Der deutsche Film ist ununterbrochen am Ackern. Er muss sich nämlich laufend beweisen. Der deutsche Film genießt bei den meisten Filmfans in Deutschland keinen besonders guten Ruf. Möchtegern-Hollywood will keiner sehen. Gucken wir lieber die echten Blockbuster. Manche deutsche Filmemacher wollen auch Blockbuster machen und es kommen so Genrefilme, wie „Hell“ dabei heraus, die sowohl bei Kritikern, als auch Zuschauern baden gehen. Ab und zu funktioniert dann doch mal was. Das hat dann zur Folge, dass die nächsten 50 deutschen Filmproduktionen genau das gleiche machen. Die meisten Filme, die auf Erfolgswellen mit reiten wollen, vergisst man sofort wieder. So wird es wohl auch dem neuen Film von Ralf Huettner ergehen - „Ausgerechnet Sibirien“
Matthias Bleuel wurde gerade geschieden. Er verkauft und verballert alles, was ihn an seine Ehe erinnert, geht joggen und steigert sich förmlich in obskure Hörbücher rein, die von Schamanen und irgendwelchen Dämonen handeln. Außerdem übt er auf seine Kollegen den schwer zu erklärenden Drang aus, ihm unentwegt eine rein zu hauen. Das alles – und noch einiges mehr – bringt Matthias' Chef jedenfalls dazu, ihn nach Sibirien zur Zweigstelle nach Kemerovo, um dort das neue Registratursystem des Versandhandels für Klamotten ein zu richten, für den Matthias arbeitet.
Der will natürlich nicht dort hin, hat aber keine andere Wahl. Nach einer langen Reise, steht Matthias mitten in der Pampa vor einem regelrechten logistischen Albtraum. Nichts läuft, wie es laufen soll, die russischen Mitarbeiter trinken unentwegt Wodka und die russischen Computer akzeptieren die neue Registriersoftware nicht. Vollkommen frustriert besucht Matthias einen Wochenmarkt und sieht dort den Auftritt einer Kehlkopfsängerin. Der Gesang verzaubert ihn sofort und alles ändert sich.
Nach „Vincent will Meer“ hat Ralf Huettner eigentlich alle Möglichkeiten gehabt. Dieser Film war nämlich einer jener seltenen Fälle, die etwas neues und sehenswertes einbrachten. Zudem erzählte er eine rührende Geschichte und blieb im Gedächtnis haften.
„Ausgerechnet Sibirien“ nun ist weder innovativ, noch sehenswert. Viel mehr strotzt der Film nur so vor Stereotypen. Es gibt die typischen, russischen Flugzeuge, die nicht da hin fliegen, wo sie hin sollen. Es gibt die typischen russischen Autos, die selbst die kleinste Strecke nicht absolvieren, ohne, dass es einen Motorschaden gibt; es gibt typische russische Mamas und typische, russische Papas. Vergammelte Häuser, olle Klamotten und Wodka.
Sobald der Deutsche da ist, kommt eine Frau, die ihm einen Haufen Geld bietet, wenn er sie heiratet, weil das die einzige Möglichkeit ist, an einen deutschen Pass zu kommen. Der Dolmetscher, der perfekt Deutsch spricht, ist natürlich schwul, weshalb es ständig Stress mit seinem Vater gibt. Dieser ganze klischeebehaftete Haufen überschüttet eine Hauptfigur, die nicht nur gesichtslos erscheint, sondern deren gesamte Motivation überhaupt nicht nachvollziehbar ist. Die Geschichte erzählt vom Mut, sein Leben zu verändern. Matthias Bleuel verändert sich aber gar nicht, sondern bleibt den ganzen Film über der ebenso typisch deutsche Arsch. Die Sache mit dem Kehlkopfgesang wäre noch interessant gewesen, wird aber von der völlig unpassenden Schamanenthematik übertönt. Unpassend sind im Übrigen auch die psychedelisch gedachten Kurzauftritte von Alexej Leonow in seinem aufgeblähtem Raumanzug. Die Bedeutung dieses Bildes hat sich mir leider überhaupt nicht erschlossen.
„Ausgerechnet Sibirien“ ist nicht mehr, als ein klischeehafter, vorhersehbarer, kitschiger und oberflächlicher Schatten eines guten Filmes. Das einzige, was begeistern konnte, waren die schönen Landschaftsbilder, aber die kann man auch sehen, wenn man sich einen Bildband über Südsibirien bestellt. Das war nix!
Ausgerechnet Sibirien (D, RU, 2012): R.: Rald Huettner; D.: Joachim Krol, Katja Riemann, Vladimir Burlakov, u.a.; M.: B-Zet & Ralf Hildenbeutel; Offizielle Homepage
In Weimar: lichthaus
Der Filmblog zum Hören: Jeden Donnerstag, zwischen 12:00 und 13:00 Uhr auf Radio Lotte Weimar.
Mittwoch, 6. Juni 2012
Montag, 4. Juni 2012
Men in Black 3
Gesetzmäßigkeiten. Alles basiert auf ihnen. Auch Hollywood folgt Regeln und Gesetzmäßigkeiten, die sich immer wieder bestätigen. Eine von ihnen besagt, dass wenn man glaubt, wirklich alles zu kennen und denkt, man kann sich nicht mehr überraschen lassen, dann kommt die Überraschung am dicksten.
Es hat wirklich niemand so recht glauben wollen, dass zehn Jahre nach dem mäßigen letzten Film, der dritte Teil der Men-in-Black-Reihe noch funktionieren könnte. Ich habe das am aller wenigsten geglaubt. Trotz oder wegen all der Skepsis habe ich den Film gesehen und wurde – wie sollte es anders sein? - angenehm überrascht.
Als wäre die Zeit stehen geblieben, machen die beiden Specialagents K und J genau das gleiche, wie vor zehn Jahren. Sie arbeiten für eine Behörde, die das Leben von zahlreichen außerirdischen Gästen auf der Erde koordiniert, ohne dass die Menschen etwas davon mitbekommen. Der ein oder andere Gast hält sich nicht an die Regeln und bekommt dann Besuch von den Agenten. Das Alien Boris (die Bestie) ist sogar ein richtig böser Junge und Verbrecher und sitzt auf dem Mond in einer eigens für ihn errichteten Haftanstalt. Dort gelingt es ihm tatsächlich, auszubrechen und zur Erde zurück zu kehren. Hier will er Rache an K nehmen, der ihm vor vielen Jahren in den Knast gebracht und ihm obendrein noch einen, seiner widerlichen Arme abgeschossen hat. Um seine Pläne zu verwirklichen, reist Boris in die Vergangenheit und ändert die Geschichte. Plötzlich ist K seit 40 Jahren tot, J ist alleine und eine große Invasion steht bevor. J entschließt sich, selbst in die 60er zurück zu reisen, um dort alles wieder in Ordnung zu bringen. Dort trifft er allerdings nicht nur auf eine jüngere Version von K, sondern auch auf die jüngere und doppelarmige Version von Boris.
„Men in Black“ war immer irgendwie witzig. Die Idee, dass es auf der Erde nur so vor Außerirdischen wimmelt, und wir davon gar nichts mitbekommen, war faszinierend, die Witze und vor allem die Viecher waren cool. Der zweite Teil entsprach genau dem Muster vieler uninspirierter Fortsetzungen. Ein billiger Aufguss mit noch mehr Viechern und noch mehr Gags und einer ziemlich bescheuerten Story. Das ganze crashte auch entsprechend konsequent an den Kassen. Das Franchise schien erledigt und bis vor Kurzem, hat dem ganzen auch keiner eine Träne nach geweint.
Nun weiß kein Mensch, warum Barry Sonnenfeld und Will Smith ausgerechnet jetzt, nach so vielen Jahren einen dritten Teil gemacht haben. Was auch immer sie sich dabei gedacht haben, es ist besser als erwartet, besser als der zweite Teil, ja sogar besser, als alles, was Sonnenfeld in den letzten Jahren produziert hat („Die Chaoscamper“, „Ganz schön schwanger“).
