In der neuesten Ausgabe unseres Podcasts quatschen Antonia und ich über die erflgreichste Zeichentrickserie der Welt. Die obligatorische Verlängerung der Serie bei FOX und die Ankündigung der 26. Staffel im Jahr 2014 sollen uns als Anlass genügen und ich kann euch versichern, es ist uns enorm schwer gefallen, nach dieser knappen Stunde Schluss zu machen.
Wie steht's mit eurer Gelbsucht? Simpsomania, oder eher Desinteresse?
Montag, 14. Oktober 2013
Dienstag, 8. Oktober 2013
Nachgereicht - Trance
Danny Boyle gehört zu den innovativsten, britischen Regisseuren der letzten 20 Jahre Filmgeschichte. Statistisch ist jeder Dritte seiner Filme ein Kracher. Dazwischen experimentiert er und wird nicht müde, frische Ideen aus zu probieren. So eindrucksvoll solche Filme, wie „Trainspotting“ und „Slumdog Millionär“ auch waren, so sehr gefallen mir eben die Filme, in denen er irgendwie einen Gang zurück schaltet, wenn es um Starpower und Action geht – eben die Eigenschaften eines potentiellen Blockbusters – und stattdessen experimentiert. Dabei entstehen Filme, die irgendwie klein daher kommen. Sie sind nicht unfertig oder unzureichend, sondern einfach kleiner. Oft lastet auf diesen Filmen kein besonders großer Druck – ein weiterer Pluspunkt. Boyle erzählt obendrein spannende Geschichten und so kommt man in den Genuss solcher Kleinode, wie „Sunshine“, „127 Hours“ und „Trance“.
Simon arbeitet in einem Auktionshaus. Eines Tages soll ein besonders wertvolles Bild versteigert werden. Dies ist auch der Tag, an dem Franck und seine Gangster-Kumpel auftauchen, um das Bild zu klauen. Die Mitarbeiter sind auf einen solchen Fall natürlich vorbereitet. Gemäß dem Training bringt Simon das Gemälde in Sicherheit, wird allerdings von Franck entdeckt, der ihm eine auf den Kopf gibt und die Tasche mitgehen lässt.
Zu früh gefreut, denn die Tasche ist leer. Simon liegt im Koma und er ist der einzige Mensch, der weiß, wo das Bild ist.
Als Simon eines Tages erwacht, krallt sich Franck den Komplizen. Nach stundenlanger Folter stellen sie fest, dass Simon tatsächlich alles vergessen hat. Also wird er zu einer Psychologin geschleppt, deren Spezialität Hypnose ist. Schon bei der ersten Sitzung stellt sie fest, dass in Simons Kopf einiges Durcheinander zu herrschen scheint. Die Gangster tun sich mit ihr zusammen, um letztendlich gemeinsam die Erinnerung zu finden, die sie zum Gemälde führt. Dabei stoßen sie auf Erinnerungen, die besser in Simons Kopf geblieben wären.
Dieser Film beginnt Boyle-Typisch rasant mit einem beeindruckenden Überfall. Allein diese ersten Minuten sind vollgestopft mit Hinweisen und Reizen und der Fokus des Zuschauers wird immer wieder auf kleine Details gelenkt. Man muss in diesen Minuten höllisch aufpassen, damit einem ja nichts entgeht und sich am Ende alles auflöst. Zumindest soll man das denken. Dann wird es ruhiger und Boyle arbeitet mit handwerklichem Standard. Hierbei nutzt er vor allem Dialoge, etwas was nicht immer seine Stärke zu sein scheint. In diesem zweiten Akt des Filmes wird nach meinem Geschmack zu viel erklärt. Dieser Sendung-Mit-Der-Maus-Touch passt irgendwie nicht zu den Charakteren und zum sonstigen Stil Boyles. Relativ schnell kriegt er allerdings die Kurve und kreiert im nächsten Akt ein absolutes Durcheinander an mehreren Ebenen visueller und inhaltlicher Form. Man verliert völlig den Überblick. Besonders diesen Teil des Films konnte ich genießen, war ich mir doch sicher, es würde am Ende alles aufgeklärt werden. Und so kommt es auch. Alles wird bis ins kleinste Detail erklärt und serviert. Hätte man nicht wenigstens ein kleines bisschen noch offen lassen können? Die Erklärung des Ganzen ist mir zu einfach gewesen. All dieses Kuddel-Muddel in Simons Kopf und all die vielen kleinen Details und Bilder laufen zu einem irgendwie unbefriedigenden Ende hinaus.
„Trance“ ist cool, aber nicht zu cool. Offensichtlich ist dies einer der kleineren Filme Boyles. James McAvoy und Rosario Dawson sind aber Schauspieler, die ich immer wieder gerne sehe, auch wenn ihre Figuren ein bisschen oberflächlich zu sein scheinen. Schön ist, dass Boyle einen frischen visuellen Stil geschaffen hat, der weniger auf CGI basiert, sondern viel mit analogen und handwerklichen Effekten arbeitet. Ich bin gespannt, wie und ob dieser neue Stil in seinen kommenden Projekten Anklang findet.
Trance (GB, 2013): R.: Danny Boyle; D.: James McAvoy, Rosario Dawson, Vincent Cassel, u.a.; M.: Rick Smith; Offizielle Homepage
Kineast im Radio: Jeden Sonntag, 13 Uhr auf Radio Lotte Weimar.
