Freitag, 20. Mai 2011

Winter's Bone

Die Oscarverleihung ist schon eine Weile vorbei und der Wirbel und die Aufregung haben sich längst gelegt. Interessanterweise waren damals viele Zuschauer der Meinung, Natalie Portman hätte den Oscar für ihre Rolle in „Black Swan“ voll und ganz verdient. Seit ein paar Wochen läuft nun der hartnäckigste Konkurrent Portmans in den deutschen Kinos und nun sagen viele – wahrscheinlich die gleichen Leute – Jennifer Lawrence wäre viel besser und die Vergabe der Auszeichnung sei nicht nachzuvollziehen. Ob das so ist, sollte man am besten selbst entscheiden, nachdem man sich „Winter's Bone“ angesehen hat

Ree lebt mit ihrer Mutter und ihren beiden Geschwistern in einer vergammelten Hütte in einer swe trostlosesten Gegenden des amerikanischen Outbacks. Die Zeiten sind hart und es fehlt an allem. Neben der ständigen Sorge um Geld, muss sich Ree auch noch um ihre kranke Mutter kümmern. Ohne tägliche Ausflüge in den Wald, hätte die Familie wohl nicht genug Essen. Eines Tages steht der Sheriff vor der Tür und informiert sich nach dem Aufenthaltsort des Vaters. Der ist nämlich wegen Drogendelikten ins Gefängnis gekommen und nun auf Kaution wieder auf freien Fuß. Als Kautionsbürge hat er das Haus und das Grundstück der Familie verpfändet. Sollte er zu seinem Gerichtstermin nicht erscheinen, verlieren Ree und ihre Familie alles, was sie haben. Da der Sheriff in der Gegend nicht besonders angesehen ist, sieht er sich außerstande, den Gesuchten zu finden. Ree macht sich also selbst auf die Suche.

Zunächst muss man sich mit einer Sache abfinden. Das Gezeigte Leben und die Zustände in der Umgebung Ree's und ihrer Familie sind echt und spielen in der Gegenwart. Im Jetzt! Zu gerne führt einem das Unterbewusstsein nämlich vor Augen, dieser Film spielt in der Vergangenheit, zu Kriegszeiten, oder meinetwegen auch in einer fiktiven Zukunft. Aber diese ungastliche Gegend mit den unfreundlichen und grusligen Bewohnen existiert wirklich, auch wenn man es nicht fassen will. Die Menschen haben nur das nötigste zum Leben und verteidigen es gegen jeden, ob nun Verwandt oder Fremd. Untereinander herrscht eine ständige Feindseligkeit, und wer alleine nicht zurecht kommt, braucht nicht auf die Hilfe des Nachbarn zu hoffen. Dort herrschen ganz bestimmte Regeln. Wer sich nicht an sie hält, verschwindet spurlos. Und dieser lebensfeindlichen Umgebung muss nun ein junges Mädchen das tun, wodurch sie sich den Unmut Aller aufzieht. Sie kommt zu allen möglichen Häusern und stellt unbequeme Fragen. Die Antworten werden ihr verwehrt, weil ihr Onkel einen schlechten Ruf hat oder ihr Vater vielen Menschen Geld schuldet oder weil sie selbst den Ruf hat, viel über andere Menschen zu reden. Und wer redet, verschwindet spurlos. Regisseurin Debra Granik zeichnet ein gleichermaßen trostloses und beängstigendes, wie auch faszinierendes und intensives Bild des Lebens im Outback. Die Atmosphäre ist unglaublich dicht und der Film lässt wenig Hoffnungsschimmer. Viel mehr zieht er das Schreckliche und Unfassbare konsequent durch und peinigt den Zuschauer mit Bildern verbitterter und verwahrloster Menschen, die sich untereinander behandeln, als lebten sie im finsteren Mittelalter. Haben wir uns zum Beispiel bei den Simpsons über die Hinterwäldler lustig gemacht, wird dieses Bild auf erstaunliche Art und Weise korrigiert. Erst sagt man: „Die sind ja, wie bei den Simpsons“ und dann merkt man: „Das ist aber gar nicht lustig, wie die leben müssen“ „Winter's Bone“ beeindruckt außerdem durch Gründlichkeit. Das Zusammenspiel von Ästhetik, Musik und Darstellern ist bis ins kleinste Detail ausgearbeitet und verdient an sich schon Anerkennung. Um abschließend auf die Darstellung einer Jennifer Lawrence zu kommen: Sie spielt sehr gut und ihre Rolle trägt im Prinzip den gesamten Film. Dennoch vollzieht ihre Figur keine Entwicklung, was im Grunde den ganzen Film noch tragischer macht. Nichts an ihrer Lebenssituation wird sich je ändern und im besten Fall besteht der Status Quo. Betrachtet man Lawrence' bisherige Rollen, so findet man die üblichen Stationen der Karriere einer amerikanischen Jungschauspielerin. Der Oscar wäre sicher verfrüht gewesen und man sollte abwarten, wie sie sich in ihren nächsten Projekten schlägt.