Die Story wurde tatsächlich sinnvoll erweitert und das Zeitreiseelement mag klischeehaft sein, aber wirkt nicht aufgesetzt. Lustige Einfälle bauen eine glaubhafte Umgebung und stellen die 60er überzeugend dar. Neben zahlreichen netten Gags, ist vor allem der Auftritt von Andy Warhole ein echtes Highlight. Hier beweist auch Will Smith wieder enorm viel komödiantisches Talent, ohne es zu übertreiben. Die Story wurde im zweiten Teil arg kompliziert erzählt. Hier weicht das einer passenden Komplexität, die im Rahmen bleibt. Eigentlich kann ich nichts finden, um wirklich zu meckern; es ist einfach lange genug her, dass ich in diesem Universum war. Vielleicht ist das das Geheimnis der ganzen Fortsetzungsgeschichten. Die meisten Filme warten einfach nicht lang genug.
„Men in Black 3“ hat es tatsächlich geschafft, eine coole, sinnvolle und vor allem würdige Fortsetzung zu meistern. Wer den ersten Film mochte, wird hier seine wahre Freude haben, ohne das Gefühl zu haben, den selben Film noch einmal aufgewärmt zu sehen, wie das beim zweiten Teil der Fall war. Die jüngeren Zuschauer werden wahrscheinlich ein wenig Probleme haben, in die Story ein zu tauchen. Denen wäre angeraten, das Original von 1997 zu erst zu sehen, den zweiten Teil von 2002 auszulassen und dann ins Kino zu gehen.
Men in Black III (USA, 2012): R.: Barry Sonnenfeld; D.: Will Smith, Tommy Lee Jones, Josh Brolin, u.a.; M.: Danny Elfman; Offizielle Homepage
In Weimar: CineStar
Der Filmblog zum Hören: Jeden Donnerstag, zwischen 12:00 und 13:00 Uhr auf Radio Lotte Weimar.
Es hat wirklich niemand so recht glauben wollen, dass zehn Jahre nach dem mäßigen letzten Film, der dritte Teil der Men-in-Black-Reihe noch funktionieren könnte. Ich habe das am aller wenigsten geglaubt. Trotz oder wegen all der Skepsis habe ich den Film gesehen und wurde – wie sollte es anders sein? - angenehm überrascht.
Als wäre die Zeit stehen geblieben, machen die beiden Specialagents K und J genau das gleiche, wie vor zehn Jahren. Sie arbeiten für eine Behörde, die das Leben von zahlreichen außerirdischen Gästen auf der Erde koordiniert, ohne dass die Menschen etwas davon mitbekommen. Der ein oder andere Gast hält sich nicht an die Regeln und bekommt dann Besuch von den Agenten. Das Alien Boris (die Bestie) ist sogar ein richtig böser Junge und Verbrecher und sitzt auf dem Mond in einer eigens für ihn errichteten Haftanstalt. Dort gelingt es ihm tatsächlich, auszubrechen und zur Erde zurück zu kehren. Hier will er Rache an K nehmen, der ihm vor vielen Jahren in den Knast gebracht und ihm obendrein noch einen, seiner widerlichen Arme abgeschossen hat. Um seine Pläne zu verwirklichen, reist Boris in die Vergangenheit und ändert die Geschichte. Plötzlich ist K seit 40 Jahren tot, J ist alleine und eine große Invasion steht bevor. J entschließt sich, selbst in die 60er zurück zu reisen, um dort alles wieder in Ordnung zu bringen. Dort trifft er allerdings nicht nur auf eine jüngere Version von K, sondern auch auf die jüngere und doppelarmige Version von Boris.
„Men in Black“ war immer irgendwie witzig. Die Idee, dass es auf der Erde nur so vor Außerirdischen wimmelt, und wir davon gar nichts mitbekommen, war faszinierend, die Witze und vor allem die Viecher waren cool. Der zweite Teil entsprach genau dem Muster vieler uninspirierter Fortsetzungen. Ein billiger Aufguss mit noch mehr Viechern und noch mehr Gags und einer ziemlich bescheuerten Story. Das ganze crashte auch entsprechend konsequent an den Kassen. Das Franchise schien erledigt und bis vor Kurzem, hat dem ganzen auch keiner eine Träne nach geweint.
Nun weiß kein Mensch, warum Barry Sonnenfeld und Will Smith ausgerechnet jetzt, nach so vielen Jahren einen dritten Teil gemacht haben. Was auch immer sie sich dabei gedacht haben, es ist besser als erwartet, besser als der zweite Teil, ja sogar besser, als alles, was Sonnenfeld in den letzten Jahren produziert hat („Die Chaoscamper“, „Ganz schön schwanger“).
Die Story wurde tatsächlich sinnvoll erweitert und das Zeitreiseelement mag klischeehaft sein, aber wirkt nicht aufgesetzt. Lustige Einfälle bauen eine glaubhafte Umgebung und stellen die 60er überzeugend dar. Neben zahlreichen netten Gags, ist vor allem der Auftritt von Andy Warhole ein echtes Highlight. Hier beweist auch Will Smith wieder enorm viel komödiantisches Talent, ohne es zu übertreiben. Die Story wurde im zweiten Teil arg kompliziert erzählt. Hier weicht das einer passenden Komplexität, die im Rahmen bleibt. Eigentlich kann ich nichts finden, um wirklich zu meckern; es ist einfach lange genug her, dass ich in diesem Universum war. Vielleicht ist das das Geheimnis der ganzen Fortsetzungsgeschichten. Die meisten Filme warten einfach nicht lang genug.
„Men in Black 3“ hat es tatsächlich geschafft, eine coole, sinnvolle und vor allem würdige Fortsetzung zu meistern. Wer den ersten Film mochte, wird hier seine wahre Freude haben, ohne das Gefühl zu haben, den selben Film noch einmal aufgewärmt zu sehen, wie das beim zweiten Teil der Fall war. Die jüngeren Zuschauer werden wahrscheinlich ein wenig Probleme haben, in die Story ein zu tauchen. Denen wäre angeraten, das Original von 1997 zu erst zu sehen, den zweiten Teil von 2002 auszulassen und dann ins Kino zu gehen.
Men in Black III (USA, 2012): R.: Barry Sonnenfeld; D.: Will Smith, Tommy Lee Jones, Josh Brolin, u.a.; M.: Danny Elfman; Offizielle Homepage
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Donnerstag, 24. Mai 2012
Lachsfischen im Jemen
Ein ganz besonderer Regisseur ist wieder da. Die Filme dieses Mannes hatten immer etwas ganz charmantes und auch irgendwie skurriles an sich. Bei Filmen von Lasse Hallström spielte vor allem immer die Magie des Filmes eine Rolle. Nicht die klar zu erkennende Magie, wie zum Beispiel in „Duell der Magier“, sondern die, die den Geschichten das gewisse Etwas verleiht, das eben so schwer zu beschreiben ist. Wer „Gilbert Grape“ und „Gottes Werk und Teufels Beitrag“ gesehen hat, weiß vielleicht, was ich meine. Nun hat der Schwede wieder diese Mischung aus Skurrilität und charmanter Liebesgeschichte kreiert und schickt Ewan McGregor und Emily Blunt zum Angeln in den Jemen.
Ein Scheich im Jemen hat eine tolle Idee. Er möchte in einem Wadi vor seiner Haustür Lachse ansiedeln und ein Anglergebiet eröffnen. Aus leicht nachvollziehbaren Gründen fehlt ihm allerdings das nötige Fachwissen, um dieses Unterfangen zu realisieren. Er beauftragt seine Assistentin Harriet, den Fischexperten Dr. Alfred Jones an zu schreiben.
Der hält die ganze Sache für einen Witz und wimmelt die Pläne des Scheichs ziemlich schroff ab. Währenddessen laufen die Dinge in Afghanistan nicht besonders gut für die britische Armee. Die Pressesprecherin des Premierministers erhält den Auftrag, gefälligst eine positive Geschichte aus dem nahen Osten herbei zu zaubern. Sie stolpert zufällig über das Projekt „Lachsfischen im Jemen“ und verdonnert Dr. Jones dazu, das Ding zu schaukeln, koste es was es wolle. Trotz beträchtlicher finanzieller Mittel, zweifelt der immer noch stark an der Idee, beginnt aber wenigstens, darüber nach zu denken, nicht zu Letzt, weil er immer mehr hingerissen ist von der hübschen Harriet.
