Donnerstag, 20. September 2012

Filmkunstmesse Leipzig 2012


Die Filmkunstmesse in Leipzig ist die größte Fachmesse für Arthousekinos in Deutschland.
Die Messe bietet für Kinobetreiber und Verleihfirmen zahlreiche Seminare und Workshops, sich über Strategien bei der Vermarlktung von kleineren Filmproduktionen weiterzubilden.Zusätzlich kann man sich über neue Kinotechnik informieren. Die zunehmende Digitalisierung des Kinos stellt viele kleine Kinos vor das Problem, dass sie nicht wissen, wie das Ganze finanziert werden soll. Der wichtigste Teil der Messe aber sind die FIlme. Viele FIlme, die erst noch in den deutschen kinos anlaufen werden, erleben in Leipzig oft ihre Premieren und in zahlreichen Screenings hat man einfach schon mal die Möglichkeit, die Filme zu sehen und als Kinobetreiber zu entscheiden, ob man sie spielen will.
Und damit sind wir beim interessanten Teil der ganzen Veranstlatung.
Alles, was arthousetechnisch im nächsten halben Jahr auch nur ansatzweise interessant werden könnte, wird hier gezeigt.
So gibt es zum Beispiel die neuen Arbeiten von Francois Ozon und Oliver Stone zu sehen. Fathi Akim ist sogar selbst anwesend und hat seinen neuen Film im Gepäck.
Außerdem läuft die Neuverfilmung von Charles Dickens "Great Expectations" - mit Helena Bonham Carter und Ralph Fiennes - die bereits jetzt schon mit Preisen überhäuft wurde.
Es läuft "Die Jagd", der neue FIlm von Thomas Vinterberg.
Eröffnet wird die Messe von "Die Wand", ein atemberaubender und beeindruckender Solo-Auftritt von Martina Gedeck.
All das läuft und Jan muss draußen bleiben, der aus organisatorischen Gründen noch immer kein Badget um den Hals trägt. Aber das ist ein anderes Thema, über das sich an anderer Stelle mit hochrotem Kopf ereifert wird
Der neue FIlm von Martin MacDonagh steht auf dem Programm und heißt "Seven Psychopaths". Der "Brügge - sehen und sterben"-Regisseur schickt ein hochkarätiges Ensemble in eine turbulente Gangster-Komödie. Wir sehen Colin Farell, Sam Rockwell, Woody Harelson und Christopher Walken. Das Ganze istvöllig überzogen aber mit grandiosen Witzen und spritzigen Dialogen. Ein großer Spaß für Menschen mit einer leichten Affinität zu schwarzem Humor und ein Fest für alle Filmfans. Der Film ist nämlich vollgepackt mit skurillen Zitaten aus dem Actionkino der 70er Jahre.
Hatte ich erwähnt, dass Tom Waits auch mit spielt? Nein? Jetzt sei es erwähnt. Obwohl das eigentlich nicht nötig gewesen wäre. Bei einem Film von MacDonagh, der "Seven Psychopaths" heißt, ist doch eigentlich klar, dass Tom Waits einer von ihnen ist.

Einen ganz anderen Ton schlägt "Lore" an.
Die australische Regisseurin Cate Shortland tut das, was sich offenbar kein deutscher Regisseur traut. Sie präsentiert die filmische Aufarbeitung der unmittelbaren Nachkriegszeit in Deutschland. Lore ist die Tochter eines hochrangigen Nazigenerals. Als die Eltern von den Alliierten abgeholt werden, schnappt sich Lore ihre vier Geschiwster und flieht. Auf dem Weg zur Großmutter quer durch das zerstörte Land, wird Lore mit großen zweifeln an ihrer bisher unerschütterten Überzeugung konfrontiert. Der Film gewährt einen verstörenden Blick auf eine Zeit, über die wir eigentlich gar nicht zu genau bescheid wissen wollen. Auch, wenn viele Dinge nur angedeutet werden, muss man mit Lore schreckliche Dinge durchleben. Selbst Shortland war das wohl alles etwas zu hart, denn sie weicht das ganze ab und zu mit fiebrigen und kunstvollen Einsprengseln auf, die den Zuschauer zwar etwas schonen, aber irgendwie deplatziert wirken. Dennoch ist "Lore" ein sehr beeindruckender Film mit nicht minder beeindruckenden Nachwuchsschauspielern.
Soweit ein kleiner Einblick in die unglaublich große Liste an Filmen, die in diesem Jahr in Leipzig präsentiert wurden.

Auch in ihrer zwölften Ausgabe hat die FIlmkunstmesse in Leipzig wieder gezeigt, wie viel Potential der gesamte Arthouse-Sektor birgt. Überraschendes, Beeindruckendes und viele kleine Filmperlen, die im nächsten halben Jahr laufen werden, lassen das Filmherz höher schlagen und mich regelrecht frohlockend in den kalten winter starten.
Das wird ein Fest...

"Seven Psychopaths" wird in Deutschland, vorraussichtlich unter dem Titel "Sieben Psychos", am 6. Dezember 2012 starten.
"Lore" startet am 1. November 2012. Der Film hat schon jetzt diverse Preise erhalten, unter anderem den Publikumspreis von Locarno. "Lore" wurde außerdem für die Oscars zur Nominierung eingereicht.

