Viel zu lange hat es gedauert, und jetzt müsst ihr gleich mit so vielen Hämmern gleichzeitig klar kommen. Nicht nur, dass es Keanu Reeves derzeit gleich mit zwei Filmen ins Kino zurück geschafft hat, ihr habt hier auch noch die neue Ausgabe unseres Podcasts vor euch. Nahezu anderthalb Stunden geballtes Fachwissen über den sanftmütigen Superstar. Viel Spaß!
Feedback und Kommentare sind wie immer herzlich willkommen!
Dienstag, 1. April 2014
Mittwoch, 26. März 2014
Her
Was
für ein Comeback! Joaquin Phoenix, der ganz offensichtlich
wahnsinnig geworden war und seine Schauspielkarriere aufgegeben
hatte, um fortan ein Rap-Superstar zu werden, sich anschließend in
oberpeinlichen Auftritten volltrunken und pöbelnd an der Geilheit
seiner eigenen Person ergötzte, nur um dann der Welt mit zu teilen,
alles sei nur ein Fake gewesen; dieser Joaquin Phoenix kehrt
plötzlich auf die große Leinwand zurück und spielt sich in „The
Master“ förmlich die Seele aus dem Leib. Weil es ein böser Film
ist, der von großmächtigen und manipulativen Sekten handelt- mit
denen Hollywood nicht all zu gerne in Verbindung gebracht wird –
wird seine Leistung nicht im verdienten Maße honoriert. Also
schaltet der Underdog einen Gang zurück und dreht mit einem anderen
Underdog einen niedlichen, kleinen Liebesfilm und wird prompt mit
einer Oscar-Nominierung belohnt. Und wem verdankt er das alles?
„Her“!
Theodore
ist der beste Briefeschreiber, den es gibt. In einer nahezu
vollständig digitalisierten Welt, sind Briefe out. Kaum jemand nimmt
sich noch die Zeit, sich hin zu setzen und seinen Lieben einen Brief
zu schreiben. Dafür gibt es jetzt Dienstleister, wie Theodore. Weil
er in einer kalten, technisierten Welt ein so sensibler Mensch ist,
kann er damit seinen Lebensunterhalt verdienen. Privat geht es ihm
allerdings nicht so gut. Er hat gerade eine Trennung hinter sich und
lebt allein. Eines Tages sieht er die Werbung für ein neuartiges
Operatingsystem, welches die brandneue Technik der künstlichen
Intelligenz nutzt. Theodore legt sich das Betriebssystem zu und nach
einer Reihe von Fragen, die er beantworten muss, piepst es plötzlich
und Samantha ist da. Beziehungsweise ihre Stimme. Die wirkt nicht
weniger real, als die eines echten Menschen und Theodore versteht
sich prächtig mit ihr. Ihre Neugier und Auffassungsgabe gibt
Theodore neue Perspektiven und sie gibt ihm die Gesellschaft und das
Verständnis, nach dem sich seine verletzte Seele so sehnt. Er weiß,
dass Samantha nur ein Stück Software ist, und doch fühlt er sich
immer mehr zu ihr hingezogen. Doch kann sich ein Mensch in ein
Operatingsystem verlieben?
Ja!
Denn das ist ein Film von Spike Jonze. Seinen Filmen haftet immer
etwas skurriles und abgedrehtes an. Denken wir nur an „Being John
Malkovich“, in dem John Cussack durch eine geheime Tür in den Kopf
des berühmten Schauspielers gelangt und ihn steuern kann. So
abgedreht dieses Szenario auch daher kommt, lässt es sich auf wenige
essenzielle Kernmotive reduzieren. Bin ich zufrieden mit meinem
Leben? Wäre ich gern jemand anderes? Habe ich angst vor dem Leben?
Oder eher vor dem Tod? „Wo die wilden Kerle wohnen“ ist das
eskapisrische Abenteuer eines kleinen Jungen, der sich in seiner Welt
von allen Mitmenschen missverstanden sieht. Und „Her“ erzählt
von der Liebe zwischen zwei Wesen, die sich über eventuelle
technische oder physische Grenzen hinaus entfalten kann und genau so
viel Glück oder Leid bringt, wie die Liebe zwischen zwei Menschen.