Dieser Film ist ein Feel-Good-Streifen. So viel vorweg, denn so unmöglich es ist, Lachse in einer derartigen Umgebung anzusiedeln, wie es Dr. Jones vertritt, ist es wahrscheinlich auch in Wirklichkeit. Soll heißen, dieser Film hält sich nicht an wissenschaftliche Fakten. Das muss er auch gar nicht, denn er erzählt ja eine schöne Geschichte, in der das eben so funktioniert, wie es funktionieren soll. Außerdem sollte man daran denken, dass es eben die Skurrilität der Situation ist, die die Geschichte so charmant-niedlich macht, bevor man dem Film unrealistische Kitsch-Attacken vorwirft.
All zu blauäugig geht der Film mit der echten Welt schließlich doch nicht ins Bett und baut immer wieder Bezüge zu realen Vorkommnissen eben im nahen Osten mit ein. Auch der Terrorismus aus eigenen Reihen wird thematisiert, wenn auch etwas naiv und schlicht.
Abgesehen von der ungewöhnlichen Geschichte bietet der Film vor allem nette Dialoge zwischen den drei sehr gut besetzten Hauptrollen. Ewan McGregor spielt wunderbar den zugeknöpften, britischen Wissenschaftler und Emily Blunt hat ihr Badgirl-Image endlich abgelegt. Sie verkörpert überzeugend die Rolle der intelligenten und toughen, aber natürlich super sympathischen, wunderhübschen Frau.
Herrlich an zu sehen ist vor allem Kristin Scott Thomas als schroffe Pressesprecherin. Sicher kein Kunststück, diese Rolle zu spielen, aber offensichtlich hat es enormen Spaß gemacht. Und so macht es auch Spaß, sie zu beobachten.
„Lachsfischen im Jemen“ ist ein schöner, kleiner Film, der seine Botschaften über Toleranz und das Hinausblicken über den Tellerrand nicht all zu schwer verpackt hat. Trotz des skurrilen Hintergrunds bleibt er in einem erfrischend realistischen Rahmen, trägt nicht zu dick auf und hinterlässt ein rundum positives Gefühl. Schön gemacht, Herr Hallström.
Salmon Fishing It The Yemen (GB, 2011): R.: Lasse Hallström; D.: Ewan McGregor, Emily Blunt, Kristin Scott Thomas, u.a.; M.: Dario Marianelli; Offizielle Homepage
In Weimar: lichthaus
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Ein Scheich im Jemen hat eine tolle Idee. Er möchte in einem Wadi vor seiner Haustür Lachse ansiedeln und ein Anglergebiet eröffnen. Aus leicht nachvollziehbaren Gründen fehlt ihm allerdings das nötige Fachwissen, um dieses Unterfangen zu realisieren. Er beauftragt seine Assistentin Harriet, den Fischexperten Dr. Alfred Jones an zu schreiben.
Der hält die ganze Sache für einen Witz und wimmelt die Pläne des Scheichs ziemlich schroff ab. Währenddessen laufen die Dinge in Afghanistan nicht besonders gut für die britische Armee. Die Pressesprecherin des Premierministers erhält den Auftrag, gefälligst eine positive Geschichte aus dem nahen Osten herbei zu zaubern. Sie stolpert zufällig über das Projekt „Lachsfischen im Jemen“ und verdonnert Dr. Jones dazu, das Ding zu schaukeln, koste es was es wolle. Trotz beträchtlicher finanzieller Mittel, zweifelt der immer noch stark an der Idee, beginnt aber wenigstens, darüber nach zu denken, nicht zu Letzt, weil er immer mehr hingerissen ist von der hübschen Harriet.
Dieser Film ist ein Feel-Good-Streifen. So viel vorweg, denn so unmöglich es ist, Lachse in einer derartigen Umgebung anzusiedeln, wie es Dr. Jones vertritt, ist es wahrscheinlich auch in Wirklichkeit. Soll heißen, dieser Film hält sich nicht an wissenschaftliche Fakten. Das muss er auch gar nicht, denn er erzählt ja eine schöne Geschichte, in der das eben so funktioniert, wie es funktionieren soll. Außerdem sollte man daran denken, dass es eben die Skurrilität der Situation ist, die die Geschichte so charmant-niedlich macht, bevor man dem Film unrealistische Kitsch-Attacken vorwirft.
All zu blauäugig geht der Film mit der echten Welt schließlich doch nicht ins Bett und baut immer wieder Bezüge zu realen Vorkommnissen eben im nahen Osten mit ein. Auch der Terrorismus aus eigenen Reihen wird thematisiert, wenn auch etwas naiv und schlicht.
Abgesehen von der ungewöhnlichen Geschichte bietet der Film vor allem nette Dialoge zwischen den drei sehr gut besetzten Hauptrollen. Ewan McGregor spielt wunderbar den zugeknöpften, britischen Wissenschaftler und Emily Blunt hat ihr Badgirl-Image endlich abgelegt. Sie verkörpert überzeugend die Rolle der intelligenten und toughen, aber natürlich super sympathischen, wunderhübschen Frau.
Herrlich an zu sehen ist vor allem Kristin Scott Thomas als schroffe Pressesprecherin. Sicher kein Kunststück, diese Rolle zu spielen, aber offensichtlich hat es enormen Spaß gemacht. Und so macht es auch Spaß, sie zu beobachten.
„Lachsfischen im Jemen“ ist ein schöner, kleiner Film, der seine Botschaften über Toleranz und das Hinausblicken über den Tellerrand nicht all zu schwer verpackt hat. Trotz des skurrilen Hintergrunds bleibt er in einem erfrischend realistischen Rahmen, trägt nicht zu dick auf und hinterlässt ein rundum positives Gefühl. Schön gemacht, Herr Hallström.
Salmon Fishing It The Yemen (GB, 2011): R.: Lasse Hallström; D.: Ewan McGregor, Emily Blunt, Kristin Scott Thomas, u.a.; M.: Dario Marianelli; Offizielle Homepage
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Sonntag, 20. Mai 2012
Hollywood trifft Weimar - Ein Tatsachenbericht
Das
Atrium in Weimar hat eine dermaßen bewegte Geschichte hinter sich,
dass man daraus locker einen spannenden Polit-Thriller drehen könnte.
Als Teil des von Hitler teilweise errichteten Gau-Forums in Weimar,
ist das Gebäude historisch nicht unbelastet. Es ist ein riesiger
Kasten aus Beton und dermaßen stabil gebaut, dass man es nicht
einfach abreißen kann. Mit massiven Sprengungen könnte man diese
markante architektonische Scheußlichkeit wohl dem Erdboden gleich
machen, würde dabei aber auch das historische Jakobsviertel mit weg
pusten. Also hat man es zu DDR-Zeiten stehen gelassen und zu einem
sogenannten „Mehrzweckgebäude“ umfunktioniert. Viele Legenden
rankten sich um den Bau. Eine davon (gefällt mir fast am besten)
sagt. das Bernsteinzimmer befände sich in einem verborgenen
Kellerraum unter dem Gebäude und sei nie gefunden worden. Auch nicht
während der Sanierungsarbeiten vor ein paar Jahren. Da hat sich
nämlich ein Investor gemeldet, der in Thüringen nicht unbekannt
ist. Der hat nämlich bereits den Uni-Turm in Jena saniert und ein
Einkaufszentrum eingebaut. Das gleiche Konzept sollte nun auch in
Weimar zum Einsatz kommen. Ein Atrium sollte hier entstehen. Mit
zahlreichen Geschäften und einem „Welcome Center“ für Touristen
sollte hier das neue Zentrum der Weimarer Geschäftswelt entstehen.
Zahlreiche Proteste von Händlern aus der Innenstadt brachten nichts
und auch ein durchaus nachvollziehbares, aber extrem unglücklich
geratenes Infoheft einer Gruppe von Studenten, die auf die
historischen Hintergründe des Gebäudes aufmerksam machen wollten,
konnten nichts mehr ändern. Das Weimar Atrium eröffnete mit
Pompösität und Krach. Und dann? Es war eben immer noch das, was es
war. Ein Einkaufszentrum mit allerlei Schnick-Schnack, überflüssigen,
wie auch nützlichen Läden und nach all der Aufregung ging es sehr
schnell, dass sich die Weimarer, wie auch Gäste an das Ding gewöhnt
haben.
Hin
und Wieder versucht das Atrium mehr zu sein. Es werden Lesungen mit
berühmten Synchronsprechern veranstaltet, Scooter war schon hier für
eine Autogrammstunde und besonders liebt das Atrium seine
Ausstellungen. Einkaufszentrums-Ausstellungen haben nicht ohne Grund
einen bestimmten Ruf. Einzig „World Press Photo“ kann tatsächlich
den Kriterien einer interessanten Ausstellung entsprechen.