Simon arbeitet in einem Auktionshaus. Eines Tages soll ein besonders wertvolles Bild versteigert werden. Dies ist auch der Tag, an dem Franck und seine Gangster-Kumpel auftauchen, um das Bild zu klauen. Die Mitarbeiter sind auf einen solchen Fall natürlich vorbereitet. Gemäß dem Training bringt Simon das Gemälde in Sicherheit, wird allerdings von Franck entdeckt, der ihm eine auf den Kopf gibt und die Tasche mitgehen lässt.
Zu früh gefreut, denn die Tasche ist leer. Simon liegt im Koma und er ist der einzige Mensch, der weiß, wo das Bild ist.
Als Simon eines Tages erwacht, krallt sich Franck den Komplizen. Nach stundenlanger Folter stellen sie fest, dass Simon tatsächlich alles vergessen hat. Also wird er zu einer Psychologin geschleppt, deren Spezialität Hypnose ist. Schon bei der ersten Sitzung stellt sie fest, dass in Simons Kopf einiges Durcheinander zu herrschen scheint. Die Gangster tun sich mit ihr zusammen, um letztendlich gemeinsam die Erinnerung zu finden, die sie zum Gemälde führt. Dabei stoßen sie auf Erinnerungen, die besser in Simons Kopf geblieben wären.
Dieser Film beginnt Boyle-Typisch rasant mit einem beeindruckenden Überfall. Allein diese ersten Minuten sind vollgestopft mit Hinweisen und Reizen und der Fokus des Zuschauers wird immer wieder auf kleine Details gelenkt. Man muss in diesen Minuten höllisch aufpassen, damit einem ja nichts entgeht und sich am Ende alles auflöst. Zumindest soll man das denken. Dann wird es ruhiger und Boyle arbeitet mit handwerklichem Standard. Hierbei nutzt er vor allem Dialoge, etwas was nicht immer seine Stärke zu sein scheint. In diesem zweiten Akt des Filmes wird nach meinem Geschmack zu viel erklärt. Dieser Sendung-Mit-Der-Maus-Touch passt irgendwie nicht zu den Charakteren und zum sonstigen Stil Boyles. Relativ schnell kriegt er allerdings die Kurve und kreiert im nächsten Akt ein absolutes Durcheinander an mehreren Ebenen visueller und inhaltlicher Form. Man verliert völlig den Überblick. Besonders diesen Teil des Films konnte ich genießen, war ich mir doch sicher, es würde am Ende alles aufgeklärt werden. Und so kommt es auch. Alles wird bis ins kleinste Detail erklärt und serviert. Hätte man nicht wenigstens ein kleines bisschen noch offen lassen können? Die Erklärung des Ganzen ist mir zu einfach gewesen. All dieses Kuddel-Muddel in Simons Kopf und all die vielen kleinen Details und Bilder laufen zu einem irgendwie unbefriedigenden Ende hinaus.
„Trance“ ist cool, aber nicht zu cool. Offensichtlich ist dies einer der kleineren Filme Boyles. James McAvoy und Rosario Dawson sind aber Schauspieler, die ich immer wieder gerne sehe, auch wenn ihre Figuren ein bisschen oberflächlich zu sein scheinen. Schön ist, dass Boyle einen frischen visuellen Stil geschaffen hat, der weniger auf CGI basiert, sondern viel mit analogen und handwerklichen Effekten arbeitet. Ich bin gespannt, wie und ob dieser neue Stil in seinen kommenden Projekten Anklang findet.
Trance (GB, 2013): R.: Danny Boyle; D.: James McAvoy, Rosario Dawson, Vincent Cassel, u.a.; M.: Rick Smith; Offizielle Homepage
Kineast im Radio: Jeden Sonntag, 13 Uhr auf Radio Lotte Weimar.
Montag, 7. Oktober 2013
FlimmerCASTen # 11 - Aus dem Sog der Sommerpause
Lange hat es gedauert, aber es ist vollbracht. Die unvermeidliche Sommerpause ist überstanden und unser Podcast geht weiter. Antonia und Ich haben uns "Gravity" angesehen und sind schwer begeistert. Alles weitere hört Ihr hier.
An die Podcast-Profis unter euch: Wir haben den Anbieter gewechselt und casten ab sofort bei Soundcloud. Nur, damit Ihr euren RSS-Schnulli auf den neuesten Stand bringt.
Und jetzt viel Spaß mit Ausgabe 11.
Was sagt Ihr zu Alfonso Cuaron im Allgemeinen und vor allem zu "Gravity" im Speziellen? Habt ihr den Film auch in 3D gesehen? Ist wirklich ein spürbarer Schritt auf der technischenen Ebene zu verzeichnen? Schreibt Eure Meinung.
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Was sagt Ihr zu Alfonso Cuaron im Allgemeinen und vor allem zu "Gravity" im Speziellen? Habt ihr den Film auch in 3D gesehen? Ist wirklich ein spürbarer Schritt auf der technischenen Ebene zu verzeichnen? Schreibt Eure Meinung.
Dienstag, 20. August 2013
Der zweifache Gosling # 2 - Only God Forgives
Es war eine große Überraschung, als der dänische Regisseur Nicolas Winding Refn 2011 in Cannes, den Preis für die beste Regie gewann. Vorher hatte man von „Drive“ nicht viel gehört. Ein Actionfilm, der von einem Fluchtwagenfahrer handelt. Das erregte sofort Assoziationen an „The Fast And The Furious“ oder an jenen unsäglichen Nicolas Cage-Film „Drive Angry“.