Spike Jonze schafft es also erneut, eine fundamentale Botschaft in
einen etwas abedrehten Rahmen zu stecken. Das macht Spike Jonze immer
so und in den meisten Fällen funktioniert es auch. Besonders stolz
ist er immer auf seine ausgefallenen Design-Ideen. „Her“ ist
einige Jahre in der Zukunft angesiedelt. Überall Plexiglas und weiße
Monitore. Menschenleere Bergregionen, völlig überfüllte Strände
und alles glitzert ein bisschen in einer leicht angestaubten
60er-Jahre-Ästhetik. Es entsteht ein etwas merkwürdiges Bild voller
Kontraste. So, wie die Hauptcharaktere. Einer ist ein Mensch und
einer ist ein Stück Software und trotzdem haben sie so viel
gemeinsam.
Joaquin
Phoenix spielt hier einen sensiblen, verletzlichen Menschen, der sich
nur nach Wärme sehnt, in einer Welt, die zunehmend kälter zu werden
scheint. Und das macht er gut. Mit seinem, etwas schiefen Gesicht,
dem leichten Genuschel wirkt er stets unsicher und verschüchtert und
man möchte sich die ganze Zeit um ihn kümmern. Scarlett Johansson
ist eine tolle Sprecherin. Sie hat mich in dieser Sprechrolle mehr
überzeugt, als in allen Filmen, in denen sie zu sehen war. Auch,
wenn sie sich eine Gesangseinlage nicht verkneifen kann, funktioniert
sie als Stimme einer faszinierenden künstlichen Persönlichkeit
total gut. Beeindruckend ist mal wieder Amy Adams, die immer häufiger
ihre Wandlungsfähigkeit beweist und vermuten lässt, dass sie wohl
noch einiges mehr auf dem Kasten hat, als man bisher vielleicht
gesehen hat.
Spike
Jonze hatte eben schon immer ein Händchen für spannende
Besetzungen.
Insgesamt
ist „Her“ sehr schlicht und angesichts der ausschweifenden
Werbekampagne und der Vorberichterstattung könnte es sein, dass hier
Erwartungen geschürt wurden, die der Film gar nicht erfüllen will.
Es ist ein kleiner Film, der nicht übertreibt. Weder in seiner
visuellen Darstellung, noch bei der Thematisierung tiefster Gefühle.
Will sagen, der Film ist weder überinszeniert, noch zu kitschig.
Unspektakulär, könnte man vielleicht sagen, wenn man es auf die
positiven Aspekte dieses Wortes bezieht.
„Her“
bietet eben einfach ein vergnügliches Kinoerlebnis, welches man
nicht überbewerten sollte. Für eine dicke Portion der visuellen
Gewalt eines Spike Jonze müssen wir eben einfach noch auf seinen
nächsten Film warten, in welchem er sich aber ruhig wieder richtig
austoben darf.
Her
(USA, 2013): R.: Spike Jonze; D.: Joaquin Phoenix, Scarlett
Johansson, Amy Adams, u.a.; M.: Arcade Fire; Offizielle Homepage
In
Weimar: lichthaus
Kineast
im Radio: Jeden Sonntag, 14 Uhr auf Radio Lotte Weimar.
Dienstag, 25. März 2014
Berlin - Grand Budapest Hotel
Das
kleine Kino, in dem ich arbeite, würde Wes Anderson bestimmt
gefallen. Es bietet genau die richtige Mischung aus kuscheliger
Nostalgie auf alten Sofas und Sesseln und der unvermeidlichen
Technisierung des Kinohandwerks. Schön auf durchgesessenen Sofas
hocken, sich Sprungfedern in den Rücken pieksen lassen; dafür aber
bitte glasklares, digitales Bild und dicken Surround-Sound. Außerdem
wird dieses kleine Kino derzeit regelrecht von Scharen heimgesucht,
die sich alle Wes Andersons „Grand Budapest Hotel“ ansehen
wollen.