Nun
kann man sich im Atrium derzeit die Ausstellung „Hollywood trifft
Weimar“ ansehen. Es werden interessante Einblicke in die Welt des
Films versprochen, sowie einmalige Exponate und Originalrequisiten.
Als
erstes sieht man E.T. In gar jämmerlichen Zustand. Eine billig
nachgemachte Replik aus Gummi und Plastik. Okay, von mir aus. Als
Eröffnung einer Hollywoodaustellung passt das schon. Interessanter
sind ja die Originalexponate. Doch die gibt es auch in den nächsten
Schaukästen nicht. Hier liegt eine Kette aus Plastik und daneben
steht ein Foto von Kate Winslet und wenn man vergleicht, sieht man
sofort, dass es sich bei dem ausgestellten Stück ganz sicher nicht
um das Originalstück handelt. Weiter geht es mit einer
Schaufensterpuppe, die aussehen soll, wie Indiana Jones. Diese Puppe
scheint Klamotten aus dem gegenüberliegendem „New Yorker“ zu
tragen. In einer Vitrine hat man eine Ork-Maske, die sogar halbwegs
echt aussieht. Daneben eine Gollum-Figur, an der man sogar noch die
Gussnähte sehen kann. Gleiches gilt für Schwert und Helm aus „300“,
dem Phaser von Captain Kirk und der Golden Gun von Christopher Lee; alles vollkommen wertloser Plunder.
Zusätzlich sind noch ein paar Figuren aufgebaut, die vage an R2-D2 und C-3PO erinnern. „Terminator“, ein Film, der für seine spektakulären Special-Effects zum Beispiel mit einem Oscar honoriert wurde, sieht hier so dermaßen albern aus, dass es mir vor Lachen den Atem verschlägt. Die Star-Trek-Uniformen sehen nicht aus, wie Star-Trek-Uniformen und die rote Lederjacke von Brad Pitt aus „Fight Club“ könnte auch aus jedem anderen Film stammen. Aus „Star Trek“ zum Beispiel. Der Gipfel ist das „Alien“. Wäre H.R. Giger schon tot, würde er im Grab rotieren. Seit wann, bitte schön, haben die Viecher einen Totenschädel im Gesicht?
Es geht noch fröhlich weiter und jedes der 250 Exponate ist eine eigene kleine Katastrophe. Der Sinn dieser Ausstellung wird nicht ersichtlich. Ich will gar nicht wissen, wie viel das Atrium bezahlt hat, um diesen Schrott ausstellen zu dürfen. Es ist ein Witz und allein deshalb schon einen Besuch wert. Ich habe vielleicht noch nie den echten goldenen Colt gesehen, aber ich habe sofort erkannt, dass das nicht der echte war, den ich da in einer Vitrine aus Pressholz und Plastikpanelen gesehen habe.
Hollywood
trifft Weimar – und zwar genau zwischen die Beine – Mit Anlauf...
Fotos: Franziska Ruhl
P.S.: Aus Gründen, die kein Mensch versteht, hat Bloggers die gesamte Software für das Erstellen von Posts "neu" gemacht. Das Resultat: Nichts funktioniert mehr. Deshalb kleben die Bilder ein bisschen zu sehr am Text, der wahrscheinlich auch noch eine andere Größe und Farbe hat, als gewohnt. Bravo!
Fotos: Franziska Ruhl
P.S.: Aus Gründen, die kein Mensch versteht, hat Bloggers die gesamte Software für das Erstellen von Posts "neu" gemacht. Das Resultat: Nichts funktioniert mehr. Deshalb kleben die Bilder ein bisschen zu sehr am Text, der wahrscheinlich auch noch eine andere Größe und Farbe hat, als gewohnt. Bravo!
Dienstag, 15. Mai 2012
Filme in Zeiten motivatorischer Cholera
Da ist es passiert. Durch eine Mischung aus Stress und Müßiggang, die für außenstehende so schwer nachzuvollziehen ist, wurde dieser Blog vernachlässigt. Es ist lange her, dass hier eine neue Kritik gepostet wurde. Nicht etwa, dass es jemandem aufgefallen wäre oder jemand, den Missstand moniert hätte. Normalerweise ist das die Aufgabe von Hans, doch der scheint derzeit kein Internet zu haben. Was ist los mit der Motivation? Es ging ihr schon besser, sie ist aber noch da. In den letzten Wochen gab es so viele Unregelmäßigkeiten im Programm von Radio Lotte. Wegen zahlreicher Sonderthemen, Feiertage und sonstiger Dinge, fiel die Kinostunde ein paar mal flach. Nichts desto Trotz habe ich noch ein paar Filme gesehen, deren Kritiken auch im Radio liefen, die ich aber einfach aus Faulheit nicht gepostet habe. Bevor ich jetzt veraltete Texte recycle, folgen hier ein paar zusammenfassende Worte über die gesehenen Filme. Bei manchen hat sich durch den zeitlichen Abstand vielleicht die Meinung geändert. Das werde ich wohl erst beim Schreiben merken.
My Week With Marilyn
Bei der diesjährigen Oscarverleihung gab es auf dem roten Teppich nur ein Thema: Das Outfit von Michelle Williams. Sie hatte irgendein Designerkleid an, das so speziell war, dass es an jeder anderen Frau wie der letzte Fetzen hängen würde. Ihre Erscheinung auf dem Teppich war wohl überzeugender, als ihre Darstellung in der Monroe-Biographie, denn den begehrten Göldjungen hat sie nicht ergattert.
Im Film geht es um die Dreharbeiten zum Schmachtfetzen „Der Prinz und die Tänzerin“. Der Star stellt sich oft quer und arbeitet absolut unzuverlässig und unprofessionell.
Der Setassistent Colin soll sich um sie kümmern und sie dazu bringen, den Film fertig zu drehen. Dabei funkt es natürlich gewaltig.
Das Hauptaugenmerk in diesem Film liegt auf dem Aussehen von Marilyn Monroe. Es gibt eine verblüffende Ähnlichkeit mit dem echten Star. So verblüffend, dass man immer mal Originalaufnahmen dazwischen geschnitten hat. Die blitzen natürlich nicht lange genug auf, um wirklich sehen zu können, welche Unterschiede herrschen. Das ist auch nicht so wichtig, wie ich finde. Michelle Williams sieht ihr ähnlich genug, um in die Geschichte eintauchen zu können.
All zu tiefgründig wird’s dann doch nicht. Neben etwas zu kitschig und kulissenhaft geratenen Szenen, gibt es eins zwei Auflockerungen und sogar den ein oder anderen Lacher. Es ist leichte und oberflächliche Unterhaltung, die einem nichts geben kann. Absolut kein Oscarfilm, aber nett an zu sehen auf jeden Fall.
Martha Marcy May Marlene
Vor dem Ausflug mit Miss Monroe habe ich noch dieses Kleinod aus den Hallen von Sundance gesehen.
Martha war zwei Jahre verschwunden. Einfach weg. Hat ihr Leben aufgegeben und ist los gezogen. Ziel- und Wurzellos trifft sie eines Tages auf Pattrick und seine Freunde. Die bieten ihr ein freies Leben außerhalb der Gesellschaft auf einer abgelegenen Farm an. Martha nimmt den Vorschlag an und zieht in den Wald. Schnell wird klar, dass etwas nicht stimmt mit den netten Waldbewohnern und sich die Gemeinschaft als knallharte Sekte entpuppt.
Der Film beleuchtet eigentlich schon die Zeit, nachdem Martha der Sekte entkommen ist und präsentiert die Ereignisse in Flashbacks.
Obwohl der Film keinerlei explizite Szenen hat, ist die ganze Zeit eine schwer zu erfassende Bedrohung zu spüren. Der ganze Film spannt unglaublich an. Ohne jeden Grund steigt der Puls und die Hände werden schwitzig und während des Liedes „Marcy's Song“ bekommt man eine Gänsehaut.
Ein unglaublich simpel, wie genial inszenierter Brocken, der über den Abspann hinaus nicht mehr los lässt. Ein guter, aber zweifelsohne auch böser Film.