Mit derartigen Filmen hatte dieses Werk aber absolut nichts zu tun. „Drive“ war spannend, intensiv, unglaublich toll fotografiert und bot neben einem neuen Stil gleichzeitig eine Verbeugung an solch Klassiker, wie „Bullit“, oder „The Driver“.
Obendrein bot „Drive“ einen Soundtrack zum Niederknien und katapultierte Ryan Gosling über Nacht an die Spitze der Liste der beliebtesten Schauspieler der letzten Jahre. Ich selbst bin immer noch der Meinung, dass „Drive“ einer der besten Filme ist, die ich je gesehen habe. Entsprechend hoch sind die Erwartungen an die erneute Zusammenarbeit des Duos Refn / Gosling.
Bangkok ist eine große Stadt. Eine riesige Stadt. Buchstäblich ein Moloch. Ein Ort voller Faszination und Gegensätze. Ein Schmelztiegel unterschiedlicher Kulturen und Nationalitäten. Die beiden amerikanischen Brüder Billy und Julian verdienen sich ihren Lebensunterhalt mit der Ausrichtung von Boxkämpfen, aber reich wurden sie durch den Verkauf von Drogen im großen Stil. Auch in Bangkok ist das illegal, aber hier funktioniert das alles ein bisschen anders. Dem ganzen liegt ein empfindliches Gleichgewicht zu Grunde. Zwischen allen Fraktionen gibt es Abmachungen und Verträge. So lange sich alle an diese Verträge halten, gibt es keine Probleme. Eines Tages taucht Billy in einem Bordell auf. Nachdem er hier nicht das bekommt, was er will, tötet er die Tochter des Bordellbesitzers. Der Polizist Chang, dessen Aufgabe es ist, das Gleichgewicht zu erhalten, tötet Billy. Das wiederum ruft die Mutter der beiden Brüder, Chrystal, auf den Plan. Da Julian offensichtlich nicht in der Lage ist, den Tod seines Bruders angemessen zu rächen, beauftragt sie ein paar Auftragskiller und setzt diese auf Chang an. Das hat allerdings fatale Folgen, denn Chang ist unterwegs, wie ein erbarmungsloser und kompromissloser Racheengel.
Als dieser Film angekündigt wurde, empfand ich alles andere , als Vorfreude. Sofort war gewiss, dass „Only God Forgives“ niemals genau so gut, oder gar besser, als „Drive“ sein kann. Dem entsprechend hoffte ich, dass Refn nicht versuchen würde, sein Meisterwerk noch einmal machen zu wollen. Aber wollte ich einen Film sehen, der ständig mit „Drive“ verglichen werden würde, aber gleichzeitig völlig anders sein musste? Die ersten Bilder ließen die Befürchtungen wachsen. Das sah mir alles zu sehr nach „Drive“ aus. Im Trailer hörte man Musik von Cliff Martinez, die ebenfalls frappierende Ähnlichkeiten zur Musik von „Drive“ aufwies. Und dann saß ich im Kino und stellte als erstes fest: „Only God Forgives“ ist völlig anders. Der gesamte Stil entspricht eher früheren Refn-Filmen, hat mich zwischendurch aber sogar an David Lynch erinnert. Goslings performative Arbeit wirkt noch reduzierter, als in „Drive“. Bis auf einen kleinen Ausraster, scheint seine Figur regelrecht apathisch durch den Film zu schweben. Selbst während der Kampfszene zeigt er keinerlei Regung. Aber auch seine Filmmutter stellt fest, dass mit ihm irgendwas nicht zu stimmen scheint. Ähnlich geartet, aber ungleich gruseliger ist sein Widerpart. Der Polizist Chang tut unfassbar grausame Dinge, ohne, dass er auch nur mit der Wimper zuckt. Ebenso undurchsichtig erscheinen mir dessen Motive. Es ist für mich absolut nicht nachvollziehbar, warum Chang das tut, was er tut. Selbst der treibende Motor der Handlung des gesamten Films erschließt sich mir nicht so recht. Das ist übrigens auch der Grund, warum ich erst jetzt über „Only God Forgives“ schreiben kann. Im Gespräch mit einem Kollegen, stellte er fest, dass Refn einfach alles an der Geschichte im Film auf des Wesentliche reduziert. Demnach, stellt Chang den Beweis für eine – irgendwie geartete – Existenz irgendeines Gottes, oder eben dessen Rache dar. Jemand zieht sich seinen Zorn zu und wird eben entsprechend geläutert. Ende der Geschichte! Dieses Konzept ist meiner Meinung nach aber nicht zu Ende gedacht. Gegenüber der simplen Handlung steht nämlich die komplizierte Konstellation der beiden Brüder mit ihrer Mutter. Wen stellt sie denn in diesem Gott-Gleichnis dar? Was auch immer Refn hier nun auf das Wesentliche reduziert haben mag, die visuelle Ebene des Films betrifft das nicht. Nahezu perfekt inszenierte und komponierte Bilder, lassen den Film regelrecht schweben. Größtenteils wirken sie auch eher, wie Traumsequenzen. Irgendwie unrealistisch. Dem gegenüber steht die unfassbar harte Gewaltdarstellung. Derart Schockierendes und mit einer derart kalten Beiläufigkeit ausgeübt, habe ich noch nie in einem Film gesehen. Hier ist mal wieder ein heftiger Slap an die FSK dran. Bei der ersten Prüfung hatte „Only God Forgives“ keine Jugendfreigabe erhalten. Der Verleih ging in Berufung und nach einer zweiten Prüfung wurde der ungeschnittenen Fassung ein Freigabe ab 16 erteilt. Das kann jeder so bewerten, wie es ihm angemessen scheint.