Wir
befinden uns auf einem Friedhof, irgendwo im ehemaligen Staat
Zubrowka. Ein junges Mädchen sucht das Grab eines Schriftstellers
auf und beginnt vor Ort, ein Buch zu lesen. Wir werden sozusagen in
das Buch hinein gesaugt und erleben die Geschichte des
Schriftstellers, der wiederum von seinem Besuch in einem der
beeindruckendsten Hotels der Welt berichtet. Er selbst besuchte das
Grand Budapest Hotel in Nebelsbad allerdings erst lange, nach dessen
Glanzzeit. Inzwischen ist es etwas heruntergekommen und erfreut sich
außerhalb der Saison nur noch weniger Besucher. Genau das mag unser
Autor. Die Ruhe und der nostalgisch-goldene Frieden, der dem Haus
innewohnt, bietet die perfekte Inspiration. Besonders faszinierend
ist der Besuch des Hotelbesitzers, Mr. Moustafa. Von ihm lässt sich
der Schriftsteller wiederum die Geschichte erzählen, wie das Hotel
in seinen Besitz gelangte. Und diese Geschichte beginnt mit Monsieur
Gustave. Und diese Geschichte hat es in sich. Es geht um Liebe, Geld,
Macht, Leben und Tod. Alle Facetten des Lebens schlagen sich in
irgendeiner Form in dieser wirklich aufregenden Geschichte nieder.
Man kann sich der Geschichte nicht entziehen und es wird die ein oder
andere Träne – ob nun aus Freude oder Trauer – vergossen werden.
Wes
Anderson ist der letzte große Künstler Hollywoods. All die
zahlreichen großen Kollegen sind müde oder anderweitig
indisponiert. Ridley Scott zum Beispiel flieht sich in wirre
Neuinterpretationen seiner früheren Meisterwerke, die lediglich zu
müden Tech-Demos verkommen. Steven Spielberg vermittelt ebenfalls
den Eindruck, hängen geblieben zu sein. All seine Filme kommen etwa
zwanzig Jahre zu spät. Innovation sucht man auch bei Krawallmachern,
wie Roland Emmerich oder Michael Bay vergeblich. Und der fast schon
kindliche-naive Bombast-Feldzug eines J.J. Abrams quer durch die
Erinnerungen einer wirklich schönen Kindheit, fällt auf Dauer eben
einfach der Entzauberung durch virales Merchandising zum Opfer.
Und
in dieser Zeit, in der sich das Kino in festgefahrenen Bahnen nur
noch vor oder zurück bewegt, ohne jemals wirklich die Chance zu
ergreifen, etwas wirklich Neues auszuprobieren, kommt Wes Anderson.
Und er scheißt auf Konventionen. Er erzählt Geschichten, wie er es
möchte und auch, wenn all seine Kollegen sagen, er sei verrückt,
filmt er seine Werke nach, wie vor mit klassischer analoger
Filmtechnik. Für „Moonrise Kingdom“ besorgte er sogar Kameras
und Filmmaterial aus den 60er Jahren, um diesen leicht blassen und
staubigen Look besser hin zu kriegen. Für „Grand Budapest Hotel“
wurden riesige Filmbühnen und Kulissen gebaut und Anderson stellte
einen Cast zusammen, der jeden anderen Regisseur in den sicheren Ruin
getrieben hätte. Und dann trabt der Film in wahnwitzigen Tempo durch
seine zwei Stunden und erzählt ohne jeden Druck und absoluter
Lockerheit eine wahnwitzige Geschichte voller Abenteuer, Witz und
Drama. Alle Schauspieler bieten eine Performance sondergleichen.
Ralph Fiennes war für mich in der letzten Zeit irgendwie angekommen.