Unter Männern – Schwul in der DDR
Das ist ein Film, der perfekt geeignet ist, um über den Tellerrand zu blicken. Er stellt das Leben homosexueller Männer in der DDR vor. In Interviews berichten die unterschiedlichen Protagonisten von ihren Erlebnissen. Der Film ist gleichzeitig Geschichtsstunde, wie auch Sozialstudie. Ich hatte Gelegenheit, mit einem der beiden Regisseure, Ringo Rösener zu sprechen. Ich stellte fest, dass es trotz vieler Verbesserungen immer noch starke gesellschaftliche Ausgrenzungen von Homosexuellen gibt. Ein Stück weit wird die soziale Isolation übrigens auch selbst von Schwulen und Lesben voran getrieben. Dieser Film ist die Möglichkeit für beide Seiten, den Horizont zu erweitern. Sehenswert!
Medianeras
Letzte Woche gesehen und besprochen. Dieser kleine argentinische Film handelt vom Leben und Lieben in einer anonymen Großstadt. Ein alter Hut? Ja, stimmt schon irgendwie. Deshalb versucht dieser Film, dem ganzen Salat ein paar frische Zutaten zu verpassen. Es gibt ab und zu ein paar mosbyeske Vorträge über Architektur und es wird erklärt, wie wenig Fenster und wie viele Selbstmorde es in dieser Stadt gibt. Lässt man mal dieses Schmuckwerk weg und verbucht es als Aufmerksamkeitsgeheische, haben wir einen nett konstruierten kleinen Liebesfilm voller charmanter Begegnungen und schöner Bilder. Hätte der Film diesen ganzen pseudoalternativen Touch aus den ersten zwanzig Minuten einfach weg gelassen, wäre er perfekt.
Der Rest
Sehr gerne hätte ich zum Start den neuen Film mit Guy Pearce „Lockout“ gesehen. Ein kurzweiliges Sci-Fi-Action-Spektakel. Wahrscheinlich totaler Mist, aber ich bin total heiß auf so was und – verflucht nochmal! - der Film läuft nicht in dieser kleinen beschaulichen Puppenstadt. Scheiße!
Ich habe es jetzt übrigens auch geschafft, „Dirty Harry“ zu sehen. Der erste Teil der Reihe ist ganz schön unkonventionell für die frühen 70er. Clint Eastwood ist eine dermaßen coole Sau. Ich sag nur: „Vor lauter Aufregung habe ich gar nicht mit gezählt, ob ich fünf oder sechs von deinen Freunden abgeknallt habe. Also musst du dich fragen, ob du ein Glückskind bist.“ Herrlich!
Der zweite Teil entbehrt nicht einer gewissen Spannung und Originalität, geht aber viel zu lang. Mal sehen, wie mir der dritte Part gefällt.
Zum Abschluss noch ein kleiner Abstecher ins Fernsehen. Obwohl hier mal wieder sämtliche Grenzen zwischen den Medien verschmelzen. Ich weiß nicht, warum ich so lange gebraucht habe, aber ich habe „Family Guy“ entdeckt und muss sagen, dass ich es liebe. Nicht, wie die „Simpsons“; man wird bekloppt, wenn man mehr als vier Folgen hintereinander guckt. „Family Guy“ ist außerdem wesentlich roher. Während bei den „Simpsons“ eine gewisse Subtilität zu spüren ist, geht Peter Griffin mit einem Presslufthammer vor und durch die Tür.
Und eigentlich kann man diese beiden Serien nicht vergleichen, auch wenn das immer wieder getan wird.
Die Filmzitate bei „Family Guy“ suchen indes ihres Gleichen. Die drei originalen Star-Wars-Filme wurden zum Beispiel komplett persifliert. Ohne Pardon und ohne Erbarmen. Großartig!
Bevor ich das jetzt hier für heute endgültig beende, noch ein Wort der Warnung: Ich habe es jetzt geschafft, die erste Staffel von „Game Of Thrones“ zu sehen. Ich fange gar nicht erst an mit bewertenden Ausschweifungen. Nur so viel: Ich bin restlos begeistert! Ich werde mir die zweite Staffel wahrscheinlich schon noch auf Englisch ansehen, weil das Warten auf die synchronisierte Fassung unerträglich lang wäre. Wenn irgendein neunmalkluger Halbaffe es auch nur wagt, mir auch nur die geringste Kleinigkeit zu spoilern, werde ich so sauer, dass der Angriff der Drachen in Staffel 2, wie ein popeliges Tischfeuerwerk erscheinen wird. Ich schwöre, ich raste aus...
In den nächsten Wochen steht der Sommer an und das damit verbundene Loch vor der Tür. Es wird ein erbarmungsloses Hangeln werden. Von einem Blockbuster („Dark Knight Rises“) zum nächsten („Prometheus“). Es wird großartig. Golf, Wein und Straußensteaks. Cheers!
My Week With Marilyn
Bei der diesjährigen Oscarverleihung gab es auf dem roten Teppich nur ein Thema: Das Outfit von Michelle Williams. Sie hatte irgendein Designerkleid an, das so speziell war, dass es an jeder anderen Frau wie der letzte Fetzen hängen würde. Ihre Erscheinung auf dem Teppich war wohl überzeugender, als ihre Darstellung in der Monroe-Biographie, denn den begehrten Göldjungen hat sie nicht ergattert.
Im Film geht es um die Dreharbeiten zum Schmachtfetzen „Der Prinz und die Tänzerin“. Der Star stellt sich oft quer und arbeitet absolut unzuverlässig und unprofessionell.
Der Setassistent Colin soll sich um sie kümmern und sie dazu bringen, den Film fertig zu drehen. Dabei funkt es natürlich gewaltig.
Das Hauptaugenmerk in diesem Film liegt auf dem Aussehen von Marilyn Monroe. Es gibt eine verblüffende Ähnlichkeit mit dem echten Star. So verblüffend, dass man immer mal Originalaufnahmen dazwischen geschnitten hat. Die blitzen natürlich nicht lange genug auf, um wirklich sehen zu können, welche Unterschiede herrschen. Das ist auch nicht so wichtig, wie ich finde. Michelle Williams sieht ihr ähnlich genug, um in die Geschichte eintauchen zu können.
All zu tiefgründig wird’s dann doch nicht. Neben etwas zu kitschig und kulissenhaft geratenen Szenen, gibt es eins zwei Auflockerungen und sogar den ein oder anderen Lacher. Es ist leichte und oberflächliche Unterhaltung, die einem nichts geben kann. Absolut kein Oscarfilm, aber nett an zu sehen auf jeden Fall.
Martha Marcy May Marlene
Vor dem Ausflug mit Miss Monroe habe ich noch dieses Kleinod aus den Hallen von Sundance gesehen.
Martha war zwei Jahre verschwunden. Einfach weg. Hat ihr Leben aufgegeben und ist los gezogen. Ziel- und Wurzellos trifft sie eines Tages auf Pattrick und seine Freunde. Die bieten ihr ein freies Leben außerhalb der Gesellschaft auf einer abgelegenen Farm an. Martha nimmt den Vorschlag an und zieht in den Wald. Schnell wird klar, dass etwas nicht stimmt mit den netten Waldbewohnern und sich die Gemeinschaft als knallharte Sekte entpuppt.
Der Film beleuchtet eigentlich schon die Zeit, nachdem Martha der Sekte entkommen ist und präsentiert die Ereignisse in Flashbacks.
Obwohl der Film keinerlei explizite Szenen hat, ist die ganze Zeit eine schwer zu erfassende Bedrohung zu spüren. Der ganze Film spannt unglaublich an. Ohne jeden Grund steigt der Puls und die Hände werden schwitzig und während des Liedes „Marcy's Song“ bekommt man eine Gänsehaut.
Ein unglaublich simpel, wie genial inszenierter Brocken, der über den Abspann hinaus nicht mehr los lässt. Ein guter, aber zweifelsohne auch böser Film.
Unter Männern – Schwul in der DDR
Das ist ein Film, der perfekt geeignet ist, um über den Tellerrand zu blicken. Er stellt das Leben homosexueller Männer in der DDR vor. In Interviews berichten die unterschiedlichen Protagonisten von ihren Erlebnissen. Der Film ist gleichzeitig Geschichtsstunde, wie auch Sozialstudie. Ich hatte Gelegenheit, mit einem der beiden Regisseure, Ringo Rösener zu sprechen. Ich stellte fest, dass es trotz vieler Verbesserungen immer noch starke gesellschaftliche Ausgrenzungen von Homosexuellen gibt. Ein Stück weit wird die soziale Isolation übrigens auch selbst von Schwulen und Lesben voran getrieben. Dieser Film ist die Möglichkeit für beide Seiten, den Horizont zu erweitern. Sehenswert!