Dass alle bisherigen Filme Refns, inklusive „Only God Forgives“ nichts für schwache Nerven sind, kann man sich allerdings denken und nun muss jedem selbst überlassen sein, zu entscheiden, ob er diese Szenen ertragen kann, oder nicht. Leider sind diese Momente auch fast das Einzige, was mir im Gedächtnis geblieben ist. Dieser Film funktioniert bei mir leider gar nicht. Ich bewundere allerdings den Mut und die Konsequenz Nicolas Winding Refns. Nach „Drive“ hätte es wohl jeder verstanden, wenn er einfach noch mal das Gleiche probiert hätte.
Only God Forgives (F, THA, USA, SWE, 2013): R.: Nicolas Winding Refn; D.: Ryan Gosling, Vitnaya Pansringarm, Kristin Scott Thomas, u.a.; M: Cliff Martinez; Offizielle Homepage
In Weimar: lichthaus
Kineast im Radio: Jeden Sonntag, 14 Uhr auf Radio Lotte Weimar.
Mit derartigen Filmen hatte dieses Werk aber absolut nichts zu tun. „Drive“ war spannend, intensiv, unglaublich toll fotografiert und bot neben einem neuen Stil gleichzeitig eine Verbeugung an solch Klassiker, wie „Bullit“, oder „The Driver“.
Obendrein bot „Drive“ einen Soundtrack zum Niederknien und katapultierte Ryan Gosling über Nacht an die Spitze der Liste der beliebtesten Schauspieler der letzten Jahre. Ich selbst bin immer noch der Meinung, dass „Drive“ einer der besten Filme ist, die ich je gesehen habe. Entsprechend hoch sind die Erwartungen an die erneute Zusammenarbeit des Duos Refn / Gosling.
Bangkok ist eine große Stadt. Eine riesige Stadt. Buchstäblich ein Moloch. Ein Ort voller Faszination und Gegensätze. Ein Schmelztiegel unterschiedlicher Kulturen und Nationalitäten. Die beiden amerikanischen Brüder Billy und Julian verdienen sich ihren Lebensunterhalt mit der Ausrichtung von Boxkämpfen, aber reich wurden sie durch den Verkauf von Drogen im großen Stil. Auch in Bangkok ist das illegal, aber hier funktioniert das alles ein bisschen anders. Dem ganzen liegt ein empfindliches Gleichgewicht zu Grunde. Zwischen allen Fraktionen gibt es Abmachungen und Verträge. So lange sich alle an diese Verträge halten, gibt es keine Probleme. Eines Tages taucht Billy in einem Bordell auf. Nachdem er hier nicht das bekommt, was er will, tötet er die Tochter des Bordellbesitzers. Der Polizist Chang, dessen Aufgabe es ist, das Gleichgewicht zu erhalten, tötet Billy. Das wiederum ruft die Mutter der beiden Brüder, Chrystal, auf den Plan. Da Julian offensichtlich nicht in der Lage ist, den Tod seines Bruders angemessen zu rächen, beauftragt sie ein paar Auftragskiller und setzt diese auf Chang an. Das hat allerdings fatale Folgen, denn Chang ist unterwegs, wie ein erbarmungsloser und kompromissloser Racheengel.
Als dieser Film angekündigt wurde, empfand ich alles andere , als Vorfreude. Sofort war gewiss, dass „Only God Forgives“ niemals genau so gut, oder gar besser, als „Drive“ sein kann. Dem entsprechend hoffte ich, dass Refn nicht versuchen würde, sein Meisterwerk noch einmal machen zu wollen. Aber wollte ich einen Film sehen, der ständig mit „Drive“ verglichen werden würde, aber gleichzeitig völlig anders sein musste? Die ersten Bilder ließen die Befürchtungen wachsen. Das sah mir alles zu sehr nach „Drive“ aus. Im Trailer hörte man Musik von Cliff Martinez, die ebenfalls frappierende Ähnlichkeiten zur Musik von „Drive“ aufwies. Und dann saß ich im Kino und stellte als erstes fest: „Only God Forgives“ ist völlig anders. Der gesamte Stil entspricht eher früheren Refn-Filmen, hat mich zwischendurch aber sogar an David Lynch erinnert. Goslings performative Arbeit wirkt noch reduzierter, als in „Drive“. Bis auf einen kleinen Ausraster, scheint seine Figur regelrecht apathisch durch den Film zu schweben. Selbst während der Kampfszene zeigt er keinerlei Regung. Aber auch seine Filmmutter stellt fest, dass mit ihm irgendwas nicht zu stimmen scheint. Ähnlich geartet, aber ungleich gruseliger ist sein Widerpart. Der Polizist Chang tut unfassbar grausame Dinge, ohne, dass er auch nur mit der Wimper zuckt. Ebenso undurchsichtig erscheinen mir dessen Motive. Es ist für mich absolut nicht nachvollziehbar, warum Chang das tut, was er tut. Selbst der treibende Motor der Handlung des gesamten Films erschließt sich mir nicht so recht. Das ist übrigens auch der Grund, warum ich erst jetzt über „Only God Forgives“ schreiben kann. Im Gespräch mit einem Kollegen, stellte er fest, dass Refn einfach alles an der Geschichte im Film auf des Wesentliche reduziert. Demnach, stellt Chang den Beweis für eine – irgendwie geartete – Existenz irgendeines Gottes, oder eben dessen Rache dar. Jemand zieht sich seinen Zorn zu und wird eben entsprechend geläutert. Ende der Geschichte! Dieses Konzept ist meiner Meinung nach aber nicht zu Ende gedacht. Gegenüber der simplen Handlung steht nämlich die komplizierte Konstellation der beiden Brüder mit ihrer Mutter. Wen stellt sie denn in diesem Gott-Gleichnis dar? Was auch immer Refn hier nun auf das Wesentliche reduziert haben mag, die visuelle Ebene des Films betrifft das nicht. Nahezu perfekt inszenierte und komponierte Bilder, lassen den Film regelrecht schweben. Größtenteils wirken sie auch eher, wie Traumsequenzen. Irgendwie unrealistisch. Dem gegenüber steht die unfassbar harte Gewaltdarstellung. Derart Schockierendes und mit einer derart kalten Beiläufigkeit ausgeübt, habe ich noch nie in einem Film gesehen. Hier ist mal wieder ein heftiger Slap an die FSK dran. Bei der ersten Prüfung hatte „Only God Forgives“ keine Jugendfreigabe erhalten. Der Verleih ging in Berufung und nach einer zweiten Prüfung wurde der ungeschnittenen Fassung ein Freigabe ab 16 erteilt. Das kann jeder so bewerten, wie es ihm angemessen scheint.