Was bleibt

"Der deutsche Film..." Ich habe keine Ahnung, wie viele Rezensionen an dieser Stelle schon mit diesen Worten begonnen haben. Filme aus Deutschland sind wichtig, präsentieren sich aber stets mit einer sehr stark schwankenden Qualität. Es ist also ein Unterschied, ob der Regisseur hinter einem Projekt nun Marcus H. Rosenmüller heißt, oder Til Schweiger. Neben zahlreichen völlig überbewerteten Romantic Commedys aus deutschen Landen, gibt es - Gott sei Dank - immer wieder kleine Perlen, die die große Bürde auf sich genommen haben, die Ehre des deutschen FIlmes zu verteidigen. So auch der neue Film von Hans-Christian Schmid "Was bleibt"

Marko hat es derzeit nicht besonders leicht. Die Beziehung zu seiner Freundin ist grade dabei, in die Brüche zu gehen und Markos Sohn leidet schon jetzt sehr unter der bevorstehenden Trennung seiner Eltern. Dann trudelt eine Nachricht seines Vaters ein. Irgendetwas wichtiges scheint passiert zu sein und die Eltern trommeln die ganze Familie und einige Freunde zusammen, für ein Treffen und eine kleine Feier.
Nachdem alle im Elternhaus eingetroffen sind, stellt sich heraus, dass es eine reine Familienveransstaltung wird und die große Ankündigung eigentlich eher eine Nebenrolle spielt. Der Vater hat seinen erfolgreich laufenden Verlag abgegeben. Gitte, die Mutter von Marko hat allerdings den größeren Hammer auf Lager. Seit vielen Jahren ist sie psychisch schwer krank und hat nun die Medikamente abgesetzt. Sie glaubt, auch ohne sie gut leben zu können. Die Familie ist da anderer Ansicht. Günther - der Vater - hält das für einen großen Fehler und nimmt sich vor, siene Frau noch vorsichtiger zu behandeln. Das wiederum führt dazu, dass Gitte sich ausgeschlossen fühlt. Das alles ist aber nur der Gipfel einer sehr langen und traurigen Familiengeschichte. all das bricht nun über Marko herein, der merkt, dass seine eigene Familie vielleicht noch gerettet werden kann.

Hans-Christian Schmid ist auch ein Regissuer, dessen Arbeiten einer stark schwankenden Qualität unterliegen. "23" zählt unter Fans zu  denausführlichsten Retrospektiven zum Thema Illuminaten und Verschwörungstheorien. "Crazy" wiederum war filmisch eher schwach, hat aber einen unglaublichen Erfolg gefeiert, weil die klischeebeahftete Komödie über kleine Jungs, die auf einem Internat langsam zu großen Jungs werden, bei der Zielgruppe irgendwie genau ins Schwarze getroffen hat. Über den Wahrheitsgehalt solch martialischer Riten, wie Kekswichsen wird noch heute heiß diskutiert.
"Was bleibt" wirkt auf den ersten Blick ganz anders, entpuppt sich aber schnell als perfekte Stilschablone für die Arbeiten von Hans-Christian Schmid.
Der Film fährt den gewohnten reduzierten Stil - unvermeidlich ist natürlich die Wackelkamera - und legt den Fokus auf die Figuren.
Corinna Harfouch ist eine wunderbare Schauspielrin, die ihre Rollen stets enrom überzeugend zu spielen versteht, es aber auch immer wieder sehr verblüffend meistert, ihre ganz persönliche Noite mit einzubringen.
Auch Lars Eidingers Darstellung ist sehr gelungen und es macht große Freude, den Schauspieler bei der Arbeit zu beobachten. Er ist eben einfach ein sympathischer Typ und versteht ebenfalls, diese Eigenschaft in seine Rolle mit einfließen zu lassen.
So positiv diese beiden Schauspieler auffallen, wirkt der Rest des Ensembles irgendwie hölzern und gekünstelt. Viele Szenen im Film sollen sehr alltäglich, also echt, wirken. Durch das hölzerne Spiel einiger Figuren wirkt es aber irgendwie falsch oder unpassend. Man hat nicht den Eindruck, dass die einzelnen Familienmitglieder wirklich unter der Situation leiden. Vor allem Jacob nervt schon fast durch seine komische Gestik, und seine Art zu sprechen klingt, wie auswendig gelernt.
Abgesehen davon ist der Film allerdings sehr rund und erzählt eine traurige Geschichte, die packt und mitfühlen lässt.

Einen dicken Kloß im Hals habend, verlässt man das Kino und ist doch gleichzeitig froh darüber, mal wieder ein solches Erlebnis gehabt zu haben. Filme, die derart gekonnt mit den Emotionen spielen können, gibt es nicht oft. Wenn es sie gibt, dann kommen sie oft aus Deutschland. Mission geglückt?