Medianeras
Letzte Woche gesehen und besprochen. Dieser kleine argentinische Film handelt vom Leben und Lieben in einer anonymen Großstadt. Ein alter Hut? Ja, stimmt schon irgendwie. Deshalb versucht dieser Film, dem ganzen Salat ein paar frische Zutaten zu verpassen. Es gibt ab und zu ein paar mosbyeske Vorträge über Architektur und es wird erklärt, wie wenig Fenster und wie viele Selbstmorde es in dieser Stadt gibt. Lässt man mal dieses Schmuckwerk weg und verbucht es als Aufmerksamkeitsgeheische, haben wir einen nett konstruierten kleinen Liebesfilm voller charmanter Begegnungen und schöner Bilder. Hätte der Film diesen ganzen pseudoalternativen Touch aus den ersten zwanzig Minuten einfach weg gelassen, wäre er perfekt.
Der Rest
Sehr gerne hätte ich zum Start den neuen Film mit Guy Pearce „Lockout“ gesehen. Ein kurzweiliges Sci-Fi-Action-Spektakel. Wahrscheinlich totaler Mist, aber ich bin total heiß auf so was und – verflucht nochmal! - der Film läuft nicht in dieser kleinen beschaulichen Puppenstadt. Scheiße!
Ich habe es jetzt übrigens auch geschafft, „Dirty Harry“ zu sehen. Der erste Teil der Reihe ist ganz schön unkonventionell für die frühen 70er. Clint Eastwood ist eine dermaßen coole Sau. Ich sag nur: „Vor lauter Aufregung habe ich gar nicht mit gezählt, ob ich fünf oder sechs von deinen Freunden abgeknallt habe. Also musst du dich fragen, ob du ein Glückskind bist.“ Herrlich!
Der zweite Teil entbehrt nicht einer gewissen Spannung und Originalität, geht aber viel zu lang. Mal sehen, wie mir der dritte Part gefällt.
Zum Abschluss noch ein kleiner Abstecher ins Fernsehen. Obwohl hier mal wieder sämtliche Grenzen zwischen den Medien verschmelzen. Ich weiß nicht, warum ich so lange gebraucht habe, aber ich habe „Family Guy“ entdeckt und muss sagen, dass ich es liebe. Nicht, wie die „Simpsons“; man wird bekloppt, wenn man mehr als vier Folgen hintereinander guckt. „Family Guy“ ist außerdem wesentlich roher. Während bei den „Simpsons“ eine gewisse Subtilität zu spüren ist, geht Peter Griffin mit einem Presslufthammer vor und durch die Tür.
Und eigentlich kann man diese beiden Serien nicht vergleichen, auch wenn das immer wieder getan wird.
Die Filmzitate bei „Family Guy“ suchen indes ihres Gleichen. Die drei originalen Star-Wars-Filme wurden zum Beispiel komplett persifliert. Ohne Pardon und ohne Erbarmen. Großartig!
Bevor ich das jetzt hier für heute endgültig beende, noch ein Wort der Warnung: Ich habe es jetzt geschafft, die erste Staffel von „Game Of Thrones“ zu sehen. Ich fange gar nicht erst an mit bewertenden Ausschweifungen. Nur so viel: Ich bin restlos begeistert! Ich werde mir die zweite Staffel wahrscheinlich schon noch auf Englisch ansehen, weil das Warten auf die synchronisierte Fassung unerträglich lang wäre. Wenn irgendein neunmalkluger Halbaffe es auch nur wagt, mir auch nur die geringste Kleinigkeit zu spoilern, werde ich so sauer, dass der Angriff der Drachen in Staffel 2, wie ein popeliges Tischfeuerwerk erscheinen wird. Ich schwöre, ich raste aus...
In den nächsten Wochen steht der Sommer an und das damit verbundene Loch vor der Tür. Es wird ein erbarmungsloses Hangeln werden. Von einem Blockbuster („Dark Knight Rises“) zum nächsten („Prometheus“). Es wird großartig. Golf, Wein und Straußensteaks. Cheers!
Donnerstag, 19. April 2012
Nathalie küsst
Erleben wir derzeit den französischen Film so frisch und unverbraucht, wie nie? Sprechen die Zahlen nicht für sich? „Ziemlich beste Freunde“ ist bisher der erfolgreichste Film des Jahres. „Und wenn wir alle zusammen ziehen“ präsentiert die creme de la creme der europäischen Schauspielliga. Genug Argumente, die für ein Mitreiten auf der Erfolgswelle sprechen. Das haben sich wohl auch die Brüder Foenkinos gedacht, die sich für ihr regiedebut Audrey Tautou geschnappt haben und sie nun wild um sich küssen lassen.
Nathalie führt sozusagen den Inbegriff einer harmonischen Beziehung. Francois ist ihr Mann für's Leben. Die wahre Liebe. Alles passt perfekt. Die Eltern verstehen sich hervorragend, der Heiratsantrag ist super romantisch und die Planung des Nachwuchses nimmt konkrete Formen an. In dem Moment, in dem man sich sagt, es klänge alles zu gut, um wahr zu sein, wird dieses Rosamunde-Pilcher-Gemälde brutal zerrissen Durch tragische Umstände kommt Francois ums Leben und Nathalie ist sich sicher, nie wieder lieben zu können. Um sich von Trauer und Schmerz abzulenken, lässt sie sich von ihrem aufdringlichen Chef mit Arbeit zu schütten. Der sieht natürlich durch das Ableben ihres Liebsten seine Chance und verstärkt seine Avancen. Eines Tages kommt ein eher unauffälliger Mitarbeiter Nathalies in ihr Büro. Was auch immer sie dazu treibt, lässt sie aufstehen und ihn einfach küssen, noch bevor sie seinen Namen erfährt. Sein Name ist Markus, er kommt aus Schweden und wird von Nathalie ziemlich verwirrt zurück gelassen.
Audrey Tautou ist vor allem dann ein Garant für einen guten Film, wenn sie in einer romantischen französischen Komödie auf der Suche nach der wahren Liebe ist. Wer hier allerdings ein ähnliches Erlebnis erwartet, wie seinerzeit die Reise in Jean Pierre Jeunet's „Fabelhafte Welt der Amelie“, wird enttäuscht werden. Die Brüder Foenkinos begehen in ihrem Erstling klassische, aber auch fatale Fehler bei der Inszenierung der Geschichte. Ob nun aus Mangel an Erfahrung auf dem Regiestuhl, oder eben aus Angst, Fehler zu machen, entschied man sich für den denkbar unspektakulärsten Stil, den man sich wohl vorstellen kann, wenn man an den typischen französischen Film aus den 80er und 90er Jahren denkt. Alles wirkt so altbacken und undynamisch. Perspektiven und Kamerafahrten wirken lahm und uninspiriert. Der Eindruck wird verstärkt durch eine kulissenartige Darstellung eines Großraumbüros, wie es wiederum in den 60er Jahren nicht besser hätte eingefangen werden können. Unfreiwillig komisch wirken da fast schon die Szenen, in denen die Continuity geschlammpt hat. In einer Szene während eines Dialogs zwischen Nathalie und Markus zum Beispiel drehen sich die Weingläser auf dem Tisch wie durch Zauberhand immer wieder hin und her; im nächsten Schnitt sind es plötzlich Biergläser.
All diese Dinge könnten jedoch verziehen werden, und man könnte sich auf eine oberflächliche aber nette Komödie einlassen, wären wenigstens die Figuren und ihre Beziehungen ausführlich konstruiert. Doch auch die wirken irgendwie farblos und nicht überzeugend. Audrey Tautou gibt sich wohl große Mühe und wirft all ihr Können in die Waagschale. Dieses Potential wird nicht genutzt. Sympathischer ist da schon Francois Damiens als etwas trotteliger Bürotroll, dessen reduzierte Darstellung sogar für einige dezente Schmunzelattacken sorgt.
„Nathalie küsst“ wirkt uninspiriert und farblos. Fast wie eine ungeliebte Probenfassung des Jeunet-Meisterwerks. Möglicherweise haben sich die beiden Regieneulinge daran orientiert, konnten aber weder mit den Einflüssen Jeunets, noch mit den Vorgaben des Skripts wirklich viel anfangen. Das Rezept scheint hier eindeutig zu sein: Oberflächlichkeit, flache Dialoge und eine krampfige Langatmigkeit ergeben Langeweile in Reinform. Schade!