Dass alle bisherigen Filme Refns, inklusive „Only God Forgives“ nichts für schwache Nerven sind, kann man sich allerdings denken und nun muss jedem selbst überlassen sein, zu entscheiden, ob er diese Szenen ertragen kann, oder nicht. Leider sind diese Momente auch fast das Einzige, was mir im Gedächtnis geblieben ist. Dieser Film funktioniert bei mir leider gar nicht. Ich bewundere allerdings den Mut und die Konsequenz Nicolas Winding Refns. Nach „Drive“ hätte es wohl jeder verstanden, wenn er einfach noch mal das Gleiche probiert hätte.
Only God Forgives (F, THA, USA, SWE, 2013): R.: Nicolas Winding Refn; D.: Ryan Gosling, Vitnaya Pansringarm, Kristin Scott Thomas, u.a.; M: Cliff Martinez; Offizielle Homepage
In Weimar: lichthaus
Kineast im Radio: Jeden Sonntag, 14 Uhr auf Radio Lotte Weimar.
Der zweifache Gosling # 1 - The Place Beyond The Pines
Derzeit laufen in den deutschen Kinos zwei Filme, die gleichermaßen viele Gemeinsamkeiten zu haben scheinen, aber auch unterschiedlicher nicht sein könnten. In den letzten Jahren hat sich ein Schauspieler aus den Schatten und dem Dasein des ewigen Nebendarstellers hervor gearbeitet und ist innerhalb kürzester Zeit zum Star avanciert. Ryan Gosling ist ein unglaublich cooler Typ, dem die Frauen (und auch viele Männer) zu Füßen liegen, der aber fernab von den Eigenschaften eines klassischen Sex-Symbols auf schauspielerischer Ebene immer wieder zu überraschen weiß. Ein interessanter Darsteller, dessen Karrieresprung vor allem zwei Filmen aus den letzten Jahren zu verdanken ist. Den Achtungserfolg gab es 2010 in Derek Cianfrance' „Blue Valentine“ und das zweite Standbein auf der Karriereleiter erfolgte durch Nicolas Winding Refns viel gerühmten Flim „Drive“. Jetzt ist der Londoner Schauspieler in Filmen beider Regisseure wieder da und die Erwartungen an diese Werke sind natürlich extrem hoch. Wie schon gesagt, haben beide Filme ihre Gemeinsamkeiten aber auch gravierende Unterschiede. Aber, der Reihe nach...
The Place Beyond The Pines
Luke gehört zu einer Gruppe von Fahrgeschäftsbetreibern. Zwischen Achterbahnen, Schießbuden und Zuckerwatte liefert er mit zwei Kollegen eine atemberaubende Stuntshow mit Motorrädern. Eines Tages kommt er in eine kleine Stadt, in der er vor einem Jahr bereits Station gemacht hat. Sein letzter Besuch hatte ungeahnte Folgen. Romina, ein One-Night-Stand, hat einen Sohn bekommen und Luke ist der Vater. Obwohl er gleich wieder abreisen wollte, entschließt sich der Stuntman nun, sich im Ort nieder zu lassen und für das Kind zu sorgen. Auch, wenn Romina ihm versichert, seine Hilfe nicht zu brauchen, beharrt Luke darauf, für das Kind da zu sein, weil sein Vater seinerzeit nicht für ihn da war. Luke bekommt relativ schnell einen Job in einer Autowerkstatt Hier verdient er allerdings nicht genug Geld und sein Kumpel, rät ihm, einfach eine Bank zu überfallen. Lukes Fähigkeiten als Motorradfahrer bieten die idealen Voraussetzungen für den Fluchtplan. Die ersten beiden Überfälle gelingen tatsächlich, doch beim dritten Mal geht es schief. Auf der Flucht wird Luke vom Polizisten Avery gestellt.