„Winter's Bone“ ist ein intensives Drama, welches einen kompromisslosen und schockierenden Blick in eine andere Welt gewährt, die aber bei genauerer Betrachtung nicht so weit weg ist, wie man es sich angesichts dieser Bilder wünscht.

Winter's Bone (USA, 2010): R.: Debra Granik; D.: Jennifer Lawrence, Shirley Waggener, Garret Dillahunt, u.a.; M.: Dickon Hinchliffe; Offizielle Homepage

Rezensionen On Air: Jeden Donnerstag, 12:25 Uhr auf Radio Lotte Weimar.

Mittwoch, 4. Mai 2011

Thor

Was hat Stan Lee genommen? Man könnte sich manchmal fragen, zu welchen geheimen Astralwegen und Kanälen der Comicautor Zutritt hatte. Kein anderer Kollege im Comicbusiness kann ähnlich viele Charaktere und dazu gehörige Serien vorweisen. Im „Wir verfilmen alles!“- Wahn, dem die Filmwelt derzeit unterliegt ist es natürlich kein Wunder, dass Stan Lee's Schöpfungen längst den Weg auf die große Leinwand gefunden haben. Wurden zunächst die weitgehend bekannten Serien um Spider-Man, Wolverine und den X-Men adaptiert, kramt man heutzutage etwas tiefer. Heraus kommen so illustre Gestalten, wie Captain America, Iron Man oder der Donnergott Thor

Da hat Thor aber mächtig Mist gebaut. Eben wurde er noch als großer Held gefeiert und auch noch zum Nachfolger des amtierenden Götterkönigs Odin erklärt, da vermasselt er auch schon alles. Es herrschte zähneknirschender Frieden zwischen der Götterwelt Asgard und der Eisriesenheimat Jötunheim, aber durch sein vorschnelles Auftreten und seiner arroganten Haltung provozierte Thor eine neue Auseinandersetzung. Im Zorn verbannt Odin unbeugsamen Sohn auf die Erde, beraubt ihn seines Hammers und seiner Kräfte. Hier soll er als Mensch lernen, verantwortungsvoll und weise zu handeln. Er soll eben genau die Tugenden lernen, die ihn eines Gottes würdig machen. Auf der Erde trifft er die Astrologin Jane, durch deren Hilfe er seinen Hammer zurück bekommen will. Allerdings hat die geheimnisvolle Organisation Shield bereits einen Blick auf die wertvolle Waffe geworfen. Zu Hause in Asgard laufen die Dinge auch nicht gut. Der böse Götterbruder Loki hat das Ruder übernommen, nachdem Odin in eine Art göttliches Koma gefallen ist. Er schmiedet finstere Pläne, die nicht nur Asgard in einen neuen Krieg stürzen könnten.

„Thor“ ist der nächste Streich in einer ganzen Filmreihe, die im ganz großen Stil das Marvel-Franchise noch weiter ausbauen soll. Ähnlich, wie in den Comics, in denen die Figuren der unterschiedlichsten Serien ständig aufeinander treffen, soll nun auch im Film ein sogenanntes Crossover stattfinden. Die Vorbereitungen dafür laufen seit dem ersten Iron Man Film 2008. Hier wird bereits das erste Mal von der geheimen Schutzbehörde Shield gesprochen und im zweiten Teil wurden dann sogar schon prägende Figuren, wie Nick Fury und Black Widow eingeführt. Wie geht’s nun weiter? Thor ist der nächste im Bunde, in diesem Jahr wird noch die neue Verfilmung von „Captain America“ anlaufen und im nächsten Jahr gipfelt das ganze dann in „Die Rächer“, einem Superheldenteam, welches sich dank seiner Beliebtheit nicht hinter X-Men, Fantastic Four, oder der Justice League verstecken muss (Oha! Die wurde auch noch nicht verfilmt...). Nun aber kurz noch zu Thor. Bei aller Skepsis war ich relativ angetan. Das hochtrabende Göttersetting wirkt etwas steif und so, als würde man einen alten Schinken aus den 60er Jahren sehen. So einen Film, der sich trotz seiner albernen Kostüme und der Pappmachékulisse sehr ernst genommen hat. Nach ungefähr einem Drittel wird aber dieser bierernste Aspekt der Story enorm aufgeweicht. Es gibt zahlreiche sehr lustige Begegnungen mit Thor und der normalen Erdbevölkerung. Insgesamt ist der Tenor des Films enorm locker und man muss sich nicht selbst daran erinnern, eine Comicverfilmung zu sehen.

