ohne die Illusion zu zerstören, zu zeigen, wie Filme gemacht wurden und wie viel mehr dazu gehört, als nur die Kamera drauf zu halten. Vor allem vermag der Film das Verlangen und die Lust zu steigern, sich nicht nur mal wieder „Psycho“ anzusehen, sondern endlich mal all die Hitchcockfilme nachzuholen, die man bisher noch nicht gesehen hat. Dort findet man dann übrigens auch die tiefen Einblicke in den Geist und die Seele von Alfred Hitchcock.

Hitchcock (USA, 2012): R.: Sacha Gervasi; D.: Anthony Hopkins, Helen Mirren, Scarlett Johansson, u.a.; M.: Danny Elfman; Offizielle Homepage

In Weimar: lichthaus

Kineast im Radio: Jeden Sonntag, 14:00 Uhr auf Radio Lotte Weimar.

Freitag, 7. September 2012

Total Recall

Da haben wir es doch mal wieder.: Die Einfallslosigkeit erreicht neue Ebenen und man hat sich in Hollywood offensichtlich auf das Neuauflegen von Märchenklassikern festgelegt. Gestern wurde der erste Trailer von „Hänsel & Gretel Hexenjäger“ veröffentlicht und hat für vielerlei Kopfschütteln gesorgt. Es ist kein Wunder, dass angesichts solcher völlig bekloppter Entgleisungen lieber auf Nummer sicher gegangen wird, und man sich auf das Produzieren von Remakes konzentriert.
Besonders das Actionkino aus den späten 80ern und frühen 90ern erlebt derzeit eine Wiederauferstehung, oder eben Leichenfledderei, je nach Ansicht.
Regisseur Len Wiseman, der in der letzten Zeit hauptsächlich durch Leichenfledderei des „Underworld“-Franchise von sich Reden machte und ein eher unterdurchschnittliches „Stirb langsam 4.0“ abgeliefert hatte, geht nun wacklige Schritte in der zwiespältigen Ruhmeshalle der Remakes und läuft derzeit mit seiner Neuauflage des Verhoeven-Trash-Klassikers „Total Recall“ in den deutschen Kinos.

Wir sind in einer düsteren Zukunft. Die Erde ist nach irgendwelchen Kriegen nahezu unbewohnbar. Es gibt noch zwei Flecken, die von Menschen bevölkert sind. Lediglich im ehemaligen Großbritannien und in Australien ist Leben überhaupt noch möglich. In Europa haben es sich die Reichen und Schönen der Welt gemütlich gemacht und auf der anderen Seite der Welt, ist die Arbeiterklasse der neuen Gesellschaft untergebracht. Durch einen großen fahrstuhlartigen Schacht pendeln die Arbeiter regelmäßig quer durch den Planeten, um in riesigen Fabriken zu arbeiten und zu malochen. Dass dieses System nicht nur Freunde hat, ist klar. Besonders in der Kolonie gibt es große Schwierigkeiten mit dem Widerstand, der vom mysteriösen Matthias angeführt wird.
Das kann Kanzler Cohaagen nicht akzeptieren, denn es geht auch um einen Riesenhaufen Geld und Macht.
Douglas Quaid ist ein einfacher Fabrikarbeiter, der aber irgendwie das Gefühl hat, für mehr bestimmt zu sein. Er kriegt diesen Gedanken nicht aus seinem Kopf und auch seine wunderschöne Frau Lori kann ihn nicht so recht trösten. Außerdem wird Doug von merkwürdigen Träumen geplagt. Eines Tages erfährt Doug von einer Firma namens Rekall. Diese Firma hat sich darauf spezialisiert, Erinnerungen zu implantieren, so dass man, zum Beispiel, einen super teuren Urlaub machen kann, ohne wirklich weg zu fahren. Außerdem kann man Dinge tun, die man in der Wirklichkeit nie tun qüesw. Doug besucht Rekall und nach anfänglicher Skepsis entscheidet er sich für ein ganz besonderes Angebot. Er will Geheimagent sein. Das Programm sieht alles vor, was das Herz begehrt.  Eine ausgewachsene Verschwörung, massenhaft böse Jungs, das hübsche Mädchen von Nebenan und die unvermeidliche Femme Fatale. Doug hofft, dass ihm dieses Erlebnis ein bisschen Abwechslung bringt und greift zu. Und damit gehen die Probleme los.