Die Story ruft sofort Erinnerungen an „Drive“ hervor. Stuntfahrer übt illegale Aktivitäten aus, um seiner Liebsten ein schönes Leben zu machen. Doch dem Film gelingt ein recht überraschender Umschwung, nach etwa einem Drittel der Laufzeit. Selten zuvor habe ich in einem Film einen derartigen Story-Twist erlebt, der gleichzeitig total überzeugend und stimmig vollzogen wird. Dabei kann man nicht einmal ein besonders sensibles, oder elegantes Vorgehen erkennen. Cianfrance macht das einfach und es funktioniert. Die Figuren sind, ob ihrer reinen Schlichtheit, nahezu perfekt konstruiert. Jede Figur hat eine Aufgabe in der Geschichte zu erfüllen und das tut sie auch. Alles was darüber hinaus geht, ist unwichtig. Trotzdem sind die Figuren nicht oberflächlich oder blass. Das Kunststück, Figuren auf das wesentliche zu reduzieren, ohne sie zu Platzhaltern verkommen zu lassen, ist auf verblüffende Weise gelungen. Natürlich führt man im Vorfeld Vergleiche zu „Blue Valentine“ auf, merkt aber relativ schnell, dass es da nicht viel zu vergleichen gibt. Und eben auch die befürchteten Parallelen zu „Drive“ sind schnell vergessen. Cianfrance präsentiert alles in der bekannten rohen Handkamera-Ästhetik, die man aus seinen früheren Produktionen schon kennt. Der aufreibenden Atmosphäre eines Banküberfalls und einer anschließenden Verfolgungsjagd entsprechend, wirkt dieser Stil sogar angemessener, als einem Beziehungsdrama. Hier kommt ein weitere Phänomens der Arbeit Cianfrances zum Tragen. Die Kamera ist übertrieben hart, fast schon dogmaesk. Dadurch wirkt das spröde Spiel der Hauptdarsteller aber irgendwie viel natürlicher. Gerade Ryan Goslings reduziertes Spiel wirkt dadurch noch intensiver. Da ist es fast schon ein Jammer, dass seiner Figur so – verhältnismäßig - wenig Platz eingeräumt wurde. Ich will natürlich nicht meckern und der Schritt, den Regisseur und Autoren gewagt haben. ist nicht nur mutig, sondern auch konsequent. Die Gosling-Fanboys werden sich auch wieder beruhigen, denn schließlich läuft da ja noch ein weiterer Film.
„The Place Beyond the Pines“ ist unerwartet intensiv. Angesichts der scheinbaren Banalität der Geschichte hätte ich das nicht erwartet. Die Intensität pflanzt sich fort bis zu den Figuren und zum Ende des Films erschließt sich eine simple, wie auch universelle Botschaft. Ein Film, voller Überraschungen, der den Vorgängerfilm „Blue Valentine“ in beinahe jeder Hinsicht übertrifft.
The Place Beyond The Pines (USA, 2012): R.: Derek Cianfrance; D.: Ryan Gosling, Bradley Cooper, Eva Mendes, u.a.; M.: Mike Patton; Offizielle Homepage
Kineast im Radio: Jeden Sonntag, 14 Uhr auf Radio Lotte Weimar.
Samstag, 10. August 2013
FlimmerCASTen # 10 - BEEF!
Wir haben es tatsächlich geschafft und präsentieren Euch voller Stolz die zehnte Ausgabe unserer kleinen Reihe. Wie es sich für eine Jubiläumsausgabe gehört, gibt es eine Battle, epischen Ausmaßes. Wir hauen uns Filmzitate um die Ohren. Und noch etwas, klassisches passiert, wie wir es in diesen Ausmaßen bisher noch nicht erlebt haben: Tonprobleme mit Antonias Spur sorgen dafür, dass ich zwischendurch ungefähr 20 Minuten alleine quatsche. Irgendwie gehört das aber auch dazu, deshalb haben wir es drin gelassen. Viel Spaß!
Was sind eure Libelingszitate? Mit welchen Zitaten könnt Ihr immer punkten, weil sie garantiert keiner errät?
Was sind eure Libelingszitate? Mit welchen Zitaten könnt Ihr immer punkten, weil sie garantiert keiner errät?
Montag, 29. Juli 2013
Pacific Rim
Guillermo Del Toro ist ein Name, mit dem man einen ganz bestimmten visuellen Stil in Verbindung bringt. Seine Filme leben vor allem von den völlig ausgeflippten Design-Ideen, den teilweise völlig übertriebenen Charakteren und den nicht minder abgefahrenen Storys. Die Kostüme und das Monsterdesign sind stets einmalig und man erkennt den Del Toro sozusagen immer sofort. Bisher hat er Filme gemacht, in denen sein Stil immer irgendwie ungewohnt und neu aussah. Der fette Obervampir in „Blade 2“ stand in wildem Kontrast zum absolut durch gestylten und regelrecht geleckten Wesley Snipes. Der gehörnte Pan in „Pan's Labyrinth“, der immer irgendwie auch bedrohlich wirkte, lief Sturm gegen das harte und dreckige Szenario des spanischen Bürgerkrieges. War man im Moment nur aufpolierte und perfekt inszenierte Comic-Bombast-Verfilmungen gewohnt, kommt Del Toro mit „Hellboy“ daher, der so viel anders war, als man es von Comichelden gewohnt war. Del Toro ist also immer einen Hingucker wert. So auch in seinem neuesten Streich „Pacific Rim“.
