Freitag, 23. Dezember 2011

Trailerpark - Batman, Beutlins und Aliens

Im letzten Post des Jahres gibt es einen kleinen Trailerpark, denn in dieser Woche gab es gleich drei heiß erwartete Vertreter, dieses einminütigen Vergnügens, welches ja letztendlich doch nur zur Folge hat, dass man sich noch viel mehr auf die Filme freut und die Wartezeit noch schlimmer wird.

Dark Knight Rises



Ich war schon immer Batman-Fan. Lange bevor Christopher Nolans erster Fledermausfilm in den Kinos lief und bevor plötzlich die ganze Welt Joker-Fan wurde. Ich erinnere mich noch, dass ich im zarten Alter von vielleicht 10 Jahren den ersten Film von Tim Burton im Fernsehen bestaunte und irgendwie sofort davon fasziniert war. Seitdem durchlief der dunkle Rächer zahlreiche Entwicklungen. Die unglaublich düstere und doch sehr ernsthaft inszenierte Machart Burtons wurde vom absoluten Gegenteil, nämlich einem knallbunten Stil und lockeren Sprüchen abgelöst. War „Batman Forever“ noch halbwegs ertragbar, ging Joel Schuhmacher mit „Batman & Robin“ komplett baden und man merkte ziemlich schnell, dass kein Publikum der Welt mehr Lust auf trashige 60er Jahre-Ästhetik hatte – zumindest nicht, wenn es um Batman ging. „Batman Begins“ lieferte einen Hoffnungsschimmer und diese Hoffnung wurde mit „The Dark Knight“ erfüllt. Der bisher letzte Film legte die Messlatte und damit die Erwartungshaltung an jegliche Nachfolger enorm hoch. Vor allem aber kann man sicher sein, dass ein derartiger Film nie wieder gelingt. Diese Woche nun erschien der erste offizielle Trailer zu „Dark Knight Rises“, der die Nolan-Trilogie beenden soll. Story-Einzelheiten sind noch nicht bekannt, aber wer sich ein bisschen mit Batman und vor allem den Comics auskennt, kann sich schon denken, was kommt, wenn er einen Blick auf den Cast und die Charaktere wirft. Einer der interessantesten Superschurken überhaupt kommt endlich nach Gotham: Bane. Außerdem gibt es eine neue Catwoman und angeblich spielt die Tchter des Schurken aus dem ersten Teil Talia al Guhl auch eine Rolle. Experten klingeln die Ohren und sofort macht sich ein Wort mit unglaublicher Penetranz und einer Mischung aus Aufregung, Skepsis und Inkontinenz erregender Vorfreude im Kopf breit: „Knightfall!“ Ob und wie es wirklich dazu kommt, erfahren wir wohl wirklich erst, wenn der Film Ende Juli in den Kinos weltweit startet. Bis dahin ist Zittern angesagt und für alle, denen die letzten zwanzig Sätze gar nichts gesagt haben, dringender Nachholebedarf in Sachen Batman-Historie.

Der Hobbit – Eine unerwartete Reise




Peter Jackson tut es wieder. Er nimmt uns auf ein neues Abenteuer mit nach Mittelerde und verfilmt die Vorgeschichte zur Herr-der-Ringe-Trilogie. „Der Hobbit“ berichtet vom ersten großen Abenteuer Bilbo Beutlins. Mit einer Gruppe von Zwergen macht er sich nämlich auf zum einsamen Berg hoch im Norden, um dort einen Drachen aus zu tricksen, um dann wiederum den Schatz zu klauen, den die Echse scharf bewacht. Das Buch gefällt mir persönlich wesentlich besser, als die Bücher zum „Herrn der Ringe“. Es ist eindeutig für etwas jüngere Leser geschrieben und hat einen völlig anderen Stil. Außerdem erleben Bilbo und seine Freunde ein sehr spannendes Abenteuer in dessen Verlauf wirklich alle wichtigen Figuren der früheren Filme eingeführt werden und kurze Auftritte pflegen. Von den alten Bekannten dürfen wir uns auf Gandalf, Elrond, Galadriel und natürlich Gollum freuen, allesamt dargestellt von den Schauspielern, die sie früher bereits mimten. Martin Freeman, den man aus „Per Anhalter durch die Galaxis“ kennen könnte gibt einen überzeugenden Bilbo ab. Abgesehen davon sieht alles genau so aus, wie man es kennt und das ist einfach nur wunderschön. Es ist genau das, was wir alle wollen. Peter Jackson verändert nichts am Stil, oder an der Ästhetik. Alles ist genau, wie in der Trilogie, nur dass eben eine neue Geschichte erzählt wird. Ich freue mich unglaublich auf diesen Film, der in zwei Teilen erscheinen wird und – um die Qual zu vergrößern – in genau einem Jahr starten wird.

