Freitag, 29. Juni 2012

Moonrise Kingdom

Trailer sind aus der Hölle. Früher hat man Trailer nur im Kino gesehen und zwar vor dem Hauptfilm. Da hat man eine Viertelstunde Werbung für Bier und Kartoffelchips ausgehalten, um dann mit Trailern zu den nächsten Filmen belohnt zu werden. Da gab es einen Trailer pro Film und der war meistens so blöde geschnitten, dass man überhaupt keinen zuverlässigen Eindruck vom beworbenen Film gewinnen konnte. Aber egal. Man wusste das Wichtigste, nämlich dass der Film demnächst im Kino laufen würde. Heute funktioniert das alles ein bisschen anders. Es gibt Teaser, Trailer, Clips und Spots und selbst Trailer feiern heute Premiere und werden vorher angeteast. Einige sind sehr kunstvoll und cool. Für meinen Geschmack zeigen Trailer aber heutzutage einfach zu viel, wenn nicht gar alles. Man guckt einen Trailer und hat alles sehenswerte gesehen. Man will aber gerne glauben, dass der komplette Film doch mehr zu bieten hat und guckt sich das Ding an. Dann kann man an den lustigsten Stellen nicht mehr lachen, weil man das schon aus dem Trailer kennt und die spektakulären Special-Effects wirken bereits veraltet. Der Trailer von „Moonrise Kingdom“ war supercool, was konsequenter Weise zu der Vermutung führen müsste, dass es der Film nicht mehr sein kann. Wirklich?

Irgendwann in den 60er Jahren gab es auf einer der zahllosen Inseln vor der Küste Neuenglands einen heftigen Sturm. Der Sturm gilt lange Zeit als schlimmstes Wetterextrem, welches die USA heimgesucht hat. Dieser Sturm spielt eigentlich nur eine kleine Rolle, bildet aber eine eindrucksvolle Kulisse für eine fantastische Abenteuergeschichte.
Sam ist ein Waisenjunge und verbringt den Sommer im Pfadfindercamp. Eines Morgens wird sein Verschwinden entdeckt. Sam hat seine Ausrüstung geschnappt, sich ein Kanu geklaut, einen Kündigungsbrief hinterlassen und sich aus dem Staub gemacht.
Der Sheriff der Insel wird sofort informiert und die Pfadfinder organisieren eine Suchaktion. Gleichzeitig wird das verschwinden eines weiteren Kindes festgestellt. Suzie hat ebenfalls einiges eingepackt und ist einfach verschwunden. Der Sheriff ist zwar ein bisschen beschränkt, kann sich aber ziemlich bald vorstellen, dass die beiden zusammen unterwegs sind. Wichtiger sind die Gründe für die Flucht. Sam ist der unbeliebteste Junge im Pfadfinderlager und keiner weiß so richtig warum. Seine Pflegefamilie hat angekündigt, ihn nicht mehr zurück zu nehmen, sollte er gefunden werden und eine Dame vom Jugendamt ist unterwegs, um ihn in ein sogenanntes „Jugendasyl“ zu verfrachten. Kein Wunder also, dass er abgehauen ist. Aber so geht’s ja nun nicht. Einfach weg zu laufen. Tse! Also wird die Suche fortgesetzt. Sam und Suzie machen es den Verfolgern nicht leicht, denn sie sind selbst ganz gut mit den Gegebenheiten der Insel vertraut.

Gleich vorweg: Dies ist der beste Film, den ich von Wes Anderson gesehen habe. Nie hat er den Stil so konsequent durch gezogen. Selten waren seine Filme ähnlich komplex. Oft musste man sich mit skurrilen und schwer zu deutenden Bildern auseinander setzen. Diesmal nicht. „Moonrise Kingdom“ ist nahezu perfekt. Der gesamte Film wurde nicht nur analog, sondern auch noch mit 40 Jahre alten Kameras gedreht, wodurch ein einmaliger Look kreiert wurde, der durch detaillierte Kostüme und Kulissen noch verstärkt wird. Dazu wurden unglaublich komplexe Figuren geschaffen, die trotz des recht eiligen Erzählstils enorm vielschichtig sind. Keine Figur entspricht irgendwelchen oberflächlichen Schablonen, selbst, wenn sie nur kurze Minutenauftritte haben. Bruce Willis zum Beispiel. Noch nie habe ich ihn derart überzeugend gesehen. Nie im Leben hätte ich gedacht, dass dieser Mann noch so spielen kann. Auch die beiden Hauptdarsteller Jared Gilman und Kara Hayward glänzen überragend. Der Grund für diese überzeugenden Figuren liegt in der Geschichte. Die ist auf herrlich schlichte Weise und nicht ohne eine gewisse Naivität angelehnt an große Klassiker der Tragödie. Zwei Außenseiter, die durch diese Gemeinsamkeit ihre Liebe zu einander entdecken, die natürlich nicht toleriert werden kann, ergreifen die Flucht vor dem alten Leben. Unerbittlich werden sie gejagt und immer wieder in ihre alten Zwänge zurück gedrängt. Kommt einem natürlich sehr bekannt vor. Und Wes Anderson packt diese Motive in eine Art Kinderwelt und lässt seine Protagonisten diese spannende Abenteuer erleben. Manches erinnert an Spiele, die man als Kind gespielt hat, in denen die Fantasie keine Grenzen kannte und man sich stundenlang in imaginäre Abenteuer stürzte.