Hat er früher noch durch charakterstarke Darstellungen geglänztm
leuchtete er in den letzten Jahren weniger hell. Ich hätte nicht
gedacht, dass er sein festgefahrenes Nebenrollendasein noch einmal
aufgeben würde und dass er es dann schaffen würde, diese Hauptrolle
dermaßen überzeugend zu spielen. Gleiches gilt für alle Kollegen,
insbesondere Jeff Goldblum, Adrian Brody, oder Willem Dafoe. Zu dem
hohen Tempo passt auch das fast schon comichafte Spiel der
Darsteller. Alle bewegen sich auch schnell und sprechen, ohne Punkt
und Komma, beziehungsweise, ohne Luft zu holen. Dazu kommt ein
bühnenhafter Puppenhauslook, dem man seine pappene Herkunft sofort
ansieht, der sich aber trotzdem perfekt zum Gesamtbild hinzufügt.
Anderson spielt außerdem mit Formatwechseln, farblichen
Verfremdungen, unorthodoxen Perspektiven und Zeichentrickkosaken.
„Grand
Budapest Hotel“ ist – mehr, als jemals zuvor – ein
nostalgischer Trip in die ganz besondere Welt des Wes Anderson. Mit
einer unglaublichen Detailverliebtheit – ja, echter Liebe –
dürfen wir diese Welt besuchen und mehr denn je, war ich fast
traurig, als der Abspann über die Leinwand lief, denn das bedeutete,
dass ich diese Welt wieder verlassen hatte. Nun fiebere ich dem
nächsten Besuch entgegen und kann es schon jetzt kaum erwarten.
Grand
Budapest Hotel (USA, D, 2014): R.: Wes Anderson; D.: Ralph Fiennes,
Jude Law, Jeff Goldblum, Bill Murray, u.a.; M.: Alexandre Desplat;
Offizielle Homepage
In
Weimar: lichthaus
Kineast
im Radio: Jeden Sonntag, 14 Uhr auf Radio Lotte Weimar.
Mittwoch, 5. März 2014
Das finstere Tal
Wenn
man an Genrefilme aus Deutschland denkt, erinnert man sich nicht
unbedingt an positive Kinoerfahrungen. „Hell“ hat irgendwie nicht
funktioniert, obwohl die Idee mit einem zur Wüste erstarrten
Deutschland gar nicht so weit her geholt ist. „Anatomie“ hat
versucht, eine Slasher-Reihe im deutschen Kino zu etablieren. Kann
man dem ersten Teil noch eine gewisse Spannung zusprechen und ihm
vielleicht noch die Star-Power anrechnen, ging es mit der Fortsetzung
mächtig schief. Andere Versuche, klassische Hollywoodgenres zu
bedienen waren ebenfalls selten von Erfolg gekrönt. Man denke nur an
den durchaus gelungenen, aber kolossal gefloppten „Cloud Atlas“.
Das Publikum möchte derartige Filme eben lieber mit echten
Hollywood-Stars sehen. Das ist im Großen und Ganzen eine Frage der
Sehgewohnheiten. Etwas, wogegen Til Schweiger zum Beispiel seit
vielen Jahren anzukämpfen versucht. Andreas Prochaska aus Wien
versucht das auch und möglicherweise hat er es mit seinem neuesten
Film auch geschafft.
Finster
fängt es an. Es ist ein trüber Herbstmorgen, irgendwann, gegen Ende
des 19. Jahrhunderts in einem entlegenen Tal, mitten in den Alpen.
Ein einsamer Reiter kommt nach einer langen Reise in einem kleinen
Dorf an und bittet um Quartier. Die ansässigen Bauern sind sehr
skeptisch und fragen sich, was der Fremde hier will. Besonders, da
der Wintereinbruch kurz bevor steht und niemand dass Tal verlassen
kann, solange es eingeschneit ist. Sein Name sei Greider und er
möchte gerne Fotografien anfertigen. Eigentlich ganz harmlos, würde
er nur nicht die ganze Zeit den eindringlichen Blick zelebrieren.
Trotz aller Skepsis überwiegt die Neugier. Man bringt ihm bei einer
verwittweten Frau und der deren Tochter unter. Der Fremde
interessiert sich sehr für das Leben im Dorf und vor allem für die
Familie des Großbauern, die den Ort und seine Bewohner
offensichtlich fest im Griff haben. Und es dauert nicht lange, da
kommt es zu merkwürdigen Todesfällen. Immer sind es die Söhne des
Bauern, die auf brutale Weise zu Tode kommen. Bald ist auch klar,
dass der Fremde aus einem ganz anderen Grund im Tal ist, als Fotos zu
schießen.