Prometheus



Die Alien-FIlme hatten schon immer etwas ganz besonderes an sich. Ich weiß nicht genau, woran es lag. Vielleicht war es der Gedanke, dass trotz all der Faszination, die das große Weltall birgt, etwas dermaßen Gefährliches lauert, dass man am besten keinen Fuß in dieses All setzt. Vielleicht war es die beklemmende Atmosphäre und die unglaubliche Spannung. Vielleicht war es auch diese gewisse Widerwärtigkeit, die das Alien als solches barg. Alle vier Filme waren speziell für sich perfekt. Jeder Film wurde von sehr unterschiedlichen Regisseuren produziert und deshalb waren sie auch so abwechslungsreich. Ja! Auch „Alien Resurection“ zählt für mich dazu, auch wenn ein Großteil der Fangemeinde eben diesen vierten Teil boykottiert. Zugegeben, die Story war ein bisschen an den Haaren herbei gezogen, aber wartet erstmal ab, bis ihr hört, worum es nun gehen soll. Auf der Erde wird ein Signal aus den dem Weltall empfangen. Dieses Signal wird analysiert und es ist klar: Wir sind nicht allein! Ein Schiff wird gebaut und eine Crew zusammengestellt und zu den Ursprungskoordinaten des Signals geschickt. Hier wartet ein fremder Planet, eine bestimmte Alienrasse, von der vermutet wird, dass sie irgendwas mit der Schöpfung der Menschheit zu tun hat und...tja...und was? Ridley Scott hält sich sehr bedeckt, aber er hat bereits bestätigt, dass es am Ende des Films eine eindeutige Brücke zum allerersten Alien-Film geben soll. Das heißt, man wird die Viecher irgendwie sehen, auch wenn im ersten offiziellen Trailer noch nichts davon zu sehen ist. Stilistisch beschreitet man wieder ursprüngliche Pfade. Es wird düster, spannend und schockierend mit unglaublich einprägsamen Bildern. Im August startet das Prequel und bis dahin ist wohl – wie sollte es auch anders sein – Warten angesagt.

Soweit die kleine Trailershow zum Ende des Jahres. Ich gehe jetzt und feiere Weihnachten, was ihr im übrigen auch tun solltet. Und ich wünsche auch viel Spaß dabei, einen guten Rutsch ins neue Jahr und, dass ihr auch 2012 wieder fleißig den Kineasten lest.

-Jan-

Donnerstag, 22. Dezember 2011

Cheyenne - This Must Be The Place

Die Suche nach dem Sinn des Lebens hat sich schon immer sehr kompliziert gestaltet. Man muss nämlich zunächst heraus finden, nach was man sucht. „42“ mag die Antwort sein, aber wie lautet die Frage? Ihr kennt das Spiel. Man führt ein gut betuchtes Leben, weil man in den 80ern ein erfolgreicher Rockstar war. So erfolgreich, dass man jetzt Langeweile mit einer Depression verwechselt. Plötzlich stellt man fest, dass das Leben nicht so sein muss, wie es ist. Aber eigentlich ist man doch damit zufrieden, wie es ist. Oder? „This must be the place“ Oder?