„Moonrise Kingdom“ ist ein echter Augenöffner. Herrlich skurril, aber nicht chaotisch. Tragisch, aber stets mit einem Augenzwinkern. Viellschichtig, aber ohne Pathos. Es ist eine Verbeugung vor der Kindheit und einer alten Welt, die es früher mal gegeben hat, die jetzt nur noch in der Fantasie existiert. Und in diesem Film.

Moonrise Kingdom (USA, 2012): R.: Wes Anderson; D.: Bruce Willis, Edward Norton, Kara Hayward, u.a.; M.: Alexandre Desplat; Offizielle Homepage

In Weimar: lichthaus

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Dienstag, 26. Juni 2012

Vorschau Sommer 2012

Es ist Sommer. Die Jahreszeit, in der man draußen ist, wenn die Sonne scheint und wenn es regnet, geht man ins Kino. Und jedes Jahr aufs Neue kommt die Frage auf, ob es das Kino verdient hat, lediglich zur Schlechtwettervariante degradiert zu werden.
An dieser Stelle werfen wir also einen Blick auf die kommenden Monate, und schauen, welche der heiß ersehnten Blockbuster wirklich mehr taugen, als nur den Regenschirm zu ersetzen.

The Amazing Spider-Man
Vom kreativen Standpunkt aus gesehen, ist die Filmwelt in einem Kellerloch angekommen. Es wird nämlich nichts Neues mehr gemacht, sondern es wird fortgesetzt, geremaket, rebootet und adaptiert, was das Zeug hält. Spider-Man wurde vor 10 Jahren verblüffend umgesetzt von Sam Raimi. Der ehemalige Splatter-Film-Regisseur nahm sich die Comics zur Brust, suchte sich die besten Versatzstücke heraus, versah das ganze mit einer zeitgemäßen Optik und erfand spontan noch eine neue Kameraperspektive, durch die der Zuschauer regelrecht mitgerissen wurde, wenn sich Spidey durch New Yorks Häuserschluchten schwang. Der zweite Teil übertraf den ersten und der dritte Teil war doof. Trotzdem wurde wahrscheinlich enorm viel Geld verdient. Nun hat sich Sony entschlossen, dass es Zeit für einen neuen Spider-Man wäre. Fünf Jahre ist es erst her, dass Spider-Man 3 gelaufen ist und weder Raimi noch die Hauptdarsteller Tobey Maguire und Kirsten Dunst waren bereit für einen vierten Teil. Sony wollte doch aber so gerne den neuen Spider-Man. Also entschloss man sich, ein Reboot des Ganzen zu machen. Neuer Regisseur, Neuer Hauptdarsteller und alles auf Anfang.
„The Amazing Spider-Man“ soll düsterer und härter werden und man soll sich überhaupt nicht an die Raimi-Filme erinnert fühlen, wenn man diesen Film sieht. Die Trailer lassen da schon was anderes vermuten. Es wird nicht wirklich etwas Neues geben, außer vielleicht einen neuen Schurken. Alles andere hat man schon gesehen. Der erste Trailer zum Film versprach eine aufregende neue Perspektive. So sah man eine Sequenz aus der Ego-Perspektive von Spidey, wie er durch die Gegend hüpfte. Das entpuppte sich als billige Kopie aus dem Videospiel  „Mirrors Edge“ und die Perspektive wurde ganz schnell wieder aus dem Konzept gestrichen. In der Tat weiß ich nicht, warum dieser Film gedreht wurde, geschweige denn, warum man sich den neuen Spider-Man ansehen sollte. Das Motiv ist zu offensichtlich und langsam kommen selbst die ganz unbedarften Zuschauer dahinter, dass es sich hierbei um ganz plumpe Geldmache handelt.

Prometheus
Ridley Scott hat einen neuen Science-Fiction-Horror-Film gemacht. Mit „Alien“ kreierte er 1979 einen Meilenstein der Filmgeschichte. Die Atmosphäre und die Spannung waren einmalig und das von H.R. Giger entworfene Alien gilt als eines der berühmtesten Filmmonster aller Zeiten.
Selbst die Fortsetzungen, die rund um die Geschichte von Ripleys Kampf gegen den Xenomorph entstanden sind, waren durchweg gelungen und prägten jeweils ihren ganz eigenen Stil. Scott muss etwas wehmütig geworden sein in den letzten Jahren. Derzeit arbeitet er an einer Fortsetzung von „Blade Runner“ und demnächst startet nun endlich auch bei uns „Prometheus“
In diesem Film wird eine quasi Vorgeschichte erzählt. Wissenschaftler finden auf der Erde merkwürdige Relikte. Zusammengesetzt ergeben sie eine Sternkarte mit Koordinaten. Also wird ein Raumschiff zu diesen Koordinaten geschickt, denn man geht davon aus, dass die Schöpfer der Menschen eigentlich von einem anderen Planeten kamen und nun rufen sie ihre Kinder zurück. Dieser leicht esoterische Touch bringt viel Kopfkino in die Sache, denn natürlich findet die Crew der Prometheus nicht das, was sie finden wollten.
Das größte Problem dieses Films wird sein, dass man ständig auf Elemente aus den „Alien“-Filmen warten wird. Und wenn die nicht kommen, ist die Enttäuschung bestimmt riesengroß. Deshalb sei hier geraten, den Film vollkommen autark zu sehen und dann wird man belohnt mit einem spannenden, harten und absolut sehenswerten  SciFi-Kracher.