Vor
dem Kinobesuch habe ich nicht gewusst, was mich erwartet. Im Vorfeld
habe ich weder Synopsis gelesen, noch Trailer gesehen. Tobias Moretti
wurde an verschiedenen Stellen lobend erwähnt. Mehr wusste ich
nicht. Ab der ersten Minute baut der Film sehr gekonnt eine düstere
und bedrohliche Atmosphäre auf und verwendet hierfür die
klassischen Kniffe. Bombastische Landschaftsaufnahmen, denen aber
irgendwie die Farbe und das Leben fehlt. Musik, die nicht weniger
bombastisch daher kommt, sich aber munter bei gängigen
Komponistengrößen bedient. Während des gesamten Intros sieht man
einen einsamen Reiter mit Cowboyhut und Sporen. Die Ankunft dieses
Reiters wird von argwöhnischen Blicken beobachtet. Die ersten
Dialoge bestehen aus wenigen Worten. Ein Schelm, wer böses denkt,
aber so etwas hab ich doch schon mal irgendwo gesehen. Der Einstieg
zeichnet also ein nahezu perfektes Bild einer Homage an eines der
ältesten Filmgenres überhaupt. Es fühlt sich etwas befremdlich an,
dass alle Dialoge in breiter Alpen-Mundart geführt werden. Mir
erschließt sich nach einer Weile, was „Das finstere Tal“
versucht; der Film entfaltet ein stilechtes Racheepos mit all den
Dingen, die dazu gehören. Der mysteriöse Fremde knöpft sich seine
Gegner der Reihe nach vor und dann gibt es sogar einen klassischen
Showdown in dem Gewehrkugeln und Blut nur so durch die Gegend
spritzen. Jeder Szene dieses Films merkt man die Hingabe zum Genre an
und endlich funktioniert der Versuch, einen hiesigen Genrefilm zu
kreieren. Das liegt an der Umgebung. Dieses Szenario in die Alpen zu
verlegen, wirkt vielleicht abwegig, aber es funktioniert. Was wissen
wir denn schon, was um die Jahrhundertwende in irgendeinem einsamen
Tal dort los war? Außerdem ist der Stil auf visueller Ebene dermaßen
konsequent, dass man vollkommen hineingezogen wird. Zusätzlich
scheint der Film keinerlei überflüssige Elemente einzupflegen.
Alles passt genau da hin, wo es ist. Die Story ist simpel, aber nicht
oberflächlich. Das gleiche gilt für die Charaktere. Zusätzlich
sprüht der Film vor Zitaten an „High Noon“, „Der Name der
Rose“ oder auch „Django Unchained“.Bevor das aber alles
ausartet, entdeckt man immer noch genug eigene Ideen.
„Das
finstere Tal“ ist also ein stilechter Western, der sich nicht davpr
scheut, bei Genre-Referenzen zu klauen, ohne das ganze aber zu einem
Remake, oder Persiflage verkommen zu lassen. Es ist eben einfach
irgendwie etwas Eigenes, erinnert aber stark an Bekanntes.
Es
fällt mir ein bisschen schwer, ausschweifend über den Film zu
schreiben. Einerseits gibt es gar nicht so viel, über das man
berichten kann. Das Gesamtbild dieses Films ist einfach total
stimmig, so dass es kaum markante, oder besonders auffällige
Sequenzen gibt. Außerdem will ich nicht zu viel verraten, denn für
mich hat „Das finstere Tal“ vor allem deshalb so gut
funktioniert, weil ich im Vorfeld nahezu keinerlei Informationen
hatte. Man sollte sich allerdings auf harten Tobak einstellen. Die
FSK hat dem Film zwar eine Ab-12-Freigabe erteilt, was das
Entscheidungsgremium aber dabei geritten hat, versteht wohl kein
Mensch.