„Thor“ ist durchaus gelungen, fängt die ohnehin ungewöhnliche Atmosphäre des Comics perfekt ein und trumpft neben erstklassigen Schauspielern auch noch mit extrem hübschen Special-Effects auf. Insgesamt lässt sich aber nicht der Eindruck verwehren, man sieht hier nur den Auftakt eines viel spektakuläreren Abenteuers. Wollen wir hoffen, man hat nicht das gesamte Pulver schon für die Sequels verschossen und „Die Rächer“ werden wirklich großartig. Man ist gespannt.

Thor (USA, 2011): R.: Kenneth Branagh; D.: Chris Hemsworth, Natalie Portman, Anthony Hopkins, u.a.; M.: Patrick Doyle; Offizielle Homepage

In Weimar: CineStar

Rezension On Air: Jeden Donnerstag, 12:25 Uhr auf Radio Lotte Weimar.

Montag, 2. Mai 2011

Four Lions

Vor beinahe einem Jahr habe ich an dieser Stelle bereits das Bild des Arabers in Hollywoodfilmen thematisiert. Der von Medienwissenschaftler Jack Shaheen produzierte Dokumentarfilm „Reel Bad Arabs“ bot viel Stoff zum nachdenken und -haken. Seit ein paar Tagen läuft nun ein Film, dem seine Kritiker vorwerfen, er zeichne eine verhöhnende Karikatur von arabischen Terroristen, verharmlose den Terrorismus an sich und verunglimpfe obendrein noch die Opfer. Andere sehen in dem Film eine bitterböse Satire, die unserem Zeitgeist entspricht und unbedingt gesehen werden muss. Muss sie wirklich? Hier ist „Four Lions“

Omar reicht es. Er kann die Unterdrückung und die Diskreminierung der Moslems weltweit nicht mehr länger mit ansehen. Er will sich dem heiligen Krieg anschließen, um der Gesellschaft zu zeigen. Zusammen mit seinen Freunden, Waj und Faisal, will er nach Pakistan in ein Ausbildungslager der Mujahedin fahren. Barry, der zum Islam konvertiert wurde, soll so lange zu Hause bleiben und die Stellung halten, sowie ein Ziel aussuchen. Im Ausbildungscamp geht einiges schief und sie werden mit Schimpf und Schande davon gejagt. Um seine Freunde nicht zu enttäuschen, tut Omar so, als hätte er vom Emir einen Auftrag erhalten. Nach langem Hin und Her einigt man sich schließlich auf ein Anschlagsziel. Nun muss nur noch der Spregstoff besorgt werden.

Das Thema ist schwierig. Egal, wie man es anpackt, es besteht immer die Gefahr, dass es jemanden nicht gefällt und ihn im schlimmsten Fall auch noch beleidigt. Ist es geschmacklos, über Selbstmordattentäter zu lachen? Ist es politisch korrekt, über tölpelhafte Möchtegern-Dschihadisten zu lachen? Diese Fragen werden in der öffentlichen Diskussion über diesen Film gestellt, seit er vor einem Jahr zum Fantasy Filmfest lief. Dass dieser Film allerdings gar keinen Zweifel bei diesen Fragen aufkommen lässt, vergisst man bei dieser Diskussion. Wirklich lachen kann man nämlich nicht, und die Protagonisten sind nicht tölpelhaft, allenfalls sind sie verwirrt. Der Film ist erschreckend realistisch und es werden genau die Dinge angesprochen, über die wir - gerade heute – nach denken müssen. Über Diskriminierung und Fremdenhass. Über Vorurteile und, wie unsere Gesellschaft allgemein mit Terrorismus umgeht. Die Figuren im Film wissen gar nicht so richtig, warum sie sich in die Luft jagen wollen, sind aber durch ihren Glauben vollkommen davon überzeugt, dass es richtig ist. Ihnen kommt auch nicht der Gedanke, dass es falsch sein könnte, Unschuldige Menschen zu töten. Trotzdem sind es ganz normale Typen, die dem Zuschauer auch noch sympathisch sind. Es gibt Szenen im Film, die lustig gemeint sind, es aber eigentlich nicht sind. Viel mehr ist alles an dieser Geschichte tragisch und verwirrend. Trotzdem lacht man. Auf dem Plakat steht, es sei eine Komödie, also lache ich! Basta!

„Four Lions“ bietet einen einzigartigen Blick auf die Problematik des Terrorismus. Fragen, die man hat, werden nicht beantwortet und man hat oft das Gefühl, man versteht vieles nicht. Ich aber hatte nie den Eindruck, der Film macht sich über Araber oder Terroristen lustig. Ich hatte eher das Gefühl, dass ich über diese Menschen so gut wie nichts weiß und das ist vielleicht das größte Problem von allen.

Four Lions (GB, 2010): R.: Christopher Morris; D.: Riz Ahmed, Kayvan Novak, Nigel Lindsay, u.a.; Offizielle Homepage

In Weimar: lichthaus

Rezensionen On Air: Jeden Donnerstag, 12:25 Uhr auf Radio Lotte Weimar.

World Invasion: Battle Los Angeles

Hollywood findet Krieg toll. Man kann Krieg intensiv und fulminant inszenieren, man kann den Patriotismus zelebrieren, als würde es kein Morgen geben und man kann ohne Anstrengung massenweise neue Helden schaffen. Das Problem ist, dass Krieg eigentlich was Schlimmes ist. Menschen sterben, alles wird zerstört und niemand lernt aus einem Krieg, sonst würde es nicht ununterbrochen auf der Erde krachen. Mittlerweile scheint es wieder viel leichter zu sein, einen echten Krieg zu machen, als einen überzeugenden Filmkrieg zu inszenieren, wie nicht zu Letzt der neue Film von Jonathan Liebesman „World Invasion: Battle Los Angeles“ beweist.

Als hätten die Amerikaner nicht schon genug Probleme, kommen nun auch noch unbekannte Flugobjekte auf die Küstenstädte zu geflogen. „Bloß ein paar Meteoritenschauer“, heißt es, doch das klassische Argument wird durch nicht minder klassisches Gegenargument ausgehebelt: „Sie werden langsamer.“ Schnell ist klar, es handelt sich um künstliche Objekte und verwackelte Fernsehlivebilder bestätigen die Vermutung, dass dieser Angriff von außerhalb der Erde zu erfolgen scheint. Die Aliens haben es offensichtlich auf unser Wasser abgesehen, deshalb konzentrieren sie ihre Angriffe zunächst auf die Küstenregionen. Eine Einheit von US-Marines unter dem Kommando von Sergant Nantz erhält den Auftrag in Santa Monica einen massiven Luftschlag der Airforce vorzubereiten. Sie sollen die betroffenen Gebiete evakuieren. Da trifft wenige Stunden vor dem Angriff ein Notruf mitten aus dem Feindgebiet ein. Hier sitzen Zivilisten fest. Nantz und seine Truppe ziehen zur Rettung los, die außerirdischen Invasoren machen es ihnen allerdings beinahe unmöglich, ihren Auftrag rechtzeitig auszuführen.

Wie beschreibt man diesen Film am besten? Eine Mischung aus Found-Footage-Movie und Call Of Duty? Wir haben eine Science-Fiction-Geschichte, die auf Realismus getrimmt wurde. Die Story einer Invasion aus dem All, der wir Menschen nichts entgegen zu setzen haben, ist nun wirklich nicht neu und wurde allein in diesem Jahr schon mehrfach filmisch umgesetzt. Die Idee, alles herunter zu brechen und den Zuschauer ganz nah heran zu holen ist zwar gut, gab es aber auch schon und wurde vor allem schon viel besser umgesetzt. Es ist noch nicht lange her, da wurde man im Kino von „District 9“ genau durch dieses Konzept gleichermaßen fasziniert, wie auch schockiert. „World Invasion“ ist wie ein uninspirierter Abklatsch und glänzt obendrein noch durch zahlreiche Logik- und Continuity Fehler. Außerdem krampft der Film so sehr um die Realismusschraube herum, dass es schon wieder lächerlich ist, wenn Sgt. Aaron Eckhart von seinen traumatischen Erlebnissen im Irak-Krieg berichtet, während die fliegenden Untertassen über die Stadt sirren. Genauso lächerlich ist es, dass die Army ihre gesamte Verteidigungsstrategie auf der These fußt, die Angreifer hätten nur Bodentruppen und keine Fluggeräte. Selten dämlich und diese dämliche Strategie wird nur noch durch ihr fulminantes Scheitern übertroffen. Außerdem ist es sehr anstrengend, den Film zu sehen. Über weite Passagen wackelt die Kamera ununterbrochen, oder das Bild ist überbelichtet und die durchaus schick gemachten Special-Effects verfehlen ihre Wirkung, weil man sie schlicht und ergreifend nicht sieht. Realismus auf voller Dröhnung, aber die ganze Zeit läuft diese patriotische Siegesmusik im Hintergrund. Regelrecht störend ist mal wieder das verherrlichende Bild des amerikanischen Militärs. Die Dialoge sind gespickt mit Soldatenjargong, der dann aber dem unbedarften Zuschauer sofort erklärt werden muss. So, wie bei der Sendung mit der Maus.

„World Invasion: Battle Los Angeles“ ist enttäuschend, weil es ein geklautes Konzept als innovativ bewirbt und es dann nicht einmal schafft, dieses Konzept halbwegs überzeugend umzusetzen. Der Film scheitert nicht ganz so erbärmlich wie „Skyline“ vor einem halben Jahr, aber es kann nur schlimmer werden. Der Titel lässt da noch die ein oder andere Fortsetzung befürchten, die wohl nicht lange auf sich warten werden lässt.

World Invasion: Battle Los Angeles (USA, 2011): R.: Jonathan Liebesman; D.: Aaron Eckhart, Michelle Rodriguez, Ramon Rodriguez, u.a.; M.: Bryan Taylor; Offizielle Homepage

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Freitag, 15. April 2011

The Fighter

Was haben wir mit ihm gelitten. Er war kleine Mann von der Straße, der es schaffte, sich nach ganz oben zum Star-Boxer zu kämpfen. 1975 eroberte Rocky die Kinokassen und Herzen der Zuschauer im Sturm. Das Verprügeln von Rinderhälften traf genau ins Schwarze und schaffte es, fünf mal fortgesetzt zu werden. „Rocky“ war eine erfundene Geschichte, doch gab es in dieser Zeit auch echte Boxer in echten Boxringen. Die wahre Geschichte von Micky Ward und seinem Bruder Dicky wurde jetzt aufwändig von David O. Russell verfilmt und trägt den Titel „The Fighter“

Micky ist Straßenarbeiter in Lowell und ist relativ unzufrieden mit seinem Leben. Die einzige Möglichkeit, dem Alltag zu entkommen, bietet sich ihm im Boxring. Sein Bruder Dicky trainiert ihn und seine Mutter organisiert die Kämpfe, aus denen er mal mehr, mal weniger erfolgreich hervor tritt. Dicky war früher selbst ein überaus erfolgreicher Kämpfer, dessen Glanzzeit allerdings schon lange vorbei ist und er nun mit dem Absturz in den Drogensumpf ringt. Micky hadert mit seiner Situation. Er ist seiner Familie sehr verbunden und fühlt sich verpflichtet, mit ihnen an seiner Karriere zu arbeiten. Andererseits merkt er, dass er auf diese Weise nicht weiter kommt. Dann geschehen zwei Dinge. Micky lernt die hübsche Barkeeperin Charleene kennen und sein Bruder Dicky kommt wegen zahlreicher Delikte in den Knast. Unter hartnäckigem Zureden seiner neuen Freundin, packt Micky die Gelegenheit beim Schopf und sucht sich neue Manager und Trainer, durch deren Hilfe er tatsächlich immer weiter kommt, bis der Weltmeistertitel winkt. Die Familie fühlt sich ausgeschlossen und schmiedet nun Pläne, den Boxersohn wieder zu holen.

Wie schon angedeutet, ist das Motiv nicht ganz neu. Kleiner Mann von der Straße will Boxer werden und trainiert einfach so lange, bis er Weltmeister wird. Es ist das ultimative Symbol für das Erfüllen von Lebensträumen und für das Schulterklopfen, dass man dafür benötigt. „The Fighter“ gibt sich keine Mühe, zu verbergen, dass er in genau diese Kerbe schlägt. Der Weg des Kämpfers Micky ist mit Hindernissen gepflastert und auch wenn es dramaturgisch überzeugend immer wieder zu Tiefpunkten und Rückschlägen kommt, zweifelt man als Zuschauer keine Sekunde lang daran, ob es Micky nun schafft oder nicht. Auch das Motiv des großen Bruders, der früher ein Held war und jetzt nur noch der drogenabhängige Klotz am Bein ist, hat man schon des öfteren gesehen. Um den Eindruck noch zu verstärken, hat sich Regisseur David O. Russell für einen Stil entschieden, der an alte Fernsehaufnahmen aus den 70er Jahren erinnert, was die ästhetische Brücke zu „Rocky“ noch ausbaut. Trotzdem ist „The Fighter“ durchaus sehenswert. Das ist allerdings weniger der Story, als viel mehr den überragenden Leistungen der Darsteller zu verdanken. Mark Wahlberg scheint als wortkarges und eintöniges Muskelpaket perfekt besetzt zu sein, denn er schafft es, sogar mich zu überzeugen. Größere Überraschungen bieten allerdings die Nebendarsteller. Christian Bale und Amy Adams wachsen über sich hinaus und spielen auf eine Weise, wie sie noch nie vorher zu sehen waren. Gerade in der letzten Zeit ist die Diskussion entflammt, Bale als ernstzunehmenden Schauspieler, oder als Hungerkünstler mit Körperfetisch zu betrachten ist. In „The Fighter“ beweist ein Stück weit, dass er beides unter einen Hut zu bringen vermag. Schön ist auch, dass die ganze Atmosphäre des Films sehr authentisch wirkt. Man merkt dies an Szenen, in denen die Familie ganz normal und zwanglos plaudert. Die Art und Weise, wie die Dialoge geführt werden, klingt sehr echt und gar nicht konstruiert, was zeitweise den Eindruck erweckt, man sieht sich einen Dokumentarfilm an.

„The Fighter“ ist ein guter Film und auch, wenn das grundlegende Motiv der Story nicht neu ist, birgt er lauter angenehme Überraschungen. Nicht zu Letzt die, dass auch wahre Geschichten unter Umständen ein Happy End haben können.

The Fighter(USA, 2010): R.: David O. Russell; D.: Mark Wahlberg, Christian Bale, Amy Adams, u.a.; M.: Michael Brook; Offizielle Homepage

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Mittwoch, 13. April 2011

Sucker Punch

Worauf hab ich Bock? Ich möchte gerne mal wieder einen vollkommen überflüssigen und gleichermaßen spaßigen Film sehen. Ein Film, der die Grundidee des Kinos schamlos und konsequent umsetzt, nämlich mich als Zuschauer zu unterhalten. Ich habe keine Lust, mir knüppelharte Folterszenen anzusehen, ebenso wenig wie aufgesetzte und überkitschte Teeny-Komödien über das Saufen und Fressen am Campus. Mir steht nicht der Sinn nach Historienschinken oder Polit-Thriller. Dass die Welt ein schlechter Ort ist und es nicht mehr lange gut gehen kann mit uns, weiß ich doch auch so und ich möchte mich gerne mal für eine kleine Weile davon ablenken lassen. Wie gerufen kommt Zack Snyder mit „Sucker Punch“ im Gepäck.

Die kleine großbeaugte und blondbehaarte Baby Doll hat ein Problem. Die Mutter stirbt und hinterlässt in ihrem Testament alles ihren beiden Töchtern. Das findet der Stiefvater gar nicht dufte und bringt kurzerhand zunächst die jüngere Schwester um und will sich anschließend Baby Doll selbst vorknöpfen. Die wehrt sich erfolgreich und überlebt, bis die Polizei eintrifft. Alles ist gut. Pustekuchen! Der böse Stiefvater erzählt den Polizisten, Baby Doll sei verrückt geworden, hätte ihre kleine Schwester getötet und wäre dann auf ihn losgegangen. Baby Doll wird nun in die nächstbeste Irrenanstalt verfrachtet und soll dort mittels Logotomie in hirnloses Gemüse verwandelt werden. Ein Wimpernschlag und plötzlich sind wir an einem völlig anderen Ort. Baby Doll ist in einem Edelpuff und wurde von einem bösen Priester hier her geschafft. Der Puffbesitzer will sie aufmotzen für einen ganz besonderen Kunden. Doch Baby Doll verbündet sich mit den anderen Mädels, um einen Fluchtplan auszutüfteln. In einer Vision erklärt ihr ein alter und weiser Krieger, wie sie die Dinge beschaffen kann, die ihr zur Flucht verhelfen sollen. Während sie tanzt, sollen alle abgelenkt sein und die anderen sollen die begehrten Teile klauen. Immer wenn Baby Doll tanzt, geht’s in eine pompöse Fantasy-Welt, in der gegen allerlei Monster gekämpft werden muss, um an das jeweilige Artefakt heran zu kommen. Schritt für Schritt kommen die Mädchen ihrem Ziel immer näher.

Zack Snyder ist ein Perfektionist, was die visuelle Präsentation seiner Filme angeht. Während „Dawn Of The Dead“ durchaus noch als vorsichtiger Gehversuch des Regie-Frischlungs zu betrachten ist, tobt er sich seit „300“ in einem wahren Orgasmus perfekter Bilderfluten ungehemmt aus. Bisher hat er sich stets mehr oder weniger populäre Vorlagen geschnappt und sie auf die Leinwand gebannt. „Sucker Punch“ ist nun der erste Snyder-Film, bei dem er sich auch für die Story und das Drehbuch verantwortlich zeigt. Der Grundtenor des Films ist klar. Heiße Mädels in knappen Outfits kämpfen gegen überdimensionierte CGI-Monster. Dass es da nur so kracht und splattatert, ist auch absehbar. Und das ist auch die große Stärke des Films. Wir haben klassische Charaktere, die einer klassisch gradlinigen Story folgen und in unglaublich bombastischen Actionszenen ganz klassische Prügelportionen verteilen. Es gibt in einer utopischen Version des ersten Weltkriegs Zombiesoldaten, die mit Dampf und Zahnrädern angetrieben werden. Wir haben eine mittelalterliche Burg, die von tausenden griesgrämigen Ork-Viechern bewohnt ist. Es gibt einen rasenden Güterzug, der eine tickende Bombe an Bord hat, die es zu entschärfen gilt. Und, um das Menü noch abzurunden: Es gibt einen Drachen! Action! Man kommt kaum zum atmen, während der Kampfszenen. Alles ist überdimensioniert und einfach nur bombastisch. Die Mädels sehen heiß aus, haben immer einen coolen Spruch parat und Riesenwummen. „Sucker Punch“ ist der fleischgewordene Traum aller kleinen und großen Jungs. Es ist die Offenbarung einer ganzen Generation Action liebender Schlachtplattenfans. Es ist der Beweis, dass gradlinige und fulminante Action manchmal wichtiger ist, als eine anspruchsvolle Story. Es ist die Katharsis für das hochtrabende Kunstfilmchen. Es nimmt mich mit in eine unglaubliche Welt, in der alles in Zeitlupe abläuft. Ich schwebe durch ein Universum aus Licht, Feuer und Lärm. Ich schwebe mit den holden Kriegsmaiden und sie vergöttern MICH! Denn ICH bin SUCKER PUNCH!

Trotz seiner bildgewaltigen Präsentation lässt der Film offensichtlich noch genug Raum für die eigene beflügelte Fantasie. „Sucker Punch“ ist großartige Unterhaltung für den kleinen Geist. Ein Rezept, dass wunderbar funktioniert und sofort Lust auf mehr Snyder macht. Bald dürfen wir uns ja auch auf seinen „Superman“ freuen. Das dürfte dann das nächste Fest für die verkümmerten Sinne werden.

Sucker Punch (USA, 2011): R.: Zack Snyder; D.: Emily Browning, Abbie Comish, Carla Cugino, u.a.; M.: Tyler Bates; Offizielle Homepage

In Weimar: CineStar

Rezensionen On Air: Jeden Donnerstag, 12:25 auf Radio Lotte Weimar.

Donnerstag, 31. März 2011

Biutiful

Es war eine kleine Sensation. „Babel“ war eine relativ schlichte Produktion, der kaum Chancen eingeräumt wurde, auf dem internationalen Markt zu bestehen, geschweige denn, wichtige Filmpreise und Belobigungen zu erhalten. Die Gründe hierfür sind relativ klar. Es handelt sich um einen Episodenfilm, der zu drei Vierteln mit Untertiteln unterlegt ist. Das mag wichtig sein, um das eigentliche Thema – die Wirren der verschiedenen Sprachen – zu veranschaulichen, ist aber erfahrungsgemäß ein echter Publikumskiller. Die Überraschung war perfekt. Der Film erreichte ein enormes Einspielergebnis, floppte nicht einmal in den USA und kassierte Oscar-Nominierungen in allen wichtigen Kategorien, die er 2007 nur wegen der unglaublich dicht gesäten ebenbürdigen Konkurrenz nicht in Auszeichnungen umwandeln konnte. Alles in Allem war es ein voller Erfolg und Regisseur Inarritu hatte allen Grund, sich selbst die Schulter zu klopfen. Trotzdem hat er sich vier Jahre Zeit gelassen, einen neuen Film zu machen, der nun auch endlich in weimarer Kinos zu sehen ist.

Uxbal ist ein Kleinkrimineller, der sich in Barcelona durch schlägt. Seine Haupteinnahmequelle sind illegale Einwanderer aus Afrika, die sich als Straßenhändler und Dealer betätigen. Er verschafft ihnen gute Plätze und hält ihnen die Polizei vom Hals. Außerdem vermittelt er für ein paar chinesische Industrielle Jobs für deren illegale Arbeitskräfte. Zusätzlich betätigt er sich als Medium und wird von Menschen gerufen, die einen verstorbenen Mitmenschen betrauern. Er nutzt telepathische Fähigkeiten, um letzte Botschaften der Toten zu empfangen. Er weiß, dass ein Verstorbener niemals würde gehen können, wenn er in der Welt der Lebenden noch etwas unerledigt zurück gelassen hat. Nachdem er nach einer Routineuntersuchung beim Arzt eine erschütternde Nachricht erhält, will er sich verstärkt der Familie widmen, damit er eben nichts zurück lassen muss und in Frieden die Welt verlassen kann.

„Biutiful“ erzählt zwei Geschichten. Wir erleben einmal den etwas aufgeplusterten Leidensweg des kleinen Gangsters Uxbal, der immer wieder ins Mystische und auch ins Melodramatische, gar Kitschige abrutscht. Der andere Part ist wesentlich realistischer und härter und berichtet über das Leben am Rande der Gesellschaft in einer riesigen Stadt, wie Barcelona. Während Uxbal immer wieder in Szenen, familiärer Banalitäten zu sehen ist, führt uns Inarritu stets die ungeschönte Wahrheit vor Augen, was mitunter in schockierenden und drastischen Szenen gipfelt. An diesen Stellen kommt der Film aber immer wieder ins Straucheln, denn irgendwie wirken diese beiden Teile der Geschichte so inkompatibel, dass das Gesamtbild und die Glaubwürdigkeit des ganzen Films immer wieder Flöten geht. Allerdings schafft es der Film mit viel Mühe, den Zuschauer immer wieder auf den richtigen Weg zu bringen, und baut an den richtigen Stellen eine enorme Spannung auf. Trotzdem ist das Erzählkonzept von „Biutiful“ nicht so flüssig und ausgereift, wie das bei „Babel“ gelungen ist. Man gewinnt den Eindruck, der Film will zu viel erzählen und ist trotz seiner langen Laufzeit enorm voll gepackt und geradezu überladen. Trotz einiger Kleinigkeiten, die mich noch stören, was die technische Umsetzung mancher Szenen angeht, beeindruckt der Film allein durch die mächtigen und ausdrucksstarken Bilder, die ununterbrochen auf die Sinne prasseln und das war ja seinerzeit auch die größte Stärke von „Babel“.

„Biutiful“ ist gut, aber nicht so gut, wie man es angesichts der langen Produktionszeit und des fantastischen Hauptdarstellers hätte erwarten können. Die Mängel des Films sind eben nicht den Fähigkeiten der Mitwirkenden geschuldet, sondern dem Gesamtkonzept, welches sich einfach einen Tick zu viel vorgenommen hat. Sehenswert ist „Biutiful“ allemal, schon allein, um sich wieder mal zu beweisen, dass Javier Bardem einer der besten und vielseitigsten Schauspieler unserer Zeit ist, und es hoffentlich noch sehr lange bleiben wird.

Biutiful (ESP, MEX, 2010): R.: Alejandro Gonzales Inarritu; D.: Javier Bardem, Maricel Alvarez, Eduard Fernandez, u.a.; M.: Gustavo Santaolalla; Offizielle Homepage

In Weimar: lichthaus

Rezensionen On Air: Jeden Donnerstag, 12:25 Uhr auf Radio Lotte Weimar.