Posts mit dem Label Christoph Waltz werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Christoph Waltz werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 21. Januar 2013

Django Unchained

Es ist ein kleines Wunder, dass die ganze Welt in helle Aufregung gerät, wenn Quentin Tarantino einen neuen Film gemacht hat. Das war nicht immer so. Tarantino hat klein angefangen. So klein, wie man es sich nur vorstellen kann. Er hatte als Jugendlicher einen Job in einer Videothek und kam dort in den Genuss hunderter Filme. Als Kind ging er in sogenannte Grindhouse-Kinos. Dort wurden Filme gezeigt, die weit hinter B-Produktionen standen. Diese Trashwerke beeinflussten Tarantino sehr. Seine ersten Gehversuche als Filmschaffender sahen also auch entsprechend aus. Der erste Film, bei dem er Regie führte, hieß „Lovebirds in Bondage“ und erblickte nie das Licht der Öffentlichkeit. Vor der Vollendung, verbrannte der Film. Erstaunlicherweise – oder viel mehr unglaublicherweise – erging es seinem zweiten Projekt, „My Best Friend's Birthday“, genau so. Zwei Drittel des Filmes wurden bei einem Studiobrand vernichtet. Der dritte Versuch gelang und machte Tarantino zum Geheimtipp für Neues, Frisches, Cooles und manchmal total Verrücktes. In seinem ersten vollendeten Film „Resevoir Dogs“ zeigte sich bereits all das, was spätere Filme Tarantinos so speziell machte. „Resevoir Dogs“ war eine Blaupause für das gesamte Schaffen, des Künstlers. Dieses Schaffen wird nun von einem neuen Höhepunkt geprägt: „Django Unchained“

Der Süden der USA, irgendwann in den 1850er Jahren. Es ist Winter und es ist kalt. Zwei berüchtigte Sklavenhändler-Brüder sind mit einer kleinen Gruppe unterwegs durch den Winterwald. Sie haben frische Sklaven erworben und wollen sie nun weiter verkaufen. Der grausame Marsch wird jäh unterbrochen, als die Gruppe auf einen Zahnarzt trifft. Sein Name ist Dr. King Schultz und er ist auf der Suche nach einem ganz besonderen Sklaven. Schultz ist schon längst kein praktizierender Arzt mehr, sondern Kopfgeldjäger. Er braucht Django, weil dieser der einzige Mensch zu sein scheint, der die nächsten Ziele des Doktors schon einmal gesehen hat und sie identifizieren kann. Die beiden Sklavenhändler sind allerdings nicht sonderlich kooperativ und wollen Django nicht verkaufen. Doktor Schultz weiß jedoch, sie adäquat zu überzeugen und zieht mit Django los. Relativ schnell schließen die beiden einen Pakt und Django ist bereit, Schultz zu helfen, will aber auch eine Gegenleistung. Der berüchtigte Calvin Candie hat nämlich die Frau von Django in seinem Besitz und Django will sie um jeden Preis retten. Calvin Candie ist allerdings dafür bekannt, ein besonders grausamer Farmer zu sein, und auch dafür, nie etwas zu verkaufen, wenn er es für wertvoll hält, oder er merkt, wie wertvoll es für jemand anderen zu sein scheint. Ein raffinierter Plan und subtiles Vorgehen sind also von Nöten.