Das
finstere Tal (AUT, D, 2014): R.: Andreas Prochaska; D.: Sam Riley,
Tobias Moretti, Paula Beer, u.a.; M.: Matthias Weber; OffizielleHomepage
In
Weimar: lichthaus
Kineast
im Radio: Jeden Sonntag, 14 Uhr auf Radio Lotte Weimar.
Donnerstag, 27. Februar 2014
FlimmerCASTen # 17 - Wie war's auf der Berlinale, Jan?
Während ihr hier nach und nach die Texte zu den einzelenen Filmen lesen könnt, die ich in Berlin gesehen habe, geht es im Podcast um das ganze Drumherum. Antonia und ich erklären zum Beispiel auch, warum hier solch merkwürdige Filme besprochen werden, die im diesjährigen Festival-Programm gar nicht aufgetaucht sind...
Wart Ihr schon auf der Berlinale? Sollten Papiertüten auf dem Kopf im nächsten Jahr der neue Modetrend auf dem Festival werden? Teilt's uns mit!
Wart Ihr schon auf der Berlinale? Sollten Papiertüten auf dem Kopf im nächsten Jahr der neue Modetrend auf dem Festival werden? Teilt's uns mit!
Dienstag, 25. Februar 2014
Berlin: Nyphomaniac 1
Kaum
ein anderer Film wurde in den letzten Monaten mehr diskutiert und
nicht wenige haben nach all dem Wirbel schmerzlich den Kinostart
herbei gesehnt. Ob diese Aufregung gerechtfertigt war und nicht die
Erwartungen so hoch geschraubt hat, dass sie dieser Film nicht
erfüllen kann, ist dem Regisseur wahrscheinlich egal. Was man von
Lars von Triers neuestem Machwerk „Nymphomaniac 1“ hingegen
halten soll, weiß man wohl auch erst, wenn man im Kino war.
Es
ist eine kalte Nacht, die an rostige und keimig, verklebte Wände, an
denen Brackwasser herunter rinnt denken lässt und an Rammstein. In
einer solchen Nacht findet der alte Mann namens Seligman eine übel
zugerichtete Frau auf dem Fußweg liegend. Er kümmert sich um sie
und schafft sie zu sich nach Hause. Hier packt er sie ins Bett und
flößt ihr warmes Essen und Getränke ein. Ob er die Polizei oder
einen Krankenwagen rufen soll, verneint sie. Sie sei ein schlechter
Mensch und das sei in Ordnung so. (Hat nicht ein berühmter Regisseur
vor klurzem etwas ganz Ähnliches gesagt?) Seligman glaubt nicht,
dass sie ein schlechter Mensch ist. Deshalb beginnt sie, ihm ihre
Lebensgeschichte zu erzählen, um zu beweisen, dass sie doch ein
schlechter Mensch ist. Dieses Leben besteht ausschließlich aus
extremen, sexuellen Erfahrungen, die sie seit ihrer frühesten
Kindheit sammelt. Der alte Mann zeigt sich von all den expliziten
Schilderungen nicht sehr schockiert und kontert mit Analogien vom
Fliegenfischen, dem Komponieren eines Orgelstückes und der
Weltliteratur. Während sie also ungeniert von ihrem Leben berichtet,
wird sie von ihm bemuttert und moralisch durchgefüttert.