Cheyenne war offensichtlich noch nie ein besonders lebenslustiger Mensch. Das ist dermaßen offensichtlich, dass es schwer fällt, etwas offensichtlicheres festzustellen. Er hat ein großes Haus, lebt mit seiner Frau zusammen, müsste glücklich sein, ist es aber nicht, weil er deprimierend sein muss. Früher hat er dadurch den großen Wurf gemacht. Hat deprimierende Songs geschrieben und wurde berühmt. Man könnte sagen, er hat Spaß am traurig sein. Andere stellen fest, er hat im Alter von 15 Jahren angefangen, sich zu schminken und hat 30 Jahre später nicht damit aufgehört. Er mag ein komischer Vogel sein, aber tief in seinem Innersten ist Cheyenne ein Kind geblieben, welches sich nie mit den großen Problemen des Lebens auseinander setzen musste, die in den späteren Songs besungen wurden. Das muss er allerdings jetzt nachholen. Sein Vater liegt im Sterben und hat der Nachwelt und seinem Sohn eine unglaublich fordernde Aufgabe hinterlassen. Cheyenne muss nach Amerika reisen und dort einen geflohenen Naziverbrecher aus Auschwitz jagen.

Sean Penn ist ein Schauspieler, der sich zuverlässig aus dem filmischen Abseits von Nebenrolle zu Nebenrolle gehangelt hat. Wenn man ganz genau aufpasst erkennt man zum Beispiel in Brian De Palmas „Carlitos Way“ zwei Dinge. Sean Penn spielt den Anwalt und besten Freund von Carlito und Sean Penn war schon immer ein guter und enorm wandlungsfähiger Schauspieler. Diese Wandlungsfähigkeit wurde 2008 mit einem Oscar für den besten Hauptdarsteller in Gus Van Sants „Milk“ honoriert. Nun setzt er als Cheyenne noch einen drauf. Man kann ein Phänomen beobachten, welches sehr selten in Filmen auftaucht, aber wenn man es erlebt, ist die Begeisterung groß. Sean Penn verinnerlicht die Rolle sehr stark und man gewinnt den Eindruck, er ist Cheyenne, ohne ihn spielen zu müssen. Dieser Eindruck verstärkt sich zum Beispiel, wenn sich Cheyenne mit realen Menschen, wie David Byrne unterhält. Obendrein erlebt Cheyenne eine aufregende aber schöne Geschichte, die sich zu einem waschechten Roadtrip quer durch die USA entwickelt. Er begegnet sämtlichen Menschen, denen man auf so einer Reise begegnen muss, erlebt alle notwendigen Dinge, die so ein Trip braucht. Trotzdem läuft der Film sehr weit fern ab jeglicher Konventlionen. Es ist kein typischer Roadmovie, aber es bietet einen unvergleichlichen Blick auf ein faszinierendes Land mit merkwürdigen aber nicht minder faszinierenden Bewohnern. Diese besondere scheinbar außen stehende Perspektive rührt daher, dass Regisseur Paolo Sorrentino kein Amerikaner ist. Der gebürtige Italiener wagt erstmals einen Blick über die Grenzen seiner Heimat und schafft ein einmaliges und sympathisches Bild und gleichzeitig einen ebenso einmaligen Charakter, der trotz seines schlichten Gemüts unglaubliche Tiefe zeigt.

„Cheyenne – This must be the Place“ macht sich gar nicht erst die Mühe, die Frage nach dem Sinn des Lebens zu suchen, denn schließlich ist die Hauptfigur in New Mexico und nicht in Indien. Abgesehen davon darf man eine der schillerndsten und coolsten Filmfiguren beobachten, die seit langem über die Leinwand gewandert ist. In Verbindung mit der tollen Story ist dieser Film schon jetzt ein unsterbliches Meisterwerk.
Never For Money – Allways for Love

This Must Be The Place (I,GB, USA, 2011): R.: Paolo Sorrentino; D.: Sean Penn, Frances McDormand, Judd Hirsch, u.a.; M.: David Byrne, u.a.

In Weimar: lichthaus

Der Filmblog zum Hören: Im neuen Jahr wieder jeden Donnerstag, 12:25 auf Radio Lotte Weimar.