Wie sollte man sich ein Remake angucken? Das hängt im Wesentlichen davon ab, was hier neu aufgelegt wurde. Zu viele Gedanken sollte man sich darüber aber nicht machen. Die meisten Remakes sind nämlich tatsächlich überflüssig und reichen qualitativ sehr selten an das Original. Apropos Original: Bevor man den neuen Film sieht, kann man sich natürlich den alten Schinken ansehen. Dieser Film ist natürlich alt und im Falle eines Science Fiction Filmes ist er technisch längst überholt. In manchen Filmen sieht man, wie man an die Grenzen des Machbaren gestoßen ist und ist vielleicht gespannt, wie man die entsprechende Szene mit moderner Tricktechnik gemacht hat. Beim Betrachten des alten Filmes achtet man auf die Atmosphäre und welche Elemente im Vordergrund sind. Also, was den Film zu dem macht, was er ist.
Im Falle von Paul Verhoevens „Total Recall“ von 1990, sind die prägenden Elemente ganz schnell ganz klar. Aus regelrecht jeder Pore des Films dringt der Koloss Arnold Schwarzenegger. Daneben gibt es eigentlich nur noch Action und eine Frau mit drei Brüsten. Damit sind auch die Prioritäten des Regisseurs dargelegt. Trotzdem gelingt noch der faszinierende Story-Zwist, dass man eigentlich nie so richtig weiß, ob all die Ereignisse nun wirklich stattfinden, oder lediglich in Dougs Kopf.
Len Wisemans Film nun ist viel aufwändiger produziert. Mit beeindruckenden Special-Effects wurde hier eine sehr detaillierte Zukunftswelt geschaffen. Alles ist irgendwie übereinander gestapelt und vermittelt ganz gut den Eindruck einer überbevölkerten Stadt. Einige Ecken sehen zwar exakt so aus, wie in „Blade Runner“, aber das ist okay. Schließlich basiert auch dieser Film auf einer Kurzgeschichte des Blade-Runner-Autoren Philip K. Dick. Die Charaktere sollen viel mehr Tiefe zeigen, als im Original. Das gelingt eher weniger gut und hält eigentlich nur den Flow des Filmes auf. Die Action-Szenen sind sehr schick, allerdings sieht man sich zu schnell an ihnen satt und irgendwann scheint der Film nur noch aus unendlichen Ballereien zu bestehen. Nüchtern betrachtet liefert Len Wiseman also nur Action und die Frau mit drei Brüsten – ohne Arnie. Und damit sind wir beim großen Problem dieser Neuauflage. Schwarzenegger-Filme ohne Schwarzenegger können einfach nicht funktionieren. Durch diesen Darsteller haben alle Filme einen bestimmten Touch bekommen, den man entweder mochte, oder nicht. Arnie gab selbst den allergrößten Mistfilmen noch eine besondere Note.
Egal, was diese besondere Note ausgemacht hat, ernst durfte man das nie nehmen. Aber Len Wiseman nimmt es ernst. Kein hintergründiger Sarkasmus mehr und keine Seitenhiebe auf die heutige Gesellschaft. Keine raffinierte Szene, in der ein Schweißtropfen zum Schlüsselsymbol avanciert. Stattdessen nimmt man lieber Dubstep.
Wie guckt man also am besten ein Remake? In diesem Fall wohl gar nicht.

„Total Recall“ fängt sogar ganz gut an. Der Film bietet einige Ansätze, die er dann aber nicht verfolgt. Technisch beeindruckt Len Wiseman allemal. Er gibt sich so viel Mühe, diese Welt überzeugend aussehen zu lassen und erzielt dabei verblüffende Ergebnisse. Dann lässt er das Potential wirkungslos verpuffen, weil er eben die stumpfsinnige Geschichte eines zwanzig Jahre alten, trashigen Actionfilmes nach erzählen will. Eigentlich - wenn man sich das mal genau betrachtet - ist das eine völlig bekloppte Idee!

Total Recall (USA, CAN, 2012): R.: Len Wiseman; D.: Colin Farrell, Kate Beckinsale, Jessica Biel, Bill Nighy, u.a.; M.: Harry Gregson-Williams; Offizielle Homepage

In Weimar: CineStar

Der Filmblog zum Hören: Jeden Donnerstag zwischen 12:00 und 13:00 Uhr auf Radio Lotte Weimar.

Montag, 11. Juli 2011

Sommer 2011

Der Sommer steht vor der Tür und was gibt es Schöneres, als ins wohl temperierte Kino zu gehen, und sich mal mehr, mal weniger gut unterhalten zu lassen? Auch wenn das Sommerloch in seinen ersten Ausläufern schon zu spüren ist, und es die ein oder andere Kinowoche geben wird, in der nicht all zu Sehenswertes startet, kann man sich die Zeit versüßen, um sich wie ein kleines Kind auf kommende Highlights zu freuen. Willkommen also zu einer weiteren Ausgabe einer fröhlichen Ansammlung lauter lustiger Filmtitel und Phrasendreschereien, sowie Einschätzungen und Spekulationen der wildesten Art.


Fangen wir an mit leichter Kost: Seit einer Weile läuft „Der Zoowärter“. Es geht um den dümmlich-sympathischen Zoowärter Griffin, der als absoluter Experte für alle Tiere gilt. Nur mit Frauen hat er eben andauernd Pech und es will einfach nicht klappen. Eines Tages taucht die bildhübsche Kate auf und Griffin verliebt sich hals über Kopf, verliert aber durch seine Tolpatschigkeit jede Chance und Hoffnung, bei ihr zu landen. Die Tiere im Zoo entschließen sich nun, ihm zu helfen, wobei natürlich npch mehr schief geht. Dieser Film ist ein neuer Vertreter eines Genres, welches bereits seit Beginn der Filmgeschichte existiert, der Slapstick-Komödie. In den Hauptrollen sehen wir Kevin James (King Of Queens) imd Rosario Dawson (Sin City) und außerdem zahlreiche, computeranimierte und sprechende (!) Tiere. Interessant ist außerdem, dass man selten jemanden persönlich kennt, der sich solche Filme im Kino ansieht und trotzdem wird auch „Der Zoowärter“ sagenhafte Erfolge einfahren. Mich soll es nicht stören. Es ist seichte Unterhaltung für den Sommer, die niemanden wehtut.


Am kommenden Donnerstag wird übrigens alles enden. Der bereits seit zehn Jahren andauernde Kampf zwischen Harry Potter und Lord Voldemort. Tausende Fans haben auch das letzte Buch längst gelesen und wissen natürlich, wie die Geschichte ausgeht. Trotzdem wollen sie vor Spannung und Aufregung förmlich zerplatzen. Der letzte Teil soll spektakulärer denn je werden, voll gepackt mit Spezialeffekten, nervenaufreibenden Kämpfen und Actioneinlagen. Ich habe die anderen sieben Teile gesehen, da werde ich mir diesen hier eben auch noch angucken. Spannender ist für mich allerdings eher die Frage, was denn nach Abschluss der reihe mit den drei Hauptdarstellern passiert. Rupert Grint hat zum Beispiel durchblicken lassen, dass er sich aus der Schauspielerei zurück ziehen möchte und einen anderen Beruf erlernen will. Emma Watson möchte gerne Supermodel werden und hat angeblich schon für den Playboy posiert. Die dabei entstandenen Bilder dürfen erst veröffentlicht werden, wenn die Harry-Potter-Reihe abgeschlossen ist. Wir sind gespannt. Daniel Radcliff macht es vielleicht als einziger richtig und hebt die Tassen. In einem Interview mit der GQ gestand er nämlich, dass er bis vor einem Jahr ganz kurz davor stand, ein Alkoholproblem zu haben, was nach unseren Maßstäben wahrscheinlich heißt, dass er irgendwann in seinem Leben mal Alkohol getrunken hat. Wie auch immer, Hollywood hat oft genug die Geschichte von Kinderstars erzählt, die auf die schiefe Bahn geraten sind. Wer die drei Jungschauspieler also nochmal sehen will, bevor sie im Drogensumpf versinken, hat damit einen weiteren Grund gefunden, sich „HP7.2“ anzusehen.


Am selben Tag startet in Deutschland „Barneys Version“. Richard Lewis verfilmt den den bekannten Roman von Mordecai Richter. Paul Giamatti spielt den neurotischen, sarkastischen, trinkenden, politisch unkorrekten und trotzdem tot unglücklichen Barney Panofsky. Es erwartet den Zuschauer eine wunderbare kleine Komödie mit viel Charme und intelligentem Humor. Wem zum Beispiel „Sideways“ gefallen hat, sollte sich „Barneys Version“ nicht entgehen lassen.

Außerdem hält der Sommer noch ein paar Filme bereit, auf die ich mich ganz persönlich freue, da sie genau meinem – mitunter etwas seltsamen – Filmgeschmack treffen.
Ende Juli kommt „Green Lantern“ nach Deutschland. Die Comicverfilmung eines der coolsten DC-Helden wird von „Casino Royale“-Regisseur Martin Campbell inszeniert und der Trailer verspricht spektakuläre Action. Also genau mein Ding.
Im August startet außerdem „Super 8“, der neue Film von J.J. Abrahms, der wohl nun doch ganz anders wird, als man es angesichts der Trailer und viralen Werbekampagne erwartet hätte. Trotzdem freue ich mich sehr darauf, denn auf den Mann kann man sich spätestens seit „Star Trek“ hundertprozentig verlassen, es nicht zu versauen.
Große Überraschung und Freude verursachte bei mir der Trailer zu „Planet der Affen: Prevolution“. Der Film berichtet von den Anfängen der Affenrevolten, nachdem Wissenschaftler auf der Suche nach einem Heilmittel gegen Krebs oder so, mit Affen experimentierten, die immer intelligenter wurden. Wie die Geschichte ausgeht, kann man sich denken. Trotzdem sehen die von WETA produzierten Effekte fantastisch aus und James Franco spielt die Hauptrolle, Pflichtprogramm für mich zumindest. Comicfans können sich besonders in diesem Jahr wirklich satt sehen. Am 18. August startet „Captain America“ und nicht nur ich werde mit heller vorfreude ins Kino strömen.
Ein ganz besonderes Highlight gibt es Ende August. Dann nämlich startet Jon Favreaus „Cowboys & Aliens“. So albern der Titel sein mag, ist hier kein Trashfeuerwerk zu erwarten, sondern knüppelharte Action. Warum sollten die Außerirdischen nur in der Gegenwart oder Zukunft zur Erde kommen? So landen sie also im Wilden Westen und müssen sich Daniel Craig und Harisson Ford stellen. Die ersten Eindrücke des Films klingen viel versprechend und ich werde mir den Film auf jeden Fall ansehen.

Letzter Titel für heute bleibt mehr oder weniger kommentarlos stehen, denn jeder muss sich darüber seine eigene Meinung bilden. Totgeglaubt und doch niemals besiegt: Am 08.09. kommt „Conan“

Mittwoch, 13. April 2011

Sucker Punch

Worauf hab ich Bock? Ich möchte gerne mal wieder einen vollkommen überflüssigen und gleichermaßen spaßigen Film sehen. Ein Film, der die Grundidee des Kinos schamlos und konsequent umsetzt, nämlich mich als Zuschauer zu unterhalten. Ich habe keine Lust, mir knüppelharte Folterszenen anzusehen, ebenso wenig wie aufgesetzte und überkitschte Teeny-Komödien über das Saufen und Fressen am Campus. Mir steht nicht der Sinn nach Historienschinken oder Polit-Thriller. Dass die Welt ein schlechter Ort ist und es nicht mehr lange gut gehen kann mit uns, weiß ich doch auch so und ich möchte mich gerne mal für eine kleine Weile davon ablenken lassen. Wie gerufen kommt Zack Snyder mit „Sucker Punch“ im Gepäck.

Die kleine großbeaugte und blondbehaarte Baby Doll hat ein Problem. Die Mutter stirbt und hinterlässt in ihrem Testament alles ihren beiden Töchtern. Das findet der Stiefvater gar nicht dufte und bringt kurzerhand zunächst die jüngere Schwester um und will sich anschließend Baby Doll selbst vorknöpfen. Die wehrt sich erfolgreich und überlebt, bis die Polizei eintrifft. Alles ist gut. Pustekuchen! Der böse Stiefvater erzählt den Polizisten, Baby Doll sei verrückt geworden, hätte ihre kleine Schwester getötet und wäre dann auf ihn losgegangen. Baby Doll wird nun in die nächstbeste Irrenanstalt verfrachtet und soll dort mittels Logotomie in hirnloses Gemüse verwandelt werden. Ein Wimpernschlag und plötzlich sind wir an einem völlig anderen Ort. Baby Doll ist in einem Edelpuff und wurde von einem bösen Priester hier her geschafft. Der Puffbesitzer will sie aufmotzen für einen ganz besonderen Kunden. Doch Baby Doll verbündet sich mit den anderen Mädels, um einen Fluchtplan auszutüfteln. In einer Vision erklärt ihr ein alter und weiser Krieger, wie sie die Dinge beschaffen kann, die ihr zur Flucht verhelfen sollen. Während sie tanzt, sollen alle abgelenkt sein und die anderen sollen die begehrten Teile klauen. Immer wenn Baby Doll tanzt, geht’s in eine pompöse Fantasy-Welt, in der gegen allerlei Monster gekämpft werden muss, um an das jeweilige Artefakt heran zu kommen. Schritt für Schritt kommen die Mädchen ihrem Ziel immer näher.

Zack Snyder ist ein Perfektionist, was die visuelle Präsentation seiner Filme angeht. Während „Dawn Of The Dead“ durchaus noch als vorsichtiger Gehversuch des Regie-Frischlungs zu betrachten ist, tobt er sich seit „300“ in einem wahren Orgasmus perfekter Bilderfluten ungehemmt aus. Bisher hat er sich stets mehr oder weniger populäre Vorlagen geschnappt und sie auf die Leinwand gebannt. „Sucker Punch“ ist nun der erste Snyder-Film, bei dem er sich auch für die Story und das Drehbuch verantwortlich zeigt. Der Grundtenor des Films ist klar. Heiße Mädels in knappen Outfits kämpfen gegen überdimensionierte CGI-Monster. Dass es da nur so kracht und splattatert, ist auch absehbar. Und das ist auch die große Stärke des Films. Wir haben klassische Charaktere, die einer klassisch gradlinigen Story folgen und in unglaublich bombastischen Actionszenen ganz klassische Prügelportionen verteilen. Es gibt in einer utopischen Version des ersten Weltkriegs Zombiesoldaten, die mit Dampf und Zahnrädern angetrieben werden. Wir haben eine mittelalterliche Burg, die von tausenden griesgrämigen Ork-Viechern bewohnt ist. Es gibt einen rasenden Güterzug, der eine tickende Bombe an Bord hat, die es zu entschärfen gilt. Und, um das Menü noch abzurunden: Es gibt einen Drachen! Action! Man kommt kaum zum atmen, während der Kampfszenen. Alles ist überdimensioniert und einfach nur bombastisch. Die Mädels sehen heiß aus, haben immer einen coolen Spruch parat und Riesenwummen. „Sucker Punch“ ist der fleischgewordene Traum aller kleinen und großen Jungs. Es ist die Offenbarung einer ganzen Generation Action liebender Schlachtplattenfans. Es ist der Beweis, dass gradlinige und fulminante Action manchmal wichtiger ist, als eine anspruchsvolle Story. Es ist die Katharsis für das hochtrabende Kunstfilmchen. Es nimmt mich mit in eine unglaubliche Welt, in der alles in Zeitlupe abläuft. Ich schwebe durch ein Universum aus Licht, Feuer und Lärm. Ich schwebe mit den holden Kriegsmaiden und sie vergöttern MICH! Denn ICH bin SUCKER PUNCH!

Trotz seiner bildgewaltigen Präsentation lässt der Film offensichtlich noch genug Raum für die eigene beflügelte Fantasie. „Sucker Punch“ ist großartige Unterhaltung für den kleinen Geist. Ein Rezept, dass wunderbar funktioniert und sofort Lust auf mehr Snyder macht. Bald dürfen wir uns ja auch auf seinen „Superman“ freuen. Das dürfte dann das nächste Fest für die verkümmerten Sinne werden.

Sucker Punch (USA, 2011): R.: Zack Snyder; D.: Emily Browning, Abbie Comish, Carla Cugino, u.a.; M.: Tyler Bates; Offizielle Homepage

In Weimar: CineStar

Rezensionen On Air: Jeden Donnerstag, 12:25 auf Radio Lotte Weimar.

Donnerstag, 29. Juli 2010

Knight and Day

Mal ein Abenteuer erleben. Mal was riskieren. Mal alle Bedenken über Bord werfen und sich einfach hinein stürzen. Mal ins Kino gehen und sich einen Film ansehen, von dem man ganz genau weiß, es ist ein kleines nichts sagendes Filmchen. Lockere und oberflächliche Unterhaltung für den Sommer. James Mangold, Tom Cruise und Cameron Diaz in einem Film, der „Knight & Day“ heißt? Ach was soll's? Mal ganz offen sein und sich sagen: „Vielleicht ist er ja doch gar nicht so schlecht.“

June ist unterwegs mit einer Tasche voller Ersatzteile für alte Autos. Sie restauriert nämlich mit voller Leidenschaft Oldtimer. Abgesehen davon entspricht sie voll und ganz dem Hollywoodklischee einer Frau. Blond, ein bisschen tolpatschig und eben das liebenswerte Dummchen. Roy ist unterwegs mit einer Tasche, in der ein supergeheimes Objekt steckt. Er ist Geheimagent und wird von allen möglichen bösen Jungs verfolgt, denn er hat besagtes Objekt aus einem Forschungslabor gestohlen. Roy entspricht voll und ganz dem Hollywoodklischee eines Mannes. Supercool, immer einen lockeren Spruch parat und unbesiegbar gegen Unmengen schießwütiger Gegner. Wie es der Zufall will, begegnen sich Roy und June auf dem Flughafen und natürlich steigen sie in das selbe Flugzeug. In der Luft stellt sich heraus, dass alle Menschen an Bord, außer June, böse Jungs und Mädels sind, die Roy an den Kragen wollen. Kurzerhand bringt er alle um und landet das Flugzeug. Mit June zusammen muss er nun fliehen, denn die bösen Jungs glauben natürlich, sie gehöre zu ihm und wisse etwas über das geheimnisvolle Objekt. Zusammen rennen sie von einer Verfolgungsjagt zur nächsten Schießerei und schaffen es sogar noch, sich zu verlieben.

James Mangold hat bis jetzt immer solide Arbeit abgeliefert. Manchmal hat er sogar richtig gute Filme hingekriegt. Zu nennen wären hier „Walk The Line“ und „Todeszug nach Yuma“. Der Mann kennt sich also mit Hits aus und mit Hollywoodgrößen. Er ist ein Regisseur, der sein Handwerk versteht, ist aber nicht in der Lage, einen guten Film zu machen, dem von vornherein jegliche Substanz fehlt. Abgesehen von der sehr gut gemachten Action, bietet „Knight & Day“ nur oberflächliche und überflüssige Dinge. Eine Hintergrundstory, die dermaßen kompliziert aufgedröselt wird, dass man gar nicht richtig zu hört, was aber auch nicht wirklich schlimm ist. Die Wendungen in der Story sind vorhersehbar und werden deshalb auch gar nicht richtig ausgekostet. Bevor man sagen kann: „Das find ich aber jetzt irgendwie blöd“, kommt die nächste Actionszene und man hat schon wieder vergessen, worüber die beiden gerade geredet haben. Das mag bei solchen Filmen durchaus legitim sein, man wünscht sich aber, dass die Figuren wenigstens ein bisschen Charakter geschenkt bekommen. Sowas braucht man, um sich mit ihnen identifizieren zu können, damit man mit ihnen fiebern kann und damit es ein bisschen spannend wird. So aber haben wir nur Tom Cruise, den Mann mit den zwei Gesichtsausdrücken und Cameron Diaz, die Frau mit den zwei Brüsten.

„Knight & Day“ ruht sich zu sehr auf den beiden Namen der Hauptdarsteller aus. Wenn diese Hauptdarsteller gut spielen würden, wäre das auch gar kein Problem. Die Action überzeugt und die Story bietet, trotz ihrer Oberflächlichkeit sogar den ein oder anderen Lacher. Insgesamt verlässt man das Kino aber eher unbefriedigt. Mal wieder nen doofen Film gesehen. Mal wieder auf große Namen herein gefallen. Mal wieder sagen: „Ich habs doch gleich gewusst.“

Knight and Day (USA 2010): R.: James Mangold; D.: Tom Cruise, Cameron Diaz, Peter Sarsgaard, u.a.; M.: John Powell; Offizielle Homepage

In Weimar: CineStar

Rezensionen On Air: Jeden Donnerstag, 12:25 Uhr live auf Radio Lotte Weimar.