Die
Story klingt ziemlich banal. Bei den meisten Pornofilmen gibt es so
etwas, wie eine Story gar nicht erst und so gesehen, könnte man
sagen, ist „Nymphomaniac 1“ regelrecht tiefgründig. Lange habe
ich überlegt, wie dieser Film zu bewerten ist und ich bin zu keinem
anderen Ergebnis gekommen. Manche bezeichnen diesen Film, als ein
wildes Kunstwerk, welches im Grunde nur die Gewalt und Vielfältigkeit
des Lebens nachzeichnet. Lars von Treir selbst hat nie einen Hehl
daraus gemacht, dass er einen Pornofilm gedreht hat. Ich finde, so
sollte ich das auch halten. Zwischen den einzelnen Kapiteln, die alle
jeweils ein neues Sexabenteuer schildern, gibt es Einschübe, die
sehr verkrampft wirken und an die tatsächliche Bildgewalt früherer
von-Trier-Filme erinnern sollen, hier aber total unpassend daher
kommen. Alles wirkt dadurch eher konfus. In einer Szene beschreibt
sie ausführlich von ihrer Entjungferung, in der nächsten zitiert er
den Text irgendeines romantischen Autors. Einmal wird der Zuschauer
mit einer beispiellosen Galerie männlicher Geschlechtsteile
bombardiert, gleich darauf mit perfekten Bildern eines spektakulären
Sonnenuntergangs verwöhnt. All das kann nicht verbergen, dass es in
diesem Film nur um eines geht: Um Sex. Um Sex in all seinen
faszinierenden, wie auch abstoßenden Formen. Ästhetische
Liebesszenen wird man hier kaum finden. So etwas gibt es in
Pornofilmen nun mal nicht. Stattdessen findet man eine beeindruckend
gespielte, aber leider vollkommen überflüssige Szene mit ihrem
Vater, der irgendwie noch zum Schlüsselsymbol werden soll.
Vielleicht. Das kommt möglicherweise im zweiten Teil erst. Womit wir
bei einem weiteren, großen Problem von „Nymphomaniac“ wären.
Lars von Trier hat nach Fertigstellung seines Filmes den sogenannten
Final Cut abgegeben. Dieser Cut legt fest, welche Version
letztendlich in den Kinos laufen soll. Aus vermarktungstechnischen
Gründen, wurde der Film erstens regelrecht kastriert – Sorry, aber
anders kann man es in diesem Fall schwerlich nennen – und damit
sämtlicher diskutabler Szenen, die im Vorfeld für so viel
Gesprächsstoff sorgten beraubt; zweitens wurde „Nymphomaniac“ in
zwei Teile gehackt. Der deutsche Verleih möchte dem deutschen
Publikum also weder eine Laufzeit von 5 Stunden, noch explizit
dargestellte, kopulierende Paare zumuten. Als Dank dafür bittet man
aber natürlich doppelt zur Kasse.
Das
Ergebnis ist eben eher unspektakulär, entspricht überhaupt nicht
den Erwartungen – ob nun negativ, oder positiv - die man an einen
Film dieses Regisseurs hat und zeigt vor allem, wie toll es noch
immer in der Filmwelt funktioniert, wenn man auf möglichst platte
und unkreative Art und Weise einfach mal drauf los provoziert.
Ich
hatte nicht einmal Freude am durchaus sehenswerten Cast des Filmes.
Einzig Uma Thurman zeigt gutes Schauspiel und rettet um Haaresbreite
den Ruf ihrer Zunft. Alle anderen sind austauschbar. Vor allem der
Typ mit der Papiertüte auf dem Kopf.
Nymphomaniac
1 (DK, D, B, F, GB, 2013): R.: Lars von Trier; D.: Charlotte
Gainsbourgh, Stellan Skarsgård, Stacy Martin, Shia
LaBeouf, Christian Slater, Jamie Bell, Uma Thurman, u.a.; Offizielle Homepage
In Weimar: lichthaus
Kineast im Radio: Jeden Sonntag, 14 Uhr
auf Radio Lotte Weimar.
Mittwoch, 19. Februar 2014
Nebenbei: Von Stöckchen und dem Soundtrack zum Leben
Mir wurde ein Stöckchen zugeworfen. So kommt es, dass ich plötzlich über ein Thema nachdenke, welches nicht unbedingt etwas mit FIlmen zu tun hat und mich dazu bringt, olle Platten heraus zu wühlen und an früher zu denken.