La Délicatesse (F, 2012): R.: Les Frerres Foenkinos; D.: Audrey Tautou, Francois Damiens, Bruno Todeschini, u.a.; Offizielle Homepage
In Weimar: lichthaus
Der Filmblog zum Hören: Jeden Donnerstag, zwischen 12:00 und 13:00 Uhr auf Radio Lotte Weimar.
Nathalie führt sozusagen den Inbegriff einer harmonischen Beziehung. Francois ist ihr Mann für's Leben. Die wahre Liebe. Alles passt perfekt. Die Eltern verstehen sich hervorragend, der Heiratsantrag ist super romantisch und die Planung des Nachwuchses nimmt konkrete Formen an. In dem Moment, in dem man sich sagt, es klänge alles zu gut, um wahr zu sein, wird dieses Rosamunde-Pilcher-Gemälde brutal zerrissen Durch tragische Umstände kommt Francois ums Leben und Nathalie ist sich sicher, nie wieder lieben zu können. Um sich von Trauer und Schmerz abzulenken, lässt sie sich von ihrem aufdringlichen Chef mit Arbeit zu schütten. Der sieht natürlich durch das Ableben ihres Liebsten seine Chance und verstärkt seine Avancen. Eines Tages kommt ein eher unauffälliger Mitarbeiter Nathalies in ihr Büro. Was auch immer sie dazu treibt, lässt sie aufstehen und ihn einfach küssen, noch bevor sie seinen Namen erfährt. Sein Name ist Markus, er kommt aus Schweden und wird von Nathalie ziemlich verwirrt zurück gelassen.
Audrey Tautou ist vor allem dann ein Garant für einen guten Film, wenn sie in einer romantischen französischen Komödie auf der Suche nach der wahren Liebe ist. Wer hier allerdings ein ähnliches Erlebnis erwartet, wie seinerzeit die Reise in Jean Pierre Jeunet's „Fabelhafte Welt der Amelie“, wird enttäuscht werden. Die Brüder Foenkinos begehen in ihrem Erstling klassische, aber auch fatale Fehler bei der Inszenierung der Geschichte. Ob nun aus Mangel an Erfahrung auf dem Regiestuhl, oder eben aus Angst, Fehler zu machen, entschied man sich für den denkbar unspektakulärsten Stil, den man sich wohl vorstellen kann, wenn man an den typischen französischen Film aus den 80er und 90er Jahren denkt. Alles wirkt so altbacken und undynamisch. Perspektiven und Kamerafahrten wirken lahm und uninspiriert. Der Eindruck wird verstärkt durch eine kulissenartige Darstellung eines Großraumbüros, wie es wiederum in den 60er Jahren nicht besser hätte eingefangen werden können. Unfreiwillig komisch wirken da fast schon die Szenen, in denen die Continuity geschlammpt hat. In einer Szene während eines Dialogs zwischen Nathalie und Markus zum Beispiel drehen sich die Weingläser auf dem Tisch wie durch Zauberhand immer wieder hin und her; im nächsten Schnitt sind es plötzlich Biergläser.
All diese Dinge könnten jedoch verziehen werden, und man könnte sich auf eine oberflächliche aber nette Komödie einlassen, wären wenigstens die Figuren und ihre Beziehungen ausführlich konstruiert. Doch auch die wirken irgendwie farblos und nicht überzeugend. Audrey Tautou gibt sich wohl große Mühe und wirft all ihr Können in die Waagschale. Dieses Potential wird nicht genutzt. Sympathischer ist da schon Francois Damiens als etwas trotteliger Bürotroll, dessen reduzierte Darstellung sogar für einige dezente Schmunzelattacken sorgt.
„Nathalie küsst“ wirkt uninspiriert und farblos. Fast wie eine ungeliebte Probenfassung des Jeunet-Meisterwerks. Möglicherweise haben sich die beiden Regieneulinge daran orientiert, konnten aber weder mit den Einflüssen Jeunets, noch mit den Vorgaben des Skripts wirklich viel anfangen. Das Rezept scheint hier eindeutig zu sein: Oberflächlichkeit, flache Dialoge und eine krampfige Langatmigkeit ergeben Langeweile in Reinform. Schade!
La Délicatesse (F, 2012): R.: Les Frerres Foenkinos; D.: Audrey Tautou, Francois Damiens, Bruno Todeschini, u.a.; Offizielle Homepage
In Weimar: lichthaus
Der Filmblog zum Hören: Jeden Donnerstag, zwischen 12:00 und 13:00 Uhr auf Radio Lotte Weimar.
Dame, König, As, Spion
Der Kalte Krieg war eine gleichermaßen beängstigende, wie auch faszinierende Epoche in der Geschichte der Menschheit. Der schmale Grat zwischen Wettrüsten und Beschwichtigen sucht seines Gleichen. Wie zwei kleine Jungs, die sich gegenseitig sticheln und ärgern, reizten sich die Supermächte der USA und der Sowjetunion immer mehr aus. Kurz vorm Siedepunkt und immer einen halben Schritt vor dem letzten Jammertal rangen diese beiden Nationen um die Geschicke der Welt. Eine zentrale Rolle in diesem Machtkampf spielten die Geheimdienste, die sich hinter den Kulissen der Weltbühne gegenseitig fertig gemacht haben. Mindestens tausend und ein Mal wurde dieses Thema aufgegriffen, und in mehr oder weniger gelungene Filme gepackt. Der Schwede Tomas Alfredson hat sich nun auch versucht in seinem ersten britischen Geheimdiensfilm.
Ein dezentes Klopfen an einer schmucklosen Tür und es geht los. Control weiß, dass es im Circus einen Maulwurf gibt. Die Russen wussten immer über alle Aktionen Bescheid und Karla war immer einen Schritt weiter. Dass es sich um einen Maulwurf handelte, war eigentlich klar. Doch jetzt hat Control die Bestätigung. Aber wem kann er trauen? Niemanden. Und schon gar nicht irgendjemandem im Circus selbst. Da kommt Jim Prideaux wie gerufen. Er ist schon lange dabei und gilt als vertrauenswürdig. Er soll nach Budapest und dort einen ungarischen Militär treffen, der den Namen des Maulwurfs kennt. Genauer gesagt kennt er den Codenamen des Maulwurfs. Ist es Dame, König oder As?
Aber alles geht schief und Prideaux wird erschossen.
Control wird aus dem MI6 geworfen und nimmt seinen besten Mann und Freund Smiley gleich mit.
Der hat nicht viel Zeit, sich an den Ruhestand zu gewöhnen. Der Verteidigungsminister hat ebenfalls von dem Maulwurf gehört und beauftragt Smiley nun inoffiziell, denjenigen zu ermitteln und zu enttarnen. Als ehemaliges Mitglied des Circus hat Smiley schon einen sehr konkreten Verdacht und beginnt seine Nachforschungen.
Im Gegensatz zu den Abenteuern von Agent 007, basiert die Geschichte dieses Filmes auf einem berühmten Roman von John Le Carré. Der wiederum hatte wohl ein sehr langes und aufschlussreiches Gespräch mit einem ehemaligen MI6 Agenten, der ihm diese ganze Geschichte glaubwürdig berichtet hat. Faszinierender Gedanke: Egal, wie glaubhaft dieser Agent gegenüber Le Carré gewesen sein mag, kann der Wahrheitsgehalt dieser Geschichte getrost auf ein recht niedriges Niveau eingestuft werden. Hundertprozentig glaubwürdiges Dementi ist wohl der Fachbegriff für so eine Situation. Es klingt alles richtig und logisch, lässt sich aber durch absolut nichts beweisen und die Herkunft der entsprechenden Informationen sorgt für noch mehr Zweifel.
