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Donnerstag, 25. September 2014

Wish I Was Here

Zach Braff ist schon ganz schön cool. Da steht er nun und lächelt verschmitzt, spielt verlegen an seinem Bart herum, auf den er ziemlich stolz ist. Alles an diesem Typen stimmt. Zach Braff ist genau so, wie man sich das immer gewünscht hat, wenn man ihn in „Scrubs“ oder „Garden State“ gesehen hat. Irgendwie hat er nicht so richtig damit gerechnet, dass er in Deutschland so warm empfangen wird. Sein neuer Film ist nun tatsächlich fertig gestellt und hat in Deutschland einen Verleih gefunden, so dass „Wish I Was Here“ nun endlich im Kino laufen kann. Es war ein weiter Weg bis da hin. Kein Studio wollte den Film produzieren. So griff Zach Braff auf Kickstarter zurück und schaffte es, den Film zu finanzieren. Nach Fertigstellung wollte kein Verleih den Film in die Kinos bringen. So tourte Braff durch die Welt, um den Unterstützern den Film zu zeigen und gleichzeitig ein bisschen Werbung zu machen. Letzte Station war die Leipziger Filmkunstmesse und hier konnte das Fachpublikum direkt bewerten, ob „Wish I Was Here“ nach beinahe zehn Jahren Arbeit und der ganzen aufregenden Produktionsgeschichte obendrein auch noch ein sehenswerter Film geworden ist.

Aiden ist Familienvater und Schauspieler. Er lebt mit seinen zwei Kindern und seiner Frau in einem kleinen Haus. Die Kinder gehen auf ein jüdisches Internat. Seine Frau Sarah arbeitet in einer Bürfirma und schafft das Geld heran. Aiden hat schon lange keine Rolle mehr bekommen. Durch den Job seiner Frau und der finanziellen Unterstützung seines Vaters kann Aiden seinen Traum als Schauspieler leben und sich voll und ganz auf Castings und Bewerbungen konzentrieren. Eines Tages erfährt Aiden von seinem Vater, dass dieser schwer krank ist und nun den Rest seines Geldes für eine experimentelle Behandlungsmethode ausgeben will. Durch das fehlende Geld kann die Ausbildung der Kinder in dieser Form nicht mehr bezahlt werden. Aiden sieht nun zwei Möglichkeiten. Entweder er gibt seinen Traum auf, und nimmt sich einen Aushilfsjob, oder er übernimmt die Ausbildung seiner Kinder selbst. Eine dieser beiden Möglichkeiten hat eine Zukunft. Die andere nicht.

Zach Braff hat mit „Garden State“ vor zehn Jahren einen wundervollen, unfassbar rührenden und einprägsamen Film gemacht. Er lebte von einer echten Geschichte, skurrilen Figuren, absurden Situationen und einem ganz besonderen charmanten Humor. Vor allem aber gibt es unfassbar rührende Momente, ohne dass es in den Kitsch rutscht.
Genau diese Formel hat Zach Braff in der Serie „Scrubs“ schon etabliert. Gepaart mit einer sehr sorgfältigen und bewussten Soundtrackauswahl, ist hier ein sehr zugänglicher und typischer Stil entstanden, den man sofort mit Zach Braff in Verbindung bringt. Genau diesen Stil hat er nun konsequent weiter geführt und in seinem neuen Film gesteckt. Im Grunde ist es die gleiche Figur, nur eben zehn Jahre weiter. Diesmal muss er sich eben mit Problemen beschäftigen, die in diesem Alter auftauchen können. Wie erziehe ich meine Kinder? Wie gehe ich mit dem Tod um? Wie bekomme ich Zugang zu meinem Bruder? Wie kann ich meine Familie ernähren und gleichzeitig meinen Traum leben?
„Wish I Was Here“ thematisiert alltägliche Situationen und Probleme und schafft es dennoch, diese Themen zu etwas Besonderem werden zu lassen und durch gezielten Einsatz ganz bestimmter Bilder, einen entrückten, fast schon magischen Eindruck zu erwecken.
Dadurch entsteht obendrein eine unglaubliche Immersion, der man sich nicht entziehen kann. Man sitzt also im Kino, ist ab der ersten Minute regelrecht im Film, wird regelmäßig zum Lachen und Weinen gebracht und am Ende schnieft das ganze Kino vor lauter Rührung.
In solchen Momenten frage ich mich: Wie macht er das nur?

„Wish I Was Here“ ist die konsequente Weiterführung des Garden-State-Konzepts! Zach Braff gelingt in jeder Hinsicht der perfekte Mittelweg. Ja, es ist irgendwie ein zweiter „Garden State“, ohne aber ein Abklatsch oder Aufguss zu sein. Ja, es ist alles irgendwie rührend und wunderschön, ohne aber in den Kitsch ab zu rutschen. Am aller schönste ist aber der Gedanke, dass Zach Braff selbst glücklich ist, diese Geschichte erzählen zu dürfen. Ein durch und durch lieber Mensch, der nur an das Gute glaubt. Dieser Menschenschlag ist doch dieser Tag enorm selten geworden.

Wish I Was Here (USA, 2014): R.: Zach Braff; D.: Zach Braff, Kate Hudson, Josh Gad, u.a.; M.: Rob Simonsen; Offizielle Homepage

Kineast im Radio: Jeden Sonntag, 14 Uhr auf Radio Lotte Weimar.

Donnerstag, 20. September 2012

Filmkunstmesse Leipzig 2012


Die Filmkunstmesse in Leipzig ist die größte Fachmesse für Arthousekinos in Deutschland.
Die Messe bietet für Kinobetreiber und Verleihfirmen zahlreiche Seminare und Workshops, sich über Strategien bei der Vermarlktung von kleineren Filmproduktionen weiterzubilden.Zusätzlich kann man sich über neue Kinotechnik informieren. Die zunehmende Digitalisierung des Kinos stellt viele kleine Kinos vor das Problem, dass sie nicht wissen, wie das Ganze finanziert werden soll. Der wichtigste Teil der Messe aber sind die FIlme. Viele FIlme, die erst noch in den deutschen kinos anlaufen werden, erleben in Leipzig oft ihre Premieren und in zahlreichen Screenings hat man einfach schon mal die Möglichkeit, die Filme zu sehen und als Kinobetreiber zu entscheiden, ob man sie spielen will.
Und damit sind wir beim interessanten Teil der ganzen Veranstlatung.
Alles, was arthousetechnisch im nächsten halben Jahr auch nur ansatzweise interessant werden könnte, wird hier gezeigt.
So gibt es zum Beispiel die neuen Arbeiten von Francois Ozon und Oliver Stone zu sehen. Fathi Akim ist sogar selbst anwesend und hat seinen neuen Film im Gepäck.
Außerdem läuft die Neuverfilmung von Charles Dickens "Great Expectations" - mit Helena Bonham Carter und Ralph Fiennes - die bereits jetzt schon mit Preisen überhäuft wurde.
Es läuft "Die Jagd", der neue FIlm von Thomas Vinterberg.
Eröffnet wird die Messe von "Die Wand", ein atemberaubender und beeindruckender Solo-Auftritt von Martina Gedeck.
All das läuft und Jan muss draußen bleiben, der aus organisatorischen Gründen noch immer kein Badget um den Hals trägt. Aber das ist ein anderes Thema, über das sich an anderer Stelle mit hochrotem Kopf ereifert wird
Der neue FIlm von Martin MacDonagh steht auf dem Programm und heißt "Seven Psychopaths". Der "Brügge - sehen und sterben"-Regisseur schickt ein hochkarätiges Ensemble in eine turbulente Gangster-Komödie. Wir sehen Colin Farell, Sam Rockwell, Woody Harelson und Christopher Walken. Das Ganze istvöllig überzogen aber mit grandiosen Witzen und spritzigen Dialogen. Ein großer Spaß für Menschen mit einer leichten Affinität zu schwarzem Humor und ein Fest für alle Filmfans. Der Film ist nämlich vollgepackt mit skurillen Zitaten aus dem Actionkino der 70er Jahre.
Hatte ich erwähnt, dass Tom Waits auch mit spielt? Nein? Jetzt sei es erwähnt. Obwohl das eigentlich nicht nötig gewesen wäre. Bei einem Film von MacDonagh, der "Seven Psychopaths" heißt, ist doch eigentlich klar, dass Tom Waits einer von ihnen ist.

Einen ganz anderen Ton schlägt "Lore" an.
Die australische Regisseurin Cate Shortland tut das, was sich offenbar kein deutscher Regisseur traut. Sie präsentiert die filmische Aufarbeitung der unmittelbaren Nachkriegszeit in Deutschland. Lore ist die Tochter eines hochrangigen Nazigenerals. Als die Eltern von den Alliierten abgeholt werden, schnappt sich Lore ihre vier Geschiwster und flieht. Auf dem Weg zur Großmutter quer durch das zerstörte Land, wird Lore mit großen zweifeln an ihrer bisher unerschütterten Überzeugung konfrontiert. Der Film gewährt einen verstörenden Blick auf eine Zeit, über die wir eigentlich gar nicht zu genau bescheid wissen wollen. Auch, wenn viele Dinge nur angedeutet werden, muss man mit Lore schreckliche Dinge durchleben. Selbst Shortland war das wohl alles etwas zu hart, denn sie weicht das ganze ab und zu mit fiebrigen und kunstvollen Einsprengseln auf, die den Zuschauer zwar etwas schonen, aber irgendwie deplatziert wirken. Dennoch ist "Lore" ein sehr beeindruckender Film mit nicht minder beeindruckenden Nachwuchsschauspielern.
Soweit ein kleiner Einblick in die unglaublich große Liste an Filmen, die in diesem Jahr in Leipzig präsentiert wurden.

Auch in ihrer zwölften Ausgabe hat die FIlmkunstmesse in Leipzig wieder gezeigt, wie viel Potential der gesamte Arthouse-Sektor birgt. Überraschendes, Beeindruckendes und viele kleine Filmperlen, die im nächsten halben Jahr laufen werden, lassen das Filmherz höher schlagen und mich regelrecht frohlockend in den kalten winter starten.
Das wird ein Fest...

"Seven Psychopaths" wird in Deutschland, vorraussichtlich unter dem Titel "Sieben Psychos", am 6. Dezember 2012 starten.
"Lore" startet am 1. November 2012. Der Film hat schon jetzt diverse Preise erhalten, unter anderem den Publikumspreis von Locarno. "Lore" wurde außerdem für die Oscars zur Nominierung eingereicht.

Donnerstag, 9. Februar 2012

Drive

In den 60er und 70er Jahren hatten die Produzenten irgendwie weniger Scheu, wenn es um Actionfilme ging. Sie waren schmerzloser, was schlechten Geschmack anging. Die Action musste stimmen und alles andere würde sich schon ergeben. So entstanden so kompromisslos konsequente Figuren, wie Dirty Harry oder Bullit. Gerade Steve McQueen, der nun mal Rennfahrer gewesen ist, und diesen Umstand einfach immer und in jedem seiner Filme unterbringen wollte, kreierte einen neuen Stil. Der Fokus lag auf den Verfolgungsjagden. Der Held musste also Auto fahren können. Alle anderen Charaktereigenschaften waren nebensächlich, wodurch der schweigsame und geheimnisvolle Actionheld geboren wurde. Oft kopiert und nachgemacht, verkam diese Figur immer mehr zum Vollpfosten und die Magie ging verloren. Jetzt ist die Magie wieder da. Mit Nicolas Winding Refn und „Drive“.

Los Angeles. Es ist Nacht. Die Stadt schläft nicht, sie erwacht. Der namenlose Held sieht aus dem Fenster und telefoniert. Mit klaren Worten macht er seine Grundsätze klar und stellt seine Regeln auf. In fünf Minuten kann viel passieren und egal, was auch geschieht: Er ist dein Mann, wenn du einen Job für ihn hast, der irgendwas mit Autos zu tun hat.
Er ist der zuverlässigste Autofahrer, den man sich vorstellen kann. Er ist Stuntfahrer und Mechaniker und nachts ist er Fluchtwagenfahrer. Die Aufträge verschafft ihm sein Kumpel Shannon, der demnächst auch beim Autorennen mit Hilfe des Drivers gewinnen will. Zu diesem Zweck muss er sich viel Geld borgen. Das bekommt er beim Gangsterboss Bernie Rose. Der ist dafür bekannt, dass er im Falle eines Fehlschlags nicht nur sein Geld wieder haben will.
Die Nachbarin des Drivers hat indes einen Ehemann, der große Probleme mit einem anderen Gangster hat. Er soll in dessen Auftrag einen Laden überfallen. Da die hübsche Irene es dem Driver angetan hat, entschließt er sich, ihrem Mann bei dem gefährlichen Unterfangen zu helfen. Mit ungeahnten Folgen.

Eigentlich ist es unmöglich, zu beschreiben, was an „Drive“ so besonders ist. Wenn man im Kino sitzt, merkt man es aber ab der ersten Minute. Es könnte an der treibenden Musik liegen, die stets im Hintergrund wabert. Es sind einige sehr coole Pop-Songs verwendet worden, die sich nahtlos zu der komponierten Tracks von Cliff Martinez gesellen. Die Musik sei hier nur deshalb als erstes erwähnt, weil sie dem Zuschauer als erstes auffällt. Als nächstes fällt einem das absolut brillante Bild auf. Es ist gestochen scharf und die Kamera wird präzise geführt. Da wackelt nichts und da verwischt nichts. Die Farben im Film stechen dadurch um so mehr hervor. Sämtliche Bilder und Fahrten sind sorgfältig vorbereitet und so wird der visuelle Rahmen des Films enorm elegant und anmutig. Die Actionsequenzen funktionieren ähnlich. Man sieht große Teile der Verfolgunsgsjagden aus der Schulterperspektive des Fahrers. Eben weil alles so präzise inszeniert ist, geht einem trotz dieser Perspektive nichts verloren und man bekommt alles mit. Die Action ist komplett handgemacht und wirkt deshalb nie übertrieben oder unrealistisch. Wohl dosiert und platziert gewinnen die Actionszenen so viel ästhetische Bedeutung, dass selbst ein John Woo neidisch werden könnte.
Die sinnlichen Actionszenen werden abgelöst von super brutalen Kampfszenen, die dem bisher lupenreinen Helden des Films eine neue Note der Unberechenbarkeit geben.
Die Story ist simpel, dafür aber um so klarer konstruiert. Die Figuren sind ebenso klar und entsprechen typischen Charakteren von klassischen Gangstergeschichten.
All das erschließt sich in den ersten zehn Minuten und dann wird es großartig.

„Drive“ ist für mich einer der interessantesten Filme der letzten Jahre. Einfach alles an diesem Film stimmt und wurde richtig gemacht. Selten wurden meine Erwartungen an einem Film derartig erfüllt und übertroffen. Noch nie hat mich ein Film durchweg so begeistert, wie „Drive“.
Es ist nicht einfach nur die Wiederbelebung eines Filmgenres. Man kann es nicht einfach in die Schublade Film-Neo-Noir, oder was auch immer stecken. Es ist alles neu und großartig und sollte von absolut jedem Filmfan gesehen und begutachtet werden.

Drive (USA, 2011): R.: Nicolas Winding Refn; D.: Ryan Gosling, Carey Mulligan, Ron Perlman, u.a.; Offizielle Homepage

In Weimar: lichthaus

Der Filmblog zum Hören: Jeden Donnerstaag, zwischen 12:00 und 13:00 Uhr auf Radio Lotte Weimar.

Freitag, 23. September 2011

Filmkunstmesse Leipzig - Donnerstag



Der letzte Abend in Leipzig. Morgen geht es wieder nach Hause. Auch, wenn die Filmkunstmesse für mich nicht ganz so gelaufen ist, wie ich es mir vorgestellt hatte, war es eine schöne Woche und ich habe einige hochinteressante Filme sehen können. Zeit für ein kleines Resumé.
Das Highlight für mich war auf jeden Fall „Melancholia“ (*), was man ja bereits gestern an einem leicht verzückten Tonfall bemerkt haben dürfte. Auch der Eröffnungsfilm „Habemus Papam“ war eine angenehme Überraschung. Das ist sowieso das, was am meisten Spaß macht. Man bekommt gute Filme zu sehen, die man überhaupt nicht auf dem Zettel hatte und sie machen Spaß. Insgesamt hinterlässt die Organisation des Festivals leider einen leicht fahlen Nachgeschmack. All diese Veranstaltungen, zu denen man als akkreditiertes Mitglied der Presse nur halb oder gar keinen Zutritt hatte machen keinen besonders guten Eindruck. Natürlich muss man anmerken, dass es sich um eine Fachmesse für die Branche handelt. Aber wenn man sich entscheidet, diese Messe zu öffnen, dann doch bitte richtig. Leipzig ist ein guter Standort und die Filmauswahl ist hervorragend. Es wäre schade, wenn dieses Potential verschenkt werden würde und ich hoffe sehr, dass die Filmkunstmesse in den nächsten Ausgaben offener wird, und so auch die Möglichkeit erhält, zu wachsen.

19:45 Uhr



Bei der Vorstellung der Programmkinostudie 2011 wurde immer wieder der deutsche Film erwähnt, und wie wertvoll Programmkinos für den deutschen Film wären. Also suche ich mir für heute einen entsprechenden Film aus. In der Schauburg wird der neue Film von „Friendship!“ - Regisseur Markus Goller gezeigt.
„Eine ganz heiße Nummer“ ist der Titel und er spielt in einem kleinen bayrischen Dorf. Hier hat die Finanzkrise zugeschlagen und die Glashütte des Ortes muss geschlossen werden, so dass viele Einwohner ihren Job verlieren. Aber auch der ansässige Lebensmittelladen hat zu kämpfen, denn die Einwohner fahren lieber zum nächsten Supermarkt, weil es dort natürlich billiger ist. Die drei Damen des Ladens, Waltraud, Maria und Lena versuchen nach Kräften, den Laden zu halten, doch da flattert ein Brief von der Bank ins Haus. Der Kredit wird gekündigt und sie müssen sehr schnell sehr viel Geld auftreiben. Maria wird indes ständig von einem obszönen Anrufer belästigt und da kommt ihr eine Idee, mit der die anderen beiden zunächst gar nicht einverstanden sind und von der das Dorf natürlich auch absolut nie etwas erfahren darf, schon gar nicht, da sich der Dekan zum Besuch angekündigt hat.

Der Film funktioniert nach dem gleichen Prinzip, wie schon „Sommer in Orange“ oder „Kalender Girls“ und lebt vor allem von den starken Kontrasten, die natürlich zahlreiche skurrile und komische Situationen provozieren. Das ganze in enorm ausgeprägter bayrischer Mundart, ergibt eine lockere Komödie, die zu unterhalten versteht. Schön ist, dass man Gisela Schneeberger wieder sieht, die ich zu Letzt in Gerhard Polts „Man spricht Deutsh“ erlebt habe und der diese Rolle wie auf den Leib geschneidert ist, Lustig sind auch die ersten Gehversuche als Telefonistinnen, die vor allem durch den Dialekt enorm großen Spaß machen. Auch, wenn der Film nicht die gleiche Intensität und Rafinesse, wie seinerzeit „Friendship“ erreicht, ist er eine liebenswerte kleine Komödie geworden, die ganz frech an den Stellen weiter geht, vor denen „Sommer in Orange“ ganz brav halt gemacht hat.
„Eine ganz heiße Nummer“ läuft ab dem 27. Oktober in den Kinos und ist – wie sollte es auch anders sein – sehr zu empfehlen.
Nett war außerdem, dass Regisseur Markus Goller selbst anwesend war, sich den Film mit dem Publikum zusammen angesehen hat und anschließend sehr sympathisch Fragen beantwortet hat. So kam dann doch am letzten Abend noch einmal richtiges Festivalfeeling auf.

Das war es von der Filmkunstmesse in diesem Jahr. Auf dem Blog wird es noch ein bisschen weiter gehen und all die Filme, die jetzt in aller Kürze besprochen wurden, begegnen uns natürlich wieder.

Eine ganz heiße Nummer (D, 2011): R.: Markus Goller; D.: Gisela Schneeberger, Bettina Mittendorfer, Rosalie Tomass, u.a.; M.: Peter Horn u,a,; Offizielle Homepage

Kineast On Air: Jeden Donnerstag, 12:25 Uhr auf Radio Lotte Weimar.

(*) Freitag Vormittag durfte ich noch unverhofft „Drive“ sehen. Die Sache mit dem Highlight ist also nicht mehr ganz so eindeutig. Dazu dann später mehr...

Donnerstag, 22. September 2011

Filmkunstmesse Leipzig - Mittwoch

12:00 Uhr

Der dritte Tag in Leipzig verwöhnt wieder mit perfektem spätsommerlichen Wetter und das motiviert. Auf einen dezenten Hinweis eines Hörers hin werden die letzten Kleinigkeiten an der Technik gefixt, so dass diese kurz vor Toresschluss dann endlich so funktioniert, wie sie soll.

17:00 Uhr

Per Mail flattert eine Einladung herein. Der Vorstand der Filmförderungsanstalt – kurz FFA – stellt die Programmkinostudie 2011 vor. Hier wird in Statistiken und Zahlen dargelegt, wie viele Programmkinos es in Deutschland gibt, wie viele Arthousefilme im Jahr in entsprechenden Kinos laufen, wie viele Zuschauer in Arthousefilme und -kinos gehen, wie alt diese Zuschauer sind, wie viel sie im Kino essen und trinken, und und und... Enorm viele Zahlen, die insgesamt ein sehr interessantes Bild ergeben, nämlich, dass es Programmkinos vorwiegend in großen Städten gibt, dass der Marktanteil insgesamt in diesem Jahr ein bisschen zurück gegangen ist, dass Kunstfilme, oder eben Arthousefilme ihre größten Erfolge in reinen Programmkinos erzielen, und dass es trotz einer zunehmenden Digitalisierung des Kinos – nicht zu Letzt durch 3D – es vor allem die Filme sind, die auf derartige technische Spielerein verzichten, die von den meisten Zuschauern am besten bewertet werden. Im Zusammenhang damit, ruft der Veranstalter der Filmkunstmesse Leipzig, die AG Kino, übrigens zu einem Umrüstungsstopp in allen Mitgliedstheatern auf. Der Grund hierfür ist, dass einige Verleihfirmen in letzter Zeit gerne Kinos vernachlässigt haben, die noch nicht über digitale Ausrüstung verfügen, sich nun aber immer noch weigern, die anfallenden Umrüstungskosten für die Lichtspielhäuser zumindest teilweise zu tragen. Die Ergebnisse der Studie und alle Zahlen und Statistiken einzeln abrufbar, findet ihr hier.

20:30 Uhr

Foyer Schauburg

Wie gestern angekündigt, mache ich mich auf den Weg, um mir „Melancholia“ anzusehen. Auch, wenn mir von Triers letzter Film „Antichrist“ nicht gefallen hat, kam ich nicht umhin, mich vom Hype um sein neues Werk anstecken zu lassen. Der letzte Trailer versprach unglaublich tolle Bilder und sofort musste ich an „Tree Of Life“ denken. Also auf zur Schauburg, ein weiteres sehr sympathisches Kino in Leipzig. Hier erwartet mich eine große Menschenmenge, die sich um den Eingang und die Kasse des Kinos drängt. Offensichtlich wollen all diese Menschen in den gleichen Film. Es heißt Schlangestehen und dann heißt es „Wir sind voll“. Resigniert will ich schon gehen, da verkündet jemand das unerwartete Auftauchen weiterer sechs Tickets. Unglaubliche Szenen spielen sich ab, die nicht weiter vertieft werden müssen. Fakt ist: Ich bin der letzte Mensch, der in den Saal eingelassen wird und noch während ich meinen Platz in der ersten Reihe suche, starrt mich Kirsten Dunst in Supra-Zeitlupe an und dazu erklingt das Tristan-Thema von Richard Wagner. Und dann geht es los und hört erst nach zwei Stunden auf. An dieser Stelle will ich gar nicht mehr verraten, denn irgendwie braucht der Film auch noch eine Weile, um sich zu setzen. Nur so viel: Es ist ein beeindruckender Film und Lars von Trier hat sein Talent für das Tragische und für das Kreieren einprägsamer Bilder weder verloren noch neu erfunden. Kirsten Dunst liefert eine sehr beeindruckende Leistung ab, die nicht umsonst mit der Palme D'or des Cannes honoriert wurde.

Im Schaukasten: Melancholia

All zu lange muss das Publikum nicht mehr warten, denn „Melancholia“ startet am 6. Oktober auch in Weimar und spätestens dann wird es hier einen ausführlichen Beitrag dazu geben. Um im Tonus der letzten Tage zu bleiben: Es wird dringend empfohlen, den Film zu sehen
Morgen stehen einige Filme auf dem Programm, deren Titel mir noch nicht viel sagen, und ich weiß noch nicht, für welchen ich mich entscheiden werde. Einfach überraschen lassen.

Melancholia (DK, S, GB, 2011): R.: Lars von Trier; D.: Kirsten Dunst, Charlotte Gainsbourg, Kiefer Sutherland, John Hurt, u.a.; Offizielle Homepage

Der Nächste Kineast: Freitag, irgendwann zwischen 10:00 und 13:00 Uhr, auf Radio Lotte Weimar

Dienstag, 20. September 2011

Filmkunstmesse Leipzig: Montag


16:00 Uhr

Nachdem die Anreise souverän absolviert ist, und an der Pressestelle das sogenannte Badget abgeholt ist, wird zunächst das Programm studiert. Erste große Ernüchterung: Zu den meisten Vorführungen hat die Presse keinen Zutritt. All die viel versprechenden Titel und Filme, auf die ich mich eigentlich am meisten gefreut habe, sind den Branchenbesuchern – also Kinobetreibern und Vertretern von Filmverleihen vorbehalten. Hier wird ganz gut deutlich, welche Ursprünge dieses Festival hat. Eigentlich nur als Fachmesse gedacht, sprach sich die Veranstaltung immer mehr herum und wurde nun auch für Publikum und Presse geöffnet. Ein paar Perlen sind dann doch dabei: So wird unter anderem die diesjährige Überraschung aus Großbritannien „Tyrannosour“ gespielt und das Außenseiterprojekt „This Must Be The Place“ mit Sean Penn, welches schon jetzt viel zu viel Berühmtheit für diesen Status erlangt hat. Wen wundert's? Es geht um Rock'n'Roll!

20:00 Uhr

Vom Schaukasten abfotografiert: Habemus Papam

Nach der ersten Aufregung und der ersten Beruhigung widme ich mich dem Eröffnungsfilm. Ein Titel, von dem ich vorher noch nichts gehört hatte, den man sich allerdings merken sollte, bis er in Deutschland demnächst startet. „Habemus Papam“ heißt er, hat einen etwas unglücklichen deutschen Titel bekommen und bildet das neue Werk des gefeierten italienischen Regisseurs Nanni Moretti. Es geht um Kardinal Melville, der nach dem Tod des Papstes zu dessen Nachfolger gewählt wird. Also eigentlich wurde er ja von Gott erkoren, dieses ehrenvolle, höchste Amt ausüben zu dürfen. Allerdings ist Melville ein sehr sensibler Mensch, der lieber in den Tag hinein lebt und Gott auf seine liebenswerte Art dient. Er ist mit dieser Aufgabe völlig überfordert und weigert sich schlicht, seine Pflichten als neuer Pontifex zu erfüllen. Der Vatikan ist völlig ratlos und lässt einen Psychologen kommen, da ist der heilige Vater allerdings schon ausgebüxt. Dieser Film wurde in Italien ein absoluter Überraschungserfolg und selbst viele Wochen nach Kinostart, werden die Schlangen an den Kinokassen nicht kürzer. Grund hierfür ist wohl, dass einschlägige, katholische Zeitungen des Landes den Film verrissenen und behaupteten, er würde ihre Religion beleidigen. Die Wogen versuchte Radio Vatikan zu glätten, indem verlautbart wurde, der Film wäre sehr menschlich und würde das Amt des Papstes keinesfalls ins Lächerliche ziehen. Dem kann ich nur zustimmen. Mit sehr schlichten Bildern werden viele fremdartig anmutende Szenen dargestellt, etwa die Wahl des Papstes, welche ja stets unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt findet, oder eine skurrile Volleyball-Meisterschaft im Hof der Sixtinischen Kapelle. Melville wird sehr gekonnt und gründlich von Hauptdarsteller Michel Piccoli verkörpert und all das, was den Film eigentlich zur Komödie machen sollte wirkt einfach nur schön und so, als habe man an etwas besonderem Teil.
„Habemus Papam“ ist ein kleiner Film, der sich einer faszinierenden Thematik widmet und das Kunststück vollbringt, den Quasigott Papst, zu dem zu machen, was er eigentlich ist: Ein Mensch. Der Film hat in Deutschland am 13. Dezember Bundesstart und wird hiermit ausdrücklich empfohlen.

Passagenkino Leipzig

3:34 Uhr...

Nach stundenlangen Kämpfen mit der mitgebrachten Technik ist der Radiobeitrag für Dienstag endlich fertig. Das Ergebnis ist nicht besonders befriedigend, denn das eingebaute Laptopmikrofon bietet nicht die gewünschte Klangqualität. Morgen ist auch noch ein Tag und der verspricht hoffentlich zumindest den Sieg über die Technik. Drückt die Daumen!

Habemus Papam (I, 2011):R.: Nanni Moretti; D.: Michel Piccoli, Jerzy Stuhr, Nanni Moretti, u.a.; M.: Franco Piersanti; Offizielle Homepage.

Der nächste Kineast im Radio: 21.09.2011 um 11:35 Uhr auf Radio Lotte Weimar.

Dienstag, 6. September 2011

Kineast bei der Filmkunstmesse Leipzig 2011


Vom 19. bis zum 23. September findet in Leipzig die 11. Filmkunstmesse statt, ein festival, welches sich wachsender Beliebtheit sowohl bei Fachbesuchern, wie auch dem öffentlichen Publikum erfreut. Ich werde da sein und mir das ganze Theater mal ansehen. Neben zahlreichen Filmen, deren Titel ich noch nie vorher gehört habe, die aber allesamt interessant zu werden versprechen, freue ich mich schon jetzt auf einige Filme besonders. Es wird unter anderem der neue David Cronenberg ("A Dangerous Method"), wie auch der diesjährige Cannes-Regiepreis-Gewinner "Drive" gezeigt.

Hier wird es jeden Tag eine Art Live-Ticker geben, der die Impressionen der Messe und erste Eindrücke von den gesehenen Filmen nach lesen lässt.
Ich freu mich wie ein Honigkuchenpferd und es werden ein paar schöne Tage im schönen Leipzig werden.

Los geht's dann ab Montag (19.09.) Nachmittag.
Bis spätestens da hin.