In
meinem Leben gibt es – und gab es schon immer – unglaublich viel
Musik. Das fing schon als Kind an. Mein Papa war schon immer sehr
interessiert und zu DDR-Zeiten als Schallplattenunterhalter mit extra
DJ-Diplom unterwegs. In den 70er Jahren war es wichtig, sich mit der
Musik zu identifizieren. Solche denkwürdigen Ereignisse, wie
Woodstock zumindest aus der Ferne mitzukriegen, war schon irgendwie
wichtig. Meine Eltern haben also schon immer viel Wert auf ihren
Musikgeschmack gelegt. Das heißt, ich bin mit den Beatles, den
Rolling Stones, Neill Young, Bob Dylan, und so ziemlich allen Ikonen
des Rock und Pop aufgewachsen. Mir hat dann irgendwann eine Band
besonders zugesagt. Ich weiß nicht warum, aber im Alter von sechs
Jahren oder so, habe ich unentwegt Supertramp gehört. Das war
irgendwann der Soundtrack zu allem, was ich so erlebt habe. Der
Ostsee-Urlaub wurde von „Crime Of The Century“ begleitet, meine
Grundschulzeit von „Chrisis? What Chrisis?“. Ununterbrochen hörte
ich das Livealbum rauf und runter, während die Mitschüler auf die
Eurodance-Welle und Schlumpfentechno abgingen. Aus heutiger Sicht ist
Supertramp irgendwie weniger ernst zu nehmen und aus irgendeinem
Grund werden die Fans unverhohlen belächelt. Möglicherweise liegt
das daran, dass Supertramp seit vielen Jahren mit ein und dem selben
Song ein eher mitleiderregendes Dasein auf den Servicewellen der
deutschen Radiolanfschaft fristet. Lustigerweise wurde vor einiger
Zeit „Give A Little Bit“ wieder neu entdeckt, weil Coca Cola den
Song für die aktuelle Imagekampagne durch sämtliche Kanäle dudeln
ließ. Irgendwann war bei mir dann chluss mit Supertramp. Von einem
Tag auf den nächsten erschloss sich mir eine völlig neue Musik, die
mit großflächig arrangierten Pop-Balladen über den Frieden in der
Welt gar nichts zu tun hatte. Wenn man den kontrastreichen Schritt
von Supertramp zu Drum'n'Bass beobachtet, könnte man vielleicht
denken, mein Leben hätte einen ebenso gravierenden Einschnitt
verzeichnet. Dem war nicht so. Plötzlich wollte ich hämmernde
Bässe, wahnwitzige BPMs und kreischende Vocalsamples. Drum'n'Bass
ist an sich keine Musik, die man sich geruhsam anhört, aber ab da an
gab es für mich nichts anderes mehr. Mir gefiel es, eine Musik zu
hören, die die meisten meiner Bekannten einfach nicht verstanden.
Das mangelnde Verständnis schlägt sich übrigens auch in
Filmsoundtracks nieder. Immer wieder haben Filmemacher versucht,
diesen Sound in ihre Werke einzubauen – meist mit fatalen
Ergebnissen. Der Soundtrack von „pi“ oder das Intro von „Event
Horizon“ bieten da die seltene Ausnahme von gelungenen Einsätzen
des Amen-Beats. Aber zurück zum Thema: Dadurch, dass ich so
konsequent und unaufhörlich Musik höre, gibt es keinen Peak oder
besonderen Moment, den ich mit einem bestimmten Song verbinde. Bei
den denkwürdigen Ereignissen in meinem Leben, lief dann
erstaunlicherweise keine Musik. Ich habe meine Freundin gefragt,
welcher Song vielleicht sowas ähnliches, wie unser Song sein könnte.
Sie antwortete: „Brauchen wir einen Song?“
Als
DJ werde ich oft gefragt, was meine Lieblingsplatte ist. Wenn ich nur
eine Lieblingsplatte hätte, könnte ich wohl kaum ein
abwechslungsreiches Set spielen.
Zerdenke
ich die ganze Sache vielleicht zu sehr? Okay! Ich sage jetzt einfach,
welcher Song, mir ganz spontan durch den Kopf geht: „Lass das mal
den Papa machen...“ Oha!
Das Stöckchen haben mir übrigens die Kollegen von Schöner Denken zu geworfen. Wie deren musikalischer Nostalgietrip aussieht, könnt Ihr hier nachlesen.
Abonnieren
Posts (Atom)