Das ist mal wieder dumm gelaufen für die Menschen. Jahrelang haben sie immer ins Weltall geguckt und gedacht, der Angriff irgendeiner aggressiven Alien-Spezies würde von oben kommen. Die Viecher haben es aber irgendwie geschafft, ein Dimensionstor mitten im Pazifik aufzubauen. Die ersten Monster kommen an Land und zerstören ganze Städte, bis sie endlich besiegt werden können. Nachdem das dreimal passiert ist, dachten sich die Menschen, dass hier was nicht stimmt. Das sogenannte Jaeger-Programm wurde ins Leben gerufen. Sie bauten riesige Roboter, die stets von zwei Piloten über eine neurale Verbindung gesteuert werden können. Mit diesen Jaegern waren die Monster absolut problemlos zu besiegen. Die Menschen taten also das, was sie immer tun; sie wurden ganz schön selbstsicher. Das ging nur solange gut, bis die Monster immer größer wurden. Der erste Kampf zwischen Kaiju – so werden die Viecher genannt - und Jaeger geht nicht so gut aus und die Maschine wird zerstört. Dieser Trend setzt sich immer weiter fort und so langsam gehen den Menschen die Optionen aus, während die Abstände zwischen den Angriffen immer kürzer werden.
Zu Beginn muss man feststellen, dass „Pacific Rim“ vor allem eine Sache geschafft hat; der Film reanimiert ein ganz spezielles Sub-Genre, welches ich vor allem als Jugendlicher absolut nicht missen wollte. „Pacific Rim“ ist der erste, ausgewachsene Sommer-Blockbuster, seit sehr vielen Jahren. Vielleicht war „The Avengers“ erfolgreicher und vielleicht war „Dark Knight Rises“ anspruchsvoller, aber „Pacific Rim“ hat mich mit jeder Faser an solch Kinoerlebnisse, wie „Independence Day“ und „Armageddon“ erinnert. Das liegt an dem Stil, der dem Zuschauer mit einer gewissen Naivität ins Szenario einführt. Die Figuren entsprechen allesamt den klassischen Konstellationen: Es gibt den Helden, an den keiner glaubt – er selbst am aller wenigsten. Es gibt den grimmigen General, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Welt zu retten. Es gibt die Frau, die es in einer harten, von Männern dominierten Welt, ganz nach oben schaffen will. Das ausgeflippte Wissenschaftler-Duo ist dabei, der unsympathische Antagonist, der zum Ende natürlich merkt, wie glorreich und gut unser Held ist. Nichts lässt der Film aus. Obendrein wird dem Zuschauer immer wieder und wieder die Situation erklärt, damit wir auch ja nicht vergessen, was Kaijus sind und wie das mit der neuralen Verbindung und „dem Drift“ funktioniert.
Und dann gibt es natürlich die Kampfszenen. Die sind super-spektakulär und ich habe so etwas in derartigen Dimensionen noch nicht gesehen. Die Monster sehen allesamt unterschiedlich aus und bekommen immer eigene Namen. Das gleiche gilt für die Jaeger. Im Zuge der Angriffe hat sich fast ein eigener Kultur-Zweig gebildet. Es gibt Menschen, die die Kämpfe zwischen Jaeger und Kaijun, wie einen Wettstreit bewerten. An manchen Stellen wird der Kampf zwischen den Giganten auch so inszeniert. Das ist filmisch echt neu und cool, fällt aber insgesamt kaum ins Gewicht. Beim Monster-Design haben wir dann auch endlich den Del Toro im Film, dessen Stil ansonsten nicht unbedingt dem entspricht, was man von dem Spanier gewohnt ist. Die Viecher sind so groß, wie Wolkenkratzer und können nicht nur einstecken, sondern auch austeilen. Es entbrennen unglaubliche Materialschlachten und es gelingt Del Toro tatsächlich, jedem dieser Kreaturen eine eigene charakterliche Note zu geben. Ein Kniff, den man eher in alten Monsterfilmen aus Japan finden würde. Was das zitieren anderer Filme angeht, oder das – nennen wir es mal: „ausleihen“ ganzer Designelemente aus anderen Werken, läuft Del Toro zu Höchstformen auf. Nicht umsonst erinnert die Monsterjagd an den japanischen Videospielklassiker „Monster Hunter“, denn auch dieses Spiel bedient sich bei der klassischen Mythologie, der nicht zu Letzt auch Godzilla zu Grunde liegt. Des Weiteren haben wir Elemente aus „Mech-Warrior“ und die Kampfanzüge erinnerten mich sehr stark an „Mass Effect“.
Man könnte noch einiges mehr finden, aber das sprengt womöglich den Rahmen auf die gleiche Weise, wie ein Kaiju die sogenannte Schutzmauer einfach sprengt.
„Pacific Rim“ hat Spaß gemacht. Neben den zusammen geklauten Elementen, die von ihrer Oberflächlichkeit und Naivität an klassische Sommer-Blockbuster erinnern, wird man vor allem mit unfassbar spektakulären Kämpfen beschenkt. Die unglaublichen Dimensionen nutzen sich zwar relativ schnell ab, aber zumindest ist die Dramaturgie des Filmes so abwechslungsreich gelungen, dass man das gar nicht sofort merkt. Kriegt Del Toro jetzt eigentlich den Zuschlag für „Hellboy 3“ Bitte, bitte, bitte!
Pacific Rim (USA, 2013): R.: Guillermo Del Toro; D.: Charlie Hunnam, Idris Elba, Rinko Kikuchi, Ron Perlman, u.a.; M.: Rmain Djawadi; Offizielle Homepage
In Weimar: CineStar
Kineast im Radio: Jeden Sonntag, 14 Uhr auf Radio Lotte Weimar.