Was bleibt (D, 2012): R.: Hans-Christian Schmid; D.: Corinna Harfouch, Lars Eidinger, Sebastian Zimmler, u.a.; M.: The Notwist; Offizielle Homepage

In Weimar: lichthaus

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Montag, 10. September 2012

Kineast auf der Filmkunstmesse 2012

Nächste Woche geht es wieder los. Die sympathische Messe für Arthousekino lädt zum 12. Mal nach Leipzig ein. Nachdem ich im letzten Jahr sehr gute Erfahrungen gesammelt habe, wird in diesem Jahr alles ein bisschen anders. Ich habe durch glückliche Umstände die Möglichkeit, wesentlich mehr Filme sehen zu dürfen. Deshalb werden die Beiträge in diesem Jahr etwas anders gestreut. Der Tickercharakter vom letzten Jahr fällt diesmal flach und die Filme, die ich gesehen habe, werden viel ausführlicher besprochen werden. Am 17. September geht's los und ich bin sehr gespannt, was es nach so großartigen Filmerlebnissen im letzten Jahr („Melancholia“, „Drive“, etc.) diesmal zu erleben gibt.

Freitag, 7. September 2012

Total Recall

Da haben wir es doch mal wieder.: Die Einfallslosigkeit erreicht neue Ebenen und man hat sich in Hollywood offensichtlich auf das Neuauflegen von Märchenklassikern festgelegt. Gestern wurde der erste Trailer von „Hänsel & Gretel Hexenjäger“ veröffentlicht und hat für vielerlei Kopfschütteln gesorgt. Es ist kein Wunder, dass angesichts solcher völlig bekloppter Entgleisungen lieber auf Nummer sicher gegangen wird, und man sich auf das Produzieren von Remakes konzentriert.
Besonders das Actionkino aus den späten 80ern und frühen 90ern erlebt derzeit eine Wiederauferstehung, oder eben Leichenfledderei, je nach Ansicht.
Regisseur Len Wiseman, der in der letzten Zeit hauptsächlich durch Leichenfledderei des „Underworld“-Franchise von sich Reden machte und ein eher unterdurchschnittliches „Stirb langsam 4.0“ abgeliefert hatte, geht nun wacklige Schritte in der zwiespältigen Ruhmeshalle der Remakes und läuft derzeit mit seiner Neuauflage des Verhoeven-Trash-Klassikers „Total Recall“ in den deutschen Kinos.

Wir sind in einer düsteren Zukunft. Die Erde ist nach irgendwelchen Kriegen nahezu unbewohnbar. Es gibt noch zwei Flecken, die von Menschen bevölkert sind. Lediglich im ehemaligen Großbritannien und in Australien ist Leben überhaupt noch möglich. In Europa haben es sich die Reichen und Schönen der Welt gemütlich gemacht und auf der anderen Seite der Welt, ist die Arbeiterklasse der neuen Gesellschaft untergebracht. Durch einen großen fahrstuhlartigen Schacht pendeln die Arbeiter regelmäßig quer durch den Planeten, um in riesigen Fabriken zu arbeiten und zu malochen. Dass dieses System nicht nur Freunde hat, ist klar. Besonders in der Kolonie gibt es große Schwierigkeiten mit dem Widerstand, der vom mysteriösen Matthias angeführt wird.
Das kann Kanzler Cohaagen nicht akzeptieren, denn es geht auch um einen Riesenhaufen Geld und Macht.
Douglas Quaid ist ein einfacher Fabrikarbeiter, der aber irgendwie das Gefühl hat, für mehr bestimmt zu sein. Er kriegt diesen Gedanken nicht aus seinem Kopf und auch seine wunderschöne Frau Lori kann ihn nicht so recht trösten. Außerdem wird Doug von merkwürdigen Träumen geplagt. Eines Tages erfährt Doug von einer Firma namens Rekall. Diese Firma hat sich darauf spezialisiert, Erinnerungen zu implantieren, so dass man, zum Beispiel, einen super teuren Urlaub machen kann, ohne wirklich weg zu fahren. Außerdem kann man Dinge tun, die man in der Wirklichkeit nie tun qüesw. Doug besucht Rekall und nach anfänglicher Skepsis entscheidet er sich für ein ganz besonderes Angebot. Er will Geheimagent sein. Das Programm sieht alles vor, was das Herz begehrt.  Eine ausgewachsene Verschwörung, massenhaft böse Jungs, das hübsche Mädchen von Nebenan und die unvermeidliche Femme Fatale. Doug hofft, dass ihm dieses Erlebnis ein bisschen Abwechslung bringt und greift zu. Und damit gehen die Probleme los.

Wie sollte man sich ein Remake angucken? Das hängt im Wesentlichen davon ab, was hier neu aufgelegt wurde. Zu viele Gedanken sollte man sich darüber aber nicht machen. Die meisten Remakes sind nämlich tatsächlich überflüssig und reichen qualitativ sehr selten an das Original. Apropos Original: Bevor man den neuen Film sieht, kann man sich natürlich den alten Schinken ansehen. Dieser Film ist natürlich alt und im Falle eines Science Fiction Filmes ist er technisch längst überholt. In manchen Filmen sieht man, wie man an die Grenzen des Machbaren gestoßen ist und ist vielleicht gespannt, wie man die entsprechende Szene mit moderner Tricktechnik gemacht hat. Beim Betrachten des alten Filmes achtet man auf die Atmosphäre und welche Elemente im Vordergrund sind. Also, was den Film zu dem macht, was er ist.
Im Falle von Paul Verhoevens „Total Recall“ von 1990, sind die prägenden Elemente ganz schnell ganz klar. Aus regelrecht jeder Pore des Films dringt der Koloss Arnold Schwarzenegger. Daneben gibt es eigentlich nur noch Action und eine Frau mit drei Brüsten. Damit sind auch die Prioritäten des Regisseurs dargelegt. Trotzdem gelingt noch der faszinierende Story-Zwist, dass man eigentlich nie so richtig weiß, ob all die Ereignisse nun wirklich stattfinden, oder lediglich in Dougs Kopf.
Len Wisemans Film nun ist viel aufwändiger produziert. Mit beeindruckenden Special-Effects wurde hier eine sehr detaillierte Zukunftswelt geschaffen. Alles ist irgendwie übereinander gestapelt und vermittelt ganz gut den Eindruck einer überbevölkerten Stadt. Einige Ecken sehen zwar exakt so aus, wie in „Blade Runner“, aber das ist okay. Schließlich basiert auch dieser Film auf einer Kurzgeschichte des Blade-Runner-Autoren Philip K. Dick. Die Charaktere sollen viel mehr Tiefe zeigen, als im Original. Das gelingt eher weniger gut und hält eigentlich nur den Flow des Filmes auf. Die Action-Szenen sind sehr schick, allerdings sieht man sich zu schnell an ihnen satt und irgendwann scheint der Film nur noch aus unendlichen Ballereien zu bestehen. Nüchtern betrachtet liefert Len Wiseman also nur Action und die Frau mit drei Brüsten – ohne Arnie. Und damit sind wir beim großen Problem dieser Neuauflage. Schwarzenegger-Filme ohne Schwarzenegger können einfach nicht funktionieren. Durch diesen Darsteller haben alle Filme einen bestimmten Touch bekommen, den man entweder mochte, oder nicht. Arnie gab selbst den allergrößten Mistfilmen noch eine besondere Note.
Egal, was diese besondere Note ausgemacht hat, ernst durfte man das nie nehmen. Aber Len Wiseman nimmt es ernst. Kein hintergründiger Sarkasmus mehr und keine Seitenhiebe auf die heutige Gesellschaft. Keine raffinierte Szene, in der ein Schweißtropfen zum Schlüsselsymbol avanciert. Stattdessen nimmt man lieber Dubstep.
Wie guckt man also am besten ein Remake? In diesem Fall wohl gar nicht.

„Total Recall“ fängt sogar ganz gut an. Der Film bietet einige Ansätze, die er dann aber nicht verfolgt. Technisch beeindruckt Len Wiseman allemal. Er gibt sich so viel Mühe, diese Welt überzeugend aussehen zu lassen und erzielt dabei verblüffende Ergebnisse. Dann lässt er das Potential wirkungslos verpuffen, weil er eben die stumpfsinnige Geschichte eines zwanzig Jahre alten, trashigen Actionfilmes nach erzählen will. Eigentlich - wenn man sich das mal genau betrachtet - ist das eine völlig bekloppte Idee!

Total Recall (USA, CAN, 2012): R.: Len Wiseman; D.: Colin Farrell, Kate Beckinsale, Jessica Biel, Bill Nighy, u.a.; M.: Harry Gregson-Williams; Offizielle Homepage

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Donnerstag, 16. August 2012

Prometheus - Dunkle Zeichen

Der Weltraum. Die letzte Grenze. Jedoch liegt es in der Natur des Menschen, seine Grenzen auszuloten und sich immer weiter zu entwickeln. Die Grenzen, die sich dem Menschen in den Weg stellen, sind nur die, die er sich selbst auferlegt – und seien es nur die Grenzen der eigenen Fantasie. Durch das ständige Fragen und Forschen, werden Grenzen auch überschritten und so ist auch der Weltraum längst nicht mehr so, wie ihn Gene Roddenberry einst beschrieb. Science-Fiction-Filme gab es schon immer. Einer der ersten Filme überhaupt berichtet von der Reise zum Mond, lange, bevor Neil Armstrong seinen berühmten Satz über große und kleine Schritte zur Erde sandte. Viele nachfolgende SciFi-Werke hatten vor allem die Faszination gemeinsam, die eine Reise ins All bedeutet. Es ist eben eine neue Welt, in der es allerlei aufregende Abenteuer zu bewältigen gilt. Ridley Scott veränderte 1979 mit „Alien“ alles. Das Weltall war plötzlich ein sehr gefährlicher Ort, in dem Wesen existierten, deren Kraft und Ausdauer nur noch von ihrer Boshaftigkeit übertroffen wurde.
„Alien“ machte unfassbare angst und inspirierte zugleich einige andere Regisseure zu grandiosen Sequels. Die Serie hat in den letzten Jahren allerdings sehr gelitten. Diverse Versuche, Spin-Offs in Videospielästhetik und mit arg bemühten Klassentreffen mit anderen Filmmonstern zu etablieren, scheiterten an der Fantasielosigkeit der Filmemacher. Höchste Zeit, dass sich Scott selbst zurück meldet, um das Alien-Universum erneut unsicher zu macht.

Wir befinden uns auf der Erde, viele Jahre vor den Ereignissen des ersten Filmes. Eine Gruppe von Forschern rund um die Wissenschaflterin Elizabeth Shaw, hat eine waghalsige Theorie aufgestellt. Mehrere archäologische Funde unterschiedlicher prähistorischer Zivilisationen zeigten immer wieder die gleichen Motive, obwohl die verschiedenen Völker absolut keine Berührungspunkte haben konnten. Die Piktogramme stellen eine Sternkarte mit Koordinaten dar und dort hin wollen die Forscher fliegen. Man erhofft neben der Entdeckung einer außerirdischen Rasse, auch Hinweise auf die Entstehung der Menschheit zu finden. Weitere Thesen des Forscherteams gehen nämlich davon aus, dass wir von Fremden erschaffen wurden.
Die Firma „Weyland Industries“ finanziert den Bau eines neuen Schiffes und den gesamten Flug in die Tiefen des Alls. Nach einer Flugzeit von mehr als zwei Jahren, erreicht man das Ziel und landet. Auf der Oberfläche sieht es ganz so aus, als wäre alles buchstäblich ausgestorben. Nachdem allerdings Beweise gefunden wurden, die die Thesen der Wissenschaftler untermauern, beginnen, merkwürdige Vorfälle die Crew immer mehr zu beunruhigen.
Bald wird klar, dass es auf dem entlegenen Planeten doch noch etwas Lebendiges zu geben scheint. An dieser Stelle wird das Team auf eine harte Probe gestellt. Während Dr. Shaw einige sehr beunruhigende Entdeckungen macht, und sie eigentlich so schnell, wie möglich wieder weg will, hat der Android David andere Pläne. Er scheint eher dafür sorgen zu wollen, dass das, was da noch lebt, an Bord der Prometheus gelangt. Während sich die Crew gegenseitig sabotiert und verdächtigt, springen plötzlich die Bewegungsmelder an.

Ach Alien. Was bist du für ein merkwürdiges Ding? Dein Körper scheint nur aus Klauen und Zähnen zu bestehen und du bist komplett mit Schleim bedeckt. Außerdem hast du regelrecht perverse Fortpflanzungsgewohnheiten. Du lässt ein handförmiges Krabbelvieh aus einem Ei hüpfen. Das Ding saugt sich am Gesicht des Opfers fest und legt ein Embryo ab. Wenn das Vieh gewachsen ist, sprengt es die Brust des Opfers und hüpft raus. Dann geht es nur noch ums Überleben und Töten. Urinstinkte treiben dich an und du könntest die perfekte Waffe sein, wärst du nicht so unberechenbar bösartig. Die ganze Galaxis scheint das zu wissen, außer die dummen Menschen.
Das alles konnte man noch nicht wissen, als der erste „Alien“-Film in den Kinos lief. Ein großer Teil der Spannung entstand dadurch, dass man das Alien gar nicht richtig gesehen hat. Man wusste im Grunde nur, es ist da und keiner der Besatzung der Nostromo hat auch nur den Hauch einer Chance. Die Spannung wurde noch erhöht durch die beklemmende Atmosphäre eines riesigen Raumschiffs, dass in den unendlichen Weiten des Alls doch nur ein winzig kleiner Punkt war. Die Dimensionen des Dramas im Bezug auf die Dimensionen der Umgebung, erzeugten ein deprimierendes Gefühl der absoluten Hoffnungslosigkeit.
„Prometheus“ nun will im Grunde kein „Alien“-Film sein. Scott baut aber die perfekte Bühne dafür. Alle Elemente sind bekannt. Das riesige Schiff mit langen und verwinkelten Gängen lässt sofort nostalgische Gefühle aufkommen. Die Besatzung verbringt den größten Teil der Reise in Stasiskammern. Nur der Android David ist wach und passt auf. Der zeigt immer wieder, dass er wirklich nur eine künstliche Person ist, gleichzeitig  aber zum Beispiel ein enorm einprägsames Charaktergesicht besitzt. Mit leicht süffisanten Ausdruck verkündet er also, er habe keine Emotionen. Wer's glaubt? Waren doch in den früheren Filmen die Androiden Ash und Bishop mit die interessantesten Figuren der ganzen Reihe. An dieser Stelle hat Michael Fassbender übrigens erneut Gelegenheit, sein schauspielerisches Talent, überzeugend zu zeigen.
Beeindruckend ist auch Noomi Rapace, die seit der schwedischen Version von „Verblendung“ nicht wirklich tolle Rollen ergattert hat. Hier avanciert sie auf faszinierende Weise zur neuen Ripley, die aber dennoch ihre ganz eigenen Charaktereigenschaften ausbauen kann.
Und da haben wir die Bühne. Alles ist bereit für den perfekten „Alien“-Film. Und genau an dieser Stelle biegt Scott ab.
Als hätte er plötzlich keine Lust mehr und als würde er lieber eine andere Geschichte erzählen wollen. Interessanterweise wirkt das nicht krampfhaft, sondern sehr gekonnt. Die Dramaturgie des Filmes ist gut ausgearbeitet und schafft es, selbst gestandene „Alien“-Fans, die sich total gut auskennen, zu überraschen. Abgesehen davon funktioniert „Prometheus“ trotzdem immer noch irgendwie als Prequel. Scott hat es allerdings so konstruiert und konzipiert, dass man die Geschichte von Dr. Shaw auch vom eigentlichen Franchise los gelöst betrachten kann. Auf der anderen Seite geht es wiederum nicht, ohne die bekannten Versatzstücke. Ein interessantes Bild. Ridley Scott wollte vielleicht einfach wieder mit den Elementen spielen, die er einst selbst etabliert hatte, ohne unbedingt die Geschichte fortsetzen zu wollen.

„Prometheus“ ist ein Fest für die Fans. Neben den bekannten Elementen und Motiven ermöglicht die aktuelle Tricktechnik obendrein noch fantastische Bilder. Und auch, wenn dieser Film als so etwas ähnliches, wie eine Vorgeschichte im „Alien“-Universum angesiedelt ist, muss man die alten Filme nicht zwangsläufig gesehen haben. Ganz abseits des Franchises ist „Prometheus“ ein großartig inszenierter und unglaublich spannender Science-Fiction-Film. Für mich einer der Höhepunkte des Kinojahres 2012. Je größer die anfängliche Skepsis ist, desto größer ist die Begeisterung nach dem Kinobesuch.

Prometheus (USA, 2012): R.: Ridley Scott; D.: Noomi Rapace, Michael Fassbender, Charlize Theron, u.a.; M.: Marc Streitenfeld; Offizielle Homepage

In Weimar: CineStar

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Freitag, 10. August 2012

Ted

Seth MacFarlane ist ein witziger Mann. Nach dem Besuch des Kent-Internats studierte er Filmwissenschaften und machte seinen Abschluss im Bereich Animation. Schnell wollte er das Erlernte in die Tat umsetzen und arbeitete unter anderem für Hanna-Barabara-Productions und Cartoon Network.
1999 ging seine eigene Serie „Family Guy“ auf Sendung und versammelte gleichermaßen Verehrer und Kritiker um sich. MacFarlane bedient sich eines sehr bissigen und satirischen Humors, der stets mit dem guten Willen und dem Geschmack der Zuschauer spielt. Nichts und niemand ist vor ihm sicher. Zusätzlich werden regelmäßig Filmzitate aufs Korn genommen. Diese Mischung verleitet viele dazu, die Serie mit den „Simpsons“ zu vergleichen. Doch „Family Guy“ ist etwas eigenes und hat auch seinen ganz eigenen Humor. Jetzt hat MacFarlane seinen ersten Kinofilm gemacht, der entgegen früherer Ankündigungen kein „Family Guy“-Film geworden ist, sondern etwas Neues.

Johnny hat als kleiner Junge keine Freunde. Seine Eltern sind verbohrt und konservativ und während all seine Freunde die tollsten Spielsachen unter dem Weihnachtsbaum finden, bekommt Johnny einen...Teddy. Johnny freut sich tatsächlich sehr über das Geschenk und die Eltern können gar nicht fassen, wie dumm, oder genügsam ihr Sohn ist. Doch Johnny ist weder das eine, noch das andere, er ist höchstens ein bisschen naiv. Er wünscht sich jedenfalls ganz fest, dass sein neuer Teddy lebt und mit ihm reden könnte.
Da es in der Welt nichts mächtigeres gibt, als einen Kinderwunsch – abgesehen vielleicht von einem Apache-Kampfhubschrauber – geht Johnnys Wunsch in Erfüllung und sein Teddy erwacht zum Leben.
Die beiden werden beste Freunde und daran hat sich auch nach 27 Jahren nichts geändert.
Johnny hat allerdings mittlerweile eine Freundin, die die Beziehung etwas ernsthafter angehen will. Doch, solange Ted bei Johnny lebt, wird dieser nie erwachsen. Also muss Ted ausziehen und sich einen Job suchen. Kein einfaches Unterfangen für einen pöbelhaften Plüschteddy mit einem echten Drogenproblem.

Seth MacFarlane macht es in seinem Regiedebut ganz ähnlich, wie in der Fernsehserie. Er entwickelt Figuren, die in ihrer Umgebung total unpassend wirken, was aber im Film oder in der Serie niemanden aufzufallen scheint. In der Serie ist es völlig normal, dass ein Baby oder ein Hund spricht und Auto fährt. Genau so verhält es sich mit Ted. Er mag ein Teddybär sein, aber er hat ganz normale menschliche Verhaltensweisen und allein dieser Kontrast ist ein großer Hingucker.
Abgesehen davon ist dieser Bär total witzig. Ein niedliches Plüschtier entpuppt sich als bitterböser und sarkastischer Prolet, der säuft, kifft und sich Prostituierte einlädt. Diese starken Charaktereigenschaften wirken sich positiv auf die Hauptfigur aus, lassen aber die menschlichen Nebenfiguren relativ farblos da stehen. Gegen Ted haben sie einfach keine Chance und Möglichkeit, mehr als bloß schablonenhafte, stereotype Figuren zu sein. Dafür machen aber Mark Wahlberg und Mila Kunis einen passablen Job und man kann ihnen an sich nicht vorwerfen, dass sie im Angesicht des Teddys zurück treten.
Die Sprüche und Witze entsprechen dem bissigen Humor, den man bei Seth MacFarlane kennt, ebenso, wie Zitate aus allen möglichen und unmöglichen Filmklassikern.
Es gibt auch einige echt gelungene Cameo-Auftritte, alter und neuer Stars. Technisch ist der computeranimierte Teddy ebenfalls gelungen. Seine Bewegungen und vor allem die Mimik sind sehr detailliert und zeigen eine enorme Hingabe beim Entwickeln der Figur. Dafür hapert es an manch anderer Stelle. Eine Auto-Verfolgungsjagd wurde mit einfachen Digitalkameras gefilmt und wirkt dadurch schon sehr plastisch und durch den etwas hektischen Schnitt geht viel von der Atmosphäre – die wahrscheinlich bedrohlich, oder zumindest spannend sein sollte – einfach flöten.

Wer aber braucht schon besonders dichte Atmosphäre, wenn er einen sprechenden, sauwitzigen und so dermaßen niedlich aussehenden Teddybären hat? „Ted“ ist eine Komödie, die in alle Richtungen austeilt und wem der bissige Humor MacFarlanes zu sehr auf das zarte Gemüt schlägt, sollte den Film auslassen. Ha! Nur, weil er im Kino läuft, zieht MacFarlane doch nicht die Krallen ein. Der Mann, der den medialen Shit-Storm erfunden hat, oder zumindest eine neue Daseinsebene dieses neuartigen Phänomens ergründet hat, stürmt einfach immer weiter und weiter. Geht auf die Barrikaden, wenn ihr glaubt, es würde etwas nützen. Mit größter Sicherheit landet ihr dann in einer der nächsten Folgen von „Family Guy“.

Ted (USA, 2012): R.: Seth MacFarlane; D.: Mark Wahlberg, Mila Kunis, Seth MacFarlane, u.a.; M.:Walter Murphy; Offizielle Homepage

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Donnerstag, 2. August 2012

Mal wieder gesehen - Batman

Das fulminante Finale der Christopher-Nolan-Trilogie „The Dark Knight Rises“ läuft derzeit mit vollem Erfolg in den deutschen Kinos. Ein Grund für die hohen Besucherzahlen im Allgemeinen ist auch die virale Marketingkampagne, die dem Film voraus geeilt ist. Im Grunde wurde der Hype schon durch das extrem fiese Ende des Vorgängerfilms „The Dark Knight“ eröffnet. Ein Jahr vor Release kam der erste offizielle Teaser-Trailer und seitdem gab es fast täglich kleine Häppchen, bis die Vorfreude in Hysterie umschlug und die Erwartungen regelrecht gottgleiche Ebenen erreichten.
Ich wurde sozusagen Monate lang gedrillt und auf Batman gemünzt und letzte Woche war plötzlich alles vorbei. Die ganze Aufregung lief auf fantastische zweieinhalb Stunden hinaus und entlud sich brachial.
Und nun ist Schluss?
Einfach so? Niemals! Ich bin im Batman-Fieber. Das ebbt nicht einfach so ab, nur weil man den neuen Film einmal gesehen hat. Ich werde ihn mir mindestens noch dreimal ansehen, so lange er im Kino läuft. In der letzten Woche habe ich mir außerdem die alten Filme noch einmal reingezogen und interessante Dinge festgestellt, was die Entwicklung der Figur Batman im Film anging.
Fangen wir von Vorne an.

Naja. Vielleicht nicht ganz von vorne. Denn den ersten Leinwandauftritt gab es bereits 1943 mit „Batman“. Alberne Kostüme und eine völlig bekloppte Story hoben den Fremdschämfaktor enorm an. Nicht viel besser waren die Batman-Filme in den 60er Jahren. Adam West spielte den dunklen Rächer und lies ihn zum Moralapostel verkommen. Unerträglich und unfreiwillig komisch: Batmans Schlaumeierei. Und in den Kampfszenen werden Comicschriftzüge eingeblendet. „Pow“ und „Bang“? Lieber nicht.
Tim Burton war dann der erste Regisseur, der die ganze Sache etwas ernster angehen wollte. Im wahrsten Sinne des Wortes. Er konnte 1989 für seinen „Batman“ ein hohes Aufgebot an hochkarätigen Schauspielern gewinnen. Jack Nicholson schlüpfte in die Rolle von Batmans Erzfeind, den Joker. Batman selbst wurde vom relativ unbekannten Michael Keaton dargestellt und gilt allgemein als Schwachpunkt des Filmes. Ich mochte allerdings seine reduzierte Art. Sein Bruce Wayne war melancholisch, aber auch irgendwie sehr locker und cool und fast schon zynisch. Gerade neben einem solch starken Charakter, wie dem Joker, hebt sich sein Stil angenehm ab, auch wenn er dem  Bruce Wayne aus der Comicvorlage nicht mehr so nahe war.
Tim Burton schafft mit „Batman“ eine düstere Utopie. Sein Gotham besteht aus gigantischen Türmen, die sich über den Moloch erheben. Er erinnert daran, dass im Namen der Stadt nicht umsonst das Wort „gothic“ steckt. Überall gibt es riesige Statuen und Kirchentürme. Nie scheint die Sonne. Obendrein hat aber alles eine gewisse Papp-kulissen-Ästhetik, die dem ganzen eine Film-Noir-ähnliche Atmosphäre gibt. Gepaart mit den unvermeidlichen 80er Jahre Kitsch und Bergen aus Haaren, ergibt sich eine einmalige Ästhetik, die aber ein sehr stimmungsvolles Bild zu zeichnen vermag. Die Story ist relativ simpel und der Hauptfokus des Films liegt eindeutig auf der Ausstattung und den Actionszenen. Die sind sehr aufwendig produziert und strotzen nur so vor Kraft. Allein die Etablierung des Batmobiles ist so cool gelungen, dass einige Einstellungen auch aus irgendwelchen Hip-Hop-Lowrider-Clips hätten stammen können. Eine Szene, in der Joker und seine Kumpane ein Museum überfallen, um die dortige Kunst zu „verbessern“ zählt zu den bekanntesten Sequenzen des modernen Hollywood. Eine andere Szene, in der Joker bei einem Chirurgen auf dem Stuhl sitzt und sich grade sein Gesicht hat operieren lassen, wurde schon sehr oft in anderen Filmen zitiert und zählt ebenfalls zu den großen Klassikern. Das Abwickeln des Verbandes in Jokers Gesicht symbolisiert ein Stück weit die Geburt des modernen Actionfilms. Denn vor allem technisch legte „Batman“ neue Maßstäbe. Bewegte sich die Handlung ein bisschen freier abseits der Comicgeschichte, gestaltete sich der Film dadurch um so zugänglicher für eine breites Publikum.
Tim Burton wurde über Nacht berühmt und Batman konnte sein frevelhaftes Image als Sprüche klopfender Depp, mit Anti-Hai- und Karussell-Gegendrehungs-Spray am Gürtel, an den Nagel hängen.

Nach einem derartigen Erfolg, war es nur eine Frage der Zeit, bis eine Fortsetzung anstand. Die kam 1992 und Tim Burton führte erneut Regie. Sofort fiel auf, dass der Produktion wesentlich mehr Geld zur Verfügung stand und dass Tim Burton wesentlich mehr Freiraum genießen durfte.
In „Batmans Rückkehr“ (selten dämlicher Titel eigentlich, denn das würde ja bedeuten, dass Batman Gotham verlassen hätte. Hat er wohl aber nicht...Egal...) wird Weihnachten gefeiert und zwar auf Gotham-Art. Das heißt, dass es in der dunklen Stadt ganz und gar nicht friedlich zu geht. Der Pinguin terrorisiert die Bürger und Batman muss sich obendrein noch mit Catwoman herumschlagen. Trotz der Starpower (Danny DeVito, Michelle Pfeiffer, Christopher Walken) und der enorm aufgestockten Ausstattung, konnte dieser Film nicht an den Erfolg des Vorgängers anknüpfen. Tim Burton hat zu sehr seinen eigenwilligen Stil einfließen lassen, was mir persönlich sehr gut gefällt, die breite Masse aber offensichtlich abgeschreckt hat. Die Welt war wohl einfach noch nicht bereit für die volle Ladung Burton.

Egal, was man über Burtons zweiten Batman-Film noch zu meckern hatte; das alles verstummte sofort, als Joel Schuhmacher 1995 das Ruder übernahm und einen schwer zu ertragenden „Batman Forever“ produzierte und dann noch mit einem unsäglichen „Batman & Robin“ nachlegte. Über diese beiden Filme möchte ich nichts sagen. Es lohnt nicht, sich in irgendeiner Form darüber aufzuregen, erst recht, weil es ja mittlerweile genug adäquaten Ersatz im Sektor Batman gibt, dass man die beiden Schuhmacher-Filme eigentlich endlich mal offiziell boykottieren könnte.
Für eine offizielle Facepalm reicht es aber auf jeden Fall schon jetzt.

Es gab also einige sehr unterschiedliche Lesarten der Figur Batman. Auch, wenn ich nicht mit allem einverstanden gewesen bin, finde ich es total interessant, wie sehr sich eine solche Figur verändern kann. Ich denke, das ist auch die Faszination, die Batman auf die Filmemacher dieser Welt ausübt. Christopher Nolan mag seine Trilogie – die, ganz nebenbei erwähnt, absolut unerreicht und großartig ist – beendet haben, aber „The Dark Knight Rises“ war keinesfalls der letzte Batman-Film. Man darf gespannt sein.

Batman (USA, 1989): R.: Tim Burton; D.: Jack Nicholson, Michael Keaton, Kim Basinger, u.a.; M.: Danny Elfman, Offizielle Homepage

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