Montag, 12. Dezember 2011

Die Haut in der ich wohne

Pedro Almodovar ist ein Regisseur, dessen Ruhm irgendwie nicht zu seinen Filmen zu passen scheint. Fans des spanischen Filmemachers lieben seine Filme und können stets kaum die Zeit abwarten, bis sein nächstes Werk erscheint. Die Erwartungen sind immer wieder enorm hoch und man munkelt, diskutiert und fachsimpelt schon lange, bevor irgendjemand den Film überhaupt gesehen hat. Und dann sitzt man endlich im Kino und alles ist anders. Nicht, weil der Film schlecht wäre, oder man enttäuscht ist. Almodovar hat einen so bezaubernden und schlichten Stil, dass man den Eindruck gewinnt, er selbst schere sich gar nicht um die ganze Aufregung, die entsteht, wenn sein neuer Film angekündigt wird. So zumindest ging es mir nun, nachdem ich endlich „Die Haut in der ich wohne“ sehen konnte.

Zur Story will man gar nicht so viel sagen. Eigentlich hat man nur angst, man nehme zu viel vorweg und damit den Spaß derer, die den Film noch nicht kennen. So viel ist klar: Es geht um Robert Ledgard. Er ist Arzt und zählt zu den besten Chirurgen des Landes. In seiner eigenen Klinik behandelt er diskret und gut bezahlt ganz besondere Patienten. Zumindest glaubt das sein Team an Ärzten, die ihm stets bei Nacht und Nebel im isolierten OP assistieren. Seit einiger Zeit hat er nur noch eine Patientin, die das Haus nicht verlassen darf und die stets in einem verschlossenem Zimmer lebt. Niemand weiß, wer sie ist und was Ledgard mit ihr macht. Das Geheimnis droht aufzufliegen, als plötzlich und unverhofft der Sohn der Haushälterin an der Tür steht. Der polizeilich gesuchte Räuber scheint etwas über die Vergangenheit des Doktors zu wissen, was auf keinen Fall an die Öffentlichkeit dringen darf.

Die Geschichte ist schräg und nimmt im Laufe des Films immer merkwürdigere Züge an. Almodovar erzählt stets Geschichten, die zwar komplex sind, aber auch klar einer geraden Linie folgen. Auch, wenn man nun durch das ungewöhnliche Setting zunächst den Eindruck gewinnt, es handele sich um etwas vollkommen neues und man überall mit Schnappatmung liest, Almodovar hätte einen harten Psychothriller gemacht, was ja nun so gar nicht zu dem Spanier passen will, ist eigentlich alles, wie gewohnt. Der Stil, der im wesentlichen durch die einprägsame Bildsprache entsteht, ist typisch für den Regisseur. Es ist toll, mit welcher Leichtigkeit hier Bilder gebaut werden, die ganz beiläufig in die Handlung einfließen. Durch die knalligen Farben und die sehr intensive Musik wird hier ein Gefühl des Bombastischen und Dramatischen geschaffen. Etwas, was die wenigsten Regisseure schaffen, ohne auf moderne, zum Beispiel digitale, Spielereien zurück zu greifen. Almodovar verzichtet nicht nur auf derartiges Werkzeug, er setzt sogar gradezu altmodische Mittel ein, die noch aus den Anfangstagen der Filmgeschichte zu stammen scheinen. Essentielle Botschaften des Films werden nicht durch gesprochene Worte, sondern durch Musik oder eben Bilder vermittelt. Das verpasst auch „Die Haut in der ich wohne“ einen altmodischen Touch, ohne dass es den Film alt macht. Apropos altmodisch: Antonio Banderas sieht mit seinen 51 Jahren immer noch so aus, als wäre er Mitte Zwanzig. Abgesehen davon spielt er den wahnsinnigen Doktor sehr überzeugend und mit einer beängstigenden Intensität.

„Die Haut in der ich wohne“ ist auf gewisse Weise ganz anders und trotzdem ein typischer Almodovar. Spannend ist, dass der Stil, den er bisher stets für ausgewachsene Dramen verwendet hat, auch hier wunderbar funktioniert. Und wenn man genau hinsieht, findet man auch hier die grundlegenden Themen wieder, die er auch sonst abhandelt. Die Frage nach dem Gewissen, danach, wie weit man für die Lebe gehen kann und nicht zu Letzt die Frage nach der eigenen Identität.