Das ist mal wieder dumm gelaufen für die Menschen. Jahrelang haben sie immer ins Weltall geguckt und gedacht, der Angriff irgendeiner aggressiven Alien-Spezies würde von oben kommen. Die Viecher haben es aber irgendwie geschafft, ein Dimensionstor mitten im Pazifik aufzubauen. Die ersten Monster kommen an Land und zerstören ganze Städte, bis sie endlich besiegt werden können. Nachdem das dreimal passiert ist, dachten sich die Menschen, dass hier was nicht stimmt. Das sogenannte Jaeger-Programm wurde ins Leben gerufen. Sie bauten riesige Roboter, die stets von zwei Piloten über eine neurale Verbindung gesteuert werden können. Mit diesen Jaegern waren die Monster absolut problemlos zu besiegen. Die Menschen taten also das, was sie immer tun; sie wurden ganz schön selbstsicher. Das ging nur solange gut, bis die Monster immer größer wurden. Der erste Kampf zwischen Kaiju – so werden die Viecher genannt - und Jaeger geht nicht so gut aus und die Maschine wird zerstört. Dieser Trend setzt sich immer weiter fort und so langsam gehen den Menschen die Optionen aus, während die Abstände zwischen den Angriffen immer kürzer werden.
Zu Beginn muss man feststellen, dass „Pacific Rim“ vor allem eine Sache geschafft hat; der Film reanimiert ein ganz spezielles Sub-Genre, welches ich vor allem als Jugendlicher absolut nicht missen wollte. „Pacific Rim“ ist der erste, ausgewachsene Sommer-Blockbuster, seit sehr vielen Jahren. Vielleicht war „The Avengers“ erfolgreicher und vielleicht war „Dark Knight Rises“ anspruchsvoller, aber „Pacific Rim“ hat mich mit jeder Faser an solch Kinoerlebnisse, wie „Independence Day“ und „Armageddon“ erinnert. Das liegt an dem Stil, der dem Zuschauer mit einer gewissen Naivität ins Szenario einführt. Die Figuren entsprechen allesamt den klassischen Konstellationen: Es gibt den Helden, an den keiner glaubt – er selbst am aller wenigsten. Es gibt den grimmigen General, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Welt zu retten. Es gibt die Frau, die es in einer harten, von Männern dominierten Welt, ganz nach oben schaffen will. Das ausgeflippte Wissenschaftler-Duo ist dabei, der unsympathische Antagonist, der zum Ende natürlich merkt, wie glorreich und gut unser Held ist. Nichts lässt der Film aus. Obendrein wird dem Zuschauer immer wieder und wieder die Situation erklärt, damit wir auch ja nicht vergessen, was Kaijus sind und wie das mit der neuralen Verbindung und „dem Drift“ funktioniert.
Und dann gibt es natürlich die Kampfszenen. Die sind super-spektakulär und ich habe so etwas in derartigen Dimensionen noch nicht gesehen. Die Monster sehen allesamt unterschiedlich aus und bekommen immer eigene Namen. Das gleiche gilt für die Jaeger. Im Zuge der Angriffe hat sich fast ein eigener Kultur-Zweig gebildet. Es gibt Menschen, die die Kämpfe zwischen Jaeger und Kaijun, wie einen Wettstreit bewerten. An manchen Stellen wird der Kampf zwischen den Giganten auch so inszeniert. Das ist filmisch echt neu und cool, fällt aber insgesamt kaum ins Gewicht. Beim Monster-Design haben wir dann auch endlich den Del Toro im Film, dessen Stil ansonsten nicht unbedingt dem entspricht, was man von dem Spanier gewohnt ist. Die Viecher sind so groß, wie Wolkenkratzer und können nicht nur einstecken, sondern auch austeilen. Es entbrennen unglaubliche Materialschlachten und es gelingt Del Toro tatsächlich, jedem dieser Kreaturen eine eigene charakterliche Note zu geben. Ein Kniff, den man eher in alten Monsterfilmen aus Japan finden würde. Was das zitieren anderer Filme angeht, oder das – nennen wir es mal: „ausleihen“ ganzer Designelemente aus anderen Werken, läuft Del Toro zu Höchstformen auf. Nicht umsonst erinnert die Monsterjagd an den japanischen Videospielklassiker „Monster Hunter“, denn auch dieses Spiel bedient sich bei der klassischen Mythologie, der nicht zu Letzt auch Godzilla zu Grunde liegt. Des Weiteren haben wir Elemente aus „Mech-Warrior“ und die Kampfanzüge erinnerten mich sehr stark an „Mass Effect“.
Man könnte noch einiges mehr finden, aber das sprengt womöglich den Rahmen auf die gleiche Weise, wie ein Kaiju die sogenannte Schutzmauer einfach sprengt.
„Pacific Rim“ hat Spaß gemacht. Neben den zusammen geklauten Elementen, die von ihrer Oberflächlichkeit und Naivität an klassische Sommer-Blockbuster erinnern, wird man vor allem mit unfassbar spektakulären Kämpfen beschenkt. Die unglaublichen Dimensionen nutzen sich zwar relativ schnell ab, aber zumindest ist die Dramaturgie des Filmes so abwechslungsreich gelungen, dass man das gar nicht sofort merkt. Kriegt Del Toro jetzt eigentlich den Zuschlag für „Hellboy 3“ Bitte, bitte, bitte!
Pacific Rim (USA, 2013): R.: Guillermo Del Toro; D.: Charlie Hunnam, Idris Elba, Rinko Kikuchi, Ron Perlman, u.a.; M.: Rmain Djawadi; Offizielle Homepage
In Weimar: CineStar
Kineast im Radio: Jeden Sonntag, 14 Uhr auf Radio Lotte Weimar.
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