Es ist interessant, dass Tarantino in vielen seiner früheren Filme immer wieder um das Genre des Western herum getänzelt ist und er immer wieder Zitate mit eingeflochten hat, auch wenn diese scheinbar gar nicht dort hin gehörten. Besonders in „Inglorious Basterds“ gab es immer wieder Szenen, die diesem Genre entliehen waren. Nun hat Tarantino es also endlich getan und präsentiert mit „Django Unchained“ einen Western, der auch noch eine Art Remake eines absolut klassischen Vertreters dieser Filmgattung darstellt. Als erstes fällt auf, dass Tarantino einige typischen Stilmittel einfach aufgibt. So wird die Episodenform aufgelöst und die Story folgt einer ungewöhnlich stringenten Linie. Außerdem hat Tarantino extrem viel Aufwand in die Ausstattung gesteckt. Wir sehen fantastische Aufnahmen an Originalschauplätzen und sämtliche Kulissen und Kostüme sind sehr detailliert designt und aufgebaut.
Selten zuvor hat man erlebt, dass Tarantino der reinen visuellen Ebene seiner Filme so viel Aufmerksamkeit widmet
Wenn man sich daran gewöhnt hat, ist der Rest typisch Tarantino. Ausgeprägte und verrückte Figuren. Jeder von ihnen hat irgendwas Abgefahrenes und Überzeichnetes an sich. Django, der ehemalige Sklave, schert sich selten um das Schicksal seiner Leidensgenossen; viel mehr scheinen die ihm egal zu sein, so lange er seine Rache bekommt. Das Motiv mit der geliebten Ehefrau scheint all zu oft nur als Entschuldigung zu dienen. Oft ist Django genau so skrupellos und grausam, wie die, an denen er sich rächen will. Nicht weniger grausam ist Doktor Schultz, der seine Gewaltausbrüche aber in typischer Christoph-Waltz-Manier durch witzige Exkurse zu kaschieren weiß. Bei Waltz scheint alles nebenbei zu passieren; die Gewalt, der Humor, das Essen und Trinken; das Leben. Im Gegensatz zu seiner Darstellung des bösen Nazigenerals aus „Inglorious Basterds“, zeigt Schultz aber des Öfteren Menschlichkeit, die sogar zum Schlüsselelement avanciert.
Tarantino wurde Rassismus vorgeworfen. Diese Vorwürfe kamen allerdings nur aus Richtung der schockierten Amerikaner. Das Wort „Nigger“ würde so häufig benutzt werden, wie sonst nie. Folgerrichtig muss der Film also rassistischen Inhalts sein. An diesem Beispiel zeigt sich, dass Tarantino einfach erneut sehr gründlich recherchiert hat, um den Zeitgeist dieser Epoche ein zu fangen. Möglicherweise ist ihm das besser gelungen, als die amerikanischen Zuschauer verkraften wollen. Aus meiner Sicht zeigt Tarantino eine etwas übertriebene und künstlerisch gestaltete Version der Wahrheit. Und mit der können viele Amerikaner wohl immer noch nicht so recht umgehen.

Ist „Django Unchained“ gut? Diese Frage wurde mir oft gestellt, seit ich den Film gesehen habe. In dieser Frage spiegelt sich die Skepsis wieder, ob es Tarantino nach dem überragenden „Inglorious Basterds“ wirklich noch einmal geschafft haben könnte, eine Schippe drauf zu legen. Ich kann nun antworten: Ja, er ist gut. Aber ist er besser? Ich tue mich schwer, bei Tarantinos Filmen zu sagen, welcher besser, oder schlechter ist. Jeder seiner Filme steht immer ganz für sich und er nähert sich unterschiedlichen Themen auf einzigartige Weise. Mir gefällt seine Kunst, denn für mich ist er in erster Linie Künstler und nicht unbedingt Filmemacher, oder Handwerker. Und wem gelingt schon die witzigste Kukluxklan-Szene der Filmgeschichte, wenn nicht einem Künstler?

Django Unchained (USA, 2012): R.: Quentin Tarantino; D.: Jamie Foxx, Christoph Waltz, Leonardo DiCaprio, Don Johnson; Offizielle Homepage

In Weimar: lichthaus, CineStar

Der Filmblog zum Hören: Jeden Sonntag, 14:00 bis 15:00 Uhr auf Radio Lotte Weimar.

Donnerstag, 5. Januar 2012

Der Gott des Gemetzels

Und damit beginnen wir das Kinojahr 2012, welches natürlich noch tausendmal besser werden wird, als das vergangene Jahr. Uns erwarten zahlreiche Fortsetzungen, denn Hollywood wagt es derzeit nicht, irgendwas Neues zu etablieren. So werden also die erfolgreichsten Filme des Jahrzehnts mehr oder weniger gut fortgesetzt. Ob es an der Apokalypse liegt? War Roland Emmerichs „2012“ so eindrucksvoll, dass tatsächlich alle Leute denken, die Welt würde untergehen?
Egal! Bevor wir uns so richtig ins neue Jahr stürzen widmen wir uns kurz einem Film, der gerade noch so im Jahr 2011 angelaufen ist. Es ist der neue Film eines Regisseurs, der sich schon teuflischen Dämonen, komischen Vampiren und noch komischeren Piraten gewidmet hat. Er hat aber auch die Kunst des Kammerspiels absolut perfektioniert und inszenierte zum Beispiel ein beklemmend, faszinierendes „Der Tod und das Mädchen“ Nun meldet er sich in seiner Königsdisziplin zurück und bringt ein zeitgenössisches Theaterstück auf die Leinwand. Hier kommt „Der Gott des Gemetzels“

In einer kleinen, gemütlichen Wohnung mitten in New York treffen sich die Ehepaare Longstreet und Cowan. Es gilt, ein ernstes Thema aus zu diskutieren. Der Sohn der Cowans hat dem Sohn der Longstreets im Streit zwei Zähne ausgeschlagen. Ganz klar, dass diese Angelegenheit geklärt werden muss. Obwohl die beiden Paare sehr unterschiedlich sind, gelingt eine höfliche und gepflegte Konversation. Das begeistert Michael Longstreet dermaßen, dass er die Cowans sogar noch zum Kaffee trinken einlädt. Der Cobbler wird aus dem Kühlschrank geholt und der Espresso kredenzt. Smalltalk wird immer wieder durch eingehende Anrufe auf Mr Cowans Handy unterbrochen. Der ist nämlich Rechtsanwalt und vertritt derzeit ein großes Pharmaunternehmen. Allerdings scheint es mit dem neuen Produkt der Firma einige Probleme zu geben. Während der Telefonate herrscht stets unbehagliches Schweigen seitens der Anwesenden. Und dann schaukelt sich die ganze Situation hoch. Immer wieder hängt sich der Anwalt an bestimmten Formulierungen von Mrs Longstreet auf, der Vater des Geschädigten versucht, die Wogen zu glätten und plaudert über seinen Job als Klospülungsvertreter, was den Anwalt wiederum dazu provoziert, sich über ihn lustig zu machen. Die Mütter wollen beim Thema bleiben und geraten dabei immer heftiger aneinander, auch wenn sie zunächst ihr Interesse für Kunst teilen – und dann doch nicht mehr. Alles eskaliert, als zum hundertsten Mal das Handy von Mr Cowan klingelt.

Roman Polanski wird stets eine etwas verrückt lustige Haltung nachgesagt. Woher dieses Image genau kommt, kann man nur vermuten. Sicher, seine Vampirparodie war enorm witzig und auch sein Ausflug in die Weiten des piratenverseuchten Ozeans entbehrte nicht einer gewissen Komik. Doch immer wieder präsentiert er uns ernsthafte und ernst zu nehmende Arbeiten. Abgesehen von irgendwelchen Skandalen und Gerichtsverhandlungen, die diesen Regisseur vielleicht heimsuchen, ist er ein guter Handwerker und ein Meister der schlichten und intensiven Inszenierung. Das mag auch daran liegen, dass seine kreativen Ursprünge eher auf der Theaterbühne liegen und nicht hinter der Kamera. Bei „Der Gott des Gemetzels“ haben wir alle Zutaten für ein spannendes Kammerspiel. Vier sehr gute Schauspieler in einem - oberflächlich betrachtet - geschmackvoll eingerichtetem Wohnzimmer, ein heikles Gesprächsthema und jede Menge festgefahrene Meinungen und Ansichten. Okay, wahrscheinlich hätte jeder Regisseur mit ein bisschen Verstand im Kopf daraus ein spannendes Kammerstück machen können. Wichtig ist hier die Idee und der Mut, so etwas heutzutage überhaupt inszenieren zu wollen. Es passiert - oberflächlich betrachtet - tatsächlich nicht viel. Der unbedarfte Zuschauer denkt vielleicht: „Die labern eineinhalb Stunden lang nur und gehen nicht mal vor die Tür. Stinklangweiliger Mist!“ Aber die Dynamik der Beziehungen untereinander und die Charakterentwicklung passiert so subtil und realistisch und man hat die ganze Zeit das Gefühl, man kenne das von selbst geführten Diskussionen. Die Charaktere sind natürlich ganz klar gezeichnet und in dieser etwas naiven Form sogar überzeichnet. Aber nur mit derartig eindeutigen Charakterzügen funktioniert dieser Film auch so gut und wir haben die nötige Dynamik, die es braucht, um es eben nicht langweilig werden zu lassen. Klar, dass sehr viel von dieser Wirkung durch die Leistung der vier Darsteller erzielt wird. Auch, wenn mir persönlich Christoph Waltz am besten gefallen hat, kann man nicht sagen, dass einer besonders herausfällt. Alle spielen gleich gut.

„Der Gott des Gemetzels“ ist ein Spiegel. Er zeigt uns, was vermutlich tagtäglich in Millionen von Wohnzimmern statt finden kann. Es ist bitterböse und unterhaltsam zugleich. Die Kultiviertheit und Zivilisiertheit, die wir uns so – Gott verdammt nochmal - hart erarbeitet haben, ist mit einem Glas Scotch, oder eben einen Stockhieb weg gewischt. Großartig. Genau das Richtige, um für den Weltuntergang in Stimmung zu kommen.

Carnage (USA, 2011): R.: Roman Polanski; D.: Kate Winslet, Jodie Foster, Christoph Waltz, John C. Reilly, u.a.; M.: Alexandre Desplat; Offizielle Homepafge

In Weimar: lichthaus

Der Filmblog zum Hören: Jeden Donnerstag, 12:25 Uhr auf Radio Lotte Weimar.

Samstag, 22. Januar 2011

The Green Hornet

Was darf man erwarten, wenn ein Regisseur, der ursprünglich Musikvideos gemacht hat, plötzlich mit einem schönen Kinofilm begeistert, anschließend einen noch schöneren Film präsentiert, das Ganze mit einem nicht ganz so schönen Film abrundet und sich dann mit einem Superheldfilm zurück meldet, dessen Titel so eindeutig und bekloppt ist, dass er diesmal wenigstens keine noch beklopptere deutsche Übersetzung braucht? Tja...was kann man erwarten?

Britt Reid ist der Sohn des Medienmoguls James Reid. Der ist Besitzer der renommierten Zeitung "Daily Sentinel" und ist schwer enttäuscht von seinem Sohn. Der ist ein Schwächling, feiert am laufenden Band Orgien, ist Comicfan und kümmert sich einen feuchten Kehricht um das Vermächtnis seines Vaters. Eines Tages verstirbt James Reid überraschend an einem Bienenstich und Britt ist plötzlich Besitzer einer Zeitung und einer riesigen Villa. Diese Villa ist voll gestopft mit lauter faszinierender Technik, die der chinesische Mechaniker Kato entworfen hat. Britt kommt plötzlich eine super Idee. Er ist Waise, hat viel Geld und einen Mechanikerbuttler, der obendrein auch noch unglaubliche Kampftechniken drauf hat. Wie Bruce Wayne will er sich in die Nacht stürzen und das Verbrechen bekämpfen. Als "Green Hornet" mischt er zunächst die Kleinkriminellen auf und sorgt damit für Aufmerksamkeit des Gangsterbosses Chudnofsky. Der findet's auch nicht in Ordnung, dass ein kostümierter Spaten seine Drogenlabors zerstört. Außerdem ist er in einer tiefen Sinnkrise und arbeitet stetig an seinem Image und Auftreten. Klare Sache, dass er ab sofort als Bloodnofsky durch die Stadt streift und Angst und Schrecken unter den guten Jungs verbreitet.

Es scheint gerade ein bisschen verbreitet zu sein, dass sich Regisseure nach mehreren Jahren erfolgreicher Arbeit plötzlich ihrer Wurzeln besinnen und der nächste Film gänzlich ungewöhnliche Wege beschreitet. Sam Raimi zum Beispiel: Erst Splatter, dann Spider-Man, dann wieder Splatter. Oder Tom Tykver: Fiebriger Kunstfilm, schneller innovativer, dann langsamer innovativer Film, Big Budget Hollywood Produktion und schließlich wieder fiebriger Kunstfilm. Michel Gondry war ein bekannter Videoclip-Produzent und nutzte seine Fähigkeiten, Bilder zu bauen sehr exzessiv für seine ersten Filme. In "Eternal Sunshine of The Spotless Mind" erzählte er mit großartigen Schauspielern auch noch eine etwas verrückte, aber sehr schöne Geschichte. Mit "The Green Hornet" scheint er beweisen zu wollen, dass er es immer noch als Videoclip-Regisseur drauf hätte, würde er einen Videoclip machen wollen. Der Film ist voll gepackt mit hoch stilisierten Kampfszenen und Verfolgungsjagden. Außerdem wird das Auto des Superhelden auf eine Art und Weise zelebirert, wie es selbst in zünftigen Rapvideos nicht besser hätte gelingen können. Die ohnehin alberne Heldengeschichte wird durch völlig überdrehte und sehr schnelle nichts sagende Dialoge aufgelockert. Der ganze Film fährt allerdings auf einer Schiene, die eher an eine Persiflage des Superheldengenres erinnert. Und davon gabs in der letzten Zeit schon genug. "Superhero Movie"? "Kick Ass"? Da hat man das alles schon gesehen. Trotzdem gibt es Highlights. Besonders die Kampfszenen sind sehr gelungen und machen ziemlichen Spaß, so dass man gar nicht großartig hinterfragen muss, welche Story hinter dieser schicken Actionsequenz steht. Außerdem freut man sich über Christoph Waltz. Er spielt als Chudnofsky eine Mischung aus Waltz, Jelzin und Hans Landa und seine Auftritte sind wirklich lustig.

"The Green Hornet" ist nichts Neues, nichts Besonderes, nichts Anspruchsvolles. Platte Dialoge, sinnlose Handlungsumschwünge und obendrein nervt Comedy Star Seth Rogan total. Leider hält er die gesamten eineinhalb Stunden nicht einmal die Klappe. Trotzdem kann man sich amüsieren. Die Devise lautet hier eindeutig: Hirn aus! Green Hornet an!

The Green Hornet (USA, 2011): R.: Michel Gondry; D.: Seth Rogan, Cameron Diaz, Christoph Waltz, u.a.; M.: James Newton Howard; Offizielle Homepage

In Weimar: CineStar

Rezensionen On Air: Jeden Donnerstag, 12:25 Uhr live auf Radio Lotte Weimar.