La piel que habito (ESP, 2011): R.: Pedro Almodovar; D.: Antonio Banderas, Elana Amaya, Marisa Paredes, u.a.; M.: Alberto Iglesias; Offizielle Homepage

In Weimar: lichthaus

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Donnerstag, 24. November 2011

Neustarts am 24. November 2011

Twilight 4 – Breaking Dawn – Bis(s) zum Ende der Nacht Teil 1
Was kann es bedeuten, wenn ein Film kommt, dessen Titel so lang ist, dass man baden gehen kann, während ihn einer herunter betet? Das Finale der Vampirsaga um Vampir Edward und Menschin Bella geht in die erste Runde und der weltweite Vampirwahn läuft zu absoluten Höchstformen auf. Ich selbst habe keinen einzigen der Filme gesehen. Völlig überkitschter Mist, der so überflüssig ist, wie alkoholfreies Bier. Doch ständig höre ich aus völlig unerwarteten Ecken, es sei gar nicht so schlecht und hätte etwas. Was es nun genau hat, kann man jedenfalls ab heute in den deutschen Kinos sehen. Das echte Finale der Reihe kommt dann im Sommer, so ähnlich, wie bei einer anderen Filmreihe, die zum Ende einen ähnlich langen Titel vorzuweisen hatte.

Der Gott des Gemetzels
Keine Angst, es handelt sich hierbei nicht um einen mittelalterlichten Schlachtfilm. Es ist auch kein Horrorfilm und auch keine undergroundige Folterorgie. Hier kommt der neue Film von Roman Polanski, der seine größten Stärken immer in kleinen kammerspielartigen Dramen einsetzen konnte. Es geht um zwei Elternpaare, deren Kinder sich auf dem Schulhof eine Prügelei geliefert haben. Grund genug, sich doch mal zu treffen und die Problematik in Ruhe zu besprechen. Finden Sie nicht? Die Story, basierend auf einem Theaterstück von von Yasmina Reza ist Klasse, die Schauspieler der absolute Wahnsinn und Roman Polanski ist seit dem faszinierend-verstörendem „Der Tot und das Mädchen“ ein absoluter Meister dieses Fachs. Der Gott des Gemetzels – Ab heute in den deutschen Kinos und demnächst auch in Weimar.

I'm not a f**king Princess

Die Pariser Schauspielerin Eva Ionesco widmet sich in ihrer zweiten Regiearbeit einem schwierigen Thema. Irgendwie bekommen wir Beklemmungen, wenn wir darüber reden müssen. Ist das, worum es hier geht noch Kunst? Wie weit darf Kunst gehen? Wie geht man mit Kunst um, die eindeutig zu weit gegangen ist? Wie weit darf man gehen, bevor die moralische Gesellschaft zurück schlägt. Diese Fragen stellt "I'm not a F**king Princess" und beantwortet sie auf eine recht eigentümlich Art.

Hanah ist Künstlerin und stellt nach mehrfachen Fehlschlägen fest, dass sie nicht als Malerin geeignet zu sein scheint. Ein befreundeter Maler schenkt ihr eine Fotoaparat und gibt ihr damit zweifelsfrei zu verstehen, auf welchem Gebiet der bildenden Kunst sie sich wohl eher betätigen sollte. Hanah kniet sich total in diese neue Welt herein. Sie arbeitet so sehr an ihrer Karriere, dass sich ihre kleine Tochter Violetta vernachlässigt fühlt. Eines Tages nimmt Hanah ihre Tochter mit in ihr Atelier, um ihr zu zeigen, womit sie so viel Zeit verbringt. Aus einem minimalem Impuls heraus, macht Hanah ein Foto von Violetta und ihr fällt in diesem Moment die prickelnde und fast schon laszive Ausstrahlung ihres Kindes auf. So geht es weiter und die Fotos werden immer aufreizender, die Posen immer gewagter und die Kunstspezialisten immer erregter, angesichts dieser tabuträchtigen, aber ästhetisch hoch anspruchsvollen Kunstfotografien. Durch die Fotos wird Violetta regelrecht zu einem Kunstobjekt: Sie scheint sich rein äußerlich in eine lebende Puppe zu verwandeln und entfernt sich so immer mehr von ihrem Leben in der wirklichen Welt.