The Dark Knight Rises
Über keinen anderen Film wurde während der letzten Monate so viel berichtet, wie über Christopher Nolans Abschluss seiner Batman-Reihe.
Ich habe Anfangs jedes kleine Bild und Trailerchen aufgesaugt und habe mittlerweile aber dicht gemacht. Ich will nicht noch mehr erfahren. Ich will nicht dem Hype erliegen, der Erwartungen schürt, die unmöglich erfüllt werden können, egal, wie gut dieser Film auch sein wird. Ich werde den Film einfach sehen, wenn er da ist. Zur Story weiß man sowieso fast nichts. Außer, dass Bane in die Stadt kommt, alles in Schutt und Asche legt und Batman vor der absolut größten Herausforderung seiner Superheldenkarriere steht. So gesehen ist es die absolute 0815-Story, aber Chrisopher Nolan ist bekannt für seine komplex und clever konstruierten Plots, sodass es ganz sicher einige überraschende Wendungen geben wird. Der Stil wird wahrscheinlich ähnlich sein, wie im Vorgänger. Es wird also sehr stark auf Realismus getrimmt sein, wodurch die Actionszenen um so spektakulärer werden. Erfahrungsgemäß sind dritte Teile einer Serie oft die schlechtesten. Und ich hoffe inständig, dass Nolan diese Regel zu brechen vermag. Die Trailer sehen jedenfalls fantastisch aus und man darf getrost davon ausgehen, dass dieses Niveau auch  auf Spielfilmlänge gehalten werden kann.

Es gibt noch ein paar Filme, die weniger große Rahmen benötigen, aber trotzdem enorm sehenswert sind.
„Liebe“, der neue Film von Michael Haneke, handelt von einer alten Frau, die stirbt. Zwei Stunden lang! Haneke ist ein Meister der Subtilität, aber wenn einem die Erkenntnis trifft und die Botschaft des Filmes erreicht, ist es, als ob man einen Amboss vor den Kopf bekommt.
„The Cabin in The Woods“, der neue Film von „Cloverfield“-Regiessuer Drew Goddard fängt an, wie ein ganz gewöhnlicher Teenie-Horror. Eine Gruppe von Kids fährt in den Wald in eine einsame Hütte, um dort ein wildes Wochenende zu verbringen. Doch dann geschehen merkwürdige Dinge. Und dann geschehen wirklich merkwürdige Dinge. Ganz im Ernst, kein Mensch weiß, was da passiert, aber es sieht unglaublich cool aus. Das ist ein Film, der dich ohne Skrupel an die Hand nimmt und dich ungebremst in die Schlucht führt, nur um dich kurz aufzufangen und dann in eine Schlangengrube zu werfen. Genug der Metaphern! Angucken!
„We need to talk about Kevin“ - Eigentlich sollte die Verfilmung von Lionel Shrivers Sozialshocker gar nicht in Deutschland laufen. Der ursprüngliche Bundesstart sollte der 26. April sein – dem Jahrestag des Erfurt-Amoklaufs. Keine Chance für einen Film dieser Thematik. Kein Verleih hatte sich bereit erklärt, den Film überhaupt zu spielen. Man hatte bereits begonnen, sich auf ein reines DVD-Release in Deutschland einzustellen und genau der DVD-Verleih erklärte sich überraschend bereit, doch eine Kinoauswertung zu wagen. Nun ist also ein halbes Jahr später bald soweit und „We need to talk about Kevin“ wird in den deutschen Kinos laufen. Das wird unangenehm werden. Das Thema Amoklauf wurde noch nie derart treffend und gleichermaßen beängstigend thematisiert, wie in diesem Film. Vollkommen wertfrei und mit dickem Fell sollte man sich vorbereiten, wenn man ins Kino geht, um dieses Stück bittere Wahrheit zu sehen.
Der letzte Titel für heute lautet „Cosmopolis“. Dieser Film verspricht all das, was in „Eine dunkle Begierde“ gefehlt hat und noch mehr. Der Film soll vollkommen krank und bitterböse sein, was soviel heißt: David Cronenberg ist wieder da. Na dann...!

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Mittwoch, 6. Juni 2012

Ausgerechnet Sibirien

Der deutsche Film ist ununterbrochen am Ackern. Er muss sich nämlich laufend beweisen. Der deutsche Film genießt bei den meisten Filmfans in Deutschland keinen besonders guten Ruf. Möchtegern-Hollywood will keiner sehen. Gucken wir lieber die echten Blockbuster. Manche deutsche Filmemacher wollen auch Blockbuster machen und es kommen so Genrefilme, wie „Hell“ dabei heraus, die sowohl bei Kritikern, als auch Zuschauern baden gehen. Ab und zu funktioniert dann doch mal was. Das hat dann zur Folge, dass die nächsten 50 deutschen Filmproduktionen genau das gleiche machen. Die meisten Filme, die auf Erfolgswellen mit reiten wollen, vergisst man sofort wieder. So wird es wohl auch dem neuen Film von Ralf Huettner ergehen - „Ausgerechnet Sibirien“

Matthias Bleuel wurde gerade geschieden. Er verkauft und verballert alles, was ihn an seine Ehe erinnert, geht joggen und steigert sich förmlich in obskure Hörbücher rein, die von Schamanen und irgendwelchen Dämonen handeln. Außerdem übt er auf seine Kollegen den schwer zu erklärenden Drang aus, ihm unentwegt eine rein zu hauen. Das alles – und noch einiges mehr – bringt Matthias' Chef jedenfalls dazu, ihn nach Sibirien zur Zweigstelle nach Kemerovo, um dort das neue Registratursystem des Versandhandels für Klamotten ein zu richten, für den Matthias arbeitet.
Der will natürlich nicht dort hin, hat aber keine andere Wahl. Nach einer langen Reise, steht Matthias mitten in der Pampa vor einem regelrechten logistischen Albtraum. Nichts läuft, wie es laufen soll, die russischen Mitarbeiter trinken unentwegt Wodka und die russischen Computer akzeptieren die neue Registriersoftware nicht. Vollkommen frustriert besucht Matthias einen Wochenmarkt und sieht dort den Auftritt einer Kehlkopfsängerin. Der Gesang verzaubert ihn sofort und alles ändert sich.