Die Art und Weise, wie Alfredson diese Story inszeniert vermittelt einen sehr dokumentarischen Eindruck. Allein die Ästhetik erinnert an staubige Originalaufnahmen aus den 70ern, denen ihr Alter die Farbe entzogen hat. Alfredson hat sehr viel Wert auf diesen Stil gelegt, denn er wollte, dass der Film eben authentisch ist, was auch immer man darunter verstehen soll. Die Konstruktion der Story präsentiert sich dem unbedarften Zuschauer ungefähr so: Alter Mann beauftragt einen weniger alten Mann einen unbekannten Mann zu enttarnen. Der weniger alte Mann wird abgeknallt, der alte Mann ist weg vom Fenster und ein anderer alter Mann soll herausfinden, wer der Verräter ist. Neuer alter Mann fährt durch die Gegend, fragt alle möglichen Leute, bis er alles weiß. Aber plötzlich gibt es doch keine Überraschung. Alle wussten es vorher schon und der Oberfiesling Karla lacht sich ins Fäustchen. Aber auch der neue alte Mann findet's total super. Was denn nun? Kalter Krieg hin oder her, aber irgendwie hat man den Eindruck, diese ganze Maulwurfsjagd war nur eine...Maulwurfsjagd. Nicht mehr und nicht weniger. Hä?
Die Komplexität, die man dem Film am Anfang unterstellt weicht am Ende der Erkenntnis, dass es keine Komplexität gibt. Die Story ist sogar sehr gradlinig und ganz einfach zu verfolgen. Warum man den Eindruck eines ewigen Hinundhers hat, ist schwer zu sagen. Nach diesem Geistesblitz präsentiert sich die Story übrigens so: Alter Mann, toter Mann, alter Mann tot, toter Mann doch nicht tot, böser Mann lächelt, lächelnder Mann wird böse, böser Mann tot, unser Mann lächelt.
Kapiert?
Hach! Ich liebe diese Scheiße. Dieser ganze Agentenquatsch war so überzogen und es ist hinter den Kulissen so viel passiert und es gab so viele Regeln, die man beachten musste. Leute, die sich mit solchen Regeln auskennen, sehen den ganzen Film übrigens so: Alter Mann will...“Ich weiß, wer der Maulwurf ist“
„Dame König As Spion“ ist ein spannender Agentenfilm, der die ganze Situation um die Geschichte des Verräters im Circus sehr nüchtern darstellt – ob sie nun wahr ist, oder nicht. Man hat auf jeden Fall den Eindruck, dass es so und in dieser Form passiert sein kann. Nichts wirkt übertrieben. Der Film verzichtet auf jeglich
es Schmuckwerk und lässt sozusagen ganz beiläufig ein großartiges und komplett überzeugendes Schauspielensemble auftreten. Wer sich einen reißerischen und spannenden Actionthriller erhofft, wird enttäuscht werden und sollte auf den neuen James Bond warten. Wer gerne rätselt und sich von einem Film nicht alles auf dem Silbertablett servieren lassen will, wird mit diesem Werk seine wahre Freude haben.
Tinker, Tailor, Soldier, Spy (USA, GB, 2012): R.: Tomas Alfredson; D.: Gary Oldman, John Hurt, Tom Hardy, u.a.; M.: Alberto Iglesias; Offizielle Homepage
Der Filmblog zum Hören: Jeden Donnerstag, zwischen 12:00 und 13:00 Uhr auf Radio Lotte Weimar.
Ein dezentes Klopfen an einer schmucklosen Tür und es geht los. Control weiß, dass es im Circus einen Maulwurf gibt. Die Russen wussten immer über alle Aktionen Bescheid und Karla war immer einen Schritt weiter. Dass es sich um einen Maulwurf handelte, war eigentlich klar. Doch jetzt hat Control die Bestätigung. Aber wem kann er trauen? Niemanden. Und schon gar nicht irgendjemandem im Circus selbst. Da kommt Jim Prideaux wie gerufen. Er ist schon lange dabei und gilt als vertrauenswürdig. Er soll nach Budapest und dort einen ungarischen Militär treffen, der den Namen des Maulwurfs kennt. Genauer gesagt kennt er den Codenamen des Maulwurfs. Ist es Dame, König oder As?
Aber alles geht schief und Prideaux wird erschossen.
Control wird aus dem MI6 geworfen und nimmt seinen besten Mann und Freund Smiley gleich mit.
Der hat nicht viel Zeit, sich an den Ruhestand zu gewöhnen. Der Verteidigungsminister hat ebenfalls von dem Maulwurf gehört und beauftragt Smiley nun inoffiziell, denjenigen zu ermitteln und zu enttarnen. Als ehemaliges Mitglied des Circus hat Smiley schon einen sehr konkreten Verdacht und beginnt seine Nachforschungen.
Im Gegensatz zu den Abenteuern von Agent 007, basiert die Geschichte dieses Filmes auf einem berühmten Roman von John Le Carré. Der wiederum hatte wohl ein sehr langes und aufschlussreiches Gespräch mit einem ehemaligen MI6 Agenten, der ihm diese ganze Geschichte glaubwürdig berichtet hat. Faszinierender Gedanke: Egal, wie glaubhaft dieser Agent gegenüber Le Carré gewesen sein mag, kann der Wahrheitsgehalt dieser Geschichte getrost auf ein recht niedriges Niveau eingestuft werden. Hundertprozentig glaubwürdiges Dementi ist wohl der Fachbegriff für so eine Situation. Es klingt alles richtig und logisch, lässt sich aber durch absolut nichts beweisen und die Herkunft der entsprechenden Informationen sorgt für noch mehr Zweifel.
Die Art und Weise, wie Alfredson diese Story inszeniert vermittelt einen sehr dokumentarischen Eindruck. Allein die Ästhetik erinnert an staubige Originalaufnahmen aus den 70ern, denen ihr Alter die Farbe entzogen hat. Alfredson hat sehr viel Wert auf diesen Stil gelegt, denn er wollte, dass der Film eben authentisch ist, was auch immer man darunter verstehen soll. Die Konstruktion der Story präsentiert sich dem unbedarften Zuschauer ungefähr so: Alter Mann beauftragt einen weniger alten Mann einen unbekannten Mann zu enttarnen. Der weniger alte Mann wird abgeknallt, der alte Mann ist weg vom Fenster und ein anderer alter Mann soll herausfinden, wer der Verräter ist. Neuer alter Mann fährt durch die Gegend, fragt alle möglichen Leute, bis er alles weiß. Aber plötzlich gibt es doch keine Überraschung. Alle wussten es vorher schon und der Oberfiesling Karla lacht sich ins Fäustchen. Aber auch der neue alte Mann findet's total super. Was denn nun? Kalter Krieg hin oder her, aber irgendwie hat man den Eindruck, diese ganze Maulwurfsjagd war nur eine...Maulwurfsjagd. Nicht mehr und nicht weniger. Hä?
Die Komplexität, die man dem Film am Anfang unterstellt weicht am Ende der Erkenntnis, dass es keine Komplexität gibt. Die Story ist sogar sehr gradlinig und ganz einfach zu verfolgen. Warum man den Eindruck eines ewigen Hinundhers hat, ist schwer zu sagen. Nach diesem Geistesblitz präsentiert sich die Story übrigens so: Alter Mann, toter Mann, alter Mann tot, toter Mann doch nicht tot, böser Mann lächelt, lächelnder Mann wird böse, böser Mann tot, unser Mann lächelt.
Kapiert?
Hach! Ich liebe diese Scheiße. Dieser ganze Agentenquatsch war so überzogen und es ist hinter den Kulissen so viel passiert und es gab so viele Regeln, die man beachten musste. Leute, die sich mit solchen Regeln auskennen, sehen den ganzen Film übrigens so: Alter Mann will...“Ich weiß, wer der Maulwurf ist“
„Dame König As Spion“ ist ein spannender Agentenfilm, der die ganze Situation um die Geschichte des Verräters im Circus sehr nüchtern darstellt – ob sie nun wahr ist, oder nicht. Man hat auf jeden Fall den Eindruck, dass es so und in dieser Form passiert sein kann. Nichts wirkt übertrieben. Der Film verzichtet auf jeglich
es Schmuckwerk und lässt sozusagen ganz beiläufig ein großartiges und komplett überzeugendes Schauspielensemble auftreten. Wer sich einen reißerischen und spannenden Actionthriller erhofft, wird enttäuscht werden und sollte auf den neuen James Bond warten. Wer gerne rätselt und sich von einem Film nicht alles auf dem Silbertablett servieren lassen will, wird mit diesem Werk seine wahre Freude haben.Tinker, Tailor, Soldier, Spy (USA, GB, 2012): R.: Tomas Alfredson; D.: Gary Oldman, John Hurt, Tom Hardy, u.a.; M.: Alberto Iglesias; Offizielle Homepage
Der Filmblog zum Hören: Jeden Donnerstag, zwischen 12:00 und 13:00 Uhr auf Radio Lotte Weimar.
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