Dieser Film polarisiert das eigene Gewissen. Einerseits kann man sich der Faszination des Kunstgedankens nicht entziehen, andererseits will man bei manchen Szenen nicht hin sehen. Regelrechte Qualen durchlebt man, wenn die Mutter die kleine Tochter auffordert, sich auszuziehen, oder sich nicht so zu haben, ihre Beine zu spreizen. Keine Angst; der Film arbeitet sehr viel mit der Vorstellungskraft des Zuschauers und Darstellerin Anamaria Vartolomei zeigt nicht annähernd so viel nackte Haut, wie seinerzeit die echte Violetta. Beeindruckend ist der innere, wie auch äußere Wandel des kleinen Mädchens. Sie wird durch ihre Mutter zu einem lebenden Kunstwerk gemacht, und weil sie es in ihren jungen Jahren nicht besser weiß, nimmt sie die Rolle der Prinzessin in sich auf. Interessant ist auch die plötzlich zuschlagende Keule der gesellschaftlichen Doppelmoral. Erst werden die pikanten Fotos von der Kunstwelt und der Öffentlichkeit gefeiert und dann wird die Künstlerin verklagt und das Jugendamt steht mit wedelndem Zeigefinger vor der Tür. Plötzlich sagen alle: „Also, so geht's ja nicht!“ Der Film setzt außerdem sehr gekonnt passende Musik ein. Während der Foto-Shootings hört man stets eine sphärische Fläche von Klängen, wohingegen während der Szenen in der echten Welt kaum Musik zu hören ist und der Lautstärkepegel der Nebengeräusche enorm angezogen wird. Durch diesen hörbaren harten Unterschied, werden diese beiden Ebenen von Violettas Wahrnehmung wirksam getrennt.

„I'm not a f**king Princess“ ist harter Tobak, der sich der Thematik auf eine Leichtigkeit nähert, die schockiert und gleichzeitig fasziniert. Der Film ist auch gleichzeitig Tabubrecher und Gesellschaftsstudie. Einfacher wird es nach dem Kinobesuch auch nicht, über das Thema zu reden. Unser Alltag hilft, es zu verdrängen, aber im Kopf hört es lange nicht auf.

My Little Princess (F, 2011): R.: Eva Ionesco; D.: Isabelle Huppert, Anamaria Vartolomei, Denis Lavant, u.a.; M.: Bertrand Burgalat; Offizielle Homepage

In Weimar: lichthaus

Der Filmblog zum Hören: Jeden Donnerstag, 12:25 Uhr auf Radio Lotte Weimar.

Freitag, 18. November 2011

Neustarts am 17. November 2011

Es ist Zeit für eine neue Rubrik. Im Radio hört man schon länger die wöchentlichen Tipps, welche Filme man sich brandneu und taufrisch ansehen sollte. Ab jetzt kann man das auch auf dem Blog nach lesen.
Los geht's!

Arthur Weihnachtsmann
Kein Weihnachtsfest ohne knuddelige CGI-Kinderfilme! Gemäß diesem Vorsatz serviert uns Hollywood in diesem Jahr „Arthur Weihnachtsmann“ Es geht um den tollpatschigen Sohn des Weihnachtsmannes, der durch sein tollpatschiges Verhalten ganz schön viele tollpatschige Katastrophen verursacht und fast dafür sorgt, dass Weihnachten ausfällt. Die Story ist natürlich nicht besonders einfallsreich, oder kreativ. Aber Mann! Sehen die Viecher wieder niedlich aus. Vor allem die kleinen Gehilfengnome sind ja so was von süß. Wer sich also in eine schöne kleine vorweihnachtliche Stimmung bringen will, kann das ab heute mit „Arthur Weihnachtsmann“ in den deutschen Kinos tun.