Nach „Vincent will Meer“ hat Ralf Huettner eigentlich alle Möglichkeiten gehabt. Dieser Film war nämlich einer jener seltenen Fälle, die etwas neues und sehenswertes einbrachten. Zudem erzählte er eine rührende Geschichte und blieb im Gedächtnis haften.
„Ausgerechnet Sibirien“ nun ist weder innovativ, noch sehenswert. Viel mehr strotzt der Film nur so vor Stereotypen. Es gibt die typischen, russischen Flugzeuge, die nicht da hin fliegen, wo sie hin sollen. Es gibt die typischen russischen Autos, die selbst die kleinste Strecke nicht absolvieren, ohne, dass es einen Motorschaden gibt; es gibt typische russische Mamas und typische, russische Papas. Vergammelte Häuser, olle Klamotten und Wodka.
Sobald der Deutsche da ist, kommt eine Frau, die ihm einen Haufen Geld bietet, wenn er sie heiratet, weil das die einzige Möglichkeit ist, an einen deutschen Pass zu kommen. Der Dolmetscher, der perfekt Deutsch spricht, ist natürlich schwul, weshalb es ständig Stress mit seinem Vater gibt. Dieser ganze klischeebehaftete Haufen überschüttet eine Hauptfigur, die nicht nur gesichtslos erscheint, sondern deren gesamte Motivation überhaupt nicht nachvollziehbar ist. Die Geschichte erzählt vom Mut, sein Leben zu verändern. Matthias Bleuel verändert sich aber gar nicht, sondern bleibt den ganzen Film über der ebenso typisch deutsche Arsch. Die Sache mit dem Kehlkopfgesang wäre noch interessant gewesen, wird aber von der völlig unpassenden Schamanenthematik übertönt. Unpassend sind im Übrigen auch die psychedelisch gedachten Kurzauftritte von Alexej Leonow in seinem aufgeblähtem Raumanzug. Die Bedeutung dieses Bildes hat sich mir leider überhaupt nicht erschlossen.

„Ausgerechnet Sibirien“ ist nicht mehr, als ein klischeehafter, vorhersehbarer, kitschiger und oberflächlicher Schatten eines guten  Filmes. Das einzige, was begeistern konnte, waren die schönen Landschaftsbilder, aber die kann man auch sehen, wenn man sich einen Bildband über Südsibirien bestellt. Das war nix!

Ausgerechnet Sibirien (D, RU, 2012): R.: Rald Huettner; D.: Joachim Krol, Katja Riemann, Vladimir Burlakov, u.a.; M.: B-Zet & Ralf Hildenbeutel; Offizielle Homepage

In Weimar: lichthaus

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Montag, 4. Juni 2012

Men in Black 3

Gesetzmäßigkeiten. Alles basiert auf ihnen. Auch Hollywood folgt Regeln und Gesetzmäßigkeiten, die sich immer wieder bestätigen. Eine von ihnen besagt, dass wenn man glaubt, wirklich alles zu kennen und denkt, man kann sich nicht mehr überraschen lassen, dann kommt die Überraschung am dicksten.
Es hat wirklich niemand so recht glauben wollen, dass zehn Jahre nach dem mäßigen letzten Film, der dritte Teil der Men-in-Black-Reihe noch funktionieren könnte. Ich habe das am aller wenigsten geglaubt. Trotz oder wegen all der Skepsis habe ich den Film gesehen und wurde – wie sollte es anders sein? - angenehm überrascht.

Als wäre die Zeit stehen geblieben, machen die beiden Specialagents K und J genau das gleiche, wie vor zehn Jahren. Sie arbeiten für eine  Behörde, die das Leben von zahlreichen außerirdischen Gästen auf der Erde koordiniert, ohne dass die Menschen etwas davon mitbekommen. Der ein oder andere Gast hält sich nicht an die Regeln und bekommt dann Besuch von den Agenten. Das Alien Boris (die Bestie) ist sogar ein richtig böser Junge und Verbrecher und sitzt auf dem Mond in einer eigens für ihn errichteten Haftanstalt. Dort gelingt es ihm tatsächlich, auszubrechen und zur Erde zurück zu kehren. Hier will er Rache an K nehmen, der ihm vor vielen Jahren in den Knast gebracht und ihm obendrein noch einen, seiner widerlichen Arme abgeschossen hat. Um seine Pläne zu verwirklichen, reist Boris in die Vergangenheit und ändert die Geschichte. Plötzlich ist K seit 40 Jahren tot, J ist alleine und eine große Invasion steht bevor. J entschließt sich, selbst in die 60er zurück zu reisen, um dort alles wieder in Ordnung zu bringen. Dort trifft er allerdings nicht nur auf eine jüngere Version von K, sondern auch auf die jüngere und doppelarmige Version von Boris.

„Men in Black“ war immer irgendwie witzig. Die Idee, dass es auf der Erde nur so vor Außerirdischen wimmelt, und wir davon gar nichts mitbekommen, war faszinierend, die Witze und vor allem die Viecher waren cool. Der zweite Teil entsprach genau dem Muster vieler uninspirierter Fortsetzungen. Ein billiger Aufguss mit noch mehr Viechern und noch mehr Gags und einer ziemlich bescheuerten Story. Das ganze crashte auch entsprechend konsequent an den Kassen. Das Franchise schien erledigt und bis vor Kurzem, hat dem ganzen auch keiner eine Träne nach geweint.
Nun weiß kein Mensch, warum Barry Sonnenfeld und Will Smith ausgerechnet jetzt, nach so vielen Jahren einen dritten Teil gemacht haben. Was auch immer sie sich dabei gedacht haben, es ist besser als erwartet, besser als der zweite Teil, ja sogar besser, als alles, was Sonnenfeld in den letzten Jahren produziert hat („Die Chaoscamper“, „Ganz schön schwanger“).
Die Story wurde tatsächlich sinnvoll erweitert und das Zeitreiseelement mag klischeehaft sein, aber wirkt nicht aufgesetzt. Lustige Einfälle bauen eine glaubhafte Umgebung und stellen die 60er überzeugend dar. Neben zahlreichen netten Gags, ist vor allem der Auftritt von Andy Warhole ein echtes Highlight. Hier beweist auch Will Smith wieder enorm viel komödiantisches Talent, ohne es zu übertreiben. Die Story wurde im zweiten Teil arg kompliziert erzählt. Hier weicht das einer passenden Komplexität, die im Rahmen bleibt. Eigentlich kann ich nichts finden, um wirklich zu meckern; es ist einfach lange genug her, dass ich in diesem Universum war. Vielleicht ist das das Geheimnis der ganzen Fortsetzungsgeschichten. Die meisten Filme warten einfach nicht lang genug.

„Men in Black 3“ hat es tatsächlich geschafft, eine coole, sinnvolle und vor allem würdige Fortsetzung zu meistern. Wer den ersten Film mochte, wird hier seine wahre Freude haben, ohne das Gefühl zu haben, den selben Film noch einmal aufgewärmt zu sehen, wie das beim zweiten Teil der Fall war. Die jüngeren Zuschauer werden wahrscheinlich ein wenig Probleme haben, in die Story ein zu tauchen. Denen wäre angeraten, das Original von 1997 zu erst zu sehen, den zweiten Teil von 2002 auszulassen und dann ins Kino zu gehen.

Men in Black III (USA, 2012): R.: Barry Sonnenfeld; D.: Will Smith, Tommy Lee Jones, Josh Brolin, u.a.; M.: Danny Elfman; Offizielle Homepage

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Donnerstag, 24. Mai 2012

Lachsfischen im Jemen

Ein ganz besonderer Regisseur ist wieder da. Die Filme dieses Mannes hatten immer etwas ganz charmantes und auch irgendwie skurriles an sich. Bei Filmen von Lasse Hallström spielte vor allem immer die Magie des Filmes eine Rolle. Nicht die klar zu erkennende Magie, wie zum Beispiel in „Duell der Magier“, sondern die, die den Geschichten das gewisse Etwas verleiht, das eben so schwer zu beschreiben ist. Wer „Gilbert Grape“ und „Gottes Werk und Teufels Beitrag“ gesehen hat, weiß vielleicht, was ich meine. Nun hat der Schwede wieder diese Mischung aus Skurrilität und charmanter Liebesgeschichte kreiert und schickt Ewan McGregor und Emily Blunt zum Angeln in den Jemen.

Ein Scheich im Jemen hat eine tolle Idee. Er möchte in einem Wadi vor seiner Haustür Lachse ansiedeln und ein Anglergebiet eröffnen. Aus leicht nachvollziehbaren Gründen fehlt ihm allerdings das nötige Fachwissen, um dieses Unterfangen zu realisieren. Er beauftragt seine Assistentin Harriet, den Fischexperten Dr. Alfred Jones an zu schreiben.
Der hält die ganze Sache für einen Witz und wimmelt die Pläne des Scheichs ziemlich schroff ab. Währenddessen laufen die Dinge in Afghanistan nicht besonders gut für die britische Armee. Die Pressesprecherin des Premierministers erhält den Auftrag, gefälligst eine positive Geschichte aus dem nahen Osten herbei zu zaubern. Sie stolpert zufällig über das Projekt „Lachsfischen im Jemen“ und verdonnert Dr. Jones dazu, das Ding zu schaukeln, koste es was es wolle. Trotz beträchtlicher finanzieller Mittel, zweifelt der immer noch stark an der Idee, beginnt aber wenigstens, darüber nach zu denken, nicht zu Letzt, weil er immer mehr hingerissen ist von der hübschen Harriet.

Dieser Film ist ein Feel-Good-Streifen. So viel vorweg, denn so unmöglich es ist, Lachse in einer derartigen Umgebung anzusiedeln, wie es Dr. Jones vertritt, ist es wahrscheinlich auch in Wirklichkeit. Soll heißen, dieser Film hält sich nicht an wissenschaftliche Fakten. Das muss er auch gar nicht, denn er erzählt ja eine schöne Geschichte, in der das eben so funktioniert, wie es funktionieren soll. Außerdem sollte man daran denken, dass es eben die Skurrilität der Situation ist, die die Geschichte so charmant-niedlich macht, bevor man dem Film unrealistische Kitsch-Attacken vorwirft.
All zu blauäugig geht der Film mit der echten Welt schließlich doch nicht ins Bett und baut immer wieder Bezüge zu realen Vorkommnissen eben im nahen Osten mit ein. Auch der Terrorismus aus eigenen Reihen wird thematisiert, wenn auch etwas naiv und schlicht.
Abgesehen von der ungewöhnlichen Geschichte bietet der Film vor allem nette Dialoge zwischen den drei sehr gut besetzten Hauptrollen. Ewan McGregor spielt wunderbar den zugeknöpften, britischen Wissenschaftler und Emily Blunt hat ihr Badgirl-Image endlich abgelegt. Sie verkörpert überzeugend die Rolle der intelligenten und toughen, aber natürlich super sympathischen, wunderhübschen Frau.
Herrlich an zu sehen ist vor allem Kristin Scott Thomas als schroffe Pressesprecherin. Sicher kein Kunststück, diese Rolle zu spielen, aber offensichtlich hat es enormen Spaß gemacht. Und so macht es auch Spaß, sie zu beobachten.

„Lachsfischen im Jemen“ ist ein schöner, kleiner Film, der seine  Botschaften über Toleranz und das Hinausblicken über den Tellerrand nicht all zu schwer verpackt hat. Trotz des skurrilen Hintergrunds bleibt er in einem erfrischend realistischen Rahmen, trägt nicht zu dick auf und hinterlässt ein rundum positives Gefühl. Schön gemacht, Herr Hallström.

Salmon Fishing It The Yemen (GB, 2011): R.: Lasse Hallström; D.: Ewan McGregor, Emily Blunt, Kristin Scott Thomas, u.a.; M.: Dario Marianelli; Offizielle Homepage

In Weimar: lichthaus

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Sonntag, 20. Mai 2012

Hollywood trifft Weimar - Ein Tatsachenbericht


Das Atrium in Weimar hat eine dermaßen bewegte Geschichte hinter sich, dass man daraus locker einen spannenden Polit-Thriller drehen könnte. Als Teil des von Hitler teilweise errichteten Gau-Forums in Weimar, ist das Gebäude historisch nicht unbelastet. Es ist ein riesiger Kasten aus Beton und dermaßen stabil gebaut, dass man es nicht einfach abreißen kann. Mit massiven Sprengungen könnte man diese markante architektonische Scheußlichkeit wohl dem Erdboden gleich machen, würde dabei aber auch das historische Jakobsviertel mit weg pusten. Also hat man es zu DDR-Zeiten stehen gelassen und zu einem sogenannten „Mehrzweckgebäude“ umfunktioniert. Viele Legenden rankten sich um den Bau. Eine davon (gefällt mir fast am besten) sagt. das Bernsteinzimmer befände sich in einem verborgenen Kellerraum unter dem Gebäude und sei nie gefunden worden. Auch nicht während der Sanierungsarbeiten vor ein paar Jahren. Da hat sich nämlich ein Investor gemeldet, der in Thüringen nicht unbekannt ist. Der hat nämlich bereits den Uni-Turm in Jena saniert und ein Einkaufszentrum eingebaut. Das gleiche Konzept sollte nun auch in Weimar zum Einsatz kommen. Ein Atrium sollte hier entstehen. Mit zahlreichen Geschäften und einem „Welcome Center“ für Touristen sollte hier das neue Zentrum der Weimarer Geschäftswelt entstehen. Zahlreiche Proteste von Händlern aus der Innenstadt brachten nichts und auch ein durchaus nachvollziehbares, aber extrem unglücklich geratenes Infoheft einer Gruppe von Studenten, die auf die historischen Hintergründe des Gebäudes aufmerksam machen wollten, konnten nichts mehr ändern. Das Weimar Atrium eröffnete mit Pompösität und Krach. Und dann? Es war eben immer noch das, was es war. Ein Einkaufszentrum mit allerlei Schnick-Schnack, überflüssigen, wie auch nützlichen Läden und nach all der Aufregung ging es sehr schnell, dass sich die Weimarer, wie auch Gäste an das Ding gewöhnt haben.

Hin und Wieder versucht das Atrium mehr zu sein. Es werden Lesungen mit berühmten Synchronsprechern veranstaltet, Scooter war schon hier für eine Autogrammstunde und besonders liebt das Atrium seine Ausstellungen. Einkaufszentrums-Ausstellungen haben nicht ohne Grund einen bestimmten Ruf. Einzig „World Press Photo“ kann tatsächlich den Kriterien einer interessanten Ausstellung entsprechen.
Nun kann man sich im Atrium derzeit die Ausstellung „Hollywood trifft Weimar“ ansehen. Es werden interessante Einblicke in die Welt des Films versprochen, sowie einmalige Exponate und Originalrequisiten.
Als erstes sieht man E.T. In gar jämmerlichen Zustand. Eine billig nachgemachte Replik aus Gummi und Plastik. Okay, von mir aus. Als Eröffnung einer Hollywoodaustellung passt das schon. Interessanter sind ja die Originalexponate. Doch die gibt es auch in den nächsten Schaukästen nicht. Hier liegt eine Kette aus Plastik und daneben steht ein Foto von Kate Winslet und wenn man vergleicht, sieht man sofort, dass es sich bei dem ausgestellten Stück ganz sicher nicht um das Originalstück handelt. Weiter geht es mit einer Schaufensterpuppe, die aussehen soll, wie Indiana Jones. Diese Puppe scheint Klamotten aus dem gegenüberliegendem „New Yorker“ zu tragen. In einer Vitrine hat man eine Ork-Maske, die sogar halbwegs echt aussieht. Daneben eine Gollum-Figur, an der man sogar noch die Gussnähte sehen kann. Gleiches gilt für Schwert und Helm aus „300“, dem Phaser von Captain Kirk und der Golden Gun von Christopher Lee; alles vollkommen wertloser Plunder.


Zusätzlich sind noch ein paar Figuren aufgebaut, die vage an R2-D2 und C-3PO erinnern. „Terminator“, ein Film, der für seine spektakulären Special-Effects zum Beispiel mit einem Oscar honoriert wurde, sieht hier so dermaßen albern aus, dass es mir vor Lachen den Atem verschlägt. Die Star-Trek-Uniformen sehen nicht aus, wie Star-Trek-Uniformen und die rote Lederjacke von Brad Pitt aus „Fight Club“ könnte auch aus jedem anderen Film stammen. Aus „Star Trek“ zum Beispiel. Der Gipfel ist das „Alien“. Wäre H.R. Giger schon tot, würde er im Grab rotieren. Seit wann, bitte schön, haben die Viecher einen Totenschädel im Gesicht?

Es geht noch fröhlich weiter und jedes der 250 Exponate ist eine eigene kleine Katastrophe. Der Sinn dieser Ausstellung wird nicht ersichtlich. Ich will gar nicht wissen, wie viel das Atrium bezahlt hat, um diesen Schrott ausstellen zu dürfen. Es ist ein Witz und allein deshalb schon einen Besuch wert. Ich habe vielleicht noch nie den echten goldenen Colt gesehen, aber ich habe sofort erkannt, dass das nicht der echte war, den ich da in einer Vitrine aus Pressholz und Plastikpanelen gesehen habe.

Hollywood trifft Weimar – und zwar genau zwischen die Beine – Mit Anlauf...

Fotos: Franziska Ruhl

P.S.: Aus Gründen, die kein Mensch versteht, hat Bloggers die gesamte Software für das Erstellen von Posts "neu" gemacht. Das Resultat: Nichts funktioniert mehr. Deshalb kleben die Bilder ein bisschen zu sehr am Text, der wahrscheinlich auch noch eine andere Größe und Farbe hat, als gewohnt. Bravo!

Dienstag, 15. Mai 2012

Filme in Zeiten motivatorischer Cholera

Da ist es passiert. Durch eine Mischung aus Stress und Müßiggang, die für außenstehende so schwer nachzuvollziehen ist, wurde dieser Blog vernachlässigt. Es ist lange her, dass hier eine neue Kritik gepostet wurde. Nicht etwa, dass es jemandem aufgefallen wäre oder jemand, den Missstand moniert hätte. Normalerweise ist das die Aufgabe von Hans, doch der scheint derzeit kein Internet zu haben. Was ist los mit der Motivation? Es ging ihr schon besser, sie ist aber noch da. In den letzten Wochen gab es so viele Unregelmäßigkeiten im Programm von Radio Lotte. Wegen zahlreicher Sonderthemen, Feiertage und sonstiger Dinge, fiel die Kinostunde ein paar mal flach. Nichts desto Trotz habe ich noch ein paar Filme gesehen, deren Kritiken auch im Radio liefen, die ich aber einfach aus Faulheit nicht gepostet habe. Bevor ich jetzt veraltete Texte recycle, folgen hier ein paar zusammenfassende Worte über die gesehenen Filme. Bei manchen hat sich durch den zeitlichen Abstand vielleicht die Meinung geändert. Das werde ich wohl erst beim Schreiben merken.

My Week With Marilyn
Bei der diesjährigen Oscarverleihung gab es auf dem roten Teppich nur ein Thema: Das Outfit von Michelle Williams. Sie hatte irgendein Designerkleid an, das so speziell war, dass es an jeder anderen Frau wie der letzte Fetzen hängen würde. Ihre Erscheinung auf dem Teppich war wohl überzeugender, als ihre Darstellung in der Monroe-Biographie, denn den begehrten Göldjungen hat sie nicht ergattert.
Im Film geht es um die Dreharbeiten zum Schmachtfetzen „Der Prinz und die Tänzerin“. Der Star stellt sich oft quer und arbeitet absolut unzuverlässig und unprofessionell.
Der Setassistent Colin soll sich um sie kümmern und sie dazu bringen, den Film fertig zu drehen. Dabei funkt es natürlich gewaltig.
Das Hauptaugenmerk in diesem Film liegt auf dem Aussehen von Marilyn Monroe. Es gibt eine verblüffende Ähnlichkeit mit dem echten Star. So verblüffend, dass man immer mal Originalaufnahmen dazwischen geschnitten hat. Die blitzen natürlich nicht lange genug auf, um wirklich sehen zu können, welche Unterschiede herrschen. Das ist auch nicht so wichtig, wie ich finde. Michelle Williams sieht ihr ähnlich genug, um in die Geschichte eintauchen zu können.
All zu tiefgründig wird’s dann doch nicht. Neben etwas zu kitschig und kulissenhaft geratenen Szenen, gibt es eins zwei Auflockerungen und sogar den ein oder anderen Lacher. Es ist leichte und oberflächliche Unterhaltung, die einem nichts geben kann. Absolut kein Oscarfilm, aber nett an zu sehen auf jeden Fall.

Martha Marcy May Marlene
Vor dem Ausflug mit Miss Monroe habe ich noch dieses Kleinod aus den Hallen von Sundance gesehen.
Martha war zwei Jahre verschwunden. Einfach weg. Hat ihr Leben aufgegeben und ist los gezogen. Ziel- und Wurzellos trifft sie eines Tages auf Pattrick und seine Freunde. Die bieten ihr ein freies Leben außerhalb der Gesellschaft auf einer abgelegenen Farm an. Martha nimmt den Vorschlag an und zieht in den Wald. Schnell wird klar, dass etwas nicht stimmt mit den netten Waldbewohnern und sich die Gemeinschaft als knallharte Sekte entpuppt.
Der Film beleuchtet eigentlich schon die Zeit, nachdem Martha der Sekte entkommen ist und präsentiert die Ereignisse in Flashbacks.
Obwohl der Film keinerlei explizite Szenen hat, ist die ganze Zeit eine schwer zu erfassende Bedrohung zu spüren. Der ganze Film spannt unglaublich an. Ohne jeden Grund steigt der Puls und die Hände werden schwitzig und während des Liedes „Marcy's Song“ bekommt man eine Gänsehaut.
Ein unglaublich simpel, wie genial inszenierter Brocken, der über den Abspann hinaus nicht mehr los lässt. Ein guter, aber zweifelsohne auch  böser Film.

Unter Männern – Schwul in der DDR
Das ist ein Film, der perfekt geeignet ist, um über den Tellerrand zu blicken. Er stellt das Leben homosexueller Männer in der DDR vor. In Interviews berichten die unterschiedlichen Protagonisten von ihren Erlebnissen. Der Film ist gleichzeitig Geschichtsstunde, wie auch Sozialstudie. Ich hatte Gelegenheit, mit einem der beiden Regisseure, Ringo Rösener zu sprechen. Ich stellte fest, dass es trotz vieler Verbesserungen immer noch starke gesellschaftliche Ausgrenzungen von Homosexuellen gibt. Ein Stück weit wird die soziale Isolation übrigens auch selbst von Schwulen und Lesben voran getrieben. Dieser Film ist die Möglichkeit für beide Seiten, den Horizont zu erweitern. Sehenswert!

Medianeras
Letzte Woche gesehen und besprochen. Dieser kleine argentinische Film handelt vom Leben und Lieben in einer anonymen Großstadt. Ein alter Hut? Ja, stimmt schon irgendwie. Deshalb versucht dieser Film, dem ganzen Salat ein paar frische Zutaten zu verpassen. Es gibt ab und zu ein paar mosbyeske Vorträge über Architektur und es wird erklärt, wie wenig Fenster und wie viele Selbstmorde es in dieser Stadt gibt. Lässt man mal dieses Schmuckwerk weg und verbucht es als Aufmerksamkeitsgeheische, haben wir einen nett konstruierten kleinen Liebesfilm voller charmanter Begegnungen und schöner Bilder. Hätte der Film diesen ganzen pseudoalternativen Touch aus den ersten zwanzig Minuten einfach weg gelassen, wäre er perfekt.

Der Rest
Sehr gerne hätte ich zum Start den neuen Film mit Guy Pearce „Lockout“ gesehen. Ein kurzweiliges Sci-Fi-Action-Spektakel. Wahrscheinlich totaler Mist, aber ich bin total heiß auf so was und – verflucht nochmal! - der Film läuft nicht in dieser kleinen beschaulichen Puppenstadt. Scheiße!
Ich habe es jetzt übrigens auch geschafft, „Dirty Harry“ zu sehen. Der erste Teil der Reihe ist ganz schön unkonventionell für die frühen 70er. Clint Eastwood ist eine dermaßen coole Sau. Ich sag nur: „Vor lauter Aufregung habe ich gar nicht mit gezählt, ob ich fünf oder sechs von deinen Freunden abgeknallt habe. Also musst du dich fragen, ob du ein Glückskind bist.“ Herrlich!
Der zweite Teil entbehrt nicht einer gewissen Spannung und Originalität, geht aber viel zu lang. Mal sehen, wie mir der dritte Part gefällt.
Zum Abschluss noch ein kleiner Abstecher ins Fernsehen. Obwohl hier mal wieder sämtliche Grenzen zwischen den Medien verschmelzen. Ich weiß nicht, warum ich so lange gebraucht habe, aber ich habe „Family Guy“ entdeckt und muss sagen, dass ich es liebe. Nicht, wie die „Simpsons“; man wird bekloppt, wenn man mehr als vier Folgen hintereinander guckt. „Family Guy“ ist außerdem wesentlich roher. Während bei den „Simpsons“ eine gewisse Subtilität zu spüren ist, geht Peter Griffin mit einem Presslufthammer vor und durch die Tür.
Und eigentlich kann man diese beiden Serien nicht vergleichen, auch wenn das immer wieder getan wird.
Die Filmzitate bei „Family Guy“ suchen indes ihres Gleichen. Die drei originalen Star-Wars-Filme wurden zum Beispiel komplett persifliert. Ohne Pardon und ohne Erbarmen. Großartig!
Bevor ich das jetzt hier für heute endgültig beende, noch ein Wort der Warnung: Ich habe es jetzt geschafft, die erste Staffel von „Game Of Thrones“ zu sehen. Ich fange gar nicht erst an mit bewertenden Ausschweifungen. Nur so viel: Ich bin restlos begeistert! Ich werde mir die zweite Staffel wahrscheinlich schon noch auf Englisch ansehen, weil das Warten auf die synchronisierte Fassung unerträglich lang wäre. Wenn irgendein neunmalkluger Halbaffe es auch nur wagt, mir auch nur die geringste Kleinigkeit zu spoilern, werde ich so sauer, dass der Angriff der Drachen in Staffel 2, wie ein popeliges Tischfeuerwerk erscheinen wird. Ich schwöre, ich raste aus...

In den nächsten Wochen steht der Sommer an und das damit verbundene Loch vor der Tür. Es wird ein erbarmungsloses Hangeln werden. Von einem Blockbuster („Dark Knight Rises“) zum nächsten („Prometheus“). Es wird großartig. Golf, Wein und Straußensteaks. Cheers!