Sonntag, 12. September 2010

Kleine Wunder In Athen

Was weiß ich denn über Griechenland? Sie haben eine ziemlich abgefahrene Mythologie mit super Geschichten und Charakteren, die ständig von Hollywoodproduzenten fulminant in pures Geld verwandelt werden. In Griechenland gibt es leckeren Schafskäse, Gyros und Krautsalat. Außerdem konnten sie in diesem Jahr nicht besonders gut Fußball spielen. Das war es eigentlich auch schon. Ach ja: Die Schulden. Naja, da will ich mal nicht mit dem Finger auf die Griechen zeigen, bei uns sieht's in ein paar Jahren wahrscheinlich genau so aus. Wer all das auch schon wusste, nun aber gern noch erfahren möchte, wie die ganz normalen Griechen selbst so drauf sind, könnte sich für „Kleine Wunder in Athen“ interessieren, den neuen Film von Filipos Tsitos.

Stafros ist Grieche und hat ein Problem. Denn richtige Rocker und Griechen haben immer ein Problem. Mit Regeln zum Beispiel. Oder mit Sicherheitskräften, die sie daran hindern wollen, ganze Stadien auseinander zu nehmen. Sie haben ein Problem mit denen da Oben und mit Albanern. Abgesehen davon geht’s ihm ganz gut. Er hat einen kleinen Kiosk, ein kleines Haus und drei Kumpels, die auch jeder einen kleinen Kiosk und ein kleines Haus haben. Stafros muss sich außerdem um seine Mutter kümmern, die nach einem Schlaganfall nicht nur stark pflegebedürftig ist, sondern auch noch arge Gedächtnisprobleme hat. Außerdem hat Stafros noch eine geschiedene Frau, die mit irgendeinem Kerl zusammen wohnt, den er natürlich nicht ausstehen kann. Außerdem kommen immer mehr Chinesen in sein Viertel, die gegenüber ein großes Restaurant eröffnen wollen und jeden Laden in der Nähe aufkaufen wollen. Außerdem will die Stadt ein interkulturelles Denkmal errichten. Genau vor seiner Nase, verflucht nochmal. Wo soll er denn jetzt Fußball spielen? Und diese Albaner. Ständig laufen sie durch die Gegend und bringen den Hund, den armen Patriotos zur Verzweiflung. Außerdem taucht Nikos plötzlich auf – natürlich ein Albaner – und Stafros' Mutter fängt plötzlich an, nur noch albanisch zu sprechen, seine Freunde wollen nichts mehr mit ihm zu tun haben und Mama verbietet ihm immer noch, seine Rockplatten zu hören. Verdammt! Sein Leben ist eigentlich total beschissen.

„Kleine Wunder in Athen“ ist auch ein kleiner Film, der auf ganz schlichte Art ein authentisches Bild des heutigen Griechenland und des Lebens in Athen zeichnet. Dabei schafft es Regisseur Filipos Tsitos auf verblüffende Art und Weise, Witz und Alltagstragik zu vermischen, ohne, dass es aufgesetzt oder gezwungen wirkt. Er lässt die Skurilität mancher Bilder und Situationen einfach wirken, ohne, sie mit einem übertriebenen Gagfeuerwerk zu feiern, oder einen unpassenden Spannungsbogen ein zu flechten. Es ist eben, wie gesagt, ein ganz schlichter Film. Er behandelt nicht die Großen Probleme, wie Euroschulden, oder gewalttätige Demonstrationen, sondern eben die Dinge, die im Grunde jeder nachvollziehen kann, egal, ob er nun aus Griechenland kommt, oder nicht. Zunächst ist man beispielsweise noch schockiert, wegen des ungezügelten Rassismus, den Stafros und seine Freunde an den Tag legen, denkt sich dann aber bald, dass das ja bei uns im Grunde nicht anders ist. Die Musik verdient auch noch eine Erwähnung. Die ist nämlich alles andere als griechisch. Wir hören ganz kleine, unbekannte, aber wirkungsvolle Rocksongs, die auch das Gesamtbild des Filmes wiedergeben. Schlichtheit, in Perfektion zelebriert. So hochtrabend über diesen Film zu schwadronieren, kommt mir jetzt irgendwie seltsam vor, macht aber deutlich, je weniger ein Film zeigt, desto mehr kann man in ihm sehen.

„Kleine Wunder in Athen“ zelebriert diesen Stil ohne die Schwermütigkeit eines trägen Dramas und auch ohne die visuelle Härte der Dogma-Filme. Damit meine ich: Ein schöner kleiner Film über kleine Dinge, die in Athen passieren. Wenn man genau hin sieht, erkennt man vielleicht auch das ein oder andere Wunder.

Akadimia Platonos (GRE, 2009): R.: Filipos Tsitos; D.: Antonis Kafetzopoulos, Anastasis Kozdine, Yorgos Souxes, u.a.; M.: Nikos Kypourgos, Offizielle Homepage

In Weimar: lichthaus

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Donnerstag, 2. September 2010

Eine Karte der Klänge von Tokio

Ich probiere es mal wieder mit einem japanischen Film. Beim letzten Mal gab es eine Überraschung, was nicht überraschte. Denn irgendwie haben wir brav und nichtsahnend, wie wir sind ja spätestens bei Kill Bill gemerkt, dass die Filme, die mit Japan zu tun haben, irgendwie anders sind. Es ist erstaunlich, dass sich dieses Land mit all seiner hochmodernen Industrie und Technik einen prägenden Teil seiner Exotik ausgerechnet im Film erhalten hat. „Jan und japanische Filme“ ist ein ziemlich kleines Kapitel und jedes Mal habe ich gemerkt, dass ich ganz viel nicht verstehe und mit noch mehr nichts anfangen kann. Nennt es Blockade, oder Ignoranz, ich kann es nicht erklären. Was nun passiert, wenn all diese Dinge, mit denen ich nichts anfangen kann auf eine spanische Regisseurin treffen, sieht man jetzt im neuen Film von Isabel Coixet, „Eine Karte der Klänge von Tokio“

Nagara ist ein großer Geschäftsmann. Seine berühmte Geduld und Fassung wird schwer erschüttert, nachdem seine Tochter Selbstmord begangen hat. Die Schuld daran gibt er David, dem Verlobten seiner Tochter. Er glaubt, weil David sie nicht richtig geliebt hätte, sei sie depressiv gewesen und hätte sich deshalb umgebracht. Nagara weiß, dass er mit dem Gedanken, dass David weiter leben, lachen, essen und trinken kann, während seine Tochter tot ist, nicht leben kann. Also beauftragt er die Profikillerin Ryu. Sie soll David töten. Ryu geht also ganz nach Plan vor und späht ihr Opfer aus. David ist Spanier und hat in Tokio einen Weinladen aufgemacht. Hier treffen die beiden auf einander und bevor Ryu ihren Auftrag erfüllen kann, verliebt sie sich in David. Nagaras Sekretär, der stündlich mit Ryus Erfolgsnachricht rechnet, wird zunehmend nervöser und beginnt, sie zu beschatten. Schnell stellt er fest, dass die Killerin, ihren Pflichten nicht nach gekommen ist und sieht sich gezwungen, den Auftrag selbst zu erledigen.

Isabel Coixet hat vor zwei Jahren einen wunderschönen Film gemacht. „Elegy“ war dramatisch, mit großartigen Charakteren und so tragisch, wie kaum ein anderer Film in den letzten Jahren. Wahrscheinlich ist das zu großen Teilen der berühmten Romanvorlage von Philip Roth geschuldet gewesen, denn in Coixets neuem Film merkt man von diesem Tiefgang und der Intensivität nicht mehr viel. Die Figuren wirken irgendwie profillos. Das kann zum Beispiel daran liegen, dass Ryu kaum etwas sagt, und wenn sie spricht, dann haucht sie schwülstige Phrasen über den Sinn des Lebens von sich. Prinzipiell hinterfragt Ryu auch immer alles. „Magst du Musik, Ryu?“ - „Warum fragst du das?“ Himmel! Man kann es irgendwann nicht mehr hören und nur noch mit den Augen rollen, wenn sie ihre vollen Lippen öffnet, tief Luft holt, und dann letztendlich doch nichts entweichen lässt. Ryu ist auch eine Figur, mit der man sich nicht identifizieren kann, weil man all ihre Motive hinterfragt. Diesen Fragen kann diese unausgereifte und im Grunde oberflächliche Figur nicht stand halten und man verliert das Interesse an ihr. Der Spanier David entspricht dem stereotypen Bild des gutmenschlichen, romantisch veranlagten Europäers, dessen Faszination für ein fremdes Land, die gefestigten Japaner doch aus der Fassung bringt. Entweder man hasst ihn, oder man verliebt sich in ihn. Das Motiv des skrupellosen Killers, der von Gewissensbissen und einer Sinneswandlung geplagt wird, wurde schon tausendmal in allen möglichen Filmen behandelt. In den meisten dieser Filme, ist es auch gelungen. Hier wirkt es aufgesetzt und irgendwie als Alibi, um eben wenigstens irgendwas erzählen zu können. Viele gute Haare kann ich nicht finden. Es gibt ein paar schöne Bilder, der nächtlichen Großstadt und der Menschen, die hier leben. Die schöne Stimmung dieser Bilder wird aber durch völlig deplatzierte sogenannte komische Einlagen zerstört. Die Langsamkeit des Filmes lässt einen nervös werden und man fragt sich bald, was uns der Film eigentlich sagen will. Andere Genrevertreter können diese Frage bestimmt auch nicht beantworten, sind aber wenigstens in der Lage, diesen Mangel zu kaschieren.

„Eine Karte der Klänge von Tokio“ ist der Versuch, eine fremdartige Kultur, auf europäische Art und Weise darzustellen. Erstaunlicherweise destilliert aus dieser Mischung die reine Langeweile. Die Erfahrungen, die Coixet bei „Elegy“ gesammelt haben könnte, reichen offensichtlich nicht aus, dieses Vorhaben überzeugend umzusetzen. Daran ändert leider auch der überaus schick gemachte Vorspann nichts. Schade!

Map Of The Sounds Of Tokyo (J, ESP, 2009): R.: Isabel Coixet; D.: Rinku Kikuchi, Sergi Lopez, Min Tanaka, u.a.; Offizielle Homepage

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Freitag, 27. August 2010

A-Team - Der Film

Wer kennt ihn nicht? Den Zigarren kauenden Grauhaarigen, der immer einen Plan hat und so guckt, als hätte er ein ernsthaftes Problem mit Botox – allerdings nicht im Gesicht. Wer kennt nicht seine verrückten Kumpane, die so illustre Namen haben, wie Face, oder Murdock, als entsprängen sie irgendeiner trashigen Actionserie aus den 80er Jahren. Wer kennt nicht das A-Team?

Tja. Ich zum Beispiel. In Unkenntnis der Kontinuität der Serie, oder sonstiger Handlungsstränge und Geschichten, schildere ich nun ganz dilettantisch die Story des Films. Irgendwo in Mexico sitzt Hannibal auf einen Stuhl gefesselt und wird böse gefoltert. Durch stoisches Grinsen bringt er die Folterer dazu, ihn nicht einfach zu erschießen, sondern zu verschwinden und Zähne fletschende Hunde auf ihn los zu lassen. Doch die Gangster haben nicht mit dem Tierfreund Hannibal gerechnet. Irgendwie befreit er sich und flieht. In der Wüste trifft er auf B.A. in seinem schwarzen Van. Spontan verstehen sie sich total dufte und brettern los, um Face zu befreien, der von den gleichen mexikanischen Folterknechten gefangen wurde. Wie es der Zufall will fährt man anschließend in ein Krankenhaus. Hier schnappen sie sich den verrückten Murdock und einen ollen Hubschrauber und los geht’s gen Heimat. Unterwegs noch schnell die üblen Burschen abgeschossen und: Tadaa! Das A-Team ist vereint. Bestehend aus ehemaligen Elite-Soldaten bilden sie nun die ultimative Undercovertruppe des Militärs. Sie sind sozusagen das As im Ärmel des Präsidenten. Sie sind die letzte Verteidigungslinie zwischen dem Abschaum der Welt und Menschen, wie Dir und mir. Sie sind, verflucht nochmal, die Besten der Besten. Sie sind ergebene Diener Amerikas. Sie sind...und so weiter... Eines Tages flattert ein besonders heikler Auftrag ins Haus. Irgendwie sind irakische Terroristen in Besitz irgendwelcher Druckplatten gekommen, mit denen hübsche neue Dollarnoten gedruckt werden können. Klarer Fall, dass Hannibal und sein Team diesen Auftrag annehmen. In locker leichter Manier werden die Druckplatten auf dezent gekonnte Weise geklaut. Doch sie wurden rein gelegt. Irgendwer schnappt sich das wertvolle Gut und tötet auch noch den besten Freund Hannibals. Nun steht das A-Team vor Gericht und soll ins Gefängnis. Doch sie haben nicht mit dem Pilatesmeister Hannibal gerechnet...

Was soll ich sagen? Ich habe die Serie nie wirklich gesehen. Weder damals noch heute. Ich weiß noch, dass in der Grundschule immer heimlich über das A-Team geredet wurde, denn eigentlich sollten die lieben Kleinen das nicht gucken. Meine Eltern waren offensichtlich die einzigen, bei denen das auch durchgesetzt wurde, denn ich hatte keine Ahnung, warum immer jeder Hannibal sein wollte, und sich beim spielen immer einen kleinen Stock zwischen die Zähne klemmen wollte. Der Film nun bietet - für mich zumindest - beinahe keinerlei Zugang. Er fängt einfach an und die bekannten Figuren werden ohne große Einführungen in die Handlung katapultiert. Trotz meiner Unkenntnis habe ich alle Hauptcharaktere erkannt und sogar die meisten Witzchen verstanden; glaube ich. Das ist auch nicht der Punkt. Die ganze Dramaturgie des Filmes ist viel zu hektisch geraten. Bevor man überhaupt weiß was los ist, kommt schon wieder der nächste Auftrag. Der Film macht keine Pausen und es wird atemlos durch knapp zwei Stunden Laufzeit gehetzt. Der Spaß blieb zumindest bei mir auf der Strecke. Bombastische Action, die auf markige Actionsprüche trifft, war vielleicht in den 80er Jahren cool, kann mich aber im modernen Kino nicht sonderlich unterhalten. Doch das muss man den Film zu Gute halten, denn genau das sollte er auch erreichen. Das Gefühl und das Flair der alten Trashfilme in einem zeitgemäßen Gewand. Dazu die üblichen Plattitüden ala Turban tragende, wild gestikulierende Terroristen, die vergeblich den Rückwärtsgang in ihrem russischen Panzer suchen, die vielleicht nicht politisch korrekt sind, aber eben irgendwie dazu gehören. Über Liam Neeson, der ein Schauspieler ist, den ich bis jetzt immer verteidigt habe, auch wenn er die blödesten Rollen gespielt hat, möchte ich an dieser Stelle nichts sagen. Aber verflucht: Schlimmer kann es fast nicht mehr werden.

„A-Team“ ist , glaube ich genau das geworden, was sich viele Fans erhofft haben. Laut, schnell und mit Nachtelfirokesen. Alles wie früher, nur ordentlich aufgepeppt. Wem diese Serie noch nie zugesagt hat, wird auch durch diesen Film nicht geläutert werden. Allen anderen ist es erlaubt, ihren Spaß zu haben. Es ist eben ein Film, den man in keiner Weise überbewerten sollte, deswegen behalte ich den Puls heute unten und denke an Blümchen und Schmetterlinge, die mich die zwei Stunden meines Lebens, die mir dieser Film gestohlen hat vielleicht vergessen lassen.

The A-Team (USA, 2010): R.: Joe Cannahan; D.: Liam Neeson, Bradley Cooper, Jessica Biel, u.a.; M.: Alan Silverstri; Offizielle Homepage

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Freitag, 20. August 2010

Toy Story 3

Es nimmt kein Ende. Wieder eine Fortsetzung eines bekannten und etablierten Trickfilms. Wieder putzige Plakate, die auf Running-Gags der Vorgänger anspielen. Wieder irgendwelche B-Prommis als Synchronsprecher. Und – Oh mein Gott! - schon wieder 3D! Wird es auch wieder eine völlig unsinnige Umkrempelung eines funktionierenden Konzepts, nur um mit der Konkurrenz gleichziehen zu können? Mal sehen. Wir gucken uns „Toy Story 3“ an.

Fassen wir die ersten beiden Teil kurz zusammen: Cowboy Woody ist das Lieblingsspielzeug von Andy. Zusammen erleben sie die tollsten Spielzeugabenteuer und Woody ist sozusagen Chef im Kinderzimmer. Hier ist alles streng organisiert, damit auch kein Spielzeug ungerecht behandelt wird. Woody ist sowohl bei den Spielzeugen, als auch bei den menschlichen Bewohnern des Hauses beliebt. Eines Tages hat Andy Geburtstag und bekommt tatsächlich eine Buzz Lighyear Actionfigur geschenkt. Der Space Ranger ist natürlich viel cooler als Woody und durch Eifersucht geblendet ersinnt der Cowboy einen fiesen Plan, um sich selbst wieder auf den Thron zu befördern. Im zweiten Teil wird Woody versehentlich auf dem Flohmarkt an einen manischen Spielzeugsammler verkauft. Er ist nämlich mal weltberühmt gewesen und macht nun Bekanntschaft mit dem Pferd Bully und der kessen Lady Jesse. Zusammen mit dem stinkenden Pete sind sie eine komplette Sammlung und sollen an ein Museum verkauft werden. Buzz und die übrigen Spielzeuge machen sich nun auf den Weg, Woody wieder nach Hause zu holen.
In Teil 3 stehen die Spielzeuge um Woody und Buzz vor einem knackigen Problem. Andy ist nämlich kein kleiner Junge mehr, sondern schon groß geworden. Er sitzt lieber am Computer, als mit den alten Spielsachen zu spielen. Außerdem soll er demnächst aufs College gehen und dazu gehört, dass er sein altes Zimmer ausmistet. Die meisten Spielzeuge sollen auf den Speicher und ein paar sollen einer Kita gespendet werden. Woody soll als einziges Spielzeug mit ins College. Durch Zufälle und Versehen landen letztlich alle Spielzeuge in der Kita. Hier hat der Knuddelbär Lotso das Sagen und alles sieht paradiesisch aus. Doch bald stellt sich heraus, dass die Kita doch kein Paradies und Lotso auch nicht ganz so knuddelig zu sein scheint.

Toy Story ist ein echter Klassiker. 1995 löste er regelrechte Begeisterungsstürme aus . Noch nie waren derart detaillierte Computeranimationen zu sehen und gleichzeitig wurde eine schöne Geschichte mit lebendigen Charakteren erzählt. Der zweite Teil musste dann schon gegen harte Kunkurrenz im CGI-Business anstinken. Es drohte, zu kippen, denn die neuen Figuren waren oberflächlich geraten und es gab zu viele Szenen und Elemente, auf die man gerne verzichtet hätte. Ein Sakrileg stand zu befürchten, nämlich, dass ein überdurchschnittlich guter Film durch übereilte Fortsetzungen versaut werden würde. Bestes und jüngstes Beispiel für so eine Situation liefert zweifelsfrei „Shrek 4“. Höchste Skepsis also bei „Toy Story 3“
Und da ist er nun. Natürlich ist alles ein bisschen größer geworden, und auch wenn das Spielzeugsetting einen schlichten und klaren Stil vorgibt, wurden die Animationen stark verbessert. Die pompöse Eröffnungsszene zeigt auf clevere Art und Weise, was die Pixar-Leute drauf haben, ohne den urpsünglichen Stil zu sehr zu verändern. Das gleiche gilt auch für die Charaktere. Die neuen Figuren sind sehr cool und trotz ihrer verhältnismäßg kurzen Auftritte sind sie überzeugend und gestalten sinnvoll die neue Geschichte. Der Film ist voller Wendungen und frecher Zitate auf Filmklassiker, so dass auch die älteren Zuschauer hin und wieder schmunzeln können. Überhaupt scheint der Film vor allem für diejenigen gemacht worden zu sein, die damals beim ersten Teil noch Kinder waren und nun, ebenso, wie Andy erwachsen geworden sind. Nach dem spannenden Finale des Abenteuers gibt es übrigens eine derart intensive und rührende Abschlussszene, bei der man schwer schlucken muss. Zuschauer, die nah am Wasser gebaut sind aufgepasst. So etwas hätte ich wegen all der Skepsis hier wirklich nicht erwartet.
Ein Wort zu den Synchronsprechern muss ich am Ende doch noch loswerden. Woody wurde in den beiden Vorgängerteilen von Peer Augustinski gesprochen und so unverständlich der Schritt war, ihn nun von Bully Herbig synchronisieren zu lassen, so unspektakulär ist es auch. Bei all der Aufregung um die Neubesetzung muss ich sagen, dass man den Unterschied kaum merkt und Bully ist nicht zu erkennen. Viel Lärm um nichts.

Toy Story 3 ist entgegen aller Befürchtungen meinerseits sehr schön geworden. Nichts scheint zu viel oder zu wenig geraten zu sein und Pixar hat sich wirklich Gedanken gemacht, wie man die Geschichte nicht nur sinnvoll fortsetzen kann, sondern sie auch noch zu einem befriedigenden Ende bringen kann. Also, alles gut. Gott sei Dank.

Toy Story 3 (USA 2010): R.: Lee Unkrich; OVA: Tom Hanks, Tim Allen, Joan Cussack, u.a.; M.: Randy Newman; Offizielle Homepage

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Mittwoch, 11. August 2010

Das Konzert

Der französische Film war für mich immer ein bisschen, wie ein dickes Buch, von dem alle sagen, es wäre ganz toll und ich müsse es unbedingt lesen. Und immer wenn ich anfange, zu lesen, finde ich keinen richtigen Zugang. Es gibt zwar tolle und spannende Passagen, aber insgesamt quäle ich mich nur durch und lege es irgendwann frustriert weg. Nun gab es in den letzten Jahren immer mal wieder Filme aus Frankreich, die einer großen Anzahl Zuschauern sehr gut gefallen hat. Zu nennen wäre hier ganz klar „Die fabelhafte Welt der Amelie“ und jüngst „Willkommen bei den Sch'tis“. Tolle, lustige und bunte Filme. Seitdem hat sich das Bild des französischen Films für uns gewandelt. Der Begriff ist regelrecht zu einem Label geworden und garantiert stets großen Zuspruch. Kein Wunder also, dass auf dem Plakat zu Radu Mihaileanus neuen Film „Das Konzert“ der Satz prangt: „Der Sommerhit aus Frankreich“

Andrei Filipov ist Hausmeister am berühmten Moskauer Bolschoitheater. Dem Putzen kann er nicht besonders viel abgewinnen, denn er war früher ein berühmter Dirigent. In den 80er Jahren gab es keinen besseren, als „Maestro“ Filipov, der das Bolschoiorchester dirigierte. Weil er sich aber weigerte, jüdische Musiker aus dem Ensemble zu werfen, wurde er umgehend von der kommunistischen Partei degradiert und das Orchester aufgelöst. Beim Aufräumen des Chefbüros fängt er ein Fax aus Paris ab. Das Chatelet will, dass Bolschoi zu einem Gastkonzert auftritt. Andrei wittert die Chance, seinen Traum zu erfüllen und mit der Vergangenheit endgültig abzuschließen. Er trommelt alle ehemaligen Musiker des Orchesters zusammen, anstelle des echten Bolschois nach Paris zu fahren und überredet sogar den Parteifunktionär, der ihn damals während der Aufführung von Tschaikowskis Violinenkonzert von der Bühne holte, ihm zu helfen. Nach einigen skurrilen Zwischenfällen kommt man in Paris an und hier wartet bereits die bekannteste Nachwuchsgeigerin Frankreichs, Anne-Marie Jacquet, mit der Andrei noch eine persönliche Angelegenheit zu klären zu haben scheint.

„Das Konzert“, der große Sommerhit aus Frankreich, begeistert hierzulande tausende von Zuschauern und Kritikern. Noch vor dem Bundesstart am 29. Juli schwelgte die Presse in Begeisterung und der Film wurde von allen Seiten mit üppigen Vorschusslorbeeren bedacht. Ich tue mich nun allerdings ein wenig schwer damit, diese Begeisterung ohne Vorbehalte zu teilen. Die Story entbehrt nicht einer gewissen Dramatik, hält aber auch die Waage zu komischen, geradezu skurrilen Passagen. Der Spannungsbogen ist ebenfalls ausgewogen und man wird ohne unnötige Umwege zum fulminanten Finale geführt. Auf dem Weg dorthin hat man allerdings immer wieder den Eindruck, dass die Figuren zu oberflächlich geraten sind, und der fehlende Tiefgang der Story mit geschickt eingebauten Rückblenden in körnigem Schwarzweiß kaschiert wird. So merkt man relativ schnell, dass die eigentliche Story nur als Aufhänger genutzt wird, um eine, in Filmen, so gut, wie noch nie aufgetretene Szene zu zelebrieren: Das Konzert.
Bemerkenswert ist hier, dass man im Film tatsächlich das komplette Violinenkonzert hört. Die Wirkung der wunderbaren Musik wird voll ausgenutzt. Durch sehr sorgfältig ausgesuchte Perspektiven und Schnitte ist diese letzte Szene so intensiv, dass man den Kloß im Hals und feuchte Augen kaum unterdrücken kann. Man geht also entsprechend aufgewühlt aus dem Kino und ist natürlich total begeistert. Und von dieser letzten Szene lebt der Film und untermauert die durchweg positiven Bewertungen.

„Das Konzert“ ist ein schöner Film, zweifelsohne. Die eigentliche Story ist für meinen Geschmack allerdings zu oberflächlich ausgearbeitet und wirkt manchmal eher wie ein Alibi, das einer einzigartigen Szene ihre Daseinsberechtigung geben soll. Trotzdem hat es der Film verdient, eine Empfehlung ausgesprochen zu bekommen, nicht zuletzt wegen der tollen Musik.

Le Concert (F, RU 2009): R.: Radu Mihaileanu; D.: Aleksei Guskov, Dmitri Nazarov, Mélanie Laurent, u.a.; M.: Armand Amar; Offizielle Homepage

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Freitag, 6. August 2010

Bilderrausch

Tja, wo sind sie hin, die schönen Bilder? Sie sind entfernt worden von mir, da Kineast nun zu weiteren Ufern aufbrechen will und demnächst via paperblog aboniert werden kann. Durch die ungeklärte Lage der Bilderrechte, habe ich die Plakate erstmal entfernt, bis das alles geklärt ist. Bis dahin kommt Ihr bestimmt auch ohne sie einigermaßen aus.

Vielleicht kann man sich ja auch ein völlig neues Konzept zur Visualisierung überlegen. Ich denk mir was aus.

-J-

Donnerstag, 5. August 2010

Inception

Träumen Sie? Sind Sie sicher, dass das, was Sie in diesem Moment wahrnehmen die Realität ist? Und was macht Sie so sicher, dass Sie nicht mehr träumen, wenn Sie aufgewacht sind? Stimmt es , dass unser Unterbewusstsein die aufgenommenen Einflüsse verarbeitet und sich dieser Prozess eben als Traum manifestiert? Wie kommt es dann, dass man von Menschen träumt, die man noch nie in seinem Leben gesehen hat? Sind wir allein in unseren Träumen? Kommt die Idee und die Story zu Chirstopher Nolans neuen Film „Inception“ vielleicht auch aus einem Traum?

Wer ist Cobb? Womit verdient er sein Geld? Warum reist er ununterbrochen von einem Ort zum nächsten, kreuz und quer über den gesamten Globus? Ist er ein Geheimagent? Ist er ein Spion? Was für einen Auftrag hat ihm der Großindustrielle Sato erteilt? Warum darf er seine beiden Kinder nicht besuchen und was ist mit seiner Frau geschehen? Wieso wirbt er die junge Studentin Ariadne an? Wozu brauchen sie und ein ganzes Team, obskurer Gestalten all diese Gerätschaften? Ein Chemiker, ein Waffenexperte, eine Architektin? Was hat das alles mit dem Erbe eines großen Konzerns, Robert Fisher zu tun? Ist es Zufall, dass all diese Menschen in das gleiche Flugzeug steigen? Ist vielleicht wesentlich mehr auf diesem 10-Stunden-Flug geschehen, als wir es uns in unseren Träumen auch nur entfernt vorstellen können? Sehen Sie auch genau zu?

Christopher Nolan liebt Fragen, die er nur beantwortet, um gleich wieder zehn neue Fragen in den Raum zu stellen. Das soll einen aber nur ablenken und man stellt am Ende des Films fest, dass die ursprüngliche Frage immer noch unbeantwortet ist. Dadurch bilden sich immer überaus komplexe Storys, bei denen man immer angst hat, man verliert den Faden. „Gleich weiß ich nicht mehr, worum es überhaupt geht. Jetzt muss ich ganz doll aufpassen“ Natürlich kommt dieser Punkt nie, denn Nolan hat die Geschichte bis ins kleinste Detail perfekt durchdacht. In seinen bisherigen Filmen hat er mit diesen dramaturgischen Kniffen gespielt und experimentiert. „Memento“ wirkt wegen des Konzepts des rückwärts Erzählens sehr roh und das Ende zu gezwungen. In „Batman Begins“ kommt diese Struktur nur sehr oberflächlich zum Tragen, bricht aber dafür um so mehr in „Dark Knight“ hervor. In „Inception“ nun hat Nolan alles auf ein unglaublich nahezu perfektes Level getrieben. Es ist schwer zu glauben, wie sich ein Mensch all das ausdenken kann, was sich in der fantastischen Story, den starken Charakteren und wunderschönen, beinahe beängstigenden Bildern manifestiert. Über allem steht die Frage nach der eigenen Wahrnehmung der Realität. Und diese Frage bleibt natürlich unbeantwortet, so dass man einigermaßen verwirrt aus dem Kinosaal gehen wird. Dinge, wie schauspielerische Leistung der Darsteller, technische Umsetzung oder Filmmusik, werden völlig banal, angesichts dieser Inszenierung. Sie ergeben ein großes Ganzes, welches man einfach nicht auseinander nehmen kann. Vielleicht gibt es Dinge, die man bemängeln könnte, sie fallen einem aber schlicht und einfach nicht auf.

Viele Menschen neigen gerne und schnell dazu, mit Superlativen um sich zu werfen, wenn es um großes Kino geht. Ich weiß nicht, ob es der großartigste Film aller Zeiten ist und ob die Mehrheit der Zuschauer wirklich noch nichts vergleichbares gesehen hat. Auf jeden Fall ist es Erzählkunst auf ganz großem Niveau mit einer neuen und nahezu perfekten Performance. Auf jeden Fall ist es ein Film, den man gesehen haben muss und mich zumindest hat er in meine Träume verfolgt.

Inception (USA 2010): R.: Christopher Nolan; D.: Leonardo DiCaprio, Joseph Gordon-Levitt, Ellen Page, u.a.; M.: Hans Zimmer; Offizielle Homepage

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