Tom Sawyer
Hier haben wir eine Neuverfilmung des Klassikers von Mark Twain. Diesmal ist es aber eine deutsche Produktion. Das mutet ein bisschen merkwürdig an, wenn all die bekannten deutschen Schauspieler versuchen, so amerikanisch zu sein. Der Zielgruppe – Kindern nämlich – dürfte das allerdings egal sein. Wir haben schöne Kostüme, gute Schauspieler, eine tolle Landschaft; wer hätte gedacht, dass es im Harz aussehen könnte, wie in Ohio?. Tom Sawyer – Ab heute in den deutschen Kinos

Thing
Beinahe 30 Jahre nach Erscheinen des beklemmenden Horror-Klassikers von John Carpenter kommt hier kein Remake, auch kein Reboot und schon gar keine Fortsetzung. Dieser Film erzählt tatsächlich die Vorgeschichte. Wir erfahren also, wie das norwegische Forscherteam am Nordpol den Meteoriten findet und Kontakt mit dem Ding aus einer anderen Welt aufnimmt. Das Problem an dem Ding ist, dass es sich in alle Lebewesen verwandeln kann, die es berührt. Neben dem Effektefeuerwerk kann man sich also auf spannende Psychospielchen freuen und bestenfalls weiß man nie, wer nun wirklich wer ist. Hoffentlich kann der Film den hohen Erwartungen stand halten Die Version von 1982 ist nämlich einer meiner Lieblingshorrorfilme.

Das Wort zum Donnerstag

Mitte November und es sieht so aus, als wäre das Kinojahr wirklich langsam gelaufen. Ich weiß, das habe ich schon sehr oft gesagt, aber so langsam scheint wirklich die Luft raus zu sein. Na gut! Wir erwarten sehnlich den Start des neuen Cronenbergs und bei uns ist noch immer nicht der neue Almodovar gelaufen. Es gibt in meinem Bekanntenkreis ein absolutes Verbot, irgendwas über „Die Haut in der ich wohne“ zu erzählen. Nur, weil der Verleih gepennt hat, und nicht ahnen konnte, dass die paar Kopien nicht reichen, lass ich mir nicht den Spaß verderben.

Aber irgendwie sind die Höhepunkte des Jahres 2011 vorbei. Es gab sehr viele Filme, die unglaublich gut waren. Man musste manchmal ein bisschen auf sie warten, und einige Filme über sich ergehen lassen, die weniger gut waren. Los ging's gleich mit einer Enttäuschung, aber keiner Überraschung. „Die Chroniken von Narnia – Die Reise auf der Morgenröte“ war genau so schwach, wie man es angesichts der schwachen Vorgänger erwarten durfte. Kein würdiger Abschluss, aber wenigstens ist es jetzt vorbei. Das Jahr der Fortsetzungen machte seinen Namen alle Ehre und warf gleich darauf den dritten Teil der Focker-Filme mit Robert De Niro und Ben Stiller ins Rennen. Auch hier gab es wenig Überraschungen, man war aber angemessen unterhalten und freute sich über gut gelaunte Superschauspieler. Dann wurde die Geduld wirklich heraus gefordert. „The Green Hornet“ von Michel Gondry bot nicht mehr als unteren Durchschnitt mit völlig alberner und überzogener Geschichte und blöden Figuren. Ein saudummer Film, dessen Überflüssigkeit nur noch von der Penetranz des Hauptdarstellers Seth Rogan übertroffen wurde. Gott sei Dank blieb mir gar nicht so viel Zeit, mich darüber zu ärgern, denn dann kam mit „Black Swan“ der erste richtige Höhepunkt im Jahr. Ich war so begeistert, dass ich schon angst bekam, das neue Jahr hätte all sein Pulver bereits im Januar verschossen und ich müsste mich den Rest von 2011 nur noch mit Gurken herum ärgern.

Der Februar belehrte mich eines Besseren. „Hereafter“, „127 Hours“ und „The King's Speech“ belohnten die Wartezeit und nährten die Freude, ins Kino zu gehen. Und dann gab es einige Ankündigungen, die mich ziemlich aufgeregt machten. Der neue Coen-Film stand vor der Tür und von „True Grit“ versprach ich mir einen intensiven und super spannenden Neo-Western mit einem fantastischen Jeff Bridges. Dass, meine Erwartungen nicht erfüllt wurden, ist nicht dem Film vorzuwerfen, aber irgendwie bin ich noch immer nicht ganz versöhnt. Das zeigt mal wieder, wie unterschiedlich der Eindruck, den man durch einen Trailer gewinnt im Vergleich zum eigentlichen Produkt sein kann. Nächster persönlicher Höhepunkt bildete „Sucker Punch“. Den Ankündigungen entsprechend sollte es ein Actionreißer werden, in dem heiße, knapp bekleidete Mädels massenhaft Monster metzelten. Und genau das war es auch. Welche kosmische Bedeutung Zack Snyder auch immer in sein Werk hinein gedichtet haben wollte, ich habe sie nicht gesehen und war deshalb auch nicht entttäsucht darüber. Im Gegenteil. Derartig kurzweilige Unterhaltung habe ich lange nicht mehr genießen dürfen. Es ist der perfekte Film, einfach nur abzuschalten und zu gaffen.
Anschließend gab es, eine kleine Durststrecke zu absolvieren. „World Incasion: Battle Los Angeles“ war Mist. Jaja. Alle haben's gewusst, aber ich wollte mich auf was cooles freuen. Schwamm drüber! „Thor“ war mittelmäßig okay. Viele gute Ansätze und Ideen aber viel verschenktes Potential. Eine Krankheit, die vielen Marvelverfilmungen innewohnt, die in letzter Zeit heraus kamen. Dann gab's Gänsehaut mit einem schockierend ehrlichen „Winter's Bone“, der ohne jeden Vorbehalt in die Schublade „Böse Filme“ geschoben werden muss. Im Juni war ich eigentlich den ganzen Monat über ziemlich platt. Schuld daran war der neue Film von Terence Malick. „Tree Of Life“ jagt mir immer noch wohlige Schauer über den Rücken, wenn ich nur daran denke. Ein unglaublich intensiver Film, der viel mehr erzählt, als man fassen kann. Dieser Film war die größte Überraschung und traf vollkommen unverhofft. Im Juli ging dann eine filmische Ära zu Ende, die vor zehn Jahren begann. Der letzte Film der Harry Potter Reihe lief an. Relativ ernüchtert von den letzten Vorgängerfilmen, war ich vom letzten Teil doch recht angetan. Ein würdiges Ende mit viel Tragik und Epicness. So muss es laufen. Abschluss heißt allerdings auch Abschluss. Wehe, es kommen irgendwelche Fortsetzungen oder Spin-Offs. Die werden dann wild entschlossen boykottiert. Der August bot mit „Super 8“ eine nostalgische Reise in die Vergangenheit und ließ feststellen, das J.J. Abrahms ein verlässlicher Filmemacher ist und man freut sich mehr als nur ein bisschen auf seine nächsten Projekte.

Im September ging es nach Leipzig zur Filmkunstmesse. Hier gab es einige sehr schöne Filme zu sehen, die mittlerweile angelaufen sind, oder erst noch kommen. Das absolute Highlight hier war der neue Film von Nicolas Winding Refn „Drive“. Dieser Film zählt für mich zu den Besten, die ich je gesehen habe. „Drive“ wäre ganz sicher der beste Film des Jahres 2011 gewesen. Allerdings startet er erst im Januar 2012 und wird somit automatisch zum besten Film nächsten Jahres gekürt. Ich kann mir im Moment nichts vorstellen, was dieses Werk übertreffen könnte. Ein schönes Festivalerlebnis bot das Preview von „Melancholia“. Lars von Trier konnte ich bis her nie so richtig genießen, aber diesmal hatte er es irgendwie geschafft. Der Film war klasse und mittlerweile dürfte ihn wohl jeder Interessierte gesehen haben.

2012 wird wieder die übliche Mischung aus lang angekündigten Blockbustern und vielen kleinen Filmen bieten. The Dark Knight Rises ist da ein wichtiger Fixpunkt, dem ich schon jetzt entgegen fiebere. Abgesehen davon bleibe ich einfach dabei, mich auf gute Filme zu freuen und hoffe, es ist nicht zu viel Mist dabei. Aber das Jahr ist lang und Überraschungen gibt es immer. Und dieses Jahr ist auch noch nicht vorbei. Es sind immerhin noch sechs Wochen, in denen